Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 42 (22.10.1915)
- Date
- 1915-10-22
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Lentralorgan für die gesamten Ifnteressen des Judentums. Dr. Bloch’s Jahrgang XXXII --^-ooo- Wien. 22. Oktober 1915 ' Erscheint jeden Freitag. Brief-Adresse: Wien, U/i, Praterstrafte 9. Telegramm-Adresse: Bloches Wochenschrift, Wie«. oo ■■ =00 Vrrugsprris für Srsterrrirh: C Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplare 50 Heller. Für da» Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. * Anzeigen: Die 2mal gespal- ' tene Petitzeile 48 Heller. OO- .. Oo O Ü- " -~0 O p N. kr. Postfxarkrassenanrl Clearing-Verkebr Nr. 610.976. Redaktion und Administration: Wien *> II/i, Praterstraße 9. j Telephon 45.359- ( oO Oo Inhalt: Leitartikel: Das amerikanische Palästina-Hilfswerk. — Dr. Gustav Kohn. — Ungewisse Zukunft. Kriegsdekorationen jüdischer Offiziere und Soldaten. — Zweimalige Auszeichnung eines Artilleriefähnrichs. — Dreimal ausgezeichnet. — Mir der goldenen Tapserkeitsmedaille ausgezeichnet. — Weitere Auszeichnungen. — Ausgezeichnete Aerzte. — Jüdische Familien im Felde. — Geschenk eines Husarenobersten für eine Synagoge. — Drei Offiziere des Landsturminfanterieregimentes. — Heldentod ausgezeichneter Soldaten. — Der Heldentod des Clown. — it. n. k. Major David Schapira. - Wir sind stolz daraus, daß er zu uns gehört hat. — Verzeichnis der in der Zeit vom tt August bis 15. Oktober 1915 auf dem Zentralfriedhofe, israelitische Abteilung, bestatteten Offiziere und Mannschaften. — Soldatenbriefe. — Otto Seckendorf in der Bäuerischen Ehrenhalle. — Auszeichnungen, jüdischer Krieger mit dem Eisernen Kreuze. — Beförderungen. — Die Russenherrschaft in Podhajce. — Die Inden in der Türkei — Korrespondenzen: Trauerklmdgebung für Vizepräsident Dr. Gustav Kohn Wien Zeichnet die dritte Kriegsanleihe! Brockensammlung für jüdische Arme. Die Hilfsaktion in Galizien. Konstituierung des ungarischen Palästina-Komitees. Professor Moriz von Karman Dr. Jakob Schächter s. dl. Albert Farkas. — Vermischtes.— Feuilleton: Ein deutscher Jude. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. Das amerikanische Palästma-Hilfsmerk Von Dr. Jakob Brauner. Der gefeierte Ghettodichter S ch a l o m A f ch har just zu der Zeit, als der Ton des Elulschofars die jüdischen Herren wachrüttelte, an die amerikanischer) Juden einen Aufruf uw schleunige Hilfeleistung für die heimgefuchten östlichen Glaubensgenossen erlassen. Dieser mit der ganzen impulsiven Kraft einer fühlenden Dichterseele ausgestoßene Schmerzensschrei, der auch in diesen Blättern vor kurzem zum Abdruck gelangte, wird ohne Zweifel in den Kreisen der amerikanischen Judenheit den gewollten Widerhall finden und die bereitwillige Hand zu reichen Hilfs spenden össtren. Es erscheint daher anläßlich dieser neuen Hilfsaktion amerikanischer Juden nicht gar so unangebracht, des großzügigen Hilsswerkes zu gedenken, das Amerika in diesem Kriege bereits zur Linderung namenlosen jüdischen Elends geleistet hat. Die jüdisch-amerikanische Kriegshilfe für das verlassene Palästina soll hier in Kürze von ein ent Augenzeugen w ied e r g e g eb en werden. Als im August vorigen Jahres der Weltbrand dieses gewaltigen Krieges aufloderte, war Palästina, das in der jüdischen und arabischen Legende öfters „der Mittelpunkt der Welt" oder „das Herz der Erde" genannt wird, tatsächlich im Lebensnerv getroffen worden. Dieses Ländchen, das infolge jahrhundertlanger Mißwirtschaft vernachlässigt, erst mit dem Einsetzen jüdischer Kolonisation in den letzten dreißig Jahren einige Anfänge zum Ausstieg aus dem Verfall aufzuweisen begann, ist noch nicht imstände, sich selbst zu ernähren. Bei dem fast gänzlichen Fehlen industrieller Unternehmungen ist Palästina mehr als jedes andere Land auf die Einfuhr angewiesen. Die größeren Kaufleute sind Zast durchwegs Importeure, und man wird hierzulande wissen, daß Oesterreich und insbesondere Wien mit Deutschland vor dem Kriege fast zwei Drittel der gesamten Wareneinfuhr bestritten Haben. Man kann sich daher die durch den Krieg hervorgerusenen Folgen des sofortigen Abbruchs der Handelsbeziehungen zu den wichtigsten Einfuhrländern in der Rückwirkung auf Palästina leicht Vörstetten. Ein allgemeiner Stillstand im gesamten Handelsleben setzte damals sogleich ein. Kaum acht Tage nach Kriegsausbruch hatte die sonst so belebte Hafenstraße in Jaffa das Aussehen eines stillen Dorfweges, in Haifa und Jerusalem hörte mit einemmale jeglicher Verkehr aus. Die Ge- ,'chäftsläden waren vereinsamt, die meisten halb geschlossen, andere wurden überhaupt nicht mehr geöffnet. Denn kaufendes Publikum gab es nun nicht mehr. Dieses setzt sich vornehmlich aus der jüdischen Bevölkerung zusammen. Nur sie hat neben den ansässigen oder durchreisenden Europäern Bedürfnisse, die der ausländische Import befriedigt. Nun aber hatte diese Bevölkerung plötzlich seine Kaufkraft eingebüßt. Tenn kaufen kann eben nur, wer Geld hat. Wer aber über den Betrag nicht verfügt, um sich ein Stück Brot kaufen zu können, hat für den Kaufmann die Bedeutung als Knnde längst verloren. Die jüdische Bewohnerschaft Palästinas, die weitaus in der Mehrzahl von der „Chalukah", d. h. von den milden Gaben ihrer ausländischen Glaubensgenossen, lebt, besaß aber beim plötzlichen Abbruch aller Verbindungen mit dem Auslande gerade noch soviel Geld, um sich eine kurze Zeit mit trockenem Brote zu ernähren. Mit den von auswärts kommenden Nahrungsmitteln, deren Preise sprunghaft in die Höhe gingen, mußte man sich bereits aufs Ällernotwendigste beschränken. Aber die ärmste Bevölkerung litt schon bitterste Not und der Hunger fand seine Opfer. Die vielen Wohltätigkeitsanstalten, die Krankenhäuser, die Waisenerziehungs- und Altersversorgungsheime, die Schulen, insbesondere die neu begründeten und zu so schönen Hoffnungen berechtigenden ganz hebräischen Schulen, die Chedarim und Jesckiboth: kurz alle die Linderungsstätten materiellen und geistigen Elends, die ausländische Glaubensgenossen begründet oder unterstützen, standen damals alle vor der Katastrophe: wenn nicht augenblicklich irgend woher Hilfe käme, müßten sie alle ihre Tore schließen, und das mit Riesenschritten wachsende Elend würde im Lande keine einzige Linderungsstätte mehr haben. iliil die Kriegsanleihe zu zeichnen, ist heilige Pflicht jedes treuen Juden in Oesterreich!