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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-12-10 · 49 (10.12.1915) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
49 (10.12.1915)
Date
1915-12-10
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 49 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 901 Korrespondenzen. Ehrlicher Kamps gegen den Kriegswucher. Der Bürgermeister der Stadt Wien hat in seiner vor einigen Tagen im christlichsozialen Wählerverein Ottakring gehaltenen Rede Worte gebraucht und Gedanken ausgesprochen, die ihm die Zustimmung aller ehrlichen, patriotisch gesinnten Bürger dieser Stadt und des ganzen Reiches sichern. Ein von einer Partei gewählter Bürgermeister, der, um an der Macht zu bleiben, seiner Partei genehm zu bleiben trachtet, kommt so selten in die Lage, etwas zu tun oder zu sagen, daß es selbst in dieser durch die Kriegsnot geschaffenen Waffeustille der Parteikämpfe wie eine historische Tat anmutet, iveun man von dem Bürgermeister und Führer der christlichsozialen Partei in öffentlicher Versammlung die folgenden Erklärungen hört: Es ist auch ein wichtiger Faktor nicht zu übersehen, ich spreche es offen ans, dieser erbärmliche Wucher, eine Begleiterscheinung des Krieges. Aber es wird nicht nur von Kleinen gewuchert, sondern auch von Großen. Es wird gewuchert ohne Unterschied der Konfession, und da muß ich wohl sagen, besteht ein Nachteil in unserem lieben Vaterland. Es wird oft ein ganz kleiner Geschäftsnrann, dem kerne Absicht des Wucherns zugrunde liegt, unbändig bestraft. Haben Sie gehört, daß ein Großer bestraft worden ist? Wo sind denn die Amtshandlungen gegen diejenigen, welche nicht um 2 oder 3Heller den Preis überschreiten, sondern Millionenverdienste einheimsen? — Die sind nicht zu fassen. Aber darin liegt das Nebel, weil der Kleine immer abhängig ist von dem Preis, den der Große diktiert. Es ist höchste Zeit, daß da eingegriffen werde. Es wäre gewiß zu weitgehender Optimismus, aus dieser Erkenntnis des Bürgermeisters aus tiefergehende, parteipolitische Umwälzungen voreilige Schlüsse zu ziehen, und wenn man gut hinhorcht, wird man leicht heraushören, daß der Bürgermeister diese Konzession an die Jnterkonfeffionaiität des Wuchers deshalb machen mußte, um auf solcher Grundlage die Verteidigung des kleinen Wucherers gegen die großen zu übernehmen. Es war die Last der Tatsachen, die nicht mehr zu unterdrückende Erscheinung der vielen unzweideutigen Namen in der Liste der wegell Lebensmittelwuchers Angeklagten, welche dent Bürgermeister Dr. W e i s kirch n e r jenes Geständnis auf die Lippen drängte, daß der Wucher ein rein persönliches und durchaus kein konfessionelles Laster ist. Der Richter forscht niemals nach der Ursache, weshalb jemand Rechtes tut, die Wahrheit spricht. Nur wenn in einem Prozesse das Bestreben zutage tritt, die Wahrheit zu verdunkeln, nur lvenn es ein Vergehen aufzuklären gilt, wird nach den Beweggründen geforscht. Auch wir wollen nicht weiter nach. Gründen suchen, welche den Bürgermeister bewogen, eine Wahrheit zu sagen, die manchem seiner Parteigänger Unbehagen verursacht haben inag. Daß dies der Fall war, geht aus dem Verhalten des Organes der Bürgermeisterpartei, der „Reichspost", am deutlichsten hervor. Dieses Blatt, welches mit bewunderungswürdiger Fingerfertigkeit immer so „um den Burgfrieden herum" ihren Lesern in Nachrichtentiteln wie „Wie Schulem die wichtigsten Waren aufkaufte", oder „Chaim I-, der Preistreiber", „Jsak Z., der Lebensmittelwucherer", mehr sagt, als ganze Artikel zu sagen vermögen, war durch die Enunziation des Bürgermeisters: „Es wird gewuchert ohne Unterschied der Konfession", so erschrocken, daß ihr Hören und Sehen verging. Sie hat diesen wahren Satz einfach überhört, sie hat seine Wiedergabe mir der Tendenz des Blattes für unvereinbar gehalten und so werden wohl ihre Leser wieder nicht erfahren, daß es auch andere Kriegswucherer gibt als solche, die Schulem, Chaim oder Jsak heißen. Oder doch, denn wäre diese Tatsache noch zu unterdrücken gewesen, so wäre die „Reichspost" nicht in die peinliche Lage gekommen, als Parteizensor gegen den Bürgermeister so unehrerbietig vorzugehen. Wien. Anläßlich des Jahrestages der Thronbesteigung Seiner Majestät des Kaisers wurde am 2. d. M. in dem Vereinsreservespitale Nr. 11 (2. Bez., Malzgasse - eine Feier abgehalten, welche durch eine erhebende Ansprache des Spitalskommandanren Reg.-Arzt kais. Rat Dr. S. Krüger an die Verwundeten eingeleiter wurde, die in ein begeistertes dreifaches Hoch aus Seine Majestät ausklang. Nach Absingung der Volkshymne begannen die Vorträge, an welchen in liebenswürdiger, uneigennütziger Weise die Damen EmmaLiebn e r, Rosa M ichalek und Lily U l a n o w s k Y sowie die Herren Dr. Egon Friedell, Dr. Robert Weil l Homunkulus) und Emil Bardach mitwirkren. Sämtliche Darbietungen fanden reichen Beifall. Zur Feier des Tages wurde den Verwundeten ein besonders reiches Festmahl verabreicht. _ Kaiser-Jubiläumsfeier des Vereines „Frauenhort". Trotz der fast unüberwindlichen Hindernisse, die sich im Kriegsjahre jeder Kinderbekleidung entgegenstemmen, hat der „Frauenhort" wieder über 120 jüdische Schulkinder aus dem! 9., 19.. 11., 14. und 20. Bezirk seine Bekleidung mit Wäsche, Kleidern, Hüten, Mäntel. Schulrequisiten vorgenommen und seine Gaben im Saale der Bibelschule, 9. (Bezirk. Seegasse 16, am Kaiser-Jubilüumstag verteilt. Nicht nur der Ausfall vieler Spenden, sondern die enorm gesteigerten Materialpreise machen die heurige Beteilung zu einer überaus verdienstlichen, um' die sich hauptsächlich Frau Olgar v. Doctor, Frau Martha Stiaßny, Frl. Melty Gelb haus und Frau Charlotte von Goldberger sowie die erfolgreiche Sammlerin von Spenden, die hochverdiente Präsidentin Frau Regine K o p st e i n, verdient gemacht haben. Leider mußte der Verein viele Kinder zurückweisen, hat aber doch alle braven jüdischen Schulkinder aus dem 9. Bezirk dank des Fleißes seines Vorstandes und der Groß-» mut seiner Gönner bedenken können. Ehanukkafeier im Rothschild-Spital. Aus Anlaß des Chanukkafestes fand im Vereins- Reservespital Nr. 8 (Spital der isr. Kultusgemeinde) am 5. d. M. ein feierlicher Gottesdienst statt. In Anwesenheit des Präsidenten der isr. Kultusgemeinde Dr. Alfred Stern und der Mitglieder des Kultusvorstandes Emanuel H o f f m a n n, Emanuel G r ü n w a l d, S. Steiner, S. Brod, des Direktors der Anstalt Prim. Dr. Karl F l e i s ch mann, Verwalters Dr. M. K o r a n y i, Jnspektionsoffiziers Oberleutnant Brady sowie der Oberin Frau Emma L e vy usw. hielt der Gemeinderabbiner Dr. F e u ch t w a n g eine den herrschenden Verhältnissen Rechnung tragende erhebende Festpredigt, die auf alle Anwesenden nachhaltige Wirkung ausübte. Oberkantpr Don Fuchs exekutierte unter Begleitung des Chorpersonals des Stadttempels in herrlicher Weise die rituellen Gesänge. Die Feier wurde mit dem Vortrage der österreichischen und deutschen Hymne beendet. Anschließend hieran, fand im Sitzungssaale des Spitales eine vom Kaiserin Elisabeth-Institut für israel. Krankenpflegerinnen im Beisein der Mitglieder des Vereinsvorstandes veranstaltete Schwestern-Feier statt. Der Präsident des Vereines, Direktor Dr. Karl Fleischmann, hielt an die mit Diplom, Armbinde und Brosche zu beteilenden Schwestern eine herzliche Ansprache, worin er den sowohl im Felde als auch jenen in Roten Kreuz- Spitälern tätigen Schwestern des Vereines den wärmsten Dank für ihr aufopferndes Wirken aussprach.

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