Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 39 (28.9.1915)
- Date
- 1915-09-28
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3020846-3022142-3022182--24496-3049748- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 718 Dr. Vloch's Wochenschrift 9tr. 39 den schönsten Hoffnungen berechtigter Sohn des Herrn Julius Kosulik, Kaufmannes in Lipthal in Mähren. Der Verewigte trat nach Absolvierung der Wiener Handelsakademie in das ausgedehnte Geschäft seines Vaters ein, wo er zufolge seiner reichen kaufmännischen Kenntnisse, seines streng rechtlichen Charakters und seines unermüdlichen Fleißes eine segensreiche Tätigkeit entwickelte. In seinem 22. Lebensjahre konnte ihm sein Vater bei gleichzeitiger Großjährigkeitssprechung die Leitung des Geschäftes anvertrauen. Daraus kann ermessen werden, welche unersetzliche Stütze er seinem Vater gewesen. Dem Ruse des Vaterlandes folgend, rückte er am 15. März d. I. beim k. u. k. Infanterieregiment Nr. 3 ein, wo er bis zu seinem Heldentode von Vorgesetzten und Kameraden wegen seiner Pflichttreue und seiner edlen Herzensbildung geschätzt und geliebt wurde. Aus Befehl seines Komp.-Kommandanten wurde er von treuen Kameraden in ein eigenes bezeichnetes Grab bestattet. Sein Kompagniekommandant, Herr Leutnant Zelinka, hat an die tiefbetrübten Eltern ein in den herzlichsten Worten gefaßtes Beileidschreiben gerichtet, in dem er unter anderem schreibt: „Ich verliere an ihn einen tapferen und braven Soldaten meiner Kompagnie. Gott möge Sie trösten!" Acht Kameraden benachrichtigten vom Felde die Eltern von dem Heldentode ihres Sohnes und gaben hierbei ihrem Schmerze über den Verlust des teuren Kameraden beredten Ausdruck. Allseitigc Teilnahme wendet sich den schwergeprüften Eltern zu, umsomehr, als noch zwei andere Söhne schwer verwundet sind, von denen der eine im Range eines Leutnants sich in russischer Gefangenschaft befindet. Wie beliebt allseits der Verewigte war, beweisen die zahllosen Kondolenzen, darunter die des katholischen und evangelischen Klerus von Lipthal. Alle, die diesen edlen Helden gekannt haben, werden ihm ein ehrendes Angedenken bewahren! HßerteutnanL Ar. Kalo Allerhand. Am 1. September ist Herr Oberleutnant Dr. Salo A l l e r h a n d bei einem Angriff auf Buczaez im dreißigsten Lebensjahre auf dem Felde der Ehre gefallen. Dr. Allerhand, der einzige Sohn und ganze Stolz seiner schmerzgebeugten Eltern, war ein prächtiger und allseits wohlgelitiener Mensch, der sich wegen seines geistreichen und liebenswürdigen Wesens bei seinen zahlreichen Freunden und Bekannten größter Beliebtheit erfreute. Dr. Allerhand stand vor der Erlangung der Advokatur und berechtigte in seinem Berufe zu den schönsten Hoffnungen. Er war Obmann des jüdischen Turnvereines, Vizepräsident des zionistischen Vereines „Haschachar" und alter Herr der jüdischen Ferialverbindung „Emunah". Seit Kriegsbeginn im Felde, aus dem er verwundet einmal hierherkam, beteiligte sich Dr. Allerhand, der im 13. Infanterieregiment diente, durch 13 Monate an dem furchtbaren Kriege und seinen schier unermeßlichen Strapazen. Ueber den Heldentod Dr. Salo Allerhands meldet eine Karte seines Freundes, des Herrn Sanitätskadetten Mediziner Artur I a k o b o w i c z an seine Angehörigen nach Bielitz. Folgende Stellen seien hier wiedergegeben: „B. ist genommen und Dr. Allerhand lebt nicht mehr. Heute habe ich auch Genaueres über seinen Tod erfahren. Sein Bataillon sollte Sturm auf die Befestigungen von B. ausführen. Ganz flaches Terrain, raffinierte russische Stellungen, vierfache Drahthindernisse, die zu nehmen waren. In. gewohnter heldenmütiger Weise hat er den Sturm mitgemacht und dabei die tödliche Kugel durch die Schläfe bekommen. Der Kampf war entsetzlich blutig. Heute marschiert das Regiment wieder hinter den fliehenden Russen her. Man singt, als wäre nichts geschehen. Das ist der Krieg!" Ein ehrendes und bleibendes Angedenken ist Herrn Dr. Salo Allerhand über sein Heldengrab hinaus gewiß. Leutnant Siegmund Ullmann. Das Mitglied der Wiener Börse, Herr Siegmund U l l m a n n, Leutnant d. R. im Landsturm-Infanterieregiment Nr. 25, fand auf dem nördlichen Kriegsschauplatz den Heldentod fürs Vaterland, nachdem er eine ganze Reihe von Gefahren glücklich überwunden hatte. In ihm verliert das Regiment einen seiner tapfersten Offiziere, seine Untergebenen einen umsichtigen und fürsorglichen Führer. Der Stellungskrieg war ihm lästig. Glücklich und gehoben fühlte er sich aber in der Offensive, wobei er wiederholt seine Truppe im heftigsten feindlichen Feuer weite Strecken vorbrachte, ohne auch nur einen Mann zu verlieren. Zwecks Aufklärung durchschwamm er öfter die Weichsel und kehrte jedesmal mit wertvollen Nachrichten über den Feind zurück. Um ihn trauern seine schwergeprüfte Gattin und Verwandten. Leutnant Kugo Jadenhecht. Am 30. August ist auf dem nördlichen Kriegsschauplätze der Leutnant der Reserve und Beamte der Depositenbank Hugo Faden Hecht gefallen. Faden Hecht war bereits mit der silbernen Tapferkeirsmedaille und dem Signum laudis ausgezeichnet. Im Bataillonskom- Mndohefehl vom 1. d. M. heißt es unter anderem von dem Gefallenen: „Glühend vor Kampfeslust, begeistert mit feinen Braven vorwärtsstürmend, sand er den Heldentod. Er fiel wahrlich als Held in treuer Erfüllung seiner Soldatenpflicht. Persönlicher Mut und Tapferkeit, die schönsten militärischen Tugenden zeichneten ihn in höchstem Maße aus. Trauer und Wehmut erfüllen Misere Herzen, in ihm verloren wir einen unserer besten Offiziere, einen lieben Kameraden." Leutnant Faden h echt war ein treuer Jude, ein edler, stets hilfsbereiter Mensch, dem alle, die ihm je nahekamen, ein ehrendes Andenken bewahren. W. Auszeichnung gefall'enerMffiziere. Seine Majestät der Kaiser hat den vor dem Feinde gefallenen Leutnants d. R. Moriz S t e i n. Landwehrreg. Nr. 4, und Isidor S ch r e g e r, Infanterieregiment $2; für tapferes Verhalten das Militärverdienstkreuz 3. Kl. mit der Kriegsdekoration dem im Dienste verstorbenen Landsturm-Assistenzarzt Dr. Ludwig Schöntag, Epidemiespital Kassa für ersprießliche Wirksamkeit bei Bekämpfung von Kriegsseuchen das Ritterkreuz des Franz Josef-Ordens am Bande des Militärverdienstkreuzes verliehen. Dem gefallenen Fähnrich Eduard Lut w a k, Landwehrregiment Nr. 36, wurde vom Armee-Oberkommando für hervorragende Tapferkeit die goldene Tapferkeitsmedaille verliehen. Beförderungen. Zu Oberleutnants d. R. wurden befördert die Leutnants d. R. Ignaz Reisz, Infanterieregiment Nr. 19 Dr. Julius Lö w y, Infanterieregiment Nr. 39; Rudolf Tau.ssig, Telegr.-Reg.; Josef Abel es, Jnfanteriereg. Nr. 60; Samuel Deutelbaum, Infanterieregiment Nr. 71; Salomon Aszkenasy, Infanterieregiment 80; Moriz Plaschkes, Infanterieregiment Nr. '90; Moriz