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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-11-26 · 47 (26.11.1915) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
47 (26.11.1915)
Date
1915-11-26
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 862 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 47 >Keine Verwechslung, bitte! Heute morgen von Ostende zurückgekehrt, mache ich meine Mitbürger, um jedes Mißverständnis zu vermeiden, darauf aufmerksam, daß ich Belgier bin, da ich schon seit vielen Jahren das volle Bürgerrecht erlangt habe (ayant obtenu la grande naturalisation). Ich bin unter dem Namen de Bernuth in den belgischen Adelstand aufgenommen, ich habe stets meine Pflichten als belgischer Bürger erfüllt und im Juni a s Geschworener an der Tagung des Schwurgerichts teilgenommen. Ich ergreife die Gelegenheit, um zu versichern, daß ich seit Beginn des Krieges aus wärmsten Herzen für den Sieg unserer gerechten Sache bete.« Diese Männer werden in der „Reichspost" nicht an den Pranger gestellt, ihre Namen werden verschwiegen, mit dem Mantel christlicher Liebe zngedeckl, nur die Abkömmlinge jüdischer Familien werden hervorgeholt und festgenagelt. Will man über das Verhalten der Auslanddeutschen in dieser schweren Zeit sich ein ehrlich Urteil bilden,- muß'man den Blick jenseits des Ozeans nach Amerika lenken. Der Professor an der Harvard-Universität in Newyork Hugo M ü n st e r b e r g — nach der „Kreuzzeitung" „der unbestrittene, bedeutendste Führer des Deutschtums in Amerika nach dem Tode von Karl Schurz" — leistet un Kampfe für das Deutschtum und für die Zentralmächte in Amerika geradezu Bewunderungswürdiges. Er ist unermüdlich in Abwehr der Verleumdungen. Nicht nur mit den bedeutendsten Staatsmännern Amerikas, den Präsidenten Taft, Roosevelt und Wilson, auch mit den deutschen verantwortlichen Staatsleitern steht Münster b c r g .seit vielen Jahren in persönlicher Verbindung. In seinem Hause weilten Admiral Tirpitz und Prinz Heinrich, er war und ist neben dem deutschen Botschafter seit Jahren der gegebene Vermittler zwischen veutschen und amerikanischen Staatsmännern. So oft er in Deutschland weilte, war er stets ein gern gesehener Gast Kaiser Wilhelms II. Aber demgegenüber führen wir den Professor an der Harvard-Universität in Cambridge bei Boston, Dr. Kuno Francke, an, der in Kiel geboren, in München promoviert und 1884 an die Harvard-Universität berufen wurde, wo er sich dann naturalisieren ließ. Er ist seinen Landsleuten, die in ihrer Adoptivheimat das alte Vaterland nicht vergessen Habens, in den Rücken gefallen. Auf den 30. Januar hatte, wie der „Voss. Ztg." berichtet wird, ein Mitglied des Kongresses und des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten, Richard Barthol dt, eine Versammlung nach Washington berufen, „zur Bildung einer nationalen Organisation, um die wahre Neutralität Amerikas wiederherzustellen und sie freizuhalten von kommerzieller, finanzieller und politischer Willfährigkeit gegen fremde Mächte". Zu dieser Versammlung hatte er auch Kuno Francke eingeladen. Kuno Francke hat nicht nur seine Beteiligung a b g e - lehnt, sondern er hat feine Ablehnung! in einem aus-, führlichen Schreiben motiviert, das er am 3. Februar in der „Newyork Times" veröffentlichte, einer Zeitung, die in jeder Nummer die gehässigsten Angriffe gegen die Deutschen bringt. Zur Beurteilung des Verhaltens der jüdischen Ausländsdeutschen mag ein Schreiben beitragen, das aus denr Deutschen Tage in Philadelphia verlesen wurde. Verfasser desselben ist der Rabbiner Dr. Kr aus köpf, ein hochangesehener Mann, der als der hervorragendste englische jüdische Kanzelredner in den Vereinigten Staaten gilt. Der Brief lautet in der Hauptsache: „'Ich kann nicht begreifen, weshalb das deutsche Volk, das ich auf meiner Reise um die Welt als eines der am besten gebildeten, der am besten regierten, der gesetzliebendsten und der Kunst und Wissenschaft ergebensten fand, als Hunnen, brutale Gesellen, Wilde und Barbaren gebrandmarkt wird. Ganz unbegreiflich aber ist es mir, daß in den Vereinigten Staaten, einem Lande, das nicht in den europäischen Konflikt hineingezogen ist, das behauptet, strikt neutral zu sein, ein Hast gegen Deutschland sich kund gibt, der an Bitterkeit alles übertrifft, was ich in Deutschland nach Ausbruch des Krieges gegen die Völker wahrnahm, mit denen es jetzt im Kriege sich befindet. Es ist mir um so unbegreiflicher, als dis deutsche Regierung und das Volk alle Amerikaner, welche nach der Kriegserklärung s.ch in Deutschland befanden, in liebenswürdigster und aufmerksamster We'se behandelten. Ist eine derartige Charakterisierung des deutschen Volkes vereinbar mit der Führung der Will onen von Leuten, welche aus Deutschland hier herüber gekommen und hier eine neue Heimat gefunden haben? Ist sie gerechtfertigt einem Volke gegenüber, dessen Söhne unter den ersten Ansiedlern sich befanden, welche die erste Bibel druckten, den Ackerbau ausbreiteten, Industrie einführten, den ersten Protest gegen Negerskmverei erhoben und für die Freiheit und die Unteilbarkeit der Union Ströme von Blut vergossen? Hätte mir jemand vor drei Monaten erklärt, datz eine solche Erbitterung gegen das deutsche Volt hierzulande möglich sein würde, so würde ich ihn für verrückt gehalten haben." Ebenso interessant ist die Mitteilung amerikanischer Blätter über Kapellmeister Hertz: „Kapellmeister Alfred Hertz hat schon bei seinem Abschied von Newyork bewiesen, datz er für sein Deutschtum jederzeit einsteht, und das Absingen des „Heil Dir im Siegerkranz", das er und einige gefeierte deutsche Opernkräfte im Spe'.sesaal des feinsten Newyorker Hotels dem „Tipperary" entgegensetzten, war seine letzte künstlerische Leistung in Newyork. Jetzt ist er Dirigent des Symphonie-Orchesters in San Francisco, und er hat zum Schlüsse eines Konzertes den Ka.sermarsch spielen lassen, gerade an dem Tage, da die Deutschen in Warschau einmarschieren sollten. Daran haben die Engländerfreunde Anstotz genommen. Sie verlangen die Absetzung von Kapellmeister Alfred Hertz, und zwar zugunsten von Mr. Henry H a d 1 e y, dem früheren Dirigenten der San Francisco Music Association. Der Kaisermarsch hat die Mus.kfrcundr von San Francisco in zwei Lager geteilt, die sich nun heftig bekämpfen. Kapellmeister Hertz hat erklärt, er werde die Liebe zur Heimat niemals verleugnen." Die „Rcichspost" verschweigt den Lesern die Nameit rassenreiner Deutscher, die schmählich ihr Volkstum verleugnen, wie Charles Schwab, Alex. Siemens, Joh. Mathias von Bernuth und Dr. Knno Francke; sie verschweigt ebenso vorsätzlich die Namen der jüdischen Ausländsdeutschen, die mit echt jüdischer Treue und Zähigkeit für das Deutschtum kämpfen, wie Hugo Münsterberg, Dr. Krauskopf und Kapellmeister Hertz, und macht — um ihr Lesepublikum zu betrügen — ein großes Gezeter über gewiß jchmähliches Verhalten der Sir Frank, Oppenheimer, Baron Erlanger und Sir Ernest Cassel, deren Name an ihre jüdiiche Abstammung erinnert, die als Täuflinge das Judentum verleugnet haben — warum soll das Deutschtum ihnen heiliger sein? Renegaten finden sich eben in allen Klassen, Berufen, Ständen, Konfessionen. Und ist nicht H. St. Chamberlain, der viel berufene antisemitische Gesinnungsgenosse der „Reichspost", nach seinem Blute und seiner Abstammung ein Engländer? Houston Stewart Chamberlain ist ein geborener Engländer, der sich als pvaeceptor Geimaniae aufzuspielen Ivebt Weil er selber kein echter Deutscher ist, sucht er die Deutschen an deutschnationalem Chauvinismus zu überbieten. So waren die Renegaten seit je und sind natürlich auch die jüdischen Renegaten. Der Maler Philipp Laszlo, ein gebürtiger Ungar, hat bekanntlich die englische Staatsbürgerschaft erworben. Darüber herrschte allgemeine Entrüstung. Der „Nemzeti Szalon", die Budapester Künstlergenossenschaft, hat daraufhin in seiner Generalversammlung seine Streichung aus der Mitgliederliste beschlossen. Allein Philipp „Laszlo" hat einst einen guten jüdischen Namen getragen, den er bei der empfangenen Taufe mit der Religion abgelegt hat. Warum sollte man bei ihm Volkstreue erwarten? Die Methode aber des Dr. Funder, die vereinzelten Wurzellosen und Wurmstichigen, die Abfälle aus jüdischen Kreisen, isoliert vorzuführen, um den Lesern Ge-

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