Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 43 (29.10.1915)
- Date
- 1915-10-29
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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S-ike 806 Dr. Bloch's Wochenschrift mr. 43 So erfreulich diese Tatsache an sich auch sein nrag, muß es doch jedem Kenner der Verhältnisse auffallen, daß neben manch' Richtigem und Zutreffendem auch sehr viel Unrichtiges und Entstelltes geboten wird. Oft werden sogar in bester Absicht Vorstellungen über ostjüdisches Wesen und Leben verbreitet, die zu den wirklichen, wirtschaftlichen, kulturellen, religiösen, sozialen und politischen Zuständen in krassem Widerspruche stehen: Wesentliches wird übersehen, Unwesentliches hervorgehoben —/ von den Fällen nicht zu reden, in denen infolge falscher Information oder gar aus böswilliger Absicht die abenteuerlichsten Dinge erzählt werden. Daß hierdurch die Ostjuden, die ja gerade jetzt samt ihrer Umgebung vor großen Schicksalswendungen stehen, in ihren lebenswichtigsten Interessen bedroht werden und mittelbar die gesamte Judenschaft gefährdet wird, liegt aus der Hand, Abhilfe ist dringend nötig. Wir, die Unterzeichneten, sind darum zusammengetreten, um sie zu schaffen. Wort und Schrift wollen wir benützen, um über die Lebenstatsachen des Ostjudentums Klarheit zu verbreiten, eine richtige Wertung der ostjüdischen Probleme anzubahnen und Jrrtümern, wo und in wessen Interesse immer sie auftauchen mögen, entgegenzutreten. Das Büro, das wir zu diesem Zwecke eröffnen, wird eine ebenso gründliche und systematische, wie vielfältige Arbeit zu bewältigen haben. Es wird sie nur dann leisten können, wenn ihm die weitesten jüdischen Kreise ihre moralische und materielle Unterstützung gewähren. Wir bitten demgemäß um Ratschläge, Anregungen, Mitteilungen, wir bitten um Förderung durch einmalige oder periodische Betragsleistungen. Die Bedeutung der Sache läßt uns hoffen, daß wir keine Fehlbitte tun. Das Komitee zur Aufklärung über ostjüdische Fragen: Dr. Wilhelm Berkel Hammer, Dr. Nathan Birnbaum, Dr. I. S. B l o ch, Dr. Max B r o d, Dr. B. S. Feldmann, Rabbiner Dr. Max Grnnwald, Red. Meir Henisch, kais. Rat Karl Hirsch, Dr. Hermann Kadisch, Dr. Anselm Kleinmann, Red. B. Locker, S. Meiselis, Dr. Karl Pollak, Red. M. N. Racker, Reichsratsabgeordneter Heinrich Reizes, Dr. Ignaz Sch i p p e r, Rabbiner Gedalje S ch m e l k e s, Siegfried Schmitz, Adolf S t a n d, Dr. W. Stein, Dr. F. Sternberg, Ob.-Jngenieur Robert Stricker, Löbl Taubes, k. 'k. Reichsratsrevisor Rudolf T a u ß i g. Adresse: Komitee zur Aufklärung über ostjüdische Fragen, Wien, 9. Bez., Seegasse 25/15. Zahlstelle: Bankhaus A. Hecht, Wien, 15. Bez., Mariahilserstraße 138. Die LuMShellstätte. Infolge der Kriegsereignisse versendet dieser, bekanntlich aus alleinige Initiative eines' unserer Glaubensgenossen, Hofrat Eduard Lang, geschaffene Verein verspätet den Bericht über seine Tätigkeit in den Jahren 1913 und 1914 in der, wie der preußische Staatsminister von Dellbrück sagte, aus der ganzen Welt einzig dastehenden, Ende 1913 erösfneten Lupushellstätte am Saume des Wienerwaldes. (Ottakring, Finsenstraße, wie nach dem mll 45 Jahren verstorbenen dänischen Lupusbekämpfer auf Längs Vorschlag der noch recht einsame „Gebirgspfad"' benannt wird.) Bekanntlich war einer der Unsrigen, Primarius Dr. Alfred Jungmann, der gute Geist des Hauses Jungmann, über den als eines der ersten und unersetzlichsten Kriegsopfer unser Blatt eingehende Nekrologe brachte. Er hat noch den Bericht, der durch einen Nackruf aus ihn eingeleitet wird, zum größten Telle verfaßt. Im ganzen wurden bis jetzc 2300 Kranke, darunter 325 Kinder unter vierzehn Jahren, behandelt, und zwar 103 Nichtösterreicher aus aller Herren Länder. Der Lupus war bekanntlich vor Lang und Finsen, die fast gleichzeitig, aber aus ganz verschiedene Art (Finsen Bestrahlung, Lang Operation) der Krankheit zu Leibe" gingen, vollkommen unheilbar. Die Krankheit taucht zumeist im zweiten und dritten Lebensjahre, dann bis vierzehn Jahren,'sehr selten nach zwanzig auf. Sehr wertvolle Beiträge von Gelehrten aus Nichtvereinskreisen betonen im Bericht, daß von 40.000 unheilbaren Lupösen in Oesterreich alle geheilt hätten werden können, wenn damals schon die Hellstätte existiert hätte, daß jetzt der Lupus'in zwanzig Jahren nur mehr eine heilbare Kinderkrankheit sein wird, daß kein Geistlicher, Lehrer, Religionslehrer einer Konfession Wien verlassen sollte, ohne den Hellpalast besucht zu .haben, weil durch sein rechtzeitiges Erkennen der Krankheit bei einen: Kinde — sie taucht zumeist auf der Oberlippe /aus — er ein Menschenschicksal retten kann. Ein Zehntel der Patienten sind Juden, was doch aus eine ziemliche Verbreitung dieser schlimmsten Art der Tuberkulose unter '/nserem Volke schließen läßt. Im Kuratorium ist außer Hofrat Lang noch Herr Geheimer Justizrat von Bach rach und Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Abel (Vizepräsident) ganz hervorragend tätig, unter den Spendern wetteifert Hochadel und Großindustrie mit Staat, Stadt und Land, während unsere Glaubensgenossen offenbar Wangels genügender Propaganda weniger vertreten sind, wie anderwärts. Möchte doch jeder, der mit dem bescheidensten afler Gelehrten, Hofrat Lang, einmal als Arzt, Patient oder sonst zusammengetroffen ist, den wenn auch kleinsten Beitrag zum Eduard Langfond (Postsparkasse 102.910) liefern, dessen Zinsen der Heilstätte zufließen. C. B. An die Judenschaft Galiziens! und der Bukowina. Auf Weisung der Regierung sind die politischen Behörden gegenwärtig mit der Erhebung und Feststellung der Kriegsschäden beschäftigt. Von seiten mancher Bezirkshauptmannschaften werden auch spezielle Formulare behufs Anmeldung der erlittenen Schäden an die Interessenten verabreicht. Da diese Anmeldung, bezw. amtliche Erhebung der Schäden einzig und allein die Basis' für eine eventuelle staatliche Entschädigung bilden wird, ist die rechtzeitige Vornahme der Schadenanmeldung bei den betreffenden politischen Behörden im Interesse der Beschädigten dringend geboten. Indem wir nun die Judenschaft Galiziens und der Bukowina daraus nachdrücklichst aufmerksam machen, fordern wir sie gleichzeitig in ihrem eigenen Interesse auf, allerorts unverzüglich spezielle S chaden erheb ungskoMiitees ins Leben zu rufen. Diesen lokalen Komitees würde einerseits die Aufgabe zufallen, der jüdischen Bevölkerung des betreffenden Ortes oder Bezirkssprengels bei der vorzunehmenden, amtlichen Schadenanmeldung mit Rat und Tat beizustehen, andererseits müßten sie auch für die Heranziehung der Juden'zudenSchätzungskommissionen Sorge tragen. Letzteres uM so dringlicher, als die Juden sonst der Gefahr einer einseitigen Schätzung laufen könnten. Parallel mit der Wirksamkeit dieser einzelnen Ortskomitees werden wir selbstredend auch unsere seinerzeit eingeleitete Aktion fortsetzen. Jüdisches Schadenerhebungs-Büro, Wien, II., Zirkusgasse 33. Eine patriotisch-religiöse PietätZpslicht. Der Brünner Oberkantor und Chordirektor Herr Joses Heller, derzeit als Militärspitalsseelsorger tätig, schreibt uns: