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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-09-28 · 39 (28.9.1915) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
39 (28.9.1915)
Date
1915-09-28
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 726 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 39 gegeben, sie sollten es gleichtun den Brüdern da draußen im Felde, die das Märchen von der jüdischen Feigheit zuschanden gemacht hätten. Mit dem Hinweis darauf, daß die Inden zu allen Zeiten und an allen Orten sich als treue Löhne des Baterlandes erwiesen hätten, und daß das Judentum darum auch von ihnen treue Erfüllung ihrer Pflichten als Soldaten und Juden erwarten, schloß die Ansprache. Nach Verlesung des Eides durch den Herrn Feldrabbiner schloß die erhebende Feier mit der Erteilung des Segens. Olmütz. Am Verjöhmivgstage fand im Redoutensaal ein militärischer Gottesdienst statt, der hochinteressant war. Als Borbeier fungierten durchwegs Soldaten. Es waren mehrere hundert Militärpersonen anwesend. In einem abgesonderten Raume die jüdischrussischen Kriegsgefangenen auf der Galerie. Vor und nach dem Fasten wurden in den angrenzenden Speisesälen zirka 300 bis 400 Soldaten streng rituell ausgesprist. Den Bemühungen des Feldrabbiners Dr. Sicher um das Zustandekommen des Gottesdienstes und der Ausspeisung kamen in bereitwilligster Weise entgegen : Das Stationskommando Olmütz durch volle Dienstfreiheit und Kommandierung von Unteroffizieren al; Ordnungsorgane, das Militär->Ltationskomm6ndo Prerau durch Kommandierung eines Soldaten als Vorbeter nach Olmütz, der Gemeinderat der Stadt Olmütz durch kostenlose Ueberlassung seines schönsten Saales samt dessen prächtiger Beleuchtung, die Kultusgemeinde durch eine Spende von 900 Kronen, einzelne Spitalskommanden durch Kommandierung jüdischer Soldaten als Köche und Küchenarbeiter, der Frauenvcrcin der Stadt Olmütz durch kostenlose teilweise Ueberlassung von Tischtüchern, der jüdische Restaurateur Herr Tobias durch uneigennütziges Arrangement des Einkaufes und der mühevollen Küchenorganisat'on, mehrere Krakauer Damen, insbesondere Fräulein L r o n n e r, durch aufreibende Kochtätigkeit, Herr Spitz durch Brotspenden, der Verein jüdischer Wandervögel, dessen jugendlichen männlichen und weiblichen Mitglieder die äußerst komplizierte und anstrengende Tätigkeit der Bedienung so vieler Soldaten, denen ein reichhaltiges Mahl geboten wurde, übernommen hatten. Durch das Zusammenwirken aller genannten Faktoren konnte der Fcldrabbiner den Soldaten einen auf Lebzeiten unvergeßlichen Jom Kippur ermöglichen. Dornawatra. Anläßlich der Eroberung Warschaus fand letzten Samstag im hiesigen reichdekorierten Tempel u Anwesenheit der Vertreter aller hier weilenden staatlicherr und autonomeir Behörden ein sehr erhebender Gottesdienst statt. Nach Verrichtung des „Schachrisgebetes" durch Kantor Sch echter und Verlesung des Bibelwochenabfchnittes ergriff Se. Ehrwürden Oberrabb. E. N. M a r g o s ch c s das Wort Zur Festpredigt.. Anknüpfend air das Neumonatsgebet" „Mi scheoso Nisim laawausenuh" und vieler Bibel- und Talmudstellen schilderte der Festredner sehr geistreich das ruchlose, verräterische und verwerfliche Vorgehen des Vierverbandes, ivelchcr diesen Krieg angezettelt hat, und das Vorgehen. der Zcntralmächte mit unserem erhabenen Monarchen ' Kaiser Franz Josef I., der ein wahrer „Mclech schel Scholem" ist, an der Spitze, ivelche noch in letzter Stunde vor Kriegsausbruches alles anwendcten, um dieses Blutvergießen zu verhüten, was jedoch von den verbrecherischen Gegnern vereitelt wurde. Er sprach mit höchster Entrüstung über die Verbrechen der Russen den Juden gegenüber und meinte, daß die jüdische Bevölkerung, insbesondere die, der vom drückenden Zarismus befreiten Gebiete ganz besonderes Interesse haben, die Eroberung Warschaus zu feiern, welche ein Sieg der Gerechtigkeit, des Lichtes und der Freiheit bedeutet. Hierauf sang Oberkantor Sack mit verstärktem Chor das Kaisergebet „Hanoscn Teschuoh" sowie die Nationalhymne "im Urtexte und in hebräischer Uebersetzung, welches einen seht feierlichen Eindruck hervorricf. Im Namen der Judenschaft sandte der Kultusvorsteher Herr Jakob ein Huldigungstelegramm an Seine Majestät den Kaiser. ' _ Ch. K. Linz. Ein herrlicher Gedanke war es, den der Traingefreite vom Regimente Nr. 14 faßte, die dürftigen, kranken und verwundeten jüdischen Soldaten nach dem Ausgange des Versöhnungstages rituell verköstigen zu lassen. Dieser Gedanke wurde von seinen bemittelten Kameraden freudigst begrüßt und rasch bildete sich ein Komitee, welches den Korporal Herrn Tauber zum Obmann wählte und eine Sammlung unter den bemittelten Kameraden und den Einjährig-Freiwilligen des Train einleitete, zu welcher auch die Kultusgemeinde und deren Wohllätigkeitsanstalten ihr Scherflein beitrugen. Die Präsidentin des Frauenvereines Frau Marie Heller sammelte separat für diesen edlen Zweck. Die Restaurateurin Frau Charlotte Klein wurde nun beauftragt, ein reichliches Mahl für 80 jüdische Soldaten vorzubereiten. — Im Saale des Easthofes „Zur Austria" kamen am jAusgange des Versöhnungstages die dürftigen, kranken und verwundeten jüdischen Soldaten zusammen. Wie immer stellten sich auch diesmal die Präsidentin des Frauenvereines, Frau Marie Heller, mit ihrer Tochter Frau Margarethe Weiß und die Mädchen des Esterbundes in den Dienst der guten Sache, indem dieselben das Arrangement des Pfahles sowie das Kredenzen der Speisen und Getränke bei demselben übernahmen. Das Arrangement war in der Tat als äußerst gelungen zu betrachten und ein herrlicher Anblick bot sich dem Auge dar, als inan den Saal betrat und den mit den besten Speisen und Getränken prächtig gedeckten Tisch erblickte. Dem tiefem Ernste des Versöhnungstages machte nun eine gemütliche, ja man kann sagen fröhliche Stimmung Platz. Der Obmann des Komitees, Herr Tauber, begrüßte die Erschienenen im Rainen des Komitees in herzlicher Weise und wünschte, daß sie sich alle das Mahl recht gut munden lassen mögen. Zu demselben waren auch der Präses der Kultusgemeinde, Herr Benedikt Schwager, und Sekretär Herr S. P i s k a t y erschienen. Während des Mahles sprach ein Soldat den Kaisertoast, worauf von den Anwesenden die Volkshymne mit Begeisterung gesungen wurde. Nachher drückte derselbe im Namen .aller anwesenden Soldaten dem Komitee für die Veranstaltung dieses vorzüglichen Mahles den besten Dan! aus. Auch der Präses der Kultusgemeinde richtete an die Anwesenden eine wahrhaft zu Herzen gehende Ansprache, in welcher er die große Vaterlandsliebe und besondere Tapferkeit der jüdischen Soldaten hervorhob und der Hoffnung Ausdruck gab, daß die heldenhafte verbündete Armee der Zentralmächte den endgiltigen Sieg über die Feinde erringen und dem ein baldiger ehrenhafter und dauernder Frieden folgen wird. Mit einem dreifachen Hoch auf die anwesenden jüdischen Soldaten endte seine treffliche Rede. Hierauf sangen die Soldaten verschiedene zionistische Lieder und nach Absingung des Tischgebetes durch Herrn Sekretär Piskaty fand das Mahl seinen Abschluß. Auch mit Zigaretten und einer Handgabe an Geld wurde jeder Soldat von den Damen beteilt. Alles verließ höchst befriedigt den Saal und das Komitee hatte durch diese Veranstaltung ein wahres Kidusch haschem ausgeübt. Die Restaurateurin Frau Charlotte Klein hatte sich durch die exquisite Zubereitung der Speisen die Anerkennung aller erworben. i! ' Die Lage im Heiligen Lande. Die ernsten Tage des jüdischen Jahres sind nun vorüber. Wir stehen aber noch vielfach unter dem Eindrücke der inbrünstigen Gebete, die vor allem in dein Satze gipfelten: „Schreibe uns ein zum Leben, gedeuke unser zum Leben. . .!" Inzwischen schreitet das große Sterben weiter seinen unerbittlichen Weg. Aber glücklich sind noch diejenigen, die draußen auf denk Felde der Gefahr dem großen Würger erliegen. Sie sterben für ein großes Etlvas, für die Wohlfahrt eines Volkes und die bessere Zukunft ihres Landes. Aber die der Hunger tötete, die nun ferne im Heiligen Lande die heiße Erde decket, oie nicht mehr die Kraft besaßen, zu widerstehen, als ne der Hungertod faßte, sie sind beklagenswert. Ber Karpfen, Leib Goliger und die anderen, alle Angehörige der ö st e r r e i ch i s ch - g a l i z i s ch e n Jsrael i t en g em ei n d e in Jerusalem, sind gestorben, weil sie nicht das trockene Brot zu in Leben hatten. Auch sie waren Opfer des Krieges, wie soviele andere jetzt im Heiligen Lande, die ihre karge Existenz einbüßten und nun dem unerbittlichen Elend preisgegeben sind, aber sie sind die vergessenen Opfer, die niemand zählt und deren niemand gedenkt. Doch ihre Zahl kann sich mehren, sie kann ins Unermeßliche wachsen, die vor Hunger g e st o r b e n e n ö st e r r e i ch i s ch e n B r ü d er im Heiligen Lande können eine stattliche Gefolgschaft haben, wenn wir ihrer nicht schleunigst gedenken.-Die dürre Knochenhand der Hungeropfer erhebt sich aus dem Grabe und deutet in der Richtung nach „Chuz loorez", nach den Ländern der Zerstreuung, denn nur von dorther kann Hilfe kommen für die,

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