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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-09-17 · 38 (17.9.1915) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
38 (17.9.1915)
Date
1915-09-17
Page
– (sequence 11)
Language
German
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-lr. 38 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 707 stehend aus dem derzeitigen Vorsitzender: kais. Rat Jakob Stroh, Herrn Dr. R. Sokal und den Mitgliedern des Nabbinates, Brande und Dr. Gnttmann. Dr. Sokal überbrachte dem Statthalter die Glückwünsche der jüdischen Gemeinde anläßlich der Ernennung und richtete an ihn das Ersuchen, der so hart betroffenen jüdischen Bevölkerung tatkräftige Hilfe angedeihen zu lassen. In seiner Erwiderung versicherte der Statthalter die Deputation seiner Objektivität und fügte hinzu: „Ich weiß, daß die..jüdische Bevölkerung in den Tagen der Invasion viel mehr als die anderen Einwohner gelitten und Schaden erduldet, aber trotz allem treu zu Kaiser und Reich gehalten hat. Seien Sie darum überzeugt, daß ich alles, was in meiner Macht liegt, tun werde, um die Not Ihrer Glaubensgenossen zu lindern, und darauf streng achten werde, daß ihnen kein Unrecht geschehe." — Der Statthalter verabschiedete sich von den Herren mit einem warmen Händedruck. Are Iudenstage in Koten. Eine Aeußerung des Präsidenten des Obersten Polnischen Nationalkomitees. Der in Petrikau erscheinende „Dziennik Narodowy" veröffentlicht einen Artikel des Präsidenten des Obersten Polnischen Nationalkomitees Ritter v. Jaworski über die Judenfrage in Polen. Der Verfasser bezeichnet die Lösung dieser Frage als eines der wichtigsten Probleme für die 'Gestaltung der inneren Verhältnisse in Polen. Die Verschärfung der Judenfrage in Polen wurde von der russischen Regierung planmäßig herbeigeführt, indem sie landfremde russische Juden zur massenhaften Ansiedlung, in Polen zwang. „Wenn wir — schreibt Ritter v. Jaworski — an die Regelung der durch anormale politische und volkswirtschaftliche Verhältnisse einerseits und eine demagogisch-nationalistische Agitation andererseits sehr verschärften polnisch-jüdischen Beziehungen schreiten, müssen wir daran festhalten, daß diese Regelung nur auf allgemein europäischen Grundsätzen erfolgen darf. Wir müssen an die alten polnischen Traditionen in der Judenfrage anknüpfen, an die Traditionen der Czacki und Wielopjolski, wir müssen mit aller Energie die Assimilierung der jüdischen Bevölkerung betreiben und sie für die Interessen des Landes zu gewinnen trachten. Dieses Ziel kann aber nur erreicht werden, wenn man den Juden Gleichberechtigung gewährt, wenn Bedingungen für eine normale Existenz der jüdischen Bevölkerung geschaffen werden, wenn den Juden die Möglichkeit geboten wird, aus der jetzigen verzweifelten wirtschaftlichen Lage herauszukommen, namentlich durch ihre Heranziehung zur gemeinsamen bürgerlichen Arbeit. Die antisemitische Lösung in welcher Form immer kann den allgemeinen Landesinteressen nur schaden. Nur durch eine deutliche und entschiedene Zusicherung, daß ein wiedergebornes Polen keine antisemitische Politik betreiben und sich fern von allen Schikanen und Verfolgungen halten wird, können wir die'Grundlage zur Assimilierung der jüdischen Massen schaffen." Zum Schlüsse heißt es: „Anderseits müssen wir mit aller Entschiedenheit von den Juden verlangen, daß sie aufrichtige Staatsbürger werden, im Interesse des Landes wirken und das Wohl des Landes fördern sollen. Dies wird über nur dann möglich werden, wenn das Land ihnen den Zutritt zu allen Quellen der Kultur und des Wohlstandes eröffnet." Ein Jahr Reservespital Nr. 11 der Oesterreichischrn Gesellschaft vom Roten Kreitz, II., Malzgasse 7. Gleich bei Kriegsbeginn wurde über Initiative des Spitalskommandanten und Chefarztes dieses Spitals, des k. k. Regimentsarztes Dr. S. Krüger, das Kaiserin Elisabeth-Lehrmädchen- und Arbeiterinne n h e i m, welches zu Friedenszeiten von dem Genannten geleitet wird, über Beschluß des Vereinsvorstandes in ein Kriegsspital für 110 Verwundete umgestaltet. Die Schützlinge des Heims wurden evakuiert, anderwärts versorgt und stehen unter dem Schutze des Bereinsvorstandes. Das mit allen modernen medizinischen Einrichtungen, Wäsche- und Verbandmaterial, eigener Küchenwirtschaft ausgestattete Spital wurde dem Roten Kreuz unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Anläßlich der Wiederkehr des Jahrestages (6. September), an welchem man die ersten Kriegskranken und -Verletzten dem Spitale zugewiesen hatte, lourde eine mit einem Konzert verbundene Gedenkfeier im Sitzungssaale des Spitales abgehalten, bei welcher der SpitalSkommandant an die Soldaten eine Ansprache hielt und nach einer Danksagung an die Aerzte, Pflegerinnen, den: Jnspektionsoffizier, dem administrativen Leiter des Spitals, der Oberin Frau Cäcilie Frankl und den mitwirkenden Damen, mit einem dreifachen Hoch auf Seine Majestät dem Kaiser schloß, worauf die Volkshymne von den Anwesenden gesungen wurde. Nachdem der Jnspektionsoffizier, Oberleutnant Dr. Max Groß, namens der Verwundeten dem Spitalskommandanten den Dank abgestattet hatte, begannen die Vorträge, die durch die Kapelle Drescher unter Leitung des Hofkapellmeisters C. W. Dresche r, eröffnet wurden. Frau Nelly L o r - beer sang unter großem Beifall die Hallen-Arie aus „Tannhäuser", Fräulein Finy Alt enstein entzückte die Verwundeten durch ihren Liedervortrag. Große Heiterkeit erweckten die humoristischen Darbietungen der Herren Max Hofer (Blitzdichter) und des urkomischen Clown vom Apollotheater Morello, sowie des kleinen Merftallinger vom Johann Straußtheater. Sämtliche Vorträge wurden vom administrativen Leiter des Spitals, Herrn Emil B a r d a ch, in vollendeter Weise am Klavier begleitet; derselbe veranstaltete seit Kriegsbeginn bereits 20 Konzerte für die Verwundeten und hat sich auch um das Gelingen dieses Festes in hohem Maße verdient gemacht; ebenso war Frau Prof. Julius Singer um das Arrangement dieses Konzertes bemüht. Der Feier wohnten in Vertretung des Militärkommandos Herr Oberstleutnant Broudre und in Vertretung des Roten Kreuzes Herr Generalstabsarzt Dr. S. Kirchenberger sowie zahlreiche Freunde und Gönner des Spitales bei. Jüdischer Verein „Einheit". Aufruf! In dem abgelaufenen schweren Kriegsjähre hatten wir unerwartete, große Aufgaben zu lösen. Unsere für einen täglichen Besuch von zirka 1200 Personen eingerichtete Anstalt mußte einem täglichen Andrang von fast 5000 Gästen standhalten. Dazu kam die abnorme, unerhörte Steigerung aller Lebensmittelpreise. Wir aber waren weit über unsere Kräfte bestrebt, die bedürftigen Gäste diese erschreckenden Teuerungsverhältnisse nicht empfinden zu lassen. Wir haben große Opfer gebracht. Insbesondere die bekannten, unter abnormen Verhältnissen durchgeführien Massenausspeisungen gelegentlich der Pessachfeiertage haben nicht nur alle unsere Reserven aufgezehrt, sondern uns auch noch Schulden gebracht. Mehr wie früher bedürfen wir jetzt der Förderung und Unterstützung, und daher richten wir die innige Bitte an alle jenle, die in der Lage sind, ihr Scherflein beizutragen zu einem Werke, das Tausenden von bedürftigen Glaubensgenossen die Lebenshaltung erleichtert, —

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