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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-09-03 · 36 (3.9.1915) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
36 (3.9.1915)
Date
1915-09-03
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 36 Dr. Bloch's Wochenschrift «rite 6ftl Planer, Prof. Dr. Pollak, Dr. Pollak, Redakteur Racker. Doktor Rappaport, Lemberg, Oberrabbiner Reich, Baden, Rabbiner Reich, Wien, Dr. L. Szabolcsi. Budapest, Dr. S. Schaff, Präsident der Lemberger Kultusgemeinde, kaiserl. Rat Schramek, Kultusvorsteher Doktor Schreiber, Oberrabbiner Steinberg, Brody, Rabbiner Steinberg, Rzeszow, Kultusvorsteher Spitzer, Leipnik. Rabbiner Dv. M Z. Schwartz, Reichsvatrevisor R. Täussig, Rabbiner Dr. Tieberger, Budweis, E. Torczyner, L. Wißner, Dr. E. Zweig. Begeistert stimmten die Anwesenden in das Hoch ein, das der Vorsitzende auf den Kaiser und den unseren Glaubensbrüdern in Palästina so wohlwollenden Sultan Mehmed V. brachte. Herr Dr. Lederer und Rabbiner Horovics beglückwünschten, von der Versammlung stürmisch akklamiert, im Namen der begrüßten Gäste die Hilfskommission zu ihren bisherigen Erfolgen und versprachen, sie jeder in seinem Kreise nach Kräften zu fördern. Herr Oberrabbiner Reich, Baden, erstattete nachstehendes Referat: Hochverehrte Versammlung! Das Tatsachenmaterial, welches wir die Ehre haben hiemit vor der Vollversammlung der Palästinafreunde vorzulegen, ist in Anbetracht der kurzen Zeit der Tätigkeit des Palästina-Hilfskomitees 1915 ein solch imponierendes, daß wir auf das Blendwerk der Phrase vollständig verzichten können. Zunächst ein Wort zur Genesis unserer Aktion. In der Nr. 18 der „Oesterr. Wochenschrift“ d. J. hat Herr Doktor Bloch die Frage aufgeworfen: „Wer unterstützt die notleidenden, hungernden galizischen Juden in Palästina?“ In markigen Worten stellt er es dar, wie speziell die galizischen Juden in Palästina während dieser schweren Zeit des Weltkrieges dem Hungerelend preisgegeben sind. Hieran knüpfte sich in der Nr. 19 mein offener Brief, der zu einer sofortigen Aktion in dieser Richtung auffordert und Herrn Dr. Grunwald, Rabbiner in Wien,, der bereits in Palästina die dortigen Zustände aus Autopsie kennen gelernt hat und sich für Palästinahilfe schon mehrfach betätigte, als diejenige Persönlichkeit bezeichnet, die geeignet ist eine Palästinatagung von den Vertretern der hervorragendsten Kultusgemeinden Oesterreichs nach Wien einzuberufen, welcher Anregung Herr Dr. Grunwald auch sofort für den 25. Mai entsprach'. So kam die Palästinatagung zustande und nahm einen glänzenden, einheitlichen Verlauf. Der hochgeehrte Vorstand der Kultusgemeinde Wien stellte der Versammlung ihren Sitzungssaal zur Verfügung und dokumentierte hiedurch die volle Sympathie für die Palästinasache. Es fanden sich hervorragende Persönlichkeiten ein; berühmte Großrabbiner aus Galizien und der Bukowina; Männer von Ruf und Namen aus der Residenzstadt und der Monarchie; Vertreter verschiedener Kaulelim und als spezieller Vertreter des Wiener Kultusvorstandes, der boch'angesehene Herr kaiserl. Rat Adolf Schramek. In der Zwischenzeit, ehe die Versammlung zur gemeinsamen Tagung zusammentrat, hatte sich bereits eine Reihe von Persönlichkeiten in der „Oesterr. Wochenschrift“ über die Unterstützungsfrage ausgesprochen; es waren dies Herr Rabbiner Horovicz, Leiter der deutsch-holländischen Palästinaverwaltung, aus Jerusalem; Herr akadem. Maler David Kohn; Herr Bernhard Hofbauer und Herr Dr. Kaminka, Sekretär der Wiener Allianz. So war der Boden für die Vollversammlung vorbereitet und die Beschlüsse konnten einhellig gefaßt werden. Es wurde ein Komitee eingesetzt mit der Richtlinie, unabhängig von den bestehenden Kaulelim eine Aktion zugunsten der in Palästina notleidenden jüdischen Angehörigen der österreichisch-ungarischen Monarchie einzuleiten. Das Komitee hat sich an die maßgebenden Stellen in Ungarn zu wenden, um diese zu einer Parallelaktion zu veranlassen. Die gesammelten Beträge haben ohne Rücksicht auf die Staatsangehörigkeit zur Verteilung zu gelangen. Das Komitee mit Herrn Dr. Grunwald an der Spitze trat nun sofort in Aktion und seine Unermüdlichkeit und beispiellose Hingabe - zur Sache, ermöglichten ein ersprießliches Resultat, haben einen neuen Resonanzboden für Palästinahilfe geschaffen. Hiebei muß mit besonderem Danke das hilfsbereite Entgegenkommen des illustern Chtefs des Bankhauses Rothschild hervorgehoben werden, welches sich uns als Zahlstelle zur Verfügung stellte. Die Hilfsbereitschaft des hervorragenden Repräsentanten dieses Welthauses, des Herrn Richard Bettelheim, ist nicht minder dankbar hervorzuheben. Es ist auch der Betrag von 10.000 K von dem Bankhäuse gezeichnet worden; ebenso vom philantropischen Hause Gebrüder Gutmann der Betrag von 8000 K. Durch' Herrn Rabbiner Rosenzweig in Aussig wurde der Betrag von 11.000 K uns zugeführt. Herr Dr. Sonnenschein, Präsident der Gemeinde T r o p p a u, Herr Rabbiner Dr. Lazarus in G ö d i n g haben sich durch ihre Sammeltätigkeit ausgezeichnet. Wir kamen so in die Lage, nicht weit von 50.000 Iv in der kurzen Zeit zusammenzubringen und es hiaben sich auch die Nessiim einiger galizischer Kaulelim uns mit der Sammlung angeschlossen. 25.000 K sind bereits bisher in Palästina zur Verteilung gelangt. Um die Agitation einheitlich leiten zu können, wurde eine Kanzlei errichtet, die sich in der Kleinen Schiffgasse Nr. 14 befindet, deren unbesoldeter Leiter, rein lesch'em schamajim Herr Dr. Grunwald ist, mit einem besoldeten Hilfsarbeiter. An Kanzlei- und Hilfsarbeitsspesen für Schreibgeschäfte, Porto, Drucksorten wurden 1100 K bisher verausgabt, die vom Herrn kaiserl. Rat Adolf Sehr am e k als Kassier der Palästinahilfsaktion geschäftsmäßig angewiesen wurden, dem wir, wie Herrn Dr. Grunwald als Leiter des Komitees, zu Danke verpflichtet sind. Besonders sind wir Dank schuldig der jüdischen Presse, und zwar hervorragenderweise der „Oest. Wochenschrift“, die für unsere Sache Großes geleistet, wie nicht minder dem Redakteur des „Egyenlöseg“, dem Herrn Szabolcsi, der sich in Ungarn für Palästina warm betätigte. Die Verteilung der Gelder in Palästina, wird durch Herrn David J e l- 1 i n mit Hinzuziehung dreier Vertrauensmänner der Kaulelim vorgenommen. Besonders erfüllt uns mit Befriedigung Herrn Dr. Alexander Lederer, Ministerial-Sekretär aus Budapest, in unserer Versammlung begrüßen zu dürfen, der schon durch seine persönliche Autorität zur Durchführung unserer wahrhaft jüdischen und patriotischen Aufgabe als ein hoher Gewinn bezeichnet werden kann. Meine Herren! Es ist das erstemal, daß sich aus den verschiedenen Kreisen der Judenheit, trotz der verschiedenen Schattierung ihrer sonstigen religiösen, wie jüdisch-politischen Anschauungen, Männer zu gleichem Ziel zusammenfinden; das wird denkwürdig bleiben, denn wie der Talmud sagt: -aia N'SNI nr6*ö Sa „Jede Auffälligkeit bleibt — den Menschen im Gedächtnis.“ Wo aber die Verschiedenheit religiöser und politischer Anschauungen zu einem gemeinschaftlichen Ziele überwunden wurden, sind es nach derselben Talmudstelle: n*an 'T -uai iana „Zwei auffällige Tatsachen, die sich unvergeßlich -teinprägen.“ Für uns jedoch sind sie heute begeisternde Momente, die uns immer und immer wieder zeigen, daß das Zauberwort Palästina seine unverwüstliche Anziehungskraft ausübt, daß dieses Wort, in Verbindung mit dem der Humanität, für das jüdische Herz immer seine himmlischen Klänge bewahrt.

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