Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 49 (10.12.1915)
- Date
- 1915-12-10
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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4eite 898 Dr. Bloch's Wochenschrift Är. 49 Med. Iaüoö Landau. 77. Inf.-Hleg. Med. Jakob Landau, Sohn des Rabbiners L. M. Landau aus Rotosani, hat sich im August vorigen Jahres dem Roten Kreuz freiwillig zur Verfügung gestellt, verharrte auf seinem Posten bei der Pflege unserer verwundeten Soldaten auch während der Russenherrschaft sechs Wochen lang. Als er merkte, daß die Russen die Spitäler ausheben und die kranke Mannschaft samt den Pflegern ins Innere Rußlands schleppen, schlich er sich durch die russische Fenerlinie unter vielen Gefahren hindurch bis zu unseren Vorposten. In Dorna-Watra bekam er von unserem Militärkommando ein Taschengeld und eine Anweisung zur freien Fahrt nach Wien, wo er sich freüvillig assentieren ließ und beim 77. Jnfanterle-i regiment '-einrückte. Wegen seiner Verwendbarkeit und seines Diensteifers wurde er dem Bataillonskommandanten als Ztdjurant Zugeteilt. Für seine Unerschrockenheit und sein tapferes Verhalten vor dem Feinde avancierte er zum Sanitärskadetten und erhielt die silberne Tapferkeitsmedaille zweiter Klasse. Ier tapfere Fähnrich Leo Dürnstein. Herr S. Blaustein aus Lemberg, derzeit Wien, 3. Bez., Gärtnerstraße 7, erhielt von dem Offiziers-, korps des Landsturm-Jnfanteriereginlents Nr. 6, 3. Bataillon, Feldpost Nr. (in Stellung vor dem Feinde, erste Linie), nachstehende hochinteressante schriftliche Mitteilung : „Wir — Offizierskorps des tapferen Landsturms 6, II. u. III. (Egerländer) — beglückwünschen Sie aufrichtig ft und pflichtgemäß zum besonders tapferen Verhalten des Herrn Fähnrichs Leo B l a u st e i n, welcher erwiesenermaßen in eine von Italienern bereits besetzte Stel-' lung eingedrungen ist und : sein tapferes Verhalten als Mann dadurch bekundet hat, indem er mit Handgranaten im schwierigsten Kampfe den Feind wieder herausgeworfen hat. Wir alle begrüßen Sie herzlichst. Auszeichnung bleibt nicht aus! Rudolf Schmidt, Hauptmann, III./Ldst. 6/' Folgen weitere Unterschriften. Sturmangriff. BataillonsLdjuianl Fähnrich Jack Löwen st ein schildert folgende Kampfepisode: „Draußen tobt der Kamps. Russische Eewehrsaloen wechseln mit unserem Einzelfeuer, Maschinengewehre hüben und drüben geben ununterbrochen den Takt und die Kanonen dröhnen den Bast. Ich sitze hier in meinem Erdloch, neben mir der kleine, unruhige Apparat, das Telephon, das mich mit einem kaum sichtbaren Draht mit dem Kommando verbindet und durch den ich die Befehle weiterleite bis in die Schützengräben, wo die grasten Gedanken der Führer in die Tat umgesetzt werden. Das Regiment war als Armeereseroe in einem kleinen russischen Bauernhof einquartiert. Die Bevölkerung war verschwunden und die kleinen halbverfallenen Hütten von unseren Braven bewohnt. Auf allen Herden kochte die Mannschaft, und ein anheimelnder Geruch von gebratenem Fleisch crfü.lte den Ort. Am Flüßchen sah man Gruppen, die die Wäsche reinigten, Raseure übten ihr Handwerk aus. Post war gekommen, und vor dem Psarrhofe tauschten die Offiziere die. erhaltenen Zeitungen. Arles war in bester Stimmung. Langsam beginnt es zu dämmern und bald geht alles schlafen. Plötzlich ein kurzes Tuten im Telephon. „Ein Uhr marschbereit!" ertönt die Stimme des Regimentsadjutanten. Sofort vermitteln die Ordonnanzen den Befehl an die Kompagnien. Wie mit einem Zauberschlag ist alles geändert. Große Feuer beleuchten die sich formierenden Züge. Befehle schwirren durch. die Lust. Gewehre und Munition werden visitiert, Meldereiter jagen auf schweißbedeckten Pferden einher. Der Regen hat aufgehört und die Mondsichel wird durch ein zerrissenes Gewölk sichtbar. Vom Dürfende kommt der Regimenisstab. Kurze Be'p echung mit den VataillonskonMmidanten, und der lange Zug setzt sich in Bewegung in den dämmernden Morgen hinein. Bald hören wir Geschützdonner, und nach einer Stunde sind wir mitten drin im Schlachtgetriebe. Noch sind wir in einem Walde, aber unsere Schwarmlinien sind bereits an der Lisiere und nehmen den Kampf mit dem Gegner auf, der sich in einem kleinen .Dorfe festgesetzt hat. Unsere Artillerie hat das Dorf bereits unter Feuer genommen. Wir sind in den uns zugewiesenen Stellungen angelangt. Alles blickt hinter den Deckungen gespannt nach vorne, fest Hält jede Faust das Gewehr umfaßt. Für 4 Uhr ist der Sturm angesagt, und es ist erst 3 Uhr. Die Zeit will gar nicht ^vergehen. Ungeduldig schaut man nach der Uhr, um sich zu -überzeugen, daß sie nicht stehen geblichen ist. Noch fünf Minuten. Dann plötzlich eine atemraubende, beklemmende Stille und dann das aufpeitschende, tausendstimmige, sinnbetörende „Hurra" der Stürmenden. Kein Denken, kein Führen mehr, nur los auf den Feind! Älles schreit und springt dabei vorwärts. Da stürzt einer, dort ein anderer, man merkt nichts. Ueber einen Sumpf führt die wilde Jagd, bis zu den Hüsten sind die Braven im Wasser — vorwärts, Tein Halten, das Gewehr über dem Kopf, die Offiziere voran,' >,fo kommen wir zu den Hindernissen. Das Feuer des Feindes ist -furchtbar, aber unsere Reihen kommen nicht ins Wanken. Rasch sind dir Hindernisse beseitigt, und schon sind wir drüben. Der Feind Weht, wer erreicht wird und sich nicht ergibt, wird niedergeschlagen. „Hurra, sHurra!" tönt es wieder — das Dorf ist unser. Der Feind flieht über den Fluß und unsere Leute setzen ihm nach. -Mein Major eilt kaltblütig ihnen nach, um sie zurückzuhalten. Ich laufe Hinterdrein. Inzwischen hat der Feind die Brücke abgebrochen und yus dem gegenüberliegenden Ufer die Kräfte gesammelt. Jemand saßt mich am Arm und zeigt auf den Feind, er kann snichts mehr sprechen, denn drüben hat ein Maschinengewehr zu rattern angesangen, und er sinkt wortlos vornüber, mitten auf der S.irn ein rotes Mal. Mit Aufgebot aller Stimmittel schreie ich „Nieder!", dann spüre ich einen harten dumpfen Schlag gegen meine Brust und lasse mich auf die Erde fällen. 'Ich fühle Las Schwinden der Sinne,' ein heftiger Schmerz bringt mich wieder zum Bewußtsein. Es war, a,rs ob mir jemand einen Stoß ins Herz versetzt h/ätte. Ich bleibe regungslos liegen, ich weiß, daß ich verletzt bin, aber vor Einbruch der Dunkelheit kann ich mich nicht von hier fortbewegen, ohne vom Feinde niedergeschossen zu werden. Inzwischen dauert die Schießerei fort, Schrapnells suchen das feindliche Maschinengewehr zum Schweigen zu bringen. Wieder erhalte ich einen Schlag gegen die Hüfte. Ich bleibe regungslos liegen, denke an meine ganze Vergangenheit und meine Lieben daheim. So falle ich in einen Halbschlummer. Als ich erwachte, ist es dunkel. Ich taste meinen Körper ab. An drei Stellen habe ich Schmerzen, aber ich kann mich bis auf den Weg fortschlängeln, dann ausstehen und ziemlich rasch zu den Deckungen gurücklausen, wo mich mein Diener -schon voller Verzweiflung sucht. Behutsam bringt man mich zum Arzt. Hier stellt sich heraus, daß eine Kugel meine -Zigarettendose durchbohrt und mich nur oberflächlich verletzt hat, eine zweite hat mein Notizbuch durchschossen, Pläne, Karten und Photographien durchlöchert und ist kaum zum vierten Teil in den Körper eingedrungen. Da hat mich der Arzt geküßt und er, der so viel des Jammers und menschlichen Elends in diesem Kriege schon geschaut, wandte sich ab und weinte. . . ." Jüdische Familien im Felde. Sieben Söhne des verstorbenen Moriz Schönst e r g e r aus Tardoskedd dienen als Soldaten. 1. David Schönberger, aktiper Soldat, ist auf dem südlichen Kriegsschauplätze gefallen; 2. Armin, verheiratet, -wohnhaft in Wien, dient im Hinterlande; 3. Ignatz, verheiratet, wohnhaft in Budapest, dient seit dem 25. Juli auf dem südlichen Kriegsschauplätze; 4. Jakob, wohnhaft in Budapest, Vater von fünf Kindern, seit Februar 1915 aus dem nördlichen Kriegsschauplätze, ausgezeichnet mir der bronzenen und kleinen silbernen und bereits vorgeschlagen für die große silberne Tapserkeitsmedaille; 5. Gabriel, wohnhaft in Tardoskedd, war