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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-12-10 · 49 (10.12.1915) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
49 (10.12.1915)
Date
1915-12-10
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 49 Dr. Bloch'S Wochenschrift Seite 905 schmückte Unteroffiziere und zahlreiche Invalide, in dem vom Vorstande der isr. Kultusgemeinde in liebenswürdiger Weise zur Verfügung gestellten Festsaale vereinigte. Auf Initiative und unter Mitarbeit der zionistischen Ortsorganisation, von^einem rührigen Komitee anmutiger Frauen und Mädchen aus allen Kreisen der jüdischen Gesellschaft vorbereitet, bor sie unseren braven Kriegern, wenn auch nur einige Nachmittagsstunden herzlichen Beisammenseins in einer trauten, jüdisch'gastsreundlichen Umgebung. Die Soldaten erschienen unter Führung von Äussichtschargen und nahmen an der reichlich gedeckten, den großen Saal durchziehenden Festtafel Platz. Samt-' liche 'Spitalskommandos waren durch Abordnungeil von Offizieren und Militärärzten vertreten, unter denselben befanden sich auch eine größere Anzahl christlicher Offiziere. _ Oberarzt Dr. Hilf ft e r n, der längere Zett tut <>elde war und bereits zweintal dekoriert wurde, bervitlkommnete die Ehrengäste im Namen des Komitees, zu dessen eifrigen Mitarbeitern außer den vielen Damen die Herren Dr. I eldb l u m, Ing. Gold lv a s f e r, Dr. W a h r - hastig u. a. gehörten. Für die Aufrechterhaltung der Ordnung sorgten die jüdischen Pfadfinder. Unter den Güsten befanden sich auch der Präsident der Gemeinde Dr. Dilles und der Vizepräsident Dr. Landau. Dr. F e l d b l u m eröfsnete die Feier mit einer herzlichen Begrüßungsansprache, in der er im Anschlüsse an die makkabäische Heldenzeit unserer heutigen Helden gedachte und die er mit einem von den Versammelten stürmisch aufgenoimneneil Hoch aus den Monarchen beschloß, worauf der Tempelchor die Volkshymne sang. Nachdem nun Oberkantor Diwinski mit Chor- und Harmoniumbegleitung die mir dem Anzünden der Chanukkalichter verbundenen Segenssprüche, ferner das große Halleluja voll S u l z e r in vollendeter Weise zum Vortrage gebracht, hielt Feldrabbiner Tr. Golinski eine von echt jüdischer Begeisterung getragene, sehr gehaltvolle Festrede, iit der er unter sinniger Zugrundelegung des Chanukkafestes den Gefühlen gerecht wurde, die uns Juden in: allgemeinen, die jüdischen Soldaten insbesondere in den bedeutungsvollen Tagen der Jetztzeit erfüllen. Nun wurde den Soldaten von den Damen eine reichliche Jause verabreicht, woran sich die Beteilung mit allerlei Süßigkeiten, Zigaretten und reichlichen Geschenken schloß. Im zweiten Teile der Feier deklamierte Fräulein Gusti L i nd e n b a u m mit viel Verständnis hebräische Gedichte voit Bialik; zum Schlüsse sang Herr Liebling mit Harinoniuntbegleitung sehr wirkungsvoll einen Satz aus Handels Ouvertüre „Juda Makkabäer". Die Soldaten, unter denen sich auch ein kriegsgefangener Russe, von Beruf Ingenieur aus Kowno, befand, äußerten sich in herzlichsten Worten über den schönen Verlauf der Feier, die allen Teilnehmern in angenehmster Erinnerung verbleiben wird. I. B. Chanukka-Feier für die Garnison. Im jüdischen Tempel zu Krakau fand am zweiten Ehanukkatage ein feierlicher Militärgottesdienst statt. Das Gotteshaus konnte die Zahl der erschienenen Soldaten kaum fassen. Den liturgischen Teil der Feier besorgte Oberkantor Diwinski mit dem Chore in erhebender Weise, die Predigt hielt der Festungsrabbiner Dr. W e i n s b e r g, der zum Schlüsse anläßlich des gleichzeitigen Regierungsjubihäums ein Gebet für den Monarchen und den endgiltigen Sieg unserer Waffen verrichtete. Das Konzert der kroatischen jüdischen Jugend für Kciegsfursorgezwecke. Das kürzlich abends im kroatischen Nationaltheater unter dem Protektorate des Herrn Dr. Hugo Spitzer stattgefundene Wohltätigkeitslonzert mit dem glanzvollen Programm erfreute sich eines außerordentlich guten Besuches. Nicht einem bloßen Kunstgenuß galt es diesmal und nicht bloß dem üblichen Austausch von Applaus und Freundlichkeiten. Zu einer Kundgebung hat sich dieses künstlerische Fest der Jugend erhoben, wohl geeignet, die Gemüter in ihren Tiefen zu erfassen, alle Sinne hinzulenken aus eine der größten, folgenreichsten Erscheinungen unserer gewaltigen weit-- gestaltenden Tage. Zum herrlichen Symbol wurde uns der harmonische Zusammenklang der künstlerisch-edlen Bestrebungen der jungen Leute im Soldatenkleide, die uns zu ihrem Feste geladen, sympathisch schwingt unsere ganze Empfindung mit. in jedem Ton zitterte ein jubilierender Oberton, jedem Verstehenden vernehmbar. Aus der Fülle des Gebotenen seien die Vorträge von Fräulein Else Anhalt hervorgehoben. Ihr Gesang (Wagner Strauß) verdiente den vollen, ungeteilten Beifall, der ähr zuteil wurde. Wir lernten in ihr eine geschmackvolle und namentlich gesangstechnisch vortrefftiich gebildete Wagnersängerin kennen. Ein herrliches Bukett war die zarte Huldigung der dankbaren Zuhörerschaft. Auch Herr B a n a c fesselte durch vornehmen musikalischen Geschmack und durch den bewegten, fein durchgeistigten Ausdruck die mitteilsame Wärme seiner Empfindung. Das fein gestimmte D-dür-Quartett von Beethoven (die Herren Lang, Kraus, M a j e r und K a tz) war von großartigem musikalischen Reiz. Das Publikum zeigte sich beisallslustig nach allen Piecen und der Dirigent der beiden Orchester, Herr Mirko P o l i c, begeisterte die Zuhörer so sehr, daß er außer brausendem Applaus, sogar zwei Lorbeerkränze und endlose Ziviüs" erntete. Tiefgerührt lauschte man dem Cellosolo des Herrn Fritz Kraus (Bruch: „Kol Ridre") und dem Violinsolo des Herrn L a n g. Zwei ganz junge Leute, deren musikalische Begabung zu den schönsten Hoffnungen J>erechtigt. Herrn Kraus' feines Spiel zeigte viel quellende Stürme der Empfindung und leichte, zarte Grazie der Rhythmik. — Herrn Längs charmantes Temperament entzückte besonders in den polnischen Stücken (Moszkowski und Winiawski) durch die volle Süßigkeit der Wiedergabe. Auch der interessanten pianistischen Kunst der diskreten Begleiterin der So'.ostücke, Fräulein Herma Roth, sowie auch dem bekannten Musiker Herrn Karl Trister gebührt warmes Lob. Wenn solche goldene Jugend nach sechzehn Monaten blutigen Krieges mit so viel inniger Liebe für Kunst und Vaterland im Dienste steht, dann können wir alle mit voller Zuversicht in eine goldene Zukunft d icken und du: „Lieb' Vaterland, magst ruhig sein! _ a.—a. Die Juden im italienischen Senat. Tic kürzlich erfolgte Ernennung von zwei Juden zu Mitgliedern des italienischen Senats hat die Zahl der Juden in der italienischen Kammer auf 17 gesteigert. Professor Moise Cohen, Konstantinopel. Wie ,,l' Aurore" meldet, wurde der Advokat Moise Cohen zum Professor für Finanzlviffenschasten an der ottomanifchen Universität in Konstantiuovel ernannt. Professor Cohen stammt aus Saloniki. Als treuer Ottomane und werktätige:' Mitglied der jungtürlischen Partei flüchtete er nach dem Balkankriege aus Saloniki und ließ sich in Konstantinopel nieder. Er war sowohl in Saloniki und ist auch jetzt in Konstancinopet publizistischtätig und seine Artikel über die türkische Kultur, die er im „Hilal" Hinter dem 'Pseudonym „Tekine Alp" veröffentlichte, haben ihm einen bedeutenden Namen gemacht. Professor Cohen ist auch in Oesterreich-Ungarn und Deutschland durch seine Vortrüge und seine Aktionen bekannt, die er zürn Zwecke einer wirtschaftlichen Annäherung zwischen den Zentralmächten und der Türkei noch zur Zeit des Balkankrieges eingeleiret hatte, vorteilhaft bekannt. Erst jüngst erschien von ihm eine diesen Gegenstand behandelnde deutsche Broschüre. Erwähnt sei hier noch, daß an der ottomanifchen Universität nunmehr zwei jüdische Professoren tätig sind. Der zweite ist Professor Moritz V e n t n r a, welcher die Professur für römisches Recht und vergleichende Rechtswissenschaft inne hat. Vermischtes. Kranzablöfuugs'penden zugunsten der Chewra Kadischa in Wien I.. Seitenstettengaffe 4 für arme kranke Glaubensgenossen. Anläßlich des Ablebens der fei. Irma Schneider-Schönseld: Leopold Schönfeld Kr. 20.—, Josef Schneider-Frackin 20.—; zusammen Kr. 40.—. Anläßlich des Ablebens der fel. Anna Mayer: Flora und Ma.r Duschnitz Kr. 40.—.

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