Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 49 (10.12.1915)
- Date
- 1915-12-10
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 49 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 903 kowina aufmerksam. Mit Ende Dezember d. I. läuft die Anmeldungsfrist ab und der größte Teil der jüdischen Bevölkerung in den beiden Kronländern hat seine Schäden noch nicht angemeldet, weil er über die Einzelheiten nicht informiert und zum Teile der Landessprachen nicht kundig ist. Nach dieser Richtung hin muß die Arbeit der lokalen Komitees sofort einsetzen. Wo die Gründung solcher Komitees unmöglich ist, fällt diese, die vitalsten Interessen der Juden berührende Aufgabe der jüdischen Intelligenz in den betreffenden Orten zu. Wenigstens ein Mann muß sich in jeder Stadt finden, der sich dieser so hochwichtigen Aufgabe gewachsen zeigt. Jüdisches Schadenerhebungsbnrcan. Wien, 20. Bezirk, Zirkusg. 33. Vorträge zur Aufklärung über ostjüdische Fragen. Montag, den 6. d. M., wurde der Zyklus von Vorträgen, die das Komitee zur Aufklärung über o st j,ü d i s ch e Fragen in diesem Winter hier halten zu .lassen beabsichtigt, durch einest Bortrag des Herrn Rab-, Liners Dr. O. T h o u aus Krakau eröffnet. In dem Festsaa! des Ingenieur- und Architektenvereines hatte sich ein zahlreiches Publikum eingefunden, das den vortrefflichen Ausführungen des beliebten Redners mit größter Spannung lauschte und seiner Zustimmung am Schluffe durch lauten, anhaltenden Beifall Ausdruck verlieh. Das Thema „Schöpferische Kulturmächte im Ostjudentum" behandelte Dr. Thon mit einer greifbaren Anschaulichkeit, die nur dem zur Verfügung steht, der aus der Fülle der eigenen Erfahrungen zu schöpfen vermag. Chassidismus, Misnagdim, Haskala, Begriffe, die dem Durchschnitt der Westjuden und nun gar dem nichtjüdifchen Westen ganz unbekannte Größen waren, wurden durch die außerordentlich, eindringliche Darstellungskunst Dr. Thons jedem Laien vertraut gemacht. Rabbiner Doktor G r u n w a l d, der den Redner begrüßt und hierbei über die Bestrebungen des Komitees einige Attfklärungen geboten hatte, sprach ihm für seine Darbietungen den Dank des Komitees und der Versammlung aus, indem er das zufällig anwesende greise Elternpaar Dr. Thons zu einem solchen Sohne beglückwünschte. Dieser Eröfsnungsabend der Vortragsserie darf als durchaus gelungen bezeichnet werden. Nur möchten wir noch mehr von leitenden Persönlichkeiten aus deml Westen unter den Anwesenden wünschen. Man bemerkte unter den Zuhörern außer den Komite einstgliedern die HerrenReg.-Rat Dr. Frankfurter, Hofu. Gerichtsavokat Dr. K n ö p f m a ch e r, Rabb. Dr. R o s e n m a n n nebst Frau Gemahlin, Herrn Dozent Dr. Torczyner u. a. m. — Den nächsten Vortrag soll am 23. d. M. Herr Dozent Dr. Schorr über ein Kapitel aus der Geschichte der Ostjuden halten. Wir beglückwünschen das Komitee zu seinem Unternehmen und wünschen, daß auch die geplanten Flugschriften recht bald erscheinen mögen. Austausch des in Feindesland zurückgebliebenen Reisegepäcks. Wien, am 4. Dezember 1915. Geehrte Redaktion! Die k. k. Staatsbahndirektion Wien ersucht um unentgeltliche Aufnahme folgender Zeilen: „Das k. k. Eisenbahnministerium benötigt behufs eines etwaigen Austausches als Verhandlungsgrundlage eine vollständige Uebersicht über jenes Reisegepäck, welches von österreichischen Staatsangehörigen in Stationen des feindlichen Auslandes zurückgelassen wurde, oder dessen Ausfolgung von solchen Bahnverwaltungen verweigert wird. Diesbezügliche Reklamationen wollen ehestens unter genauer Anführung der Aufgabs- und Abgabsdaten, der äußeren Merkmale der Kollien, sowie einer Inhaltsangabe mit beiläufiger Wertangabe an die k. k. Staatsbahndirektion Wien, Bergungskommission, Wien, Westbahnhof, Kopf'gebäude, 1. Stock, gerichtet werden." Der k. k. Staatsbahndirektor: K o li i s k o. Kaiserin Elisabeth-Lehrmädchen- und Arbeiterinnenheim. Am 5. d. M. fand im großen Saale des Restaurants Tonello eine solenne Chanukka-Feier für die Schützlinge des Kaiserin Elisabeth-Lehrmädchen - und Arbeiterinnen h e i nt s und die derzeit im H e i m s p i t a l e unrergebrachten jüdischen Soldaten statt. Zu derselben hatten sich der Vorstand des Vereines, sämtliche Schützlinge des Heimes sowie die im Heimspitale befindlichen jüdischen Soldaten eingefunden: ferner als Ehrengäste: Se. Ehrwürden Herr Rabb. Tr. Max G r un w a l d und Frau, Herr Oberkantor I. M o r g e n st e r n, die Herren Feldknraten Dr. Deut s ch und Tr. F e r d a, der Herausgeber der „Oesterreichischen Wochenschrift" Herr Dr. I. S. Bloch: als Delegierter des Zentralverbaudes für das jüdische Armenwesen der Chefredakteur der „Wahrheit" Herr Tr. L ö w y, Frau Dr. David, Frau kais. Rat Lich te nftad t, die Präsidentin des Vereines „Zuflucht" Frau G o l d s ch m i d r, als Delegierte des Vereines „Bikur Cholim" Frau Wall i s ch und die Herren Hof- und Gerichtsadvokaten k. u. k. Oberleutnant Dr. Groß und Dr. Ornstein mit Gemahlin. Nach Begrüßung der Erschienenen durch den Präsidenten kais. Rar Tr. Krüger besprach derselbe die mannigfachen Erfolge, welche das Kaiserin Elisabeth Lehrmädchen- und Arbeiterinnenheim während des abgelaufenen Jahres auf dem Gebiete seiner jetzigen doppelt charitativen Tätigkeit aufzuweisen in der Lage ist, und welche nur durch das einmütige und unverdrossene Zusammenwirken aller hiezu berufenen Faktoren ermöglicht werden konnten. Ter Präsident sprach den Wunsch und die Hoffnung aus, daß diese Einmütigkeit und Unermüdlichkeit auch weiterhin zum Wohle der hilfsbedürftigen Jugend und der verwundeten Krieger fortdaueru möge, und schloß seine Ansprache mit einem begeistert aufgenommenen Hoch aus Se. Majestät unseren allgeliebren Kaiser. Hierauf entzündete Herr Oberkantor Morgenstern die Chanukkalichter, wobei er in gewohnter meisterhafter Weife die rituellen Gesänge zum Vortrag brachte. Herr Rabbiner Dr. G r u n w a l d hielt sodann eine der Feier des Tages und den gegenwärtigen Verhältnissen entsprechende, die Zuhörerschaft tief ergreifende Ansprache, worauf nach einigen Dankesworten des Herrn Hofrats Dr. Schlag an Seine Ehrwürden ein Schützling des Heimes in einer von der Schriftführerin Frau Tr. Lina Weiß verfaßten, mit lebhaftem Beifalle aufgenommenen Anrede die Gefühle der Heimschützlinge in wirkungsvoller Weise zum Ausdruck brachte. Mir einer sämtlichen Schützlingen und Soldaten verabreichen reichlichen Jause — während welcher Herr Oberkantor Morgenstern einige seiner herrlichen Lieder zum besten gab - und der Beteilung mit Geschenken aller Art fand die schöne, erhebende Feier ihren Zlbschluß. Eine besondere Freude wurde den Heimschützlingen noch dadurch bereitet, daß sie in Begleitung der Vorsteherin Frau Freund am Abend eine Kinovorstellung besuchen durften. Wan da WM von Wallenstein. Im einundachtzigften Lebensjahre ist nach nur einstündigem Leiden bei voller Frische des Körpers und Geistes, nachdem sie vor wenigen Monaten den Heldentod ihres einzigen Enkels erlebt hatte, Frau v. Walle n-