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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-09-03 · 36 (3.9.1915) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
36 (3.9.1915)
Date
1915-09-03
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 662 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 36 Vas Exekutivkomitee erlaubt sieb daher, auf diese günstigen Präzendentien gestützt folgenden Antrag der Vollversammlung vorzuscblagen: „Die Hilfskommission 1915 erklärt sieb in Permanenz und nimmt die Eorm eines Vereines an,“ „Für den Fall einer gleichartigen Vereinsbildung in Deutschland einerseits und in Ungarn andererseits, wäre der Harne: „Zentraleuropäische Palästina - Hilfskommission“ zu bestimmen. Wir sehen in,dieser Versammlung der Beratung und Beschlußfassung, wie auch Aenderungen und Amendements, die im Laufe der Debatte sich ergeben sollten, mit vollem Vertrauen entgegen und wollen zur vollständigen Klärung folgendes betonen: - Die Vereinigung der Palästinahilfe hält sich ganz fern von jeder jüdisch-politischen Richtlinie, wie sie in der Judenheit vorherrschen mag; sie will vorerst während der Kriegszeit helfen, beistehen, das jüdische Leben in Palästina „a 1 hathoru weal hoawodu“ erhalten, die Institutionen der Kaulelim und der Kessiim in richtige kaufmännische Bahnen lenken, ihrer Tätigkeit durch die zentralisierte öffentliche Kontrolle jede Verdunklung und jedes vorherrschende Vorurteil benehmen. Sie will aber auch, wenn sie sich zum Wohle unserer jüdischen Brüder im heiligen Lande bewährt, dieselbe über die Kriegszeit hinaus zu einer permanenten gestalten. Alle für das Heil unseres palästinensischen Judentumes bestehenden Vereine können getrennt marschieren, sich ihren Zielen widmen, aber vereint den gleichen Zweck izu erreichen suchen. Hilfe unseren bedrängten Brüdern in Palästina w ä lirend der Kriegs zeit und über diese hinaus hat aber auch eine patriotische Seite, die gegenwärtig, in ^diesem Weltkriege besonders stark, in unserem ganzen Seelenleben vibriert. Wenn es heißt: „Bereite dich im Frieden zum Kriege vor“, lehrt das die Erfahrung, daß auch mitten im Kanonendonner schon für die Zeit des Friedens vorgearbeitet werden kann. Sehen wir ja, wie! die deutschen, die österreichisch und ungarischen Wirtschafte vereine bereits jetzt fleißig über die künftige wirtschaftliche Vereinigung Zentraleuropaskonferieren. Meine Herren! Wenn wir siegen — und wir werden mit Gottes Hilfe siegen! — werden Deutschland, Oesterreich- Ungarn mit der Türkei innig verbunden bleiben. Das gemeinschaftlich geopferte Blut wird den kostbaren Kitt ihrer Unzertrennlichkeit bilden. Für diese schöne, glückverheißende Zeit, deren- Morgenrot schon jetzt aus den Flammenzeichen der fortschreitenden wunderbaren Siege uns entgegenleuchtet, können wir mit Gewißheit voraussetzen, wird Palästina einer neuen Zeit des Aufschwunges entgegengehen; es wird das Ausfalls ter der deutsch-österreichischungarischen Wirtschaftsarbeit nach dem Orient werden; wo sich bisher russische Anmaßung, gleich der gleißenden goldenen Kuppel am Oelberg, und französische religionslose Verbildung verbunden mit englischer Missionsheuchelei breit gemacht haben, wo die Türkei nichts zu schaffen, sondern stumm zu gehorchen hatte — dort wird es dann anders werden — und auf diesem Tummelplatz politischer Wirrungen und Eifersüchteleien wird festes politisches Gefüge entstehen. Für diese Zeit schon jetzt durch eine feste Vereinigung zwecks wirtschaftlicher Hebung von jüdischer Seite vorgearbeitet zu haben, ist ein patriotisches österreichischungarisches Unternehmen. Die Juden, die schon gegenwärtig in Palästina ihr Heim haben, sind als eine für den österreichischen Staat wertvolle Kolonie anzusehen, die wirtschaftlich ein beachtenswerter Faktor werden soll. Wir wollen daher auch nach dem siegreichen Abschlüsse dieses Weltkrieges, dort den schwachen, aber arbeitswilligen jüdischen Elementen nachhelfen, wollen dort eventuell zur Industrialisierung der jüdischen städtischen Bevölkerung, eben den Ohalukka-Juden, als aufbessernder Rückhalt dienen, in der Bildung von V o rschußkassen ihnen helfend zur Seite stehen. Hiezu soll uns nac h der Kriegs zeit der bereits jetzt in Permanenz zu erklärende Palästina-Hilfsverein dienen. Als Juden und als österreichisc lf-u nga rische Patrioten stellen wir daher den wohlerwogenen Antrag, den sie ausgestaltend weiter formulieren können: „Die Hilfskommission 1915 erklärt sich in Permanenz auch'für die Zeit nach dem Kriege und nimmt die Form eines Vereines an, unter dem Hamen Zentraleuropäische Palästina- Hilfskommissio n.“ An der Debatte Über diesen Antrag beteiligten sich die Herren: Gutsbesitzer Steinberg, Rzeszow, seiner Rabbiner Reich, Wien, Rabbiner Meier so hn und Bernhard Hofbauer, Wien. Gutsbesitzer Dr. Rappaport, Lemberg, bezeichnete, da er die Verhältnisse Palästinas aus eigener Anschauung kennt, die Tagung der Hilfskommission, ihre bisherigen Leistungen und ihre im Referat und im Anträge dargelegten Ziele als einen entscheidenden Wendepunkt in den Verhältnissen des vom Augenblick so tief und ganz besonders jetzt so hart betroffenen Landes der Väter. Von dem Streben, die arg zersplitterten, gegeneinander unerbittlich strenge abgegrenzten Kaulelim auf einer Plattform zusammenzuführen, verspricht er sich eine neue glückliche Zukunft der ganzen jüdischen Siedelung im Heiligen Lande. Im Namen der zionistischen Organisation erklärte sodann Dr. Pollak, der Vorsitzende des zionistischen Landeskomitees für Niederösterreich, daß, auch seine Gesinnungsgenossen die Regelung der Lebensverhältnisse der Juden in den Städten Palästinas als im Gesamtinteresse des Landes gelegen gutheißen und jede Bemühung, die gegenwärtige Not der Palästinenser zu lindern, mit Freuden begrüßen. In demselben Sinne äußerte sich Kultusoorsteher Dr. Schreiber. Derselbe betonte den patriotischen Gedanken, die wirtschaftliche Situation und den Einfluß der Staatsangehörigen Oesterreichs und Ungarns im Orient zu organisieren und zu kräftigen. Herr Wolf P a p p e n h e i m votierte in Anbetracht der Dringlichkeit einer Notstaudsaktion für Palästina den Dank der Versammlung für die bisherigen Leistungen der Hilsskommission und wünschte nachdrücklich deren Fortsetzung in dem bisherigen Rahmen. Die beiden Anträge des Referenten wurden hierauf mit großer Majorität angenommen. Mit Rücksicht auf verschiedene im Verlaufe der Beratungen vorgebrachte Anregungen wegen geeigneterer Benennung der zu gründenden Vereinigung erklärte der Vorsitzende, daß das engere. Komitee diese Anregungen nach Tunlichkeit berücksichtigen werde. Seiner Genugtuung über den würdigen Verlauf der Versammlung und den Dank der Palästinenser gab noch einmal Rabbiner Horovies Ausdruck. In einem Schlußworte ersuchte der Vorsitzende um Ermächtigung, an Ihre Majestäten unseren Kaiser und den Sultan Huldigungsbezeugungen auf telegraphischem Wege zu richten. Nach! einstimmiger Beifallserklärung der Versammlung und den Dank des Vorsitzenden an den Referenten schloß dieser um Üfy* die Sitzung. Ansprache des Mnisterialfekretärs a. D. Herrn Dr. Sandor Lederer aus Budapest. Meine Herren! Empfangen Sie meinen besten Dank für die mir bereitete gütige Aufnahme und innigsten Dank sage ich Ihnen, hochgeehrter Herr Präsident, für

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