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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-10-29 · 43 (29.10.1915) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
43 (29.10.1915)
Date
1915-10-29
Page
– (sequence 9)
Language
German
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■Ur. 43 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 805 den gehörte auch der Polizeibeamte Schasir und der Kaufmann Pr an in, beide als Hauptschuldige am Kischinewer Pogrom bekannt und seinerzeit viel genannt. Die gerichtliche Untersuchung der blutigen Pogromereignisse wurde ursprünglich dem Kischinewer „Untersuchungsrichter für besondere Angelegenheiten", K a l - towski, anvertraut. Dieser Beamte war als ruhiger, ehrenhafter Mann sehr geschätzt und beliebt. Er hatte sich aber gerade deshalb in „höheren Sphären" vielfach mißliebig gemacht. So versah er zwanzig Jahre hindurch das Amt eines „Untersuchungsrichters für besondere Angelegenheiten" in Kischinew . . . K a l t o w s k i nahm seine „Ausgabe" allzu ernst und war aus dem besten Wege, die an den Kischinewer Bluttaten eigentlich Schuldigen ausfindig zu machen. Da erhielt er die telegraphische Mitteilung aus Petersburg, daß er für einen höheren Posten ausersehen sei. . . . Das war das Werk des damaligen russischen Ministers des Innern von Plehwe, der den „unliebsamen" Mann durchaus „unschädlich" machen wollte. Als sein Nachfolger wurde darauf der besagte Freynoht zum „Untersuchungsrichter für besondere Angelegenheiten" in Kischinew ernannt. Er faßte seine Aufgabe gleich richtig aus und führte die „Untersuchung" so zu Ende, daß zuletzt nicht die eigentlichen Pogromftister, sondern — die Juden als die Schuldigen aus ihr hervorgingen. Dieses Ergebnis imponierte dem Zaren Nikolaus II. so, daß Freynoht gleich daraus auf allerhöchsten Befehl zu einem hohen Posten im Polizeidepartement berufen wurde. Hier wurde er bald mit dem Obersten Mjassojedow befreundet. . . . („Jüd. Rundschau.") Abraham potocki. Das nunmehr unter deutscher Verwaltung stehende Wilna erinnert an eine aufsehenerregende kulturhistorische Begebenheit aus dem 17. Jahrhundert, über ivelche polnische Geschichtsschreiber folgendes berichten: Ein Angehöriger des gräflichen Hauses Potocki, geboren zu Wilna, beschäftigte sich schon in seiner frühesten Jugend mit theologischen Studien. Er prüfte die Dogmen aller bekannten Religionen und unternahm Rusen in verschiedene Länder Europas, um sich mit gelehrten Männern über religiöse Fragen zu unterhalten. Nach längerem Aufenthalte in Paris, wo er mehrere Disputationen mit den Professoren der Sorbonne abhielt, ging er nach Italien, wo er sich längere Zeit aufhielt, viel mit gelehrten Juden verkehrte und den Entschluß faßte, in den Bund der israelitischen Religion einzutreten. Allein die Rabbiner, die den Zorn des Papstes fürchteten, gingen aus seinen Wunsch nicht ein und rieten ihm, in seinem eigenen Interesse Italien schleunigst zu verlassen. Er ging hierauf nach Holland, wurde in Amsterdam Jude, erhielt den Namen Abraham und wiomete sich fortan mlt großem Eifer dem Studium des jüdischen Schrifttums. Nach einigen 'Jahren verließ Abraham ^Potocki Amsterdam und unternahm, als polnischer Jude verkleidet, eine Reise in die alte Heimat. In seiner Geburtsstadt Wilna angelangt, wurde er' aber erkannt und auf Veranlassung seiner einflußreichen Verwandten in den Kerker geworfen. Er protestierte gegen die ihm angetane Schmach, leugnete auch, ein Graf Potocki zu sein, aber nachdem er schrecklichen Martern unterzogen worden war, gestand er alles Vorgefalkene ein und wurde auf Betreiben ddr eigenen Familie zum Feuertode verurteilt. Lelewel in seiner Biographie des Grafen Potocki (Wilna 1805) teilt die Worte mit, die der Verurteilte angesichts des Todes an die Beiwohner des grausigen Schauspiels gerichtet hat: „Glaubet nicht, daß es eine Gerechtigkeit sei, die ihr ausübt. Die Wahrheit ist bei Gott — ich sterbe für meine Ueberzeugnng." Und mit dem Ruse: „Höret ihr alle, der ewige Gott ist der Ewig-Einzige," stürzte er sich in die Flammen. Tie Juden Wilnas setzten später seine Asche auf ihrem Gottesacker bei. Korrespondenzen. Einlauf für die Plenarsitzung des Kultusvorstandes vom 24. Oktober 1915. Im Einlaufe befinden sich: Ein Dankschreiben des Reichsratsabgeordneten Dr. Julius Ofner für die Gratulation des Vorstandes anläßlich der Feier seines 70. Geburtstages. Dankschreiben des Herrn Prof. Dr. Moriz Benedikt für die Gratulation des Vorstandes zur Feier seines 80. .Geburtstages. Dankschreiben des Hofrates Prof. Dr. A. Politzer für die Gratulation des 'Vorstandes anläßlich der Feier seines 80. Geburtsfestes. Dankschreiben des k. k. Sektionsrates Dr. Arthur G o l d m a n n für die Gratulation des Vorstandes anläßlich seiner Ernennung zum k. k. Sektionsrat. Dankschreiben des Herrn k. k. Univ.-Prosessors Dr. S. Klein für die Gratulation des Vorstandes anläßlich der Feier seines 70. Geburtstages. Dankschreiben des Herrn Hofrates Ignaz Konta für die Gratulation des Vorstandes aus Anlaß der Feier seiner Goldenen Hochzeit. Dankschreiben des Herrn Adolf Schreiber für die Gratulation des Vorstandes zur Feier seines 80. Geburtstages. Dankschreiben der Herren Louis Freiherr v. Rothschild d, der Bankdirektoren Alois W e i s h u t und Tr. Paul H a m m e r s ch l a g für die Gratulation des Vorstandes anläßlich der Verleihung der Allerhöchsten Auszeichnung. Dankschreiben des Vorstandsmitgliedes der ifrael. Kultusgemeinde Herrn Ernst Hirsch für die Kondolenz des Vorstandes anläßlich des Äblebens seines Schwiegervaters, des Herrn Carl Lang s. A. Dankschreiben des Vorßandsmitgliedes der Kultusgemeinde Herrn Max Zirner für die Kondolenz des Vorstandes anläßlich seines auf dem Felde der Ehre gefallenen Sohnes Josef Zirner s. A. Dankschreiben für die Kondolenz des Vorstandes: Herr Kommerzialrat Eduard Wiener anläßlich des Ablebens seiner Tochter. Frau Jeanette Schefstel, anläßlich des Ablebens ihres Gatten, des Herrn kais. Rates Naumann Schefstel sel. Andenkens. Frau Therese Singer, anläßlich des Ablebens ihres Gatten, des Herrn Adolf Singer s. A. Frau Zipora Braun, anläßlich des Ablebens ihres Gatten, des Herrn Religionslehrers Wilhelm Braun s. A. Dankschreiben der Frau Malvine Ziffer für die Widmung eines Heldengrabes für ihren Sohn, Einj.- Freiwilligen der k. k. Festungsartillerie Nr. 6 Tr. Phil. Felix Ziffer s. A. _ An die jüdische Oefftntlichkeit! Durch die kriegerischen Ereignisse im Osten, die Befreiung Galiziens und das sieghafte Vordringen der verbündeten Truppen in Polen, Litauen und Wolhynien sind Millionen von Ostjuden, die diese Gebiete in großen Massen bewohnen, Europa näher getreten. Das Interesse der breitesten Oefsentlichkeit hat sich infolgedessen dem ostjüdischen Problem zugewendet.

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