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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-10-22 · 42 (22.10.1915) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
42 (22.10.1915)
Date
1915-10-22
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 778 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 42 Damals ebenfetzte dasHilfswerk a in e r ikani icher Juden ein. Das emsige Land, welches weniger als die übrige Welt in die Fänge der Kriegsfurie geraten war, erinnerte sich, angeregt durch volktreue Juden, des Elends palästinensischer Brüder. Der erste Beitrag dieses Hilsswerkes in Höhe von 50.000 Dollar, von denen Nathan Strauß die Hälfte, I. H. Schiss 12.500 Dollar allein gespendet hatten, langte im Elul, kurz vor den Feiertagen, in Palästina an. Mr. Wert he im er, der Schwiegersohn des.sich in diesemLeidensfahre um die palästinensische Iud enh eit unsterblich verdient gemachten amerikanischen Botschafters in Konstantinopel Henri Morgen t h a u, hatte die erste Geldsendung überbracht. Es wurde ein Komitee gegründet, welches die Verwendung der Hilfsgelder in die Hand nahm. In der ehemaligen Evelina de Rothschild-Schule, wo für Jerusalem das Komitee seinen Sitz hatte, wurde eine Lebensmittelniederlage großen Stils eingerichtet. Dort erhielten nun die ganz Ar m c n wöchentl ich ohne Entgelt eine "gewisse Menge von Lebensmitteln, insbesondere Mebl. während die Bemittelteren hier Gelegenheit hatten, bei natürlichen Preisen ihre Bedürfnisse zu decken. Die verschiedenen Wohltätigkeitsanstalten bekamen aus Ansuchen hin Geld- oder Warenhilfen, wobei die Höhe nach dem Verhältnis der vom Komitee bemessenen Würdigkeit festgestellt wurde. Direktor Ephraim Cohn war damals Obmann der Jerusalemer Hilfsgruppe, aber bei der ausgesprochenen jüdisch^politischen Stellung dieses Obmannes gab es viele Unzufriedene. T a s e r st e H i l s s g e l d d e r A m erika n e r ging z lt E n d e. Inzwischen b r ach der Krieg au ch in der Türkei aus. Damit war Palästina wie mit einer Mauer von der ganzen Welt abgeschlossen und noch mehr vereinsamt als früher. Die Not griff jetzt auch aus die Kolonien i'iber. Denn während diese bis dahin noch hoffen dursten, den Ertrag ihrer Orangen- und Mandelernte irgendwie auf den ausländischen Markt zu bringen, war mit dem Eintreten der Türkei in den europäischen Krieg auch diese Aussicht geschwunden. Die Mandeln konnten zu halben Preisen noch im Lande verkauft werden, die Orangen- und Zitronenernte galten aber für verloren. Es mußte also, bei der Forschung des amerikanischen Hilfswerkes, auch der „neue Jischuw", also die notleidende jüdische Bevölkerung in den Kolonien und alle kolonisatorischen Einrichtungen, in Zukunft gleicherweise einbezogen werden. Zu diesem Zwecke wurde beim Eintreffen der zweiten Geldsendung um die Mitte des Monats Kislev in Jerusalem ein gemischtes Komitee aus Vertretern aller Parteirichtungen gebildet, in dem die Aschkenasim und Orthodoxen die Majorität besaßen. Herr David Aellin nahm an dieser Hilfsgruppe den regsten Anteil, und es zeigte sich, daß er in Jerusalem die Verwendung der Hilfsgelder auch für die Folge aufs beste zu ordnen verstanden hat. Materiell war die zweite Hilfssendung recht knapp. Es waren im ganzen ca. 7500 Frcs., wovon für Jerusalem entsprechend seiner jüdischen Bevölkerung und der Anzahl seiner Wohltätigkeitsinstitute etwa die Hälfte erhielt. Dies war auch die Richtschnur bei allen späteren Beteilungen. Im ganzen sind im Verlaufe des ersten Jahres sieben Hilfsgeldsendungen aus Anierika in Palästina eingetroffen. Davon entfielen auf Jerusalem allein etwa 350.000 Franken. Welcher Segen mit diesem Gelde gestiftet wurde, in welcher Weise es mit jeder neuen Sendung gelang, für kurze Zeit die Quellen des Elends nicht zum verheerenden Strom anwachsen zu lassen, mag beispielsweise die Verwendung des dritten Hilfsbeitrages beweisen. Das Geld in Höhe von etwa 33.000 Frcs. kam Ende Teweth in Jerusalem an. Davon erhielten verschiedene Wohltätigkeitsinstitute 8000 Frcs., die kostenlose, wöchentliche Mehlverteilung beanspruchre 12.000 Fr., für die Darlehenskasse für kleine 'Kaufleute und Handwerker, welche infolge des Moratoriums in Notlage geraten waren, wurden 6000 Frcs. benötigt, für Pessach waren 6000 Frcs. erforderlich, und als Unterstützung an arme Familien, deren Ernährer zur Heeresdienstleistung eingezogen waren, wurden etwa 1000 Frcs. verausgabt. Ohne die amerikanische Hilfe wären sie alle zugrunde gegangen: die A e r m st e n der A r - m c it, die in der ehent aligen Evelina d e Rothschild-Schule auf ihre M e h l r a t i o n st u n d e n l a n g warteten, die kleinen Hand w e rk e r und Gewerbetreibenden und die verlass e n e n F rauen und Kinder, deren E r n ä h - rer s e r n wäre n. Aber diese sieben Geldsendungen erschöpfe n n o ch nicht das a m e r i k a n i s che Hilf swerk im ab g el aufeit en Kriegsjahre. Für die neubearündeten reinhebräischen Schulen in Palästina sind außer dem »Erwähnten noch gegen 200.000 Franken ins Land gekommen. Ohne sie hätten die Schulen ihre Pforten schließen müssen. Die vielen fremden Schüler aber, die zu ihnen gepilgert waren, um die hebräische Sprache an der Quelle zu erlernen, und die nun von ihren Eltern im Feindeslande abgeschnitten waren, sie alle wären ohne das trockene Brot.geblieben und wären noch elender; gewesen als die Eiiiheimischen. Aus den Geldern des amerikanischen Schnlhilfwerk.es konnte für sie^eine Ausspeisungshalle eröffnet werden und an einzelne, wurden monatliche Unterstützungen gewährt. Ebenso konnten die Gehälter der Lehrer einzig und allein nur aus dem „Amerikageld" geleistet werden. Und trotzalledem hört auch dabei die amerikanische Hilfsaktion noch nicht auf. Es wäre dabei das „Hilfsschi f f" übergangen worden, der in ganz Palästina sprichwörtlich gewordene „V u l k a n", der mit 900 Tonnen Lebensmitteln im Siwan in Jaffa lanoete. Von den 90 Prozent Mehles, das das Schiff enthielt, haben in Jerusalem durch sieben Wochen lang etwa 21.000 Empfänger einzig und allein ihr Leben durchzubringen verm o ch t. Denn damals war die Not bereits aufs höchste gestiegen, die diesjährige Heuschreckenplage hatte cs dahin gebracht. Wer diese Not nicht mit eigenen Augen gesehen hat, kann sich von ihr keinen rechten Begriff machen: aber w e r s i e geschaut, d e m w e r d e n die li.un aerv erz,errten Geeichter jener Armen noch lange Zeit als Schreckbild vor Augen st e h e n. Amerika hat jedenfalls sehr viel zur Linderung des palästinensischen Judenelends beigetragen. Es zeigte sich, daß die amerikanische Judenheit sich vollaizf der hohen Aufgabe bewußt gewesen ist, als der fast einzig in diesem Krieg unbetroffene Teil sich der leidenden Brüder annehmen zu müssen. Deshalb ist auch zu Eingang dieser Ausführungendie Ueberzeugung ausgesprochen worden, daß der Aufruf des Dichters Schalom Asch nicht ungehört verhallen werde. Doch bei alledem darf man nicht glauben, daß Amerika alles tun könne. Wenn sich die amerikanische Judenheit jetzt dem Hilfswerke für die Ostjuden zuwenden wird, könnte die Hilfe für Palästina geringer werden. Die Not in Palästina nimmt aber täglichgrößere und e r s ch r e ck e n d e r e

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