Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 49 (10.12.1915)
- Date
- 1915-12-10
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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Nr. 49 Dr. Bloch's Wochenschrift Sette 911 stand ein Ehrengrab gewidmet. In der Leichenhalle würdigte Herr Kantor und Sekretär Braunseld die Verdienste des Verewigten und sprach ihm im Aufträge!des Vorstandes den Dank der Kultusgemeinde aus. Im Namen der Chewra-Kadischa widmete das Vorstandsmitglied Herr Leopold Meiset den langjährigen Vize- Präses einen tiefempfundenen Nachruf, wobei er die besondere Güte und Fürsorge in der durch Dolle dreißig Jahre ^geübten Krankenpflege des Verewigten hervorhob. Die kantorale Funktion versah Herr Kantor I. Michalovsky in würdiger Weise. Nicht unerwähnt soll es bleiben, daß Herr Weinreb ein.Gönner des hiesigen Frauenvereines war. diesem Vereine viele ^nützliche Dienste geleistet hat. wofür ihm die Präsidentin Frau Johanna Beer hiermit öftentlich Dank sagt. B. Feuilleton. Gitter der Heide« aus der Schlacht bei Uovara. Joses Mandel ist im Jahre 1824 in Mähr.-Ostrau geboren mtb 1885 als k. k. Telegraphenoffizial zu Wien gestorben. Als Zugssührer machte er die Feldzüge gegen Italien unter Radetzky im Jahre 1848 und 1849 mit. In der Schlacht bei Novara, als der führende Hauptmann seiner Kompagnie bereits gefallen war, stellte er sich selbst in entscheidender Minute an die Spitze derselben und führte sie, selbst bereits verwultdet, zum siegreichen Sturm. Noch am Abend des glorreichen 23. März 1848 heftete ihm Radetzky selbst die große silberne Tapferkeitsnredaille an die Brust. Papst Pius IX., welcher damals inl Exil in Gaeta weilte und uirser Verbündeter war (wir kämpften gemeinsant mit dem Kirchenstaat), empfing nach den siegreichen Schlachten eine Abordnung unserer tapfersten, dekorierten Soldaten, darunter als einzigen Juden Josef M a n d e l. und erhielten dieselben alle die päpstliche Verdienstmedaille vom Papst persönlich angeheftet. Joses Mandel wurde dann k. k.Telegraphenbeamter und rveilte im Jahre 1859 in der damals österreichischen Stadt Conto als Chef des dortigen Telegraphenbureaus. Als die Stadt Como von Garibaldi bedroht wurde, hatte Josef Mandel gerade wichtige Depeschen für den österreichischen General Urban erhalten. Er schnitt Spalten in die Sohlen seiner Stiefel, versteckte darin die De-! peschen, welche über unsere Stellungen Aufklärungen enthielten, legte so zu Fuß eine meilenweite Strecke zurück und es gelang ihm, die Depeschen dem General persönlich zu übergeben. Kaum hatte er dies vollbracht, als er am Retourweg einer Truppe Garibaldianer in die Hände fiel. Er wurde vor Garibaldi gebracht und von demselben verhört, da er aber absolut nichts verraten wollte (als Telegraphenbeamter aber sehr viel wissen mußte), wurde ihm gleich von Garibaldi selbst das Todesurteil verkündet. Bange vierzehn Tage lag er nun im Kerker, jede Minute des Todes gewärtig und doch bis zum letzten Atemzuge szum Schweigen entschlossen. Die Judengemeinde der Stadt Como nahm Audienz bei Garibaldi und es gelang ihr in Letzter Minute, Josef Mandel gegen einen italienischen Staatsbeamten, der in unserer' Gefangenschaft war, auszutauschen. Für sein todesmutiges Verhalten erhielt Mandel damals das goldene Verdienstkreuz mit der Krone. Josef Mandel wurde dann nach Miramare als Leiter des dortigen' Telegraphenbureaus des Kaisers Maximilian von Mexiko kommandiert und war einer der wenigen, der den von Kaiser Max gestifteten Guadelup- Orden erhielt. Bevor der Hofstaat nach der Tragödie von Queretaro aufgelöst wurde, war seine letzte traurige Aufgabe im schönen Miramare, der unglücklichen, bereits dem Wahnsinn verfallenden Kaiserin Charlotte täglich Telegramme zu fälschen und zu überreichen, d« Grüße und gute Nachrichten von dem leider bereits toten unglücklichen Kaiser Maximilian enthielten. Eine Enkelin dieses Helden ist Frau kais. Rat Hermine Krüger, die vom Roten Kreuz mit dem Ehrenzeichen zweiter Klasse mit der Kriegsdekoration ausge-, zeichnet wurde, und um die Pflege der verwunderen Krieger im Vereinsreservespital Nr. 11 sich hohe Verdienste erworben hat. Wan« haben die Aude« zuerst am Sabbat gedampft? Das Gebot der Bibel, den Sabbat durch völlige Ruhe zu heiligen und sich jeglicher Arbeit an diesem Tage zu enthalten, führte in der ältesten Feit dazu, daß unsere Vorfahren am Sabbat auch nicht zu den Waffen griffen und lieber wehrlos sich dem Tode durch Feindeshand Preisgaben, als durch ihre Verteidigung den Sabbat zu entweihen. Diesen Umstand machten sich zur Feit der Kämpfe der Makkabäer die Syr.er zunutze. Da aber, wenn die Juden weiter widerstandslos am Sabbat den Tod erduldet Hütten, gerade das Fiel, für das sie zu den Waffen gegriffen hatten, nämlich die Freiheit und Erhaltung der Religion der Väter, nie Hütte erreicht werden können, so beschlossen damals die Führer des Volkes, fortan sich auch am Sabbat ihres Lebens zu wehren. Die Makkabüerbücher gehen über diesen bedeutsamen Entschluß mit kurzen Worten hinweg, ausführlicher verbreitet sich hieriiber Josephus, der in seinen „Altertümern". 12. 6. hierüber folgendes berichtet: „Die Lyrer griffen l die Juden) an einem Sabbat an und verbrannten sie in ihren Höhlen, 'ohne daß sie Widerstand geleistet oder auch nur die Eingänge versperrt hätten. Sie enthielten sich nämlich wegen des Ruhetages jeder körperlichen Tätigkeit und wollten den Sabbat selbst in ihrer gefahrvollen L age nicht entheiligen, da xrns an diesem Tage die strengste Ruhe geboten ist. So wurden sie also samt Weib und Kind in den Höhlen erstickt, im ganzen gegen tausend Menschen. Doch gelang es auch vielen zu entkommet!: diese schlossen sich an Mathathias an und erwählten ihn zu ihrem Anführer. MathathiaS belehrte sie nun zunächst, daß sie auch am Sabbat kämpfen müßten. Denn wenn sie auch in diesem Punkte so streng am Gesetz festhalten wollten, würden sie sich selbst den größten Schaden zufügen, weil die Feinde sie nun stets an diesem Tage angreifen würden, an dem sie sich nicht wehren könnten, und dann müßten sie alle samt und sonders ihr Leben lassen. Das leuchtete ihnen ein, und so kommt es, daß bis heute bei uns die Sitte besteht^ auch am Sabbat zu kämpfen, falls es erforderlich ist." — Josephus berichtet denn auch in der Tat noch an einer anderen Stelle seines erwähnten Werkes (18, 9> von einem am Sabbat ausgefochtenen Kampfe. Uw den Beginn der jetzigen Zeitrechnung hatten zwei jüdische Jünglinge in Nehardea am Euphrat, Asinai und Anilai, die ihrem Lehrherrn, einem Webermeister, entlaufen waren, einen Raubstaat gegründet und eine solche Macht erlangt, daß der babylonische Katrap sich veranlaßt sah, gegen sie zu Felde zu ziehen. Geben wir auch hier wieder unserem Geschichtsschreiber das Wort. „Am folgenden Tage aber, einem Sabbat, an dem die Juden sich jeglicher Arbeit enthalten, rückte er (der babylonische Feldherr), da er glaubte, der Feind werde sich» wegen des Sabbats auf keinen Kampf einlassen, sondern sich ohne Schwertstreich gefangen geben, langsam vor, um denselben unversehens zu überfallen." Asinai aber, der Verdacht geschöpft harte, erhielt durch von ihm ausgesandte Kundschafter Nachricht von dein geplanten lieber-