Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-11-26 · 47 (26.11.1915) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
47 (26.11.1915)
Date
1915-11-26
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/3020846-3022142-3022190--24655-3049915
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 47 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 863 fühle des Abscheues und der Verachtung gegen die jüdische Gesamtheit zu erzeugen, ist nichts anderes als journalistische Brunnenvergiftung. In Nr. 544 vom 19. November 1915 wird in der frommen „Reichspost" das Werk der Verhetzung mit Hilfe der Lüge fortgesetzt. Daß wiederum einmal der Französling aus dem Elsaß ,,B> l u m e n t h a l" aufgeführt wird, trotzdem er bereits als Christ geboren worden, wollen wir nicht hoch anrechnen und es gehört zu dem System dieser Art Frömmigkeit, daß ein Blume n t h a l an den Pranger gestellt wird, während der Abbe Wetterte ganz ausgefchieden ist. Bei Wetterte heißt es: „Nicht gedenken, gedacht zu werden". Allein der Gipfel der Unverfrorenheit offenbart sich in der Art, wie plötzlich der Amerikaner Schwab zum Juden gemacht wird. Die biedere „Reichspost" versichert auf Grund der Mitteilungen antisemitischer Parteigenossen, „daß der amerikanische Großspekulant und Großlieferant unserer Feinde, S chwab, in den Siebzigerjahren eine große Waggonfabrik b e i P r a g betrieb, in Konkurs geriet und hierauf nach Amerika ging, um mit deu bei dem Konkurs verdienten Geldern dort erfolgreichere Geschäfte zu beginnen, die ihn nun zum hundertfachen Millionär gemacht haben". Ein Zufall ermöglicht uns die Entlarvung des infamen Lügners., In der illustrierten Zeitschrift „lieber Land und Meer", Nr. 6, Jahrg. 58, findet sich auf 2. 102 ein Artikel mit Illustrationen über die amerikanischen Kriegslieferungen und Kriegslieferanten. Unter den zahlreichen interessanten Illustrationen findet man auch das Bild des „Stahlkönigs" Charles M. Schwab,' ferner „Schwabs Geburtshaus in B r a d d o k in P en s y l v anien, rechts der Leihstall seines Vaters" und „Schwabs heutige Villa in Newyork". Der Stahlkönig S chw ab ist somit kein Prager, sondern in B raddok in Pensylvanien geboren. Daß Herr Dr. Funder sich in seinem Gewissen wird gedrängt fühlen, die Lüge zu widerrufen, ist nicht anzunehmen; dafür ist er ein Mann von starkgefestigter Frömmigkeit. Eine Weminiszenz aus dem österreichischitalienischen Feldzug iw Jahre 1859. Folgendes hebräische und deutsche Gebet wurde im Kriegsjahre.1859 in sämtlichen jüdischen Gotteshäusern Böhmens verrichtet. Die beiden Gebete haben in unseren Tagen mehr als historischen Wert und verdienen ins Gedächtnis zurückgerufen zu werden. Der Liebenswürdigkeit einer Jarlsbaderin aus gutem altjüdischen Hause verdanke ich das Blatt. Karlsbad, 15. November 1915. Dr. I. Ziegler. nps jni ,Tp:tb jisri Dpi? C‘T -DP? Jlnn” /i"ln crp I'Y'M ,1'hyy v»pT rnsfli nytä) rr$r\ .rrnas rrir uihvr TtoSp xb ann -iripste nnj? rrpn;; nrr?:2: 01*?^ “luK'l ».T"33?2 K8? 2 'N* blp) /RS .M n-spH bf mrs® nritfpri Allmächtiger O’ott und Weltenherr! In dieser schweren und verhängnisvollen Zeit wenden wir uns 5ii Dir, der Du nahe bist Allen, die Dich anrnfen in Wahrheit. Erhöre, o Gott, unser Gebet, in welchem wir zu Dir flehen um Deinen göttlichen Schutz und Beistand für unseren glorreichen und allgeliebten Kaiser F ra nz Ioses I.!"Verleihe, o Herr der Heerscharen! Seinen ruhmgekrönten Waffen den Sieg, auf das; der Feind vor ihm gebeugt und gedehmütigt werde, und ein bleibender Friede alle Bewohner unseres großen Kai serstaates beglücke! Sieh' gnädig herab auf die Hingebung und Opferwilligkeit aller Völker £ e st e r r e i ch s, und schenke Deinen himmlischen Segen ihren Bestrebungen, damit sie das Wort unseres erhabenen Kaisers „Mit vereinten Kräften" zur Wahrheit machen: und möge sie stets Liebe und Eintracht einigen. Amen! Amen! Nachschrift der Nedattion: Unter den ruhmreichen Fahnen Radetzkys haben sich zahlreiche Juden durch Tapferkeit ausgezeichnet. Es erhielten damals für im Kriege erworbene Verdienste: Das Ritterkreuz des Leopoldordens der Hauptmann Theodor Jerusalem Edler von Salemsfeld; die Silberne Tapferkeitsmedai l: 1. Klasse: der Feldartillerie- Bormeisier Wilhelm Schütz und Jg. T a n b e r g e r, der Oberlonstablec Hermann Fürst, die Fe.dwebel Hermann Kremser, Jakob Schwarz, Michael G r ü n h u 1, Simon Wolf. Karl Pfeiffer: die Zugsführe.- Philipp Schwarz, Gott.ieb Kann, Moritz W e i s f e l d; die Korporale Josef Spitz, Jakob Pelz, Hermann Flach: die Gemeinen Sa!. R e ch n i tz e r, Utcha Zehngebot, Hermann Hermann, Samuel K o h n. Die Silberne Tapferkeitsmedai I: 2. Klasse: Die Feldwebel Ad. Böhm, Sig. Wolf, Moses T a u s s i g, Sim. Taub; die Zugsführer Mos. P i a s ch, Jos. Pollack, Jg. Popper, Joachim Krautz; der Hornist Leiser Staub; di: Korporale Osias SchmoIinger, Ad. P o l I a k, Sam. F i n d l a u ch, Josef Neudorf er; der Gefreite Ab. Feder; der Grenadier Ernst Glaser; die Gemeinen E h r m a n n, Ad. Wolf, Moses Schettlik, Sal. Rechnitz. Mich. G ö tz. Alle diese Auszeichnungen wurden auf den Schlachtfeldern von Magenta, Solferino und Montebello erworben. Im Besitze des k. u. k. Heeresmuseums in Wien befinden sich zwei Bilder: „Der Zugsführer Moses Brauner und Andreas Drakow der 6. Kompagnie des Infanterieregimentes Hartmann Nr. 9, dringen an der Spitze mehrerer L:ute in eine von Turkos besetzte Casine auf der Höhe von Monte Rolondo stürmend ein und machen teils die Feinde nieder, teils versprengen sie selbe." - „Jakob Krautz. Korporal im Infanterieregimente Erzherzog Ernst Nr. 48, trifft während des Rückzuges am 2 t. Juni 1359 seinen verwundeten Oberst Karl v. Osmo^sky am Verbandplatz. Die feindlichen Gewehrkugeln erreichen bereits diesen Ort, der Feind ist jeden Augenblick zu erwarten. In diesem gefahrvollen Momente gelingt es gedachtem Unteroffizier, nachdem mög ichft schnell dem Verwundeten der Verband angelegt worden, unterstützt von zwei Kameraden, unter dem heftigsten Kugelregen des berei.s schon näher gerückten Feindes, denselben auf ein lediges Pferd zu bringen, welch schöne, aus eigenem Antrieb vollführte Tat, seinen Regimentskommandanten vor sicherer Gefangenschaft rettete." Kriegsdekorationen jüdischer Hffiziere und Soldaten. Seine Majestät der Kaiser hat verliehen: das Ritterkreuz des Franz Iosef - Or d s n s am Bande des Militärverdienstkreuzes für vorzügliche und aufopferungsvolle Dienstleistung vor dem Feinde dem Oberarzt Dr. Samuel Bier er, Landw.- Spital Czernowitz; das M i l i t ä r v e r d i e n st k r e u z 3. Klasse mit der Kriegsdekoration dem Oberleutnant d. R. Moriz P l a s ch k e s, Inf.-Reg. Nr. 99; das Signum laudis am Bande des Militürverdienftkreuzes (kaiserl. belobende Anerkennung) für tapferes Verhalten vor dem Feinde den Oberleutnants d.R. Bruno L ö w, Div.-Mun.-Park Nr. 4, Emil P o l l a k, 129. Jnf.-Brig., Abraham Klein, Jnf.-Reg. Nr. 37, Alfr. Spira, Jnf.-Reg. Nr. 29, Heinr. Luftschitz, Feldkan.-Reg. Nr. 12; Leop. Hirsch, Feldkan.-Reg. 4,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.