Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 49 (10.12.1915)
- Date
- 1915-12-10
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 904 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 49 steihr verschieden, die Ende der sechziger und in den siebziger Jahren durch ihren literarischen und musikalischen Salon zu den bekanntesten, sogar in einem Roman des Verfassers von „Rosenkranz und Güldenstern" verwendeten Figuren der Großstadt gehörte, bei deren musikalischen Veranstaltungen sie bis in ihre letzten Lebensjahre nicht fehlen durfte. Sie selbst, als Berlinerin (geborene Falk» mit einer damals in Oesterreich seltenen Bildung ausgestattet, war die Seele des Hauses, das in den von Ferstel geschaffenen Prachträumen sowohl erlesene kulinarische als geistige Genüsse bot. Mer auch außerhalb ihrer großen Soiree empfing Frau v. Wallenstein täglich in ihrem Boudoir Gäste, welcher kleine Raum ein förmlicher Beichtstuhl für die Geheimnisse weiter Gesellschaftskreise wurde und in dem wir alle, welche das Glück hatten, dieser seltenen Frau näher zu treten, künstlerische oder Liebes-, materielle und berufliche Schmerzeit niederlegten, für alles wußte die diskrete und welterfahrene Frau, die selbst viel Leid erfahren hatte, Rat oder Trost, wie sie namentlich für die Stimmbildung junger Sängerinnen ein merkwürdig geschärftes Ohr harte. Trotzdem die vornehmsten christlichen Kreise bei ihr verkehrten, ist sie eine gute Jüdin geblieben und hat, wie Herr Rabbiner Dr. Bach irr seiner Trauerrede hervorhob, diese Gesinnung auch ihrem einzigen Sohne, Dr. Gustav Weiß von Wallen stein, trotz seiner sozialen Stellung zu vererben gewußt. Bei dem Begräbnis waren außer den Mitgliedern der Familie (Frau Anna Feinberg, Dr. Gustav v. Weiß und Frau, Herr Georg Weiß, Bankier Arthur Klein mit Familie, Generalswitwe Falk und änderet zahlreiche Freunde anwesend, so die Kultusvorsteher Salo Cohn und Karl L e m b e r g e r, Kammervirtuose Alfred Grünfeld, die Mitglieder der Familien Weiß v. W e i ß e n h a l l, Julius S ch w a r z, Ignaz Brüll und Strisower Börsenrat Stein hübl, Frau Lina Hell m a n n, Dr. Oskar Bon d y, Frau Direktor Ul mann und Dr. Melanie Rie, sowie Frau kais. Rat S ch ü tz für den Mädchen-ftnrcrstützungsverein, dem die einzige Tochter der Vereinigten als Vorsteherin angehört, Frau Clotilde Benedikt für den „Fraucnhort", sowie zahlreiche Vertreter der Kunstwelt und Arnold R a p v a p o r t v. P o r a d a. C. B. Zur Abstammung des enrrr. Fürst-Erzbischofs von Oluintz Dr. Theodor Kohn. In der jüdischen Gemeinde Werban (Bcrbo) in West- Ungarn gehörte im 18. Jahrhundert die Familie des A b r a h a m S ch e m u e l H a k o h e n zu der angesehensten; er gehörte zu den Führern der Gemeinde, zu deren Lasten er am meisten beitrug; auch der wichtigste Verein, die Chewra-Kadischa, zählt ihn zu ihren Gründern; er heiratete 1745 Chanah, Tochter des Abraham, und stiftete bei dieser Gelegenheit einen heute noch existierenden Synagogenvorhang. Nach seinem 1769 erfolgten Tode war von seinen Söhnen^ (insbesondere I e h u d a h L o e b H a k o h e n der Erbe seiner Würden und Nachfolger seiner segensreichen Tätigkeit. Von dessen Söhnen leben noch heute zahlreiche Nachkommen in West-Ungarn, seine Tochter Marie, verheiratet mir Marcus Di - am aut, ist die Großmutter des Wiener Hof- und Gerichtsadvokaten D r. M a x D i a m a n t. Fürst-Erzbischof Dr. K o h n stammt von einem Bruder des Jehudah Loeb Cohen ab, der nach Mähren auswanderte; dieser Zweig der Familie widmete sich, nachdem sie infolge unglücklicher Zufälle verarmt war, der Landwirrschaft und trat teilweise zum Christentum über. Die Stammreihe der Familie — beglaubigt durch die noch gut erhaltenen Grabinschriften — reicht bis auf Lewi Hakohen, der Ende des 17. Jahrhunderts lebte und wahrscheinlich ein Nachkomme jenes R. Josef H a k o h e n war, der 1683 bei der Zerstörung Ungar.-Brods durch die Kuruzenhorden des ungarischen Aufrührers Graf Emmerich Tököly heldenmütig sein Ende fand. (Dav. Kaufmann, Die Verheerung von Ungar.-Brod, und Frankl-Grün, Geschichte der Juden in Ungar.-Brod.) Militär-Feier. Prag. Am 2. Dez., anÄßlich des Chanulkafestes und des 67. Regierungsjubiläums Sr. Apoftol. Majestät unseres vielgeliebten Kaisers und Königs Franz Josef I., fand, veranstaltet von der k. u. k. israelitischen Militärseelsorge zu Prag, in Verbindung mit dem löblichen jüdischen Frauenvereine Prag, im Saale der Produktenbörse eine Chanukkafeier, verbunden mit einer Kriegsfestjause für die israelitische Mannschaft der Garnison Prag, statt. Der Zweck dieser Veranstaltung wurde durch einen vom k. u. k. Feldrabbiner Phil.-Dr. Hirsch berger verfaßten, dem löblichen jüdischen Frauenvereine gewidmeten Prolog erläutert. Hieraus folgte die religiöse Feier. Daran schlossen sich die ausgezeichneten Kläviervorträge der anerkannten Pianistin Fr. Henriette M i l d n e r, die schönen Liedergaben der Fr. Zenker, die Rezitationen der Fr. Dr. Elsa Bergmann, des Herrn Jan B r d I i k, begleitet von Herrn Kapellmeister W a I l e r st e i n u. v. a., die den lebhaftesten Beifall fanden. So haben sämtliche Künstler in selbstloser und dankenswerter Weise durch ihre Kräfte zunr Gelingen der Veranstaltung beigetragen und die Komiteedamen des jüdischen Frauenvereines — Fr. Dr. Clse Deutsch, Olga B o b a s ch. Hedwig Meißner, Cugenie L ö w n e r, Camilla F a n t l, Dr. Risa S a - bath, Dr. Hilde Bandy, Emma Weiß, Rosa Lebenhart, Sabine Heller, Relschi R e d i a h, Hermine l o n i h und Leopoldine Klein — einen vollen Erfolg errungen. Besondere Anerkennung verdient das unermüdliche und rastlose Wirken des k. u. k. Feldrabbiners Phil.-Dr. Hirschberger, der wie ein liebevoller Vater und echter Priester um das Wohl der israelitischen Mannschaft bestrebt ist. Pohrlitz. In dem Baron Hirsch'fchen Beschäftigungskurse für galizische Flüchtlingslinder in Pohrlitz-Stadt fand am 1. Dezember 1915 die feierliche Bekleidung der Schulkinder mit Winterkleidern und Schuhen statt. Die Mittel zur Anschaffung derselben wurden in hochherziger Weise von der Regierung beigestellt. Vom September vorigen Jahres an. seitdem die galizischen Flüchtlinge hierorts untergebracht wurden, ist der 1. k. Bezirkshauptmann Kretschmer von Nikolsburg für das Wohl derselben eifrigst besorgt und auch bei der Anschaffung der Winterkleider zeigte er sein großes Wohlwollen für die jugendlichen Flüchtlinge. Der exponierte k. k. Statthaltereikonzipient Soldan welcher derzeit das Barackenlager in Pohrlitz verwaltet, ist gleichfalls von Wohlwollen für die Flüchtlinge wie auch vom ernsten Bestreben erfüllt, das Los derselben nach besten Kräften günstig zu gestalten. Dem harmonischen Zusammenwirken dieser Organe der Regierung mit dem Kultusvorsteher und Obmanne des Fürsorgekomitees Herrn Hermann Schnabl ist es zu danken, daß die Feier dieser Bekleidung in solch schöner Weise stattfinden konnte. Zu derselben hatten sich cingefunden Herr k. k. Statthaftereikonzipient Soldan Herr Kultusvorsteher Hermann Schnabl Herr Oberlehrer Bader und andere Herren aus der Gemeinde und aus Flüchtlingskreisen. Herr Oberlehrer Lilker hielt in Vertretung des erkrankten Schulleiters Herrn Fruchtmann an die Schulkinder eine von patriotischem Geiste durchwehte Ansprache, in welcher er den Kindern auch darlegte, zu welchem Danke diese der Regierung und dem Kultusvorsteher Herrn Schnabl für ihre den Kindern bezeigte Güte verpflichtet seien, und schloß mit einem dreifachen Hoch für unseren geliebten Kaiser. Nach Absingung der Volkshymne sprach ein Schulkind dem Herrn Statthaltereikonzipisten Soldan und dem Kultusvorsteher Herrn Hermann Schnabl den Dank der Schuljugend aus und überreichte diesen Herren einen Blumenstrauß. Mit der Verteilung der Kleider an die Kinder schloß die schöne ,Feier. — Am Abend desselben Tages fand auch in dem festlich beleuchteten isr. Tempel zu Pohrlitz anläßlich des 67 jährigen Regierungsjubiläums Sr. Majestät des Kaisers Franz Josef I. ein Festgottesdienst statt, zu welchem Herr Kultusvorsteher Schnabl Herr Tempelvorsteher Sigmund Nassau und die Kultusräte Herr Mar Haas und Herr Heinrich Polrak erschienen waren. Die Gesänge wurden in würdiger Weise vom Herrn Oberkäntor Roth vorgetragen. Vom Vorstande der isr. Kultusgemeinde in Pohrlitz wurde auch an die Kabinettskanzlei Sr. Majestät des Kaisers ein Huldigungstelegramm abgesendet. Chanukta-Feier für Soldaten in Krakau. Schön und erhebend war die Feier, welche am viertelt Tage des Chanukkaftstes mehrere Hundert rekonvaleszenter Soldaten der hiesigen Festungsspitäler von Krakau, darunter so manche mit Tapferkeitsmedaillen ge-