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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-11-05 · 44 (5.11.1915) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
44 (5.11.1915)
Date
1915-11-05
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 44 Dr. Bloch's Wochenschrift Teile 827 ihr so nahe, daß er sie zu zwingen meinte in leiden-' schaftlicher Trunkenheit. Da ereignete sich etwas gar Seltsames unter den drei Mädchen aus der Terrasse. Die Sonne war int Untergehen; sie sahen, sich umschlungen haltend,^dem schönen Sterben zu und sangen die liebliche stelle aus dem hohen Liede: „Ich bin eine Blunre in Saron und eine Rose im Tal". Da zuckte es wie ein weißer Schimmer über ihnen, es senkte sich eine seine, bleiche Hand herab und griff nach der Hand Abisags, und eine weichtönende Stimme sprach die Trauungssorutel: „Haie. at mekudeschet li". Darauf erhob sich die bleiche Hand, wie eine Taube glänzend, und verschwand. Die Mädchen hatten innegehalterr im Liede und sahen und hörten schweigend, was eben sich zwischen ihnen ereignete. Nur war es seltsam, daß keine von ihnen über die wunderbare Erscheinung und die weichtönende Stimme erstaunte, und sie sangen wieder: „Mein Freund ist weiß und rot, auserkoren unter vielen Tausenden. Sein Haupt ist das feinste Gold, seine Locken sind kraus, schwarz wie ein Rabe, seine Lippen sind wie Rosen, die von fließenden Myrrhen triefen." Bald nach dieser Begebenheit wurde Abisag von ihren Eltern einem Manne verlobt. Da erschien ihr ein Jüngling mit eingefallenen Wangen und drohte ihr, sie zu verklagen beim Besdiu, denn sie sei bereits ihm angetraut seit jenem Abend, wo er ihr die Hand gereicht und die bindende Trauungsformel gesprochen. Abisag war sehr erschrocken und ging zum Oberrabbi von Jerusalem und erzählte ihm, was ihr widerfahren sei. Der Oberrabbi mit seinem Besdin erkannte aber die Verlobung mit der Hand als zu Recht bestehend an und verschob die Heirat auf ein volles Jahr. Die Eltern des Mädchens hörten nicht auf diese Entscheidung und bauten einen Trauhimmel auf und führten unter Zimbelklang und Paukenschall ihre Tochter Abisag dem harrenden Bräutigam zu. Siehe da, wieder die seine Hand und eine weichtönende Stimme sprach: „Wenn es mir nicht gegönnt ist, daß Du mein Weib seiest, so will ich einen Kuß von Dir haben." Die Umstehenden sprachen: „Auch zwölf, wenn Du willst". Der Unsichtbare küßte, so daß man es hören konnte, die junge Braut, und sie sank, vom Kusse getötet, lautlos zu Boden. Jüdische Fir stengeschrechter im Kaukasus. >Man schreibt der „Frankfurter Zeitung": Wie kürzlich berichtet wurde, ist G r o ß f ü r st Nikolaus von Rußland bei seiner Ankunft in Tiflis von einer Abordnung der kaukasischen Fürstengeschlechter unter Führung des Fürsten Bagration- Jmeretinsky begrüßt worden, die ihm ihre Treue und Anhänglichkeit an den Zaren zum Ausdruck brachte. Ob Großfürst Nikolaus, der in diesem Kriege die Juden Westrußlands und Galiziens so unmenschlich behandelte, bei diesem Empfange wohl daran gedacht haben mag, daß ihm in den kaukasischen Fürsten, deren Huldigung er gnädig entgegennahm, Abkömmlinge der ältesten jüdischen Familien des russischen Reiches gegenüberstanden? Denn es gibt im Kaukasus kein Fürstengeschlecht, das seinen Stantmbaum nicht bis in die ferttfteit Zeiten oer jüdischen Geschichte zurückführt, und es ist eine historisch beglaubigte Tatsache, daß die Juden vor mehr als zweiundeinhalb Jahrtausenden in den Kaukasus kamen. Nachdem der assyrische König Tiglat-Pileser das israelitische Nordreich niedergeworfen hatte, verpflanzte er nach der Kriegssitte der damaligen Zeit die Ueberwundenen nach einer entfernten Gegend seines Reiches, und er wählte dazu die Gebirgstäler des Kaukasus, der damals zu Assyrien gehörte. Durch Zuzug aus Babylon, später auch aus Palästina, wurde die Zahl der im Kaukasus lebenden Juden ständig vermehrt, und ihr Ansehen wuchs ganz außerordentlich, als mehrere der eingeborenen Völkerschaften, darunter die wichtigen Ehazaren, den jüdischen Glauben annahmen. Als der Islam aus seinem Eroberungszug auch nach dem Kaukasus kam, fielen die bekehrten Völkerschaften vom Judentum ab, mir ihnen auch ein Teil der jüdischen Stämme, die sich nach der Eroberung des Kaukasus durch hie Russen dem orthodoxen Glauben zuwandten. Die Osse- : e u, T s ch e t s ch e n z e n, Z a c ch u r e n, M i n g r e l i e r u. a. gelten als Abkömmlinge von Juden, und ihre mediatiiierten Häuptlinge nehmen in Rußland Fürstenrang ein. Die Fürsten von Mingrelien führen den Titel Dadian, der ihre Abstammung von König David bezeichnen soll, und ein Dadian von Mingrelien war nach, dem Sturz des Fürsten Alexander von Bulgarien und vor der Wahl des Prinzen Ferdinand von Koburg russischer Kandidat für den bulgarischen Fürstenthron. Auch der Sprecher der vom Großfürsten Nikolaus empfangenen Abordnung, der Fürst B a g r a t i o n - I m eretinsr y, stamint aus jüdischem Geschlech'-, denn die Familie der Bag rat uni (woraus der Name Bagration entstand', wird schon vom Historiker Moses von Chorone als eine der angesehensten jüdischen Familien des Kaukasus in den Jahrhunderten vor Christi Geburt erwähnt. Bezeichnend für die ernste Auffassung dieser Ueberlieferung erscheint der Umstand, daß der „Ainiuaire de la noblesse de la R issie eontenant le-i princes de Vempire“, der in der kaiserlichen Druckerei in Petersburg gedruckt wird, sich auf das ausführlichste mit der jüdischen Abstammung des Fürstengeschlechtes Bagration-Jmeretinsky beschäftigt und dabei ausdrücklich hervorhebt, daß die Fürsten Jmeretinsky an ihre Abstammung vom König David glauben und daß keine andere souveräne Dynastie einen so alten Ursprung Nachweisen könne. In der Genealogie der Bagration kommt der Name David in früheren Jahrhunderten nicht selten vor, so gab es 881 einen David I., dann einen David II. ,.U* Reparateur“ u. s. f. Wie der erwähnte Anmmiie bemerkt, bekannten sich die Träger der Fürstenkrone der Bagration Jahrhunderte hindurch zum jüdischen Glauben, und erst durch Verfolgungen aller Art sind sie gezwungen worden, ihren Väterglauben abzuschwören und Christen zu werden. Tr. K. H. Zu dem vorstehenden Aufsatz in der „Frankfurter Zeitung" schreibt ein „Eingesendet" in Nr. 299: Die Chazaren snd nicht eine im Kaukasus eingeborene Bölkerschaft, sondern ein westtürk.scher Stamm, der erst im 7. Jahrhundert, als schon mohammedanische Herrscher in die Kauka'usländer eingedrungen waren, von seinen Stammsitzen am Ural nach Süden verdrängt wurde und später von der Krim aus ein großes Reich gründete. Der Uebertritt eines Teils der Chazaren (unter dem Fürsten Bulan) zum Judentum erfolgte erst im 8. Jahrhundert, so daß ein „Abfall" zum Islam jedenfalls nicht bei der mohammedanischen Eroberung erfolgen kennte. Auch ist es unrichtig, daß nach der Eroberung des Kaukasus durch die Russen, die im wesentlichen erst im 19. Jahrhundert erfolgte, ein Maslenübertritt „jüdischer Stämme" zum orthodoren Christentum erfolgte. Die georgischen Stämme, die der Einsender nennt, waren schon längst vor der russischen Herrschaft zum griechisch-orthodoren Glauben bekehrt und hatten eine eigene Nationalkirche, deren Oberhaupt im Kloster Gelati bei der Hauptstadt von Jmeretien, Kutais, residierte. Die Osseten aber, die teils das Christentum, teils den Islam bekennen, sind iranischer Herkunft und sprechen einen dem Neupersischen verwandten Dialek. Die Ueberlieferungen einzelner Bölker und namentlich „fürstlicher" Familien (der Fürstm'iiel entspricht im Kaukasus höchstens dem gewöhnlichen Adelsprädikat), die ihre Abstammung auf jüdische Stämme oder gar Könige zurück-

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