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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-10-08 · 40 (8.10.1915) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
40 (8.10.1915)
Date
1915-10-08
Page
– (sequence 17)
Language
German
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irtr. 40 Dr. Bloch's Wochenschrift Leite 753 Lu«ArlAAv aus dem Judentum vom 19. September bis 2. Oktober 1915. Arzt Sofie, Private, geb. 21. Aug. 1901 in Komorn, III, Hegerg. 9. Bunzl Margarete geb. Schönberg, Fabrikantensgattin, geb. 4. März 1884 in Wien, XIX., Schreiberweg 3. Fränkel Ernestine, Artistin, geb. am 4. Juni 1890 in Wien, I. Bez., Kurrentgasse 12. Glück Tobias, Metalldrucker, geb. 6. Jänner 1875 in Raubowitz, Böhmen. XVI., Röraergasse 69. Goldis Markus, Schriftsteller, geb. 4. November 1879 in Odessa, VI., Hofmühlgasse 13. Gottlieb Walter, Gymnasiast, geboren 16. Juli 1901 in Brünn, IX., Rögergasse 18. Hart Käthe, gesch. Hirschl, Private, geb. 25. Jänner 1885 in Wien, VII., Westbahnstraße 27. Hirsch Charlotte, Private, geb. 16. Dezember 1891 in Trebitsch, II., Am Tabor 28. Kohn Fritz, Handelsagent, geb. 17. Juli 1891 in Wien, III. Bez., Radetzkystraße 22. Lipiner Josef, stud. med., geb. 2. März 1893 in Wien, II., Praterstraße 56. Maximilian Max, geboren 5. September 1889 in Pullitz, Mähren, II., Rote Sterngasse 12. Nenberger Arnold, Zahntechnikfrlehrling, geb. 15. Sept. 1901 in Purkersdorf, IX., Marktgasse 33—35. Revi Aranka, Ingenieursgattin, geboren 5. Juni 1888 in Budapest, II., Valeriestraße 110. Weiß Adolf, Hilfsarbeiter, geboren 16. Jänner 1863 in Budapest, XVI., Brunnenrasse 14. Geschenk eines Husarenobersten für eine Synagoge. Wie aus Nyiregy ha za gemeldet wird, hat der Husarenoberst Akusius N a g y der dortigen israelitischen Religionsgemeinde ein interessantes Geschenk gewidmet. In einer verwüsteten Ortschaft in Russisch-Polen kam unter den Trümmern der eingestürzten Synagoge ein großer silberner Armleuchter zum Vorschein, den der Oberst in Begleitung eines im warmen Tone gehaltenen Schreibens >dem Gemeindepräsidenten Mathias K n lt übermittelte. Der Leuchter wurde im Nhiregyhazaer Tempel untergebracht. Jungbunzlau. Im hiesigen Spital befindet sich unter den Rekonvaleszenten der bekannte Violinvirtuose Rudolf Weinmann, der die unfreiwillige Muse dazu verwendet, mit seiner Kunst Wohltätigkeir zu üben. Wie sein Vater, Herr Markus Wein mann, durch Werke der Philanthropie sich auszeichnet, der jüdischen Kriegsflüchtlinge sich annimmt und der Kriegsfürsorge die besten Dienste leistet, so daß er das Ehrenzeichen des Roten Kreuzes erhielt, so veranstaltet sein Sohn mehrere Konzerte, deren Ertrag wohltätigen Zwecken gewidmet sind. Wenn er in Stunden der Einsamkeit, die das Spitalsleben mit sich bringt, seine Geige ergreift, so scharen sich Kranke und Verwundete um ihn und lauschen den Tönen, die seinem kostbaren Instrumente und der Tiefe seines jüdischen Herzens entquillen. Dem jungen Meister werden viele Dankesbezeugungen dargebracht, die auch denr Judentum Ehre bringen. Pohrlitz. Unter allgemeiner Teilnahme der hiesigen Bevölkerung wurde der am zweiten Rosch-haschonohtage verstorbene Herr Bernhard Haas zur ewigen Ruhe bestattet. Der Verewigte, der ein Alter von 81 Jahren erreichte, gehörte einer langen Reihe von Jahren hindurch der Eeme'ndevertretung an und war insbesondere als Eemeinderat und Mitglied des Ortsschulrates für das Wohl der Gemeinde in verdienstvoller Wei'e tätig gewesen. Wegen seines streng rechtlichen, biederen Charakters, nicht minder wegen seines stillen, ruhigen Wesens, erfreute er sich jederzeit allgemeiner Wertschätzung und Hochachtung. — Anläßlich des Leichenbegängnisses des jel. Herrn Bernhard Haas wurden statt eines Kranzes für wohltätige Zwecke gespendet: Israel. Kultusgemeinde Kr. 30.—, Louis Haas und Frau 20.—, Mar Haas und .Frau 20.—, Rudolf Haas 20.—, Moriz Glaser 10.—, Sigmund Haas 10.—, Wilhelm Gustav Haas 10.—, Emilie Hauser 10.—, Jakob und Jenny Chlomtatsch 20.—, Karl Scheszcik 10.—, kaiserl. Rat Kanitz 10.—, Wilhelm Bader 10.—, Dr. Emil Bodansky 4.—, Moriz Spitz 5.—, Mar Seidl 5.—, Heinrich Pollak 5.—; zusammen Kr. 191.—. Brünn. (Spende n.) Von Herrn I. H. Bittermann sind uns für die notleidenden Juden in Galizien Kr. 5.—, für die Kantorenflüchtlinge Kr. 5.— zugekommen. Feuilleton. Mein schönster Freitag-Abend. Bon Dr. M- M- Tauber, derzeit im Felde. Während des Gefechtes, während des Morsches, im Groben und im Lager, während der Arbeit mit die Verwundeten — ich habe meinen Freitag-Abend. Wenn es zu dunkeln beginnt, rauche ich noch eine Zigarette an und wenn sie zu Ende gebrannt, heiße ich den Sabb.Nl) willkommen; da schließe ich die Augen und lasse meiner Seele freien Flug. Weit, weit schwebt sie, auf Flügeln der Sehnsucht, hinweg über Berge und Täler von den Feldern des Kampfes und Todes zu den Fluren des Friedens, in die Heimat. Da steht jetzt irgendivo ferne, ferne, in einemsfreundlichen Stübchen ein altes Mütterlein vor zwei brennenden Kerzen und hebt segtlend ihre Hände und betet für ihre Söhne, die draußen im Kampf und Gefahr. Und da sitzt irgendwo ferne, ferne, im hellerleuch teten Zimmer, vor drei brennenden Kerzen, eine junge Mutter, das Kindlein am Arni und summt vielleicht: Maikäfer flieg! Der Vater ist im Krieg, Der Vater ist im Polenland, Polenland ist abgebrannt. . . In einem kleinen, zum großen Teile abgebrannten polnischen Dorfe kehrten wir ein. Die Häuser der Juden sind zerstört, die Bewohner geflüchtet oder mitgeichleppt vom Feinde. Nur drei sind zurückgeblieben. Sie haben sich heute, da sie zum erstenmal unser Militär erblickteit, zum erftenmale aus ihrem monatelangen Versteck hervor getraut. Noch zitternd von den ausgestandenen Schrecken, aber mit freudig blickendem Gesichte kommt mir der Hausherr entgegen, als ich die kleine Stube betrete. Tief zieht er den Hut und reicht mir die Hand: „lauten Abend, Herr Doktor!" Er kennt das rote Kreuz. Unaussprechliche Zärtlichkeit klingt in seiner Stimme. Wie lieb müssen diese Leute ihre Soldaten haben. Seiil altes Weib bietet mir einen Sessel an, den einzigen, den sie besitzen, nachdem sie ihn sorgfältig mit der Schürze abgewischt. Am alten Schubladekasten brennt eine Kerze. Sie erhellt spärlich die Stube. Ich blicke umher. Leere Wände, eine Bank, ein leeres Bettgestell, sonst nichts. Die alte Frau bemerkt meine Blicke und sagt fast ver^ schämt: „Das hat nicht so ausgesehen, Herr Doktor. Da waren Bilder — sie zeigt auf die in der Wand steckenden Nägel — ein schöner Tisch war da mit feinen Sesseln, gutes Bettzeug, ein Kasten voll Wäsche, Gläser. Teller, Geschirr." Sie öffnet die Tür zur kleinen Küche nebenan. Kahl die Wände, nur ein Tisch, darauf auch eine brennende Kerze, fast zu Ende. „So seh' ich aus, Herr Doktor, alles, alles haben sie mir genommen. So schön Hab' ich mir alles zusammengestellt gehabt; wer hergekommen ist, hat gestaunt, wie alles spiegelt." Sie kann nicht weiter. In Tränen erstickt ihre Stimme. Sie weinr bitterlich. Ich tröste sie: „Gott wird schon helfen, es ivird alles wieder fein rvie einst. Hauptsache, daß Sie leben und wir wieder da find." Mann und Weib falten die Hände, blicken zum Himmel und sagen auf einmal: „Gelobt sei Gott! O, ivas haben die mit uns getrieben!" — beginnt jetzt der Alte — „Geraubt, geplündert, geschlagen haben sie uns. Mitgeschleppt, wem sie erwischt haben, auch einen Siebzigjährigen, der kaum gehen hat körnten, einen Achtzehnjährigen haben sie erschossen, die Stiefel haben sie uns

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