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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-10-15 · 41 (15.10.1915) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
41 (15.10.1915)
Date
1915-10-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 758 .Dr., Bloch's WMenschrist ...... Nr. 41 Und noch eine Seite, die ihn iM vollsten Lichte erstrahlen läßt. KLbbud aw woemt Was ich darWer auch schreiben würde, ich könnte ein wahres Bild seiner grenzenlosen Elternliebe nicht Wiedergaben. Wie er den alten Vater verehrte, seine freie Zeit ihm allein widmete, wie er die Stiefmütter bis an Hr'Lebensende in großen Ehren hielt, das ist mir in trockenen Worten zu schildern versagt. Auch da ein Zaddik in des Wortes vollster Bedeutung. Wie er den Geschwistern nach dem Tode des Vaters väterlich beistand, dies alles kann in wenigen Zeilen nicht geschrieben werden. Im Jahre 1859 bezog er die Wiener Universität, nach seiner Promotion ging er zu seinen Eltern nach Prag zurück, wo er bis 1866 in der Kanzlei des Doktor von Wiener praktizierte. 1867 folgte er seinen Eltern nach Wien, die bereits ein Jahr vorher hierher übersiedelten. Bei den Doctores Mühlfeld und Pisker war er Äs Konzipient tätig und eröffnete im Jahre 1870 seine Kanzlei in der Kumpfgasse, woselbst er bald eine ausgedehnte „Armenpraxis" entwickelte. 1871 führte er seine Gattin Eleonore Löwit heim, die ihm bis an sein Lebensende eine treue Gefährtin blieb; ein Sohn, drei Töchter, Schwiegersöhne und Enkel, ein jüngerer Bruder und eine verwitwete Schwester, die er alle mit reicher Liebe umgab, sie betrauern mit der großen Gemeinde den unersetzlichen Verlust. Im Jahre 1885 wurde Dr. Gustav Kohn in den Kultusvorstand gewählt, welcher ihn 1891 in den Landesschulrat entsendete. "Am 25. Februar 1897 wählte ihn der Kultusvorstand zu seinem zweiten und am 10. April 1904 zum ersten Vizepräsidenten. Es gibt kein Gebiet in dem großen Gemeindeleben unserer Hauptstadt, wo Gustav Kohn nicht mitgearbeitet — als arbeitender Vorstand war er in den meisten Vereinen Lu finden —, als unterstützendes Mitglied überall. Am längsten gehörte .er dem Vorstande der Talmud- Thora-Schule an. Ihm allein gebührt das Verdienst, diesen Volksschulverein auf eine breite Basis gestellt und die Finanzen des Vereines geordnet zu haben. Durch sein Eintreten im Knltusvorstande für diese wichtigste Bildungsstätte im jüdischen Gemeindeleben brachte er es dahin, daß die Lehrer dieser Anstalt in geordnete Bezüge traten und einen Pensionsanspruch erhielten. Der selige Direktor Simon — Simon der Reine nannte Dr. Gustav Kohn nie anders als das Rückgrat der Talmud-Thora-Schule. Seine Arbeitskraft — auch die physische — war beispiellos. Immer wo man ihn sah, in der Kanzlei, in der Gemeinde, ja auch am Spieltisch — ein Bündel Akten fehlte nie. Ich glaube nicht, daß jemand sagen kann, sein Brief an Dr. Gustav Kohn &Iie6 ohne Antwort. Und alles geschah in ruhiger Weise, ohne Aufregung, ohne Groll, — Liebe, nichts als Liebe. In den Dezennien gemeinsamer Arbeit habe ich wie keiner in sein Inneres geschaut, und wenn — wir sind ja in unseren religiösen Anschauungen weit auseinandergewesen — sonst jauch sachlich ich Hm entgegentreten mußte, und mir manches erlaubte, was dem weit Jüngeren gegen den Alteren nicht ziemit, er nahm es ruhig sächelnd hin; die Wärme, die von seinem Wesen ausstrahlte, sw wirkte wohltuend auf jedermann. Ueber seine Leistungen im und für den Verein, die Talmud-Thora-Schule — eine mehr als vierzigjährige Tätigkeit — müßte ich ein Buch haben, um all sein ä)les Wirken daselbst mit goldenen Lettern einzutragen. Was er für die Kleinen getan, möge Hm beistehen. Die Lichter, die er da angezündet, mögen seiner Seele voranleuchten ins ewige Himmelreich. Auch unsere Jugend, insbesondere .die- Schüler der-. Talmud-Thora-Schule, werden Doktor Gustav Kohn ein Ehrengrab in ihren jungen Herzen bewahMtt. . Seirttz Güte unk) Liebe sei ihnen vorbildlich und sie mögen an ihn denkend, sich die Verse Aückerts stets vor Augen halten: : „Wehe dem, bp zu sterben geht, And keinem Liebe geschenkt hat/. Dem Becher, der zu Scherben geht Und keinen Durstigen getränkt hat." David Kohn. * * * Das Leichenbegängnis hat unter ungewöhnlich’ großer Beteiligung Sonntag mittags stattgefunden. Ein großer Trauerzug gab dem Toten das Geleite durch die Straßen, in denen zum Zeichen der Trauer die Gaslaternen brannten. Der Leichenzug nahm seinen Ausgang vom Sterbehause in der Hahngasse. Hier versammelten sich zahlreiche Würdenträger des Staates und der Stadt und Mitglieder der Gesellschaft. Unter den Anwesenden waren zu sehen: Statthalter Freiherr v. Bienerth. Vizepräsident des niederösterreichischen Landesschulrates Koß v. Sternegg mit mehreren Mitgliedern dieser Amtsstelle, Polizeipräsident Freiherr von Gorup, Gemeinderat Dr. Oskar Hein in Vertretung des Bürgermeisters Dr. Weiskirchner, als Vertreter des Barons Louis Rothschild Pro-; kurist Oberleutnant Richard Bettelheim, der Präsident der Advokatenkammer Dr. Ritter v. Feistmantel, der Landessanitiätsreferent Hofrat Dr. Ritter v. Helly, die Hofräte Edmund Gayer, Professor Dr. Lieben, Berstl, Dr. Schlag,; Dr. Löwner, der Vizedirektor der Universitätsbibliothek Regierungsrat Dr. Frankfurter und Gemahlin, Regierungsrat Januschke, dann der Präsident der israelitischen Kultusgemeinde Dr. Alfred Stern mit dem Vizepräsidenten Hofrat Dr. Rappaport, nahezu sämtlichen Mitgliedern des Vorstandes mit sämtlichen Bethausvorständen, den beiden Sekretären kaiserlichem Rat Dr. Lieben und Dr. Emil Adler, dem Obi mann der israelitischen Versorgungsanstalt Salo Cohn, sämtlichen Mitgliedern des Rabbinatskollegiums, den Gemeinderabbinern und den Rabbinern der Vereinsbethäuser, sowie den Feldrabbinern, den dienstfreien Beamten der Kultuss gemeinde, in Vertretung des Bezirksvereines Leopoldstadt die Herren Bezirksvorsteher-Stellvertreter Arthur Roll, die Bezirksräte Philipp Bak und Edmund Hofmann, dann der Vizepräsident der israelitischen Armenanstalt M. A. Pollak, als Vertreter des Bezirksschul-» rates Dr. Markus Spitzer mit Herrn Josef Fuchs, die Reichsratsabgeordneten Hofrat Freiherr v. Hock und Dr. Ofner, der ehemalige Abgeordnete Wrabetz, die Gemeinderäte Dr. Ritter v. Dorn, Hohensinner, Medizinalrat Dr. Löwenstein, Melcher, Dr. Mittler und Neustadtl, Bezirksrat Weil, weiter die Professoren Hofrat Dr. Adam Politzer, Dr. Ehrmann, Dr. Josef Pollak, . Dr. Ludwig Braun, der 'Direktor des Rothschildspitales Primarius Dr. Fleischmann mit dem Verwalter Koranyi, der Direktor des israelitischen Blindeninstitutes kaiserlicher I^at Heller, der Direktor des Freiherrn von Springerschen Waisenhauses Alexander Hecht, eine Abordnung der israelitischen Kultusgemeinde Prag, geführt vom kaiserlichen Rat Troller, der Präsident der israelitischen Kultusgemeinde Budapest Ludwig Adler, der Präsident der israelitischen Kultusgemeinde Lemberg Dr. Schaff, eine Abordnung der israelitischen Kültusgemeinde Baden (Oberrabbiner W. Reich, der Präsident Herr M. Leitner, die Beiräte die Herren Anton Schneider, Simon Mandl und Adolf Raab), Abordnungen der Kultusgemeinden Brünn und Wiener-Neustadt, geführt vom Vizepräsidenten A. Weiß, eine Abord-t nung der israelitischen Kultusgemeinde Mödling, der Präsident des israelitischen Humanitätsvereines Wien der „B’näi Brith“ Dr. Max Eisenstädter, Vizepräsident Dr. Gustav Längstem, der Präsident des israelitischen Humanitätsvereines „Eintracht“, der „B’nai B’ritK* Universitätsprofessor Dr. Wilhelm Roth, .Polizeirat Heinrich Brix, der Vizepräsident der Verkehrsbank kaiserlicher Rat Leopold Langer, der Direktor der Kreditanstalt Dr. Hammerschlag, -Direktor der Eskomptegesellschaft Wilhelm Kux, Direktor der Verkehrsbank Dr. Sachsei mit dem Vizedirektor kaiserlichen Rat 8. Brüll, Rektor Prof. Dr. Schwärz, Prof. Krauß, Dr. Kaprallik in Vertretung des Hauses Gebrüder Gutmann, Advokat Dr. Alfred Rie, Kinderarzt Dr. Rosenberg, Bibliothekar Dr. Münz, die Schriftsteller Julius Stern, Dr. Josef 8. Bloch, Siegmund Skrein, Josef Perlberger, Dr. Ludwig Szabolcsi (Budapest) und kaiserlicher Rat Lichtenstadt, von der Zentralstelle für jüdisches Armen wesen kaiserlicher Rat Dr. Krüger, Karl Freund, Anton Beck und Dr. M. Löwy, Von der Israelitischen Union Vizepräsident Dr. Ornstein und Sekretär Fleischer, von der Bezirkskommission 2. Bez. die Herren Leopold Winter

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