Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 40 (8.10.1915)
- Date
- 1915-10-08
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Dr. Bloch's Wochenschrift N. 40 ü c ie 748 Was kann nun leichter sein, als den Schüler, der für unsere biblischen Führer und Helden, unsere Propheten und Pialnüstcn Begeisterung fühlen lernt, für das Schicksal des Schauplatzes unserer klassischen Geschichte zu erwärmen? Wenn man ihn durch Wort und Bild mit dem jüdischen Leben, bekannt macht, das sich dort an den durch die Spuren unserer Großen tausendfach geweihten Stätten in der Gegenwart entfaltet, wenn man es ihm zu Gcmüte führt, daß er nicht nur eine fromme, pietätvolle, sondern auch eine patriotische Tat vollbringt, indem er den jetzt unter der Kriegsnot bitter leidenden österreichischen und ungarischen Glaubensgenossen im Heiligen Lande einen Sparheller zuwendet? Wir glauben, daß cs nur eines bißchcns guten Willens bei Eltern und vor allem bei den Herren Religionslehrern bedarf, um Spar¬ und Sammeleifer in unserer Jugend zu entzünden. Dieser Eifer ließe sich durch Prämien in Gestalt geschmackvoller kleiner Palästinaangebindc aus dem Bezalcl oder ähnlicher Herkunft zu einem edlen Wetteifer entfachen. Es wird auf das jugendliche Empfinden, insbesondere der Knaben, feinen Eindruck nicht verfehlen, wenn man sie darauf hinweist, daß sie als Juden auf einen Adel stolz sein dürfen, der älter ist als der jeder anderen Nation, und daß diesen Adel die selbstlosen opferfreudigen Pfleger und Förderer des jüdischen Schrifttums bilden. Jedes andere Volk baut seinem Adel und dessen Kindern Versorgungs- und Erziehungsheime, Ritterakademien und ähnliche Anstalten, durch deren Gründung und Erhaltung die Nation ihren Edelsten ihreDankbarkeit bekundet. Wir Juden können dieser Pflicht nicht besser entsprechen, als indem wir an den Quellen jüdischen Volks- und Geisteslebens, auf der heiligen Vätererde verarmten Thorajüngern oder sonstigen würdigen Glaubcnsbrüdern, die in Not geraten sind, eine Unterkunft schaffen. Kann aber ein einzelnes Kind von seinen Sparhellern diesen verdienten Pensionären des Judentums Häuser bauen? Gewiß nicht! Wenn aber das Kind mit Hilfe der Bausteine, die unsere Hilfskommission 1915 für Palästina ausgibt, bei den Mitschülern und Freunden zu sammeln sich bemüht, wenn die Herren Lehrer, wie dies ja vorbildlich in einigen Gemeinden geschehen ist, diese Sammeltätigkeit einleiten, anspornen und überwachen, so kann sehr wohl von einer bestimmten Schule oder einem einzelnen Freundeskreise ein Betrag von etwa 10.000 Kronen erzielt werden. Hiefür ließe sich ein würdiges Anwesen in einer Stadt Palästinas erwerben und an eine zuverlässige ehrenwerte Familie vermieten. Diese Gründung könnte einen Namen tragen, den die Sammler zu bestimmen hätten. Auch würde eine Tafel im Hause die Namen sämtlicher Beisteuernden ausweisen. Ein schöneres Denkmal am würdigsten Orte kann es kaum geben. Eine andere Art, wie unsere Kinder sich an der Palästinahilfe beteiligen können, wird uns von Herrn Dr. David Spiegel aus Wien, Stiftsrabbiner in Altona, vorgeschlagen. Nachdem die Deutschen mit ihrem eisernen Hindenburg dem österreichischen Beispiel der eisernen Wehrmänner gefolgt sind, soll auch die jüdische Jugend Aehnliches in Angriff nehmen. In allen jüdischen Gemeinden soll in der Gemcindcstube, im Vorraum zur Synagoge und zur (jüdischen) Schule eine Holzplatte aufliegen oder angehängt sein, auf der ein Mögen Dowid gezeichnet ist, der in der Mitte in großen Buchstaben das Wort Jeruscholaim, in den je zwei Seitenfeldern rechts und links die Worte: im eschkochech tischkach jemini, in dem oberen und unteren Dreieck die Angabe: Schnas 5676 enthält. Die Linien des Dawid-Schildes wären in einer Breite von etwa einem Zentimeter sreizulasscn, sonst alles mit Nägeln zu besäen. Die Nägel sind in dreifacher Preislage, u. zw. zu 2 Kronen, 1 Krone und 50 Hellern zu beziehen. Ueber jeden eingeschlagenen Nagel wird eine Quittung ausgehändigt. Außerdem trägt jeder Nagelspender seinen Namen in eine Liste ein, die der Hilfskommission 1915 in Wien, I'., Ferdinandsstraße 23, eingesandt und von dieser veröffentlicht wird. Für die bevorstehenden Chanukkatage empfahlen wir statt des Dawid-Schlldes die Menauroh als Bild für diese Paläftina- Krregsschilde. Gemeinden, die diesen Gedanken aufgreifen und durchführen wollen, werden von der H i l f s k o m m i s s i o n 1915 für Palästina darin in jeder Hinsicht unterstützt 4 werden. Gleichzeitig sei darauf hingewiescu, daß die Hilfskommission auch jede Art von I a h r z e i t s st i f t u n g e n, K a d d e f ch i m, K e r e n K a j e m e s usw. überni iimt und die gewissenhafte Ausführung verbürgt. Die Not der Juden in Zloczow. An Herrn Dr. Sam. Rappaport aus Lemberg gelangte nachstehender Notruf: Sehr geehrter Herr Doktor! Meine winzige Persönlichkeit ist leider gar nicht oder zu wenig bekannt, daß ich selber etwas erwirken kann, ha her wende, ich mich an Die, verehrter Herr Doktor, und bitte um Beihilfe und Intervention. Als Gemeinderat und jetziger Kultusvorsteher bin ich vor zwei Wochen nach Zloczvw zurückgekehrt und was ich hier angetroffen habe, will ich in einigen Worten schildern: Die Stadt Zloczow wurde noch am 23. August 1914 von den Russen besetzt und blieb unter der schrecklichen Nagajka bis 28. August 1915. Mit Feuer und Schwert hat der Vormarsch der Kosaken in Ostgalizien gewütet ^und das Beispiel der Kosaken hat aus die ländliche Bevölkerung ansteckend gewirkt. Ich kann ohne Uebertreibung behaupten, daß fast alle kleineren Städtchen — und diese sind meistens von Juden bewohnt — zuerst ausgeplündert, und zwar Haus für Haus, Laden für Laden, dann bis auf den Grund oder im größten Teile niedergebrannt wurden. Die jüdische Bevölkerung als kaisertreu aufs grausamste verfolgt, geprügelt, oft gemordet, mußte flüchten oder wurde verjagt, von beweglichem Gut konnte jeder kaum ein kleines Bündel mitnehmen, sie konnte nirgends 'Nahrung und Wasser bekommen und so fand sie Zuflucht in den Städten. In Zloczow sind bis nun einige hundert jüdische Familien aus Bialykamien, Sassow, Dunajow rc. untergebracht. In den Monaten Mai und Juni wurden außerdem über tausend Juden aus den Bezirken Tlumacz, Tysmienica rc. nach Zloczow gejagt und verweilten hier über zehn Wochen. Bei der Okkupation wurde in Zloczow ebenfalls bei den Juden geraubt und während der Jnvasionszeit mußten sich meine unglücklichen Glaubensgenossen sehr oft vor Sekatur und Verfolgung bei den russischen Stadtverwaltern auskaufen, so daß sogar die wohlhabenderen Kaufleute, welche in ihren Handlungen manche Einkünfte hatten, unverhältnismäßig große Opfer tragen Mußten. Dessenungeachtet leisteten die Zloczower Juden fast Unmögliches: die armen Flüchtlinge wurden beherbergt, gekleidet, genährt und der wahre jüdische Schutzengel Dr. med. Samuel Bendel — welchen dann die Russen dafür als Geisel weggeschleppt haben — unterstützte sie mit Rat, Geld und unentgeltlicher ärztlicher Hilfe. Nach der Befreiung von Lemberg hoffte man bald erlöst zu werden. Leider dauerte hier der Positionskrieg etwa zehn Wochen; die Russen hatten /daher genug (Zeit, die Plünderung gründlich fortzuset-.en, sie raubten wirklich weiter und vernichteten oder schleppten weg Maschinen, Werkzeuge, Vorräte und insbesondere Metallaeqenstände. Nur vor Brandlegung blieben glücklicherweise fast alle Häuser verschont in Zloczow, denn infolae raschen Aufmarsches unserer Armee blieb wenig Zeit für Zerstörung. Nun ist der Sachverhalt der, daß zwar die Häuser stehen, jedoch fehlt es an Einrichtungsgegenständen nnd Nahrungsmitteln, die Bevölkerung ist verarmt und bei'^erbrechend kennende sowohl Zloczower wie auch von den Städ-chm Bmlykamien, Saliow, Dunajow bieder geflüchtete jüdische, abgehärmte, blasse Männer in Kaftanen, in zerlumpten Kleidern Frauen: und schlecht