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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-10-22 · 42 (22.10.1915) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
42 (22.10.1915)
Date
1915-10-22
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 42 Dr. Blvch's Wochenschrift Seite 789 Zum Leichenbegängnis des vereinigten Vizepräsidenten der isracl. Knltnsgemeinde Dr. Gustav Kohn. In Ergänzung unseres vorwöchentlichen Berichtes über das Leichenbegängnis des verewigten Ersten Vizepräsidenten Dr. Gustav Kohn sei noch hervorgehoben, daß die Chewra-Kadischa Wien, I., bei dem Leichenbegüngnis durch eine Abordnung, bestehend aus dem Präsidenten Herrn Salo Cohn, dem Vizepräsidenten Herrn Dr. Markus Spitzer und den Vorstandsmitgliedern Herren S. Gold m a n n, Jakob K a r p e l c s, Philipp K o h n, Carl L e m b e r g e r, S. Simon und S. S t e in e r vertreten war. Herr Präsident Salo Cohn hat dem Verblichenen namens der Chewra-Kadischa, wie bereits erwähnt, einen eindrucksvollen, warmen Nachruf gehalten. Der Brigittenauer Tempelverein war vertreten durch die Vorstandsmitglieder Herren Bernhard Beck, Adolf Lö w y und Dr. Maximilian Weißen stein; der Verein „Fides", 3. Bezirk, durch den Obmann Josef Popper junior und die Herren S. Frost und Adolf Ungar; außerdem sind noch nachzutragen die Hof- und Gerichtsadvokaten Dr. Türkei, Dr. Geza Winter und Dr. Winternitz. — Die Religionslehrer waren sämtlich — mit Herrn Rotter an der Spitze — erschienen. Trauerkundgebungcn für Vizepräsident Dr. Gustav Kohn. Freitag, den 8. d. M., drang die Trauernachricht in den Mädchen-Unterstützungsverein, lvo Frau Direktor Ulmann gerade einer Arbeitssitzung der „Weiblichen Fürsorge" präsidierte, in der u. a. die Damen Dr. Feuchtivan g, Dr. Grunwald, Hermine Kadisch und Martha Stiaßny anwesend waren. Die Sitzung wurde sofort unterbrochen. Kein Auge blieb bei dem Nachruf der Frau Ul mann tränenleer; im Hause des Mädchen- Unterstiitznngsoereines würde sofort die Trauerfahne gehißt, wie sie von allen Wohlfahrtshäusern der Knltusgemeinde rvehte. Der „Frauenhort", dessen Vorstand die Witwe des Verstorbenen seit seiner Gründung angehört, berief Dienstag, den 12. Oktober, eine Trauersitzung in den Sitzungssaal des Tempelv ereines im 9. Bezirk, zu der Herr Knltusvorstand Salo Cohn, Bezirksausschuß Max Hille r, die Beiräte M o s e r und Glück und Präsident Chefarzt Dr. S ch n e p p sowie sämtliche in Wien befindliche Vorstand'sdamen des „Frauenhortes", Darunter die Schwägerin des Verstorbenen, Frau Emilie Q u i t t n c r, erschienen. Frau Regine K o p st e i n gedachte in schlichten, aber tiesergreifenden- Worten des unersetzlichen Freundes des „Frauenhortes", Herr Doktor S ch n e P P feierte seine Verdienste um den Verein, auch Herr Salo Cohn sprach in kurzen Worten über die Unersetzlichkeit des verstorbenen Vizepräsidenten für den Lieblingsverein seiner Frau. Es wurde einstiimnig beschlossen, daß der „Frauenhort" dem Verewigten ein Gedenkblath im Jahresberichte und am jeweiligen Todestag ein S eelenlicht im schönen Tempel des 9. Bezirkes widmet, in dessen nächster Nähe der Verewigte bekanntlich gewohnt und den er so oft aufsuchte. Bon diesem Beschluß wurde die Witwe noch aus der Sitzung verständigt. Donnerstag, den 14. Oktober, hielt Frau Regine U l m a n n in der Deleaiertensitzung der „Weiblichen Fürsorge", in der u. a. die Damen Olga v. Doctor, Hofrätin L ö w n e r. Rosa S ch u r, Dr. H o p s i n g e r, Frau Dr. K a h n, Dr. S t e i n, Regine M a y e r und viele andere anwesend waren, einen warmen Nachruf, in dem sie namentlich die Milde und Güte des Verstorbenen vries und seine freundliche Gesinnung gegen die „Fürsorge" hervorhob. Wien. (T r a u e r a n d a ch t für weiland Tr. l!5 u ft a t> Kohn, I. Vizepräsident der isracl. K u 11 u ■=> g emeinte, veranstaltet o o in O e st e r r. - u n g a r. K a n t orenvereine in Wien.) Sonntag, den 17. d. M.. fand im Beth-Hamidrasch eine Trauerseier für den hochverdient:» l. Vizepräsidenten, Herrn Dr. Gustav Kohn s. A., welcher stets ein Freund und Gönner des Oesterr.-ungar. Kantorenvereines im allgemeinen war, statt. Zu dieser Traurrandacht sind säst sämtliche in Wien amtierenden Kantoren erschienen. Tie Feier begann mit dem vom Ersten Kantor Zurberger vorgetragenen Minchagebet, woraus der Präsident des Vereines, Oberkantor Baue r. eine ergreifende Rede hielt und den grasten Verlust, den der Verein und der Kantorenstand, durch da; Hinscheiden des edlen Gönners erlitten, schilderte. Der Vizepräses, Oberkantor Morgenstern, drückte im klassisch von ihm versagten Hebräisch die Trauer des Vereines und der Wiener Kantoren aus. Nach Entzündung des Seelenlichtes rezitierte Oberkantor Morgenstern das „EI moic rachamim", womit diese würdige Trauerandacht endete. „Zeichnei die dritte Kriegsanleihe." Aufruf an die Mitglieder der Wiener israelitischen Kultusgemeinde von Oberrabdiner Dr. M. Güdemann. Das Vaterland bedarf der zur siegreichen Durchführung des Weltkrieges erforderlichen Geldmittel. Es richtet deshalb an alle Staatsbürger die Aufforderung: „Z c i ch net die dritte K r i e g s a n l e i h e Von alten .Kanzeln herab ertönt der Apvell: „Zeichnet die dritte K r i e g s a n l e i h e!" Auch die Rabbiner unserer Kultusgemeinde werden von den Kanzeln ihren Zuhörern ans Herz legen, daß es ihre heilige Pflicht ist, dieser Aufforderung Folge zu leisten. Da ich wegen meines Alters den regelmäßigen Dienst auf der Kanzel des Gotteshauses nicht mehr versehe, so habe ich mir vorgenommen, von den Kanzeln der öffentlichen Blätter, von denen der Schall weiter dringt, als von jenen, den eindringlichen Ruf zu verlautbaren: „M i t g l i e d e r d e r i f r a e l i t i f ch e n K u l - t u s g e m e i n d e! Z e i ch n e t die dritte K r i e g s anleihe!" Vielleicht übt mein Alter, das sonst die Stimme abschwächt, diesmal die entgegengesetzte Wirkung itito ver stärkt meinen Aufruf, da ich nicht bloß Euch, das gegenwärtige Geschlecht, als treue Patrioten kenne, sondern auch Eure Väter und Großväter als opferwillige Söhne des Vaterlandes gekannt habe, und also auch iu ihrem Namen die eindringliche Mahnung an Euch richten darf: „-Z e i ch net die dritte K r i e g s a n l e i h e!" Ihr erfüllt damit zugleich eine Pflicht gegen unsere Religion, die uns aufsordert, für das Vaterland die größten Opfer zu bringen. Ihr erfüllt aber auch eine Pflicht gegen unsere Ehre. Unsere Ehre ist unsere Ge sichichte. Wir gehören einem Volke an, das älter ist als irgendein Volk der Gegenwart, einem Volk', das die Gotteserkeuntnis in die Menschheit eingepflanzt, trotzdem aber mehr gelitten, mehr Opfer gebracht hat, als irgendein Volk der Gegenwart. Beweisen wir neuerdings die alte Opserfähigkeit und Oyferfreudigkeit und zeichnen wir für unser Vaterland die dritte Kriegsanleihe —- das einzige Opfer unter allen, die wir während unserer langer! Geschichte gebracht haben, das sich reichlich verzinst. Ter Weltkrieg, der so viele Tränen verursacht hat, wird auch viele Tränen trocknen. Unseren Brüdern, die „im Hause der Sklaverei" geseufzt haben, winkt die Erlösung, winkt die Freiheit. Helfet zu ihrer Verwirklichung, und zeichnet die dritte Kriegsanleihe! Einer unserer' alten Lehrer übergab einem anderen eine große Summe mit dem Aufträge, ihm dafür ein Landgut zu kaufen. Dieser verteilte das Geld unter die Armen. Befragt, rechtfertigte er sein Verfahren mit der Antwort: diese Anlage sei das schönste Landgut. In ähn-

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