Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 44 (5.11.1915)
- Date
- 1915-11-05
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Sene 826 Dr. Blochs Wochenschrift N7. 44erworben. Von Sr. Majestät wurde er mit der goldenen Verdienstmedaille für 40 jährige treue Dienste ausgezeichnet. Beim Leichenbegängnisse waren nebst den näheren Verwandten zahlreiche Freunde des Heimgegangenen, der Präsident der Chewra-Kadischa Herr Salo Cohn mit mehreren Vorstandsmitgliedern, mehrere Kultus- und Bethausvorsteher, Vertreter der Beamtenschaft der KultusAemeinde, sowie Deputationen einiger wohltätiger Vereine, deren Mitglied der Heimgegangene war, anwesend. Rabbiner Dr. Mar G r u n w a l d hielt dem Verschiedenen einen warmempfundenen., tiefergreisenden Nachruf, in welchem er das arbeitsreiche, pflichterfüllte Leben des allgemein geschätzten Verklärten zum Herzen gehend, zeichnete. Oberkantor Morgenst e r n rezitierte dann das Hazur tomin mit Chorbegkei.ung in bekannter Meisterschaft, worauf Bethausvorsteher Dr. E. Müntz namens des Vereines zur Unterstützung armer alter Männer, dessen langjähriges Vorstandsmitglied der Heiingegang n: war, ergreifende Abschiedsworte sprach. Sodann rezitierte Herr Kantor Funke das Jauschew besesser mit Chorbegleitung, worauf der Sarg zur letzten Ruhestätte geleitet wurde. Am offenen Grabe stimmte Herr Funke ergreifend das El mole rachamin an. Errichtung eines Rekonvalrszentenheimes. Der Zweigverein Wien, 2. Bezirk, Leopoldstadt, des Patriotischen Hilfsvereines vom Roten Kreuz für Niederösterreich hat in Wien, 2. Bezirk, Schüttauplatz Nr. 18, ein Rekonvaleszentenheim mit einem Fassungsraum für 200—250 pflegebedürftige Soldaten in eigene Verwaltung übernommen. Gegen Vorweisung der Vereinsmitgliedskarte beim Jnspektionsoffizier können die Vereinsmitgliedcr das Heim an jedem Dienstag und Donnerstag, zwischen 2 und 4 Uhr nachmittags, besichtigen. Biblischer Abend in der Urania. Nicht nur durch die religiöse Einkehr, di: der Krieg bewirkt hat, auch durch die Babel-Bibrlforschung, di: mii Jrriümern und Wahrheiten ins große Publikum getrag:n wurde, hal sich dem Buch der Bücher ein gesteigertes Interesse zugewendet. Seitdem tauchen Stücke der Bibel im Programm der berühmtesten Rezitatoren auf. So veranstaltete die Urania, Montag, den 1. November, am Feiertag, einen biblischen Abend, in dem die meisterhaft vorgetragenen Gesänge von Händel, S ch u h m a n n, Hugo Wolf, vor allem aber die monumentalen, noch immer nicht genug gewürdigten Psalmenkompositionen unseres großen heimishen Meisters, Anton D w o i a k, bewiesen, wie di: Meister der Musik, leider sogar in jüngster Zeit die Operettenkomponisten, immer wi:der zu alttestamentarlichen Süjets gre.fen. Wer hätte aber noch vor sechs, sieben Jahren als Rezitator wagen dürfen, wie es der treffliche Direktor der Neuen Wiener Bühne, Emil Geyer getan, mit Stücken aus dem Testament wahre Beifallsstürme zu entlocken. Die Schöpfungsgeschichte wirkte wie ein Gesang aus einem Epos, das liebliche Elieseridyll — wohl noch heute die Art, wi: angesehene Beduinenfürsten ihren Söhnen die Braut verschaffen — als holdes Wüstenmärchen, der Tod Simsons mit mächtiger Tragik, die bewies, wie alle dramatischen Elemente von Miltons herrlicher gleichnamiger Dichtung in der Bibel vorgearbritet sind. Nach einigen weniger glücklich grwählten Stellen aus dem Neuen Testament, entfesselte die milde Bergpredigt wieder stürmischen Beifall, nur hätte ich der beifallslustigen Jugend gerne erwähnt, daß dies: Lehren eines jüdischen Weisen schon alle von früheren jüdischen Wei'en gepredigt wurden. Leider hat es die Urania verabsäumt, in jüdischen Blättern Propaganda zu machen, da der schöne Abend auch für die jüdische Jugend Belehrung und Erbauung gebracht hätte. Zu meinem Erstaunen mußte ich bemerk-n, wie wenig der Wortlaut beider Testamente dem Wiener Publikum geläufig ist, da ich mehrere fragen hörte, ob diese Stücke schon dichterisch bearbeitet vorliegen, oder dies der Urtert sei. Wenn man biblische Stücke so meisterhaft vortragen hört, so wird die Behauptung David Heinrich Müllers immer wieder bekräftigt, daß alle drei heiligen Bücher der monotheistischen Religionen — vom Koran war es ja allbekannt — auf rhythmischen Vortrag berechnet und dafür gestaltet sind. Die Urania würde sich ein Verdienst erwerben, wenn sie die Vorlesungen und Rezitationen, vielleicht um solche aus dem Koran unserer Verbündeten erweitert, sortsetzen würde. C. B. Austritte aus dem Judentum vom 17. bis 30. Oktober 1915. Adler Jakob, Prokurist, geb. 24. August in Totis, Ungarn, 17. Bez., Kurlandgasse 4. Blödy Rosalia, geb. 8. Mai 1876 in Unin, Ungarn, 10. Bez., Katharinengasse 18. Arthur (EHer, Geschäftsdiener, geb. 31. Oktober 1833 in Turin, 18. Bez., Paulinengasse 16. Leo Fürnberg, k. k. Postofsizial, geb. 19. Juli 1879 in Urfahr- Linz, 3. Bez., Hetzgasse 8. Hauser Hans, Chauffeur, geb. 24. Mai 1892 in Wien, 10. Bez., Quellengasse 130. Richard Ram, Handlungsreisender, geb. 31. Juli 1899 in Wien, 3. Bez., Marrergasse 5. Ludwig Schwarz, Buchhalter, geb. 21. Februar 1877 in Wien, 2. Praterstraße 15. Richard Sofer, Einjährig-Freiwilliger, geb. 21. September 1892 in Korneuburg, derzeit in Korneuburg. Jenny Wertheimer, Private, geb. 29. Juli 1883 in Wien. 4. Bez., Starhemberggasse 47. Baden bei Wien. Samstag, den 27. November, findet im israelitischen Tempel in Baden die Barmizwah- Feier zweier Söhne des Herrn Oberrabbiners W. R e i ch — Ernst und Sigmund — statt. Die Ansprache der Konfirmanden erfolgt nachmittags im Hause des Herrn Oberrabbiners, Theaterplatz 1. Krems a. d. Donau. Donnerstag, den 21. Oktober, fand hier unter großer Teilnahme und mit vollen militärischen Ehrenbezeugungen das Leichenbegängnis des hier im k. u. k. Reseroespital verstorbenen Infanteristen des Landwehr-Infanterieregimentes Nr. 36, Mendel Schieber, gewesenen Lehrers in der Bukowina, statt. Derselbe kam erst vor drei Wochen verwundet vom Kriegsschauplätze in das hiesige Spital, woselbst er seinen Verletzungen erlegen ist. An dem Leichenbegängnisse nahmen, außer vielen Mitgliedern der hiesigen Kultusgemeinde, unter anderem teil: Spitalskommandant Regiment-arzt Dr. Philipp, der Oberleutnant und Kommandant des Wachbataillons, Chefarzt Dr. M ü n ch, Assistenzarzt Dr. P o l l a k, der zufällig hier weilende ungarische Feldseelsorger Dr. Deutsch, zahlreiche Militärs u. a. Bezirksrabbiner Dr. M. E. Mehrer widmete dem Verblichenen einen ergreifenden Nachruf. Die Hand. Eine jerusalemitische Sage. Bvn Ludwig August Franki. Die Sonne stand noch am Himmel, als drei Mädchen auf einer Terrasse saßen, wo drei Mandelbäume mit roten Blüten standen. Die eine hieß, wie jenes schöne Mädchen aus SuneM, Abisag; ihre Wangen waren, „wie der Ritz am Granatapfel, zwischen schwarzen Köpfen". Die zweite -hieß Sultana, ihre Augen waren blau und man konnte sie wie die Sulamits Taubenaugen nennen; „ihr Haar glänzte schwarz wie die Ziegenherden, die beschoren sind auf dem Berge Gilead". Die dritte hieß Mirjam, ihre Lippen glänzten „wie eine rosinenfarbige Schnur" und alle drei waren „lieblichen Ansehens". Diese drei Mädchen saßen auf der Terrasse und sprachen allerlei heitere Reden, wie Mädchen pflegen, und banden sich Blumen zwischen die goldenen Spangen an ihren Schläfen und in ihre mit goldenen Flittersternchen geschmückten Haare, die in vielen Flechten aus ihrem Nacken bis an die Lenden fielen. < Um dieselbe Zeit saßen drei junge Schüler in der Jeschiba eines frommen Rabbi am Fuße des Berges Zion und sprachen von einigen schweren Fragen im Talmud und bemühten sich, die Lösung zu 'finden. Einer von ihnen aber hörte nur scheinbar aufmerksam zu; seine Wangen waren bleich und eingefallen von vielen Nachtwachen, und seine beiden Freunde warnten ihn schon oft getreulich, nicht mit den Geistern anzubinden. Er aber wollte Macht über sie gewinnen und studierte die Kabbala. Seine Freunde waren jetzt zu eifrig in einen talmudischen Streit verwickelt und merkten nicht auf ihn, der in tiefster Gedankensehnsncht an Abisag dachte, der er mit verzehrender Glut, ohne Gegenliebe, liebte. Er träumte so mächtig von ihr und fühlte sich