Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 47 (26.11.1915)
- Date
- 1915-11-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 47 Jahrgang ZXX11 Dr. Bloch’s Zentralorgan für die gesamten Interessen des Judentums. OeßmEcheWolhmjihnst Wie», 26. November 1915 Lrs<Detnr jeden Freitag. Brief-Adresse: Wien, H/i, Praterstraße 9. Telegramm-Adresse: Bloches Wochenschrift, Wie». OG o - ■ ■ - o o Vezugsprris für Vefterrrirh: C Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplare 50 Heller. Für das Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die 2mal gespaltcne Petitzeile 48 Heller. OQ -OP O Cj-- — — P R. ft. PostIparl:issen.init 0? 21earlng--Verkevr Nr. 810.976. Redaktion und Administration: Wien ° IT/i, Praterstraße 9. 'Teleplion 45.359. oO.- - --On Inhalt: Leitartikel: Die Hetze der „Reichspost". — Eine Reminiszenz ans dem österreichisch-italienischen Feldzug in, Jahre 1859. Kriegsdekorationen jüdischer Offiziere und Soldaten. — Bier Brüder im Felde. — Weitere Kriegsauszeichnungen. — Heldenmütige Talmudjudeli. — Der Vater mit den Söhne». — Der russischen Gefangenschaft entronnen. — Bor dem Feinde gefallen. — Ans zeichnung eines gefallenen Offiziers. — Das Leichenbegängnis des Leutnants Rlrred Badcrle. — Leutnant Revesz. — Ein Feldpostbrief an Frau Tr. Grnnwald. - Auszeichnungen jüdischer Krieger mit dem Eisernen Kreuze. — Ein russischer Leuchter in der Spnagoge von Rpiregphaza. — Inden als Dolmetscher im Kriege. — Ein tapferer Jude. — Kvrrespon denzen: Kriegswvhltätigkeit. — Ein Jahr KriegSfürsorge. — Trauerfeicr für tais. Rat Adolf Schramek. — Ansiedlung der durch den Krieg um ihre Existenz gebrachten jüdischen Familien aus Galizien in Bosnien. — Tie Kunst der Nadel. — Karlsbad. — Salomon Schechter Vermischtes. — Feuilleton: Kaiser Ferdinand II. und die Juden in Triest, Görz und Gradiska. — Briefkasten. — Inserate. Die Hetze der „Kekchspost". Der Nobel-Preis für Medizin ist einem Wiener- Arzte zugefalten, einem jungen Gelehrten, der seinen Pflichten gegen das Vaterland auf den Schlachtfeldern gerecht geworden ist imb in russische Kriegsgefangenschaft geriet. Die hohe internationale Auszeichnung, die dem Wiener Gelehrten Zuteil wurde, ist nicht nur für ihn persönlich und die Wiener medizinische Schule ehrenvoll, sie ist eine Auszeichnung österreichischer Wissenschaft und bildet auch eine treffende und schlagende Antwort von unparteiischer Seite auf den „Barbaren"-Schimpf, der uns von unseren Gegnern entgegengefchleuderi wird. Die „Reichspost" des Herrn Dr. F n n d e r registriert diese Meldung in einem verschwiegenen Winkel und hält es für unangebracht, eine kommemierende Zeile daran zu knüpfen, die Leser auf die Bedeutung der Auszeichnung hinzuweisen. Denn der Wiener Privatdozent, der als Kriegsgefangener in Sibirien weilt und die Ehre des österreichischen Namens in neutralen Ländern 'verbreitet — ist leider ein Jude. Und Juden dieser Sorte genießen nicht die Gunst der „Reichspost", die alle Aufmerksamkeit der Oeffentlichkeit nach einer anderen Richtung lenkt. Andere Juden fühlt sich Herr Fnnder gedrängt, in einem ausführlichen und umfangreichen Artikel (Nr. 513) — „die Verräter ihrer Heimat", „Ausländsdeutsche gegen Deutsche" — zu behandeln. Allein nicht alle „Verräter ihrer Heimat", nicht alle „Ausländsdeutsche gegen Deutsche" lverden angeführt. Herr Funder trifft auch hier eine weise Auswahl. Aufgeführt sind nur hier Frank Oppenheimer, der Sohn einer Familie, die im Taunus ihre Heimat hatte; ein Baron Emil B. v o n Erlanger und Sir Ernest Cassel — „in Köln von jüdischen Eltern geboren, der es in England zum vielfachen Millionär gebracht hat". Und Herr Funder ist hier sehr ausführlich und wortreich in der Zeichnung dieser Leute und die schreiende Ueberschrist soll auch die Aufmerksamkeit der Leser aus die Verräter des Deutschtums lenken. Daß diese Leute tvegen ihrer antideutschen Haltung eine Brandmarkung wohl verdienen, wird gewiß niemand bestreiten. Ein Umstand aber ist es, der jeden ehrlichen Menschen bei Herrn Funders Darstellung befremdet und seine zur Schau getragene Entrüstung als eine heuchlerische demaskiert. Es sind nämlich noch zahlreiche Fälle zu verzeichnen, in denen „echte" Deutsche ihr Deutschtum preisgegeben und die deutsche Sachp in der Stunde der höchfteit Gefahr in Stich gelassen haben. Da ist in erster Reihe der amerikanische „Stahlkönig" Charles Schwab zu nennen, der an unsere Feinde, die Engländer, Kriegsmaterial für Hunderte von Millionen Dollars liefert. Ferner sei Herr Alexander Siemens erwähnt, der Träger eines Namens, auf den Deutschland stolz ist. Unter der Ueberschrist „Hanoveiiaivs sympatlii^s witli the Allies" („Hannoversche Sympathie für die Alliierten") druckten die „Times" vom 2. Februar ein Schreiben des Herrn Alexander Siemens ab, das der „berühmte Ingenieur uud Sekretär" des „Königlichen britischen Instituts", an dieses Institut gerichtet hat, um zu versichern, daß er zwar auf deutschem Boden, in Hannover, geboren sei und zu seinem Leidwesen 1870 gegen Frankreich kämpfen mußte, dann aber nach London zurückkehrte und, wie er sich ausdrücklich rühmt, im Jahre 1878 seine Entlassung aus der deutschen Staatsangehörigkeit und seine Aufnahme in den englischen Untertanenverband erwirkte. Dieser Herr beteuert am Schluß seines Schreibens: Alle seine Sympathien seien bei den „Verbündeten", und er finde keinen Ausdruck, der stark genug sei, um „seine Empörung gegen Deutschlands Verletzung internationaler Verträge und Abmachungen zu verdeutlichen". In diese Kategorie gehört auch Herr Johann Mathias von B e r n u t h, Angehöriger eines bekannten deutschen Adelsgeschlechtes, der an die Redaktion des in Antwerpen erscheinenden Blattes „La Metropole" ein Schreiben folgenden Inhalts gerichtet hat: