Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-12-10 · 49 (10.12.1915) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
49 (10.12.1915)
Date
1915-12-10
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3020846-3022142-3022192--24694-3049956
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seit' 900 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 49 Freitag, den 3. d. M., verschied hier nach kurzem, im Felde zugezogenem Leiden der k. u. k. Oberstabsarzt Dr. Leopold D e u r s ch, Kommandant des Feldspitales 5 XII, Retter des Franz Josef-Ordens am Bande des Militärverdienftkreuzes, Besitzer des Ehrenzeichens zweiter Klasse vom Roten Kreuze mit der Kriegsdekoration, des goldenen Verdienstkreuzes mit der Krone usw., nachdem er 27 Jahre in treuester Pflichterfüllung denk Vaterlande gedient und seit Kriegsbeginn mit unermüdlicher Sorgfalt, unzähligen Leidenden ein hilfreicher Freund und Retter gewesen mar. Mit ihm ist einer jener Aerzte allzufrüh dahingegangen, auf den wahrlich Nothnagels Worte HNur ein guter Mensch kann ein guter Arzt sein", wie saus keinen zweiten Hinweisen. Ehre seinem Angedenken! Keiertiche Einweihung von Wikitärfriedhöfen in Wetrikau. Wir geben nachträglich, nach der D. W.-sZtg.", eine Darstellung der feierlichen Einweihung je eines katholischen, evangelischen, orthodoxen und jüdischen Friedhofes in Petrikau, die am 2. November startsand. Auf diesen Friedhöfen werden die gefallenen Offiziere und Soldaten der verbündeten und der feindlichen Staaten zur letzten Ruhe bestattet. Die Trauerfeierlichkeiten gestalteten sich zu einer erhabenen Manifestation. Zu der festgesetzten Stunde versammelten sich auf dem neuen katholischen Friedhofe unübersehbare Scharen der Bevölkerung aus Petrikau und Umgebung. In corpore erschien Petrikauer Garnison mit dem Kreiskommandanten Oberauch die Stadtverwaltung mit ihrem Präsidenten, die ftcn Julius Schneider. In Vertretung der verbündeten Armee war ferner eine Abordnung mit General Bart h, Militär-Gouverneur von Lodz, eiugetroffen. Nach der kirchlichen Einweihung durch die Geistlichkeit übergab Oberst Schneider dem Magistrate und der Kirchengemeinde der Stadt Petrikau dieses Denkmal treuester Pflichterfüllung und bis in den Tod währender Waffenbrüderschaft. Oberst Schneider legte an den Stufen des im Friedhofszentrum aufgestellten Marmorobelisken einen Kranz nieder, während von dem Jnfanteriebataillon eine Ehrensalve abgegeben wurde und die Militärkapelle die Volkshymne spielte. General Barth sprach sodann im Namen der deutschen Armee, legte ebenfalls einen Kranz nieder, während unter den Klängen der deutschen Hymne die zweite Ehrensalve erscholl. Zuletzt wurde der russische Friedhof eingeweiht, wobei Oberst Schneider die nachstehende Rede hielt: „Angesichts der Majestät des Todes verstummt jedes feindliche Gefühl. Und so haben auch wir die Gräber unserer im Kampfe gefallenen einstigen Feinde mit gleicher Sorgfalt und gleicher Pietät ausgestattet, wie jene unserer eigenen Kameraden. Ihnen gebührt jenes Mas; von Achtung und Anerkennung, auf das jeder tapfere Krieger Anspruch hat, sei es Freund oder Feind. Darum bitte ich Sie. meine Herren, als Vertreter der Sladt Petrikau, diese Gräber Ihrer einstiger Unterdrücker ebenso pietätvoll zu hüten und zu erhalten, wie jene Ihrer Befreier. Ruhet sanft!" Damit wurde diese eiuzigarrige erschütternde Feierlichkeit die auf alle Teilnehmer einen tijefen Eindruck machte, beendet. Km russischer Hfstzier üöer zwei jüdische Soldaten. Der Dumaabgeordnete F r i e d m a n n veröffentlicht im „Journal de Genevc" den Brief eines Kommandanten einer russischen Kavallerieeskadron, in dem der russische Offizier über die Heldentaten zweier gefallener jüdischer Soldaten berichtet und den Abgeordneten ersucht, Gebete für die Gefallenen lesen zu lassen. „In meiner Eskadron," schreibt der Offizier, „befanden sich zwei Juden, die sich durch großen Mut und hervorragende Tapferkeit auszeichneten. Beide haben in Er-, füllung ihrer Soldatenpflicht den Tod gesunden. Ihre Namen sind: Leib Toporows'ki ultd Baruch O ch - trine." Der Offizier erzählt dann in dem' Briese die Heldentaten der beiden Gefallenen und fährt fort: „Alle Offiziere meiner Eskadron und besonders ich, der ich Ochtrine in meiner unmittelbaren Umgebung hatte, bedauerten lebhaft den Verlust der beiden Tapferen, und erwiesen ihrer heroischen Haltung die Ehrenbezeigung. Sie wurden — da kein jüdischer Priester anwesend war — ohne religiöse Zeremonie begraben. Ich ersuche Sie, in meinem Namen in Ihrer Synagoge Gebete verrichten zu lassen. Beten Sie für die ewige Ruhe der beiden heroischen Seelen nach den Bräuchen ihrer Väter, denen sie ebenso treu blieben wie dem Schwur für Zar und Vaterland." Inh Meyer, Witter des Eisernen Kreuzes 1. Klasse, gefallen. Fritz M e y e r aus Stettin, ehem. Schüler der Ahlemer Erziehungsanstalt, Unteroffizier, Ritter des Eisernen Kreuzes 1. Klasse, Grenadierregiment Nr. 2, 1. Bat., 3. Komp., erhielt das Eiserne Kreuz 1. Klasse, weil er, bei seinem verwundeten Leutnant allein zurückbleibend, einen Trupp feindlicher Soldaten in die Flucht schlug. Wie. er die hohe Auszeichnung des Eisernen Kreuzes 1. Klasse erwarb, darüber berichtete er folgendes: Wir kämpften um Wytschäte, und zwar wurde beiderseits mit einer Erbitterung und Hartnäckigkeit gekämpft, die kaum zu beschreiben ist. Bald war das Dorf in unserem, bald in feindlichem Besitz, und der Raum zwischen den jeweiligen beiden Linien füllte sich mit Verwundeten und Toten. Ich selbst war beim Bataillonsstab. Am 4. November 1914 führte ich, kurz vorher zunr Unteroffizier befördert, einen Zug zum Sturm, der den gewünschten Erfolg, die Fortnahme zweier durch Engländer mit Maschinengewehren verteidigten Gehöfte, auch brachte. Ich wurde hierfür zum Eisernen Kreuz 1. Klasse eingereicht, das ich auch fast drei Monate später erhielt. Verwundet, meldete er sich, kaum genesen, wieder freiwillig zur Front und fand am 17. Oktober 1915 im Osten den Heldentod. Sein Kompagnieführer widmet ihm folgende ehrende Worte: „Ihr Sohn Fritz", so heißt es in dem Briefe an seine .Mutter, „Unteroffizier in meiner Kompagnie, ist am 17. d. Mts. beim Sturm auf die feindlichen Stellungen bei. . . gefallen. Er starb als ein Held, an der Spitze der Sturmkolonnen neben dem damaligen Kompagnieführer Leutnant St. . ., der zu gleicher Zeit.mil ihm fiel. Er erhielt einen Granatsplitter in den Kopf. Der Tod ist augenblicklich eingetreten. Die Kompagnie verliert in dem Gefallenen einen äußerst beliebten und geschätzten Kameraden, ich einen meiner besten Unteroffiziere. Er war stets ein Vorbild treuester Pflichterfüllung und glänzender Tapferkeit. Mag Sie in Ihrem großen Schmerz der Gedanke trösten, daß Ihr Sohn als Held für unser Vaterland gefallen ist und daß sein Andenken auch bei uns stets fortleben und in Ehren gehalten werden wird. Indem ich Sie bitte, meines aufrichtigsten Mitgefühls versichert zu sein, bin ich Ihr ergebener gez. v. Br., Leutnant und Kompagnieführer."

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.