Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 34 (20.8.1915)
- Date
- 1915-08-20
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Site 630 Dr. Vloch's Wochenschrift Nr. 34 stens etwas anrüchig geworden ist. Und siehe da, auch ihm gefällt die Sache nicht; kaum beigetreten, ist der „Bundesgenosse" auch schon ausgcsprungen! Ihm paßt zweierlei nicht. Erstens behagt ihm nicht,- daß ein Einzelner hervorgetreten ist. Nun, das ist leicht gutzumachen. Er schließe sich treuherzig an und >,e mehr ihm folgen, desto rascher wird der Einzelne hinter der Masse verschwinden. Uebrigens war mein Appell nicht so sehr an die Allgemeinheit, als an die führenden Köpfe der Wiener Großgemeinde gerichtet. Diese aber haben noch nicht gesprochen. Zweitens ist ihm der Zeitpunkt nicht gut gewählt. Die Idee wäre ihm schon recht, aber die Stunde nicht, in der der Wassenlärm die Welt erschüttert, Wehklagen und Weinen die Häuser durchzittert. Da soll alles andere schweigen, in dumpfe Resignation versinken. Darf man da, so ruft Herr Brod, an etwas anderes denken und schreiten? — Ja, man darf und ich meine, man soll, damit auch uns Juden zum Bewußtsein komme, weshalb wir gestritten und gelitten haben, um was wir noch srreiteir und leiden in 'lechzender Sehnsucht nachder blinkenden Morgenröte, welche von den Siegen des Vaterlandes, die wir miterfechten, ausstrahlen soll. Man vergesse nicht, daß diese Siege der verbündeten glorreichen Waffen Millionen bisher gebundener Kräfte, jüdischer Kräfte, auslösen und sreimachen werden, die darauf warten, daß sie gesammelt und geeinigt werden, damit sie dem Judentum, seiner Sache und seiner Wohlfahrtspolitik dienlich werden können. Das sind keilte Sonder-, keine engen nationalen Interessen, sondern gesamtstaatliche Ponderabilien, die jetzt haltlos im nebulösen Raume schweben, nun aber ihr Schwergewicht äußern und auf die Schale der Schicksalswage gelegt werden sollen. Was kann dies schaden? — Nichts. Was kann cs trützen? — Alles. Und jedenfalls wird es die Zuversicht stärken, daß diese., eherne Zeit auch bei..uns Juden ein ebenbürtiges, kraftvolles Geschlecht gefunden hat, daß es Männer in Israel gibt, die aufgestanden sind, die Zeichen der Zeit zu deuten, und die es verstanden haben, daß Gegenwartsarbeit zu leisten sei, um sich nicht an der Zukunft zu versündigen, die Rechenschaft fordern wird, ob die große „Stunde" gut genutzt wurde. Der Zusammenschluß unserer Gemeinde ist die Vorstufe dazu, jedoch nicht bloß, wie eine andere, sonst treffliche Einsendung erachtet, als einfacher Zweckverband, sondern als historischer und heiliger Selbstzweck. Wien-Baden, am 15. August 1915. Dr. Heinrich Schreiber. Aer Mrief eines antisemitischen Abgeordneten. Das Mitglied der ungarischen katholischen Volkspartei, der Abgeordnete Karl Huszar, einer der exponiertesten Vorkämpfer der antisemitischen Richtung in Ungarn, ist mit der Fertigstellung des ungarischen Heldenbuches beschäftigt. Das Buch welches den Titel „Die Helden des ungarischen Volkes" führen soll, wird in der Ausgabe der St. Stefan-Gesellschaft erscheinen und die Heldentaten loon ICO heldenmütigen Ungarn im Weltkriege verewigen. Abgeordneter Karl Huszar richtete aus diesem Anlasse an den Redakteur des „Egyenlöseg", welches Blatt sich um die Sammlung authentischer Daten über das Verhalten der Juden im Kriege schon bisher große Verdienste erworben hat, das nachfolgende Schreiben: Sehr geehrter Herr Redakteur! Ich schreibe ein Buch über die Helden des Krieges. Es will das eine objektive gerechte Arbeit sein. Ich habe in letzter Zeit nicht die Möglichkeit den „Egyenlöseg" jede Woche zu lescn. So fehlt mir bei der Sammlung des Materiales Ihre Heldenchronik. Es liegt im großen nationalen Interesse, daß wir keines Mannes Verdienste unter den Scheffel stellen. Es ist wohl eine ungewöhnliche Sache, worum ich Sie bitte, da sie jedoch mit Ihren Prinzipien im Einklänge ist, werden Sir meine Bitte gewiß erfüllen. Haben Sie tue Güte und schneiden Sie mir aus dem „Egyenlöseg" die Berichte über acht bis zehn hervorragende — die hervorragendsten Heldentaten von Ungarn jüdischer Konfession, damit ich davon mit Berufung auf Ihr Blatt einige in .meinem Buche mitteile. Ich bitte sowohl um Offiziere, wie auch um Mannschaft. Ich bitte mir möglichst den einzusetzen, von welchem Ihre Glaubensgenossen der Meinung sind, daß er sich am meisten ausgezeichnet hat. Empfangen Sie bei dieser Gelegenheit gleichzeitig mein Beileid anläßlich des Ablebens Ihres lirben Vaters. Wir haben uns viel herumgeschlagen, ich empfand und empfinde dennoch die größte Hochachtung für seine Persönlichkeit, denn ich habe mich davon überzeugt, daß er in diesem Handel öffentlichen Leben ein Ritter der Grundsätze mit blankem Schilde und ein Kämpfer seiner religiösen lleberzeugung gewesen ist. Bei der Kunde seines Todes habe ich auch gebetet. Ich begrüße Si: mit wahrer Hochachtung auf der Arena, wo wir noch vielmals unsere Waffen kreuzen werden und bleibe mit patriotischem Gruße Karl Huszar, Abgeordneter. Tic Inden in Rumänien und das nationale Problem. Das neugegründete Organ der konservativ-demokratischen Partei in Jassy „Gloria" widmet der Haltung der rumänischen Juden einen Leitartikel, worin diese beschuldigt werden, in diesen historischen Augenblicken nicht an der Seite der Rumänen zu sein, nicht mit ihnen zu fühlen uiro nicht aus jener Höhe 'zu stehen, zu welcher sie moralisch verpflichtet gewesen wären. „Den Z.mtralmächten durch die Aehnlichkeit der Sprache, durch die wirtschaftlichen Beziehungen, durch den Einfluß der deutschen Kultur nahestehend — so heißt es in dem erwähnten Artikel — voller Anerkennung für die Behandlung ihrer Glaubensgenossen in Oesterreich-Ungarn, eilten langjährigen, maßlosen Haß gegen das Rußland der Pogrome empfindend, haben die rumänischen Juden sich von Anfang an die deutsche Sache mit einer Wärme und Leidenschaft zu eigen gemacht, die uns gegenüber wie eine Herausforderung aussieht. Und dies mcht individuell, sondern in kollektiver Weise, in einer Art ausgesprochener Solidarisiernng." Gegen die Bemerkungen des Verfassers des Artikels über die Ursachen der Sympathien der Juden für die Zentralmächte und die Abneigung gegen Rußland läßt sich wohl nichts einwenden; was aber entschieden einen Widerspruch Hervorrufen muß, ist der Vorwurf, daß die Inden kein Verständnis für die nationalert Aspirationen des Landes haben. In der ganzen Welt sind die Juden qittc Patrioten und assimilieren sich vollkommen mit den Zielen ihres Vaterlandes; dies beweist der jetzige Weltkrieg in unwiderlegbarer Weise. Warum sollten die rumänischen Juden ihren Glaubensgenossen in anderen Ländern nachstehen? Aber gerade darum standen und stehen die rumänischen Juden in ihrer großen Mehrheit aus dem Standpunkte, daß die Verwirklichung der nationalen Ideale nach einer anderen Richtung hin anzustreben ist, als jener, für welche gewissenlose Hetzer seit so langer Zeit schon, tut Widerspruche mit der Ansicht der verantwortlichen Faktoren des Landes, eine vergebliche Propaganda machen. New York. Zur Erlangung der philosophischen Doktorwürde hielt am 20. Juli, vorm. 11 Uhr, cattd. Phil. Frl. Grete Sternberg, Tochter des Justizrates Dr. Carl Sternberg, Lohensteinstraße 25, neben Vorlegung ihrer Jnaugural-Dissertativn , Shastcsburys Aeühetik". einen Vortrag über „Beziehungen zwischen Genie uittJ Talent" in der Aula Leopoldina. — Mrs. Cläre Margot i e s ist zur Richterin in Newvork vorgeschlagen. Sie ist in Wien geboren und seit frühester Kindheit in Newyork, wo sie seit zehn Jahren als Advokat Praktiziert. — Das 25 jährige Rabbiner-Jubiläum feierte am 28. Juni Herr Rabbiner Dr. Ph. Klein. Vormittags begab sich eine die Erste Ungarische Gemeinde „Ohab