Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 46 (19.11.1915)
- Date
- 1915-11-19
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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iBettr 850 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 46 drei und -jeder von ihnezu verdient, daß sein Name genannt werde. Es sind dies: Benjamin Angel mann, Baruch Grober und Mendel Piesten. Alle drei Soldaten des Festungsartilleriebatalllons .... Wir waren bei Krtinsky, links von der Save, aber weder die Infanterie noch die ihr folgende Artillerie konnte aus dem unaufgeklärten Terrain vorwärtssch reiten. Da traten auf einmal die drei jüdischen Artilleristen hervor. Ihr Kvmmandmrt teilte ihnen je Zwanzig Jnfauteristen Zu, mit denen sie am ersten Tage das Terrain aufklärten, am Zweiten Tage erschöpfenden Bericht einbrachten, während sie am dritten Tage, von drei Leiten angreifend, den Feind im Sturme aus seinen Stellungen vertrieben, wobei alle drei verwundet wurden. Ihr Kommandant, Artillerieoberst F., beförderte alle drei, schlug sie zu einer Auszeichnung vor und sprach zu einem von ihnen, dem er gerade auf dem Hilfsplatz begegnete, während er verbunden wurde, die folgenden Worte: „Meine Juden haben sich tatsächlich so benommen, wie ich es von ihnen erwartet habe." Jetzt sind sie, wie immer, während der ganzen Zeit wieder beisammen, und während sie' zufrieden in den Psalmen, welche sie stets mit sich führen, blättern, denken sie an die bevorstehende Auszeichnung und an ihren neuerlichen Marsch, an die Front." Ire jüdische akademische Verbindung „Anitas" im Kette. Außer den zahlreichen bereits bekannten Auszeichnungen von Mitgliedern der jüdischen akademischen Verbindung „Unitas" wurden in letzter Zeit verliehen: das goldene Verdienstkreuz am Bande der Tapferkeitsmedaille in Anerkennung vorzüglicher Dienstleistung vor dem Feinde dem Militär-Untertierarzt Friedrich Löw des Feldkanonenregiments Nr. 9; die Aller höchste belobende Anerkennung für tapferes Verhalten vor dem! Feinde dem Leutnant i. R. Leo Schick des L.-Jnfanterieregiments Nr. 13. Ein jüdischer Artillerist. Aus Szegedin wird berichtet: Der 14 jährige Sohn des Agenten Moritz Weißseiller war schon vor Mo-, naten verschwunden und nach langem vergeblichen Suchen hatten die Eltern bereits jede Hoffnung verloren, den Knaben je wiederzusehen. Vor einigen Tagen erhielten nun hie Wern eine Feldpostkarte, auf der der Vermißte mit teiltdaß er sich wohl befinde, Soldat sei und mit einem ArtÜleriehauPtmann, der sich seiner annahm, im Felde stehe. Eine auf die Karte geklebte Photographie zeigt den 14 jährigen Knaben in Uniform, wie er gerade das FeldtelepAm bedient Kadett Simon. In einer. Spmdenrubrik der „N. Fr. Presse" zugunsten der jüdischen Landspende finden wir u. a.: „Kadett Simon, Mwokät, aus Freude darüber, daß er wieder und gerade nach dem russischen Kriegsschauplatz abgehen durste — 30 Kronen." Diese und ähnliche Notizen sollte die von Gerechtigkeitsgefühl geleitete „Reichs - post" ihrem Archiv in puncto Ludenstage einverleiben. (Austriacus.) Jüdische KamMe« im Kette. Moritz Roth, Kaufmann in Ceüdömölk, hat drei Söhne als Soldaten. Eugen, Schuldirektor in Neuhäusl, 33 Jahre alt, Familienvater, ist bei der allgemeinen ' Mobilisierung eingerückt, diente als Sanitätssoldat auf dem nördlichen Kriegsschauplätze bis Ende Oktober vorigen Jahres, als bei Jvangorod der ganze Verbandsplatz mit den Aerzten und der Sanitätstruppe in russische Gefangenschaft geriet. Er befindet sich gegenwärtig in Tschita in Sibirien in Kriegsgefangenschaft. Isidor, 29 Jahre alt, Kaufmann, gleichfalls Familienvater, wurde noch acht Tage vor der allgemeinen Mobilisierung uad) Pola einberusen, wo er seitdem! ununterbrochen Dienst macht und durch sein mustergiltiges, aufopferndes Verhalten die Wertschätzung aller seiner Vorgesetzten erworben hat. Bela, 26 Jahre alt, Privatbeamter, ist am 15. Januar eingerückt und kam nach Ablegung der Ofsiziersprüfung als Kadettaspirant-Feldwebel auf den Kriegsschauplatz, wo er wegen seiner Tapferkeit und seiner außerordentlichen Fähigkeiten in kurzer Zeit zum Kadett befördert wurde. Anläßlich eines Vordringens fand er, von einer feindlichen Kugel getroffen, nach, kurzem Leiden den Heldentod. Seine Kameraden, die ihn mit Liebe umgaben, bestatteten ihn aus dem Friedhofe von Muskarov in einem eigenen, bezeichneten Grabe. Witwe Adolf Grosz hat drei Schwiegersöhne und zwei jSöhne beim Militär. Ihr erster Schwiegersohn, Adolf Schermann in Großwardein, ist bei der allgemeinen Mobilisierung eingerückt, kämpft auf dem serbischen Kriegsschauplatz und wurde vom Zugsführer zum Fähnrich befördert. Der zweite Schwiegersohn, Jakob Sal a m o n, Vater von sieben Kindern, kämpft gleichfalls auf dem serbischen Kriegsschauplatz. Ebenso befindet sich der dritte Schwiegersohn, Akiba Goldberger, im Felde. Ihre Söhne, Franz Alpar, Advokaturskändidat, städtischer Steueramtsoffizial in Großwardein, als Offiziersstellvertreter eingerückt, ist bereits heute Oberleutnant, er hat au den vorjährigen großen galizischen Kämpfen teilgenommen und sich wiederholt ausgezeichnet. Der andere Sohn ist 19 Jahre alt und macht gleichfalls Kriegsdienste. Frau Adolf Grosz ist die Witwe nach dem Rabbinatsässessor Adolf Grosz in Tövis. Samuel Scharf, Vorbeter und Pächter in Riese, Zempliner Komitat, hat drei Söhne -im Felde. Der eine, Desider, Vater von drei Kindern, ist Beamter einer Holzniederlage, er hat in seiner Jugend in mehreren urigarischen Jeschiboths Talmudstudium getrieben. Am 15. Dezember 1914 rückte er ein. Er nahm an vielen Kämpfen teil, erhielt am 2. Juni Schüsse in die Hüfte und die Lunge und wird jetzt in einem' Spital in Szatmar gepflegt. Ludwig ist gleichfalls verheiratet und Kaufmann. Er ist bei der allgemeinen Mobilisierung eingerückt und ist mit dem Falle von Przemysl in russische Gefangenschaft geraten. Er war einst der hervorragendste Schüler der berühmten Jeschiboth von Kiralyhelmec, Bonyhad nsw., und galt als besonders hervorragender Talmudist. Ignatz ist bei Kriegsausbruch eingerückt, am 24. Mai wurde ihm der Arm durchschossen. Er wird gegenwärtig in Budapest gepflegt. David Löwen köpf, gleichfalls in Riese wohnhaft, hat zwei Söhne im> Feld?, welche gleichfalls hervorragende Talmudisten sind. Sein Sohn Koloman verbrachte sein ganzes Leben mit dem Studium des Talmud und der hebräischen Literatur. Er: absolvierte die größten ungarischen Jeschiboth. N?benbei legte er innerhalb von drei Jahren am' evangelischen Obergymnasium in Nyiregyhaza die Matura mit gutem Erfolge ab. Am 15. Mai rückte er als Einjährig-Freiwilliger ein und kämpft seit Juli gegen die Russen. Nathan, ebenfalls ein ausgezeichneter Talmudist. Aus dem Helden der Pilpulistik wurde seit dem 1. August 1915 einer der tüchtigsten Soldaten der Schützendivision Nr. 9. Seit elf Monaten kämpst er auf öent nördlichen .Kriegsschauplätze, wo er zum Gefreiten befördert wurde und für sein tapferes Verhalten in der Lchlacht bei Jvangorod