Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 39 (28.9.1915)
- Date
- 1915-09-28
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr 39 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 725 fettem ist aber augenblickliche Hilfe vonnöten. Schon die im Zuge 'befindliche Repatriierung der Flüchtlinge, nicht minder aber auch die Erhaltung derjenigen, denen es unnröglich geworden ist, in ihre zerstörte Heimat zurückznkehren, und die Unterstützung der verarmten Gemeinden erfordert täglich bedeutende Summen. Ganz außerordentliche Mittel aber wird der Wiederaufbau'der vernichteten Existenzen in Anspruch nehmen. Das jüdische Rettungskomitee für Galizien mit seinem Sitze in Lemberg hat bis heute 408.000 Kronen, welche ihm ausschließlich von der Privatwohltätigkeit der Glaubens- und Stammesgenossen zur Verfügung gestellt worden sind, zur Linderung der Not unter den Juden Galiziens ausgegeben. Nun sind seine Mittel beinahe erschöpft. Dahingegen sieht es sich vor neue Aufgaben gestellt, welche von Tag zu Tag wachsen, zumal durch die Befreiung des ganzen östlichen Teiles von Galizien sein Wirkungskreis sich bedeutend erweitert hat. Im Namen der jüdischen Bevölkerung Galiziens erlaubt sich somit das gefertigte Komitee, an die werte» sten Kreise der gesamten Oeffentlichkeit sich mit der dringenden Bitte zu wenden, uns in unserer schweren Arbeit helfend beistehen zu wollen. Eventuelle Beträge sind zu richten an das jüdische Hilfskomitee, zu Händen des Vorsitzenden Herrn kaiserlichen Rats Jakob Stroh, Le mb e r g, Bernsteina 12, oder an die Redaktion des Blattes. Für das jüdische Hilfskomitee in Lemberg: Kais. Kat Iabol. St oh Obmann Pros, Sigmund Kromberg fron Wahl erster Obmannstellvertreter zweiter Obmannstellvertreter Prof. Pr. Krrahard Hausner erster Schriftführer Lazar Goldderg Zahlmeister Hermann Kack Rabbiner Leib Kraube Kr. Moritz Krenbel h. b. O.-Lds.-Gerichtsr. Euia». Dresdner Kr. Ka l Einimg'rr Rabbiner Kr. Samuel Gutlmann Kr. Emilie Klaften Kernhard Krölilr Religionslrhrer Moses §amm Kr. Anselm Kandau Kr. Ludwig Landes Hais. Kat Adolf ßindeubergrr Aandrlsbammerrat A Kedabtenr Kerl Locker Ir. b. Schulrat Prof. Salom. Mandel Laura Olbert Knltusrat Simon Orange Kr. Ada Reichenstria Kr. Michael Ringel Reliaionslehrer David Rnbenrahl Rathau Schapira Oswald Schargel Prof. Leon Schleicher Ingenieur Ladislaus Schlehe« tznltnsrat Kr. Rubin Soda! itrht Michael lüain. Repatriierung der Flüchtlinge aus Lemberg. Die barbarische Kampfesweise der Russen hatte viele Tausende ruhiger, besonders jüdischer Familien gezwungen, die heimatliche Scholle zu verlassen und sich zur Rettung des nackten Lebens in die Ferne zu flüchten. Die meisten suchten natürlich so lveit als möglich sich die Russen vom Leibe zu halten und zogen mit den letzten Resten ihres Habes nach dem Westen ab; ein beträchtlicher Teil hingegen flüchtete sich von den Dörfern und Städtchen in größere Städte, in der Voraussetzung, hier mehr Sicherheit zu finden, als in der eigenen Heimat. So kam es, daß. sich in Lemberg allein gegen 20.000 jüdische Flüchtlinge aus den verschiedensten Teilen Galiziens ansammelten. Nur dank der äußersten Anspannung aller Kräfte des jüdischen Rettungskomitees nt Lemberg gelang es, die zum großen Teile ganz mittel-, losen Flüchtlinge vor dem Aeußersten zu bewahren. Als nun unsere siegreichen Truppen Lemberg befreiten und immer tiefer ins Land drangen, wurde die Frage der Repatriierung der Flüchtlinge aktuell; ja angesichts der starken materiellen Ueberbelaftung aller jüdischen Fürsorgeinstitutionen sogar akut. Jedoch eine Repatriierungsaktion selbst in den bescheidensten Grenzen mußte naturgemäß in einem Lande, welches leider noch immer, tvenn auch in geringem Maße, Kriegsschauplatz ist, auf unüberwindliche Schwierigkeiten stoßen; und es wäre überhaupt unmöglich gewesen, an die praktische Durchführung der, wenn auch noch so dringenden, Sache heranzutreten, wenn hier die Militärbehörde nicht verständnisvoll und kräftig eingegriffen hätte. Das Lemberger Stadtkommando hatte mit dem hiesigen Jüdischen Rettungskomitee mit Ausschaltung aller Zwischenbehörden folgenden inoäiis prae^ckensii in der Repatriierungsaktion vereinbart. Die Komiteeleituug nimmt Anmeldungen jener Flüchtlinge entgegen, welche in ihre Heimat zurückkehren wollen; nach Feststellung der Identität der angemeldeten Familienoberhäupter, resp. Personen, stellt die Komiteeleitung Passierscheine aus, welche vom Stadtkommando gefertigt iverden. Auf Grund dieser Passierscheine werden die Flüchtlinge samt ihrem'Gepäck.gruppenweise oder einzeln kostenfrei in ihre .Heimatsgemeinde befördert. Das militärische Bahnkommando stellt zu diesem Zwecke separate Züge oder Eisenbahnwagen zur Verfügung, für Kranke sind besondere fürsorgliche Maßnahmen getroffen. Bis heute gelang es, auf diese Weise 1050 Familien, zusammen über 5000 Personen, in ihre Heimatsgemeinde abzuschieben. Wer da weiß, mit welchen Schwierigkeiten die armen unbeholfenen Flüchtlinge, bereu Los ohnehin ein bejammernswertes ist, sonst zu kämpfen haben, um endlich jenen Schein zu erhalten, der ihnen gestattet, zu ihren verbrannten oder in bestem Falle beraubten Gehöften heimzukehren, der wird die Tragweite der Wohltat, welche durch eine Beseitigung aller bureaukratischen Formalitäten, die Militärbehörden den Aermsten der Armen erweisen, richtig einzuschätzen wissen. Der humanitäre Sinn unserer Militärbehörden, welcher sich in der Repatriierungsaktion der Flüchtlinge so glänzend äußert, berührt umso wohltuender, als daß uns noch in frischer Erinnerung sind die rücksichtslosen Maßnahmen der Zivilbevölkerung gegenüber von Seiten der „russischen Befreier", welche zu Tausenden ganze Familien aus Hof und Haus herausrissen und sie mit brutaler Macht und roher Gewalt in Not und Elend fortschleppten. Es ist gewiß sehr fchtver, all die zahllosen Wunden, welche der unmenschlich rasende Feind den Juden Galiziens geschlagen hat, in absehbarer Zeit zu heilen. Dazu bedarf es schwerer, ehrlicher Arbeit ganzer Jahrzehnte. Daß aber der gute Wille in manchen Kreisen, besonders in den militärischen, vorhanden ist, beweist die Art der Durchführung der Repatriierungsaktion im Lande. Abgesehen von den Ungeheuern praktischen Wert und dem unschätzbaren Nutzen, welchen unsere höchsten Militärbehörden dem Lande und den unglücklichen Flüchtlingen leisten, kann der moralische Wert der militärischen Verfügungen in der Repatriierungsaktion nicht hoch genug angeschlagen werden. Lenlberg, September 1915. Dr. Bernard Hausner. Aussig. (Feierliche Vereidigung der i s r. Mannschaften.) Besonders feierlich gestaltete sich die Vereidigung der israel. Soldaten der Aussiger Garnison, die am Sonntag, 19. d. M., am Tage nach Jom Kippur, im Anschluß an die Vereidigung der letzten Marschkompagnie auf dem Exerzierfelde stattfand. Unmittelbar nach der Feldmesse und der Ansprache des katholischen Feldsuperiors hielt Herr Rabb. Dr. R o s e n z w e i g, als Feldrabbiner, eine Ansprache an die israelitische Mannschaft, in der er, ausgehend von einem Psalm, ihr ans Herz legte, in ihre Hand sei die Ehre des Judentums