Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 33 (13.8.1915)
- Date
- 1915-08-13
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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€äte 618 Nr. 33 Dr. Vloch'S Wochenschrift Baden. Mn Samstag, den 7. d. M., feierte unser allseits beliebter Oberlehrer und 'Sekretär, Herr Juda In seid, mit seiner verehrten Frau Gemahlin das schöne Fest der goldenen Hochzeit.!:Schon gm vorhergehenden Donnerstag berief der Gemeindepräsident; Herr Moriz Leitner, eine Vorstandssihung ein, b:i welcher, derselbe in beredter Weise eine herzliche Ansprache an den Jubllar hieht und ihm gleichzeitig ein wertvolles Ehrengeschenk überreichte. Die eigentliche Feier fand ihren solennen Ausdruck, als der Jubilar zur Thora gerufen wurde. Sr. Ehrwürden, der Herr Oberrabbiner W. Reich, hielt in gewohntermeisterhafter Weise die Ansprache, die in einem tiefempfundenen Glückwunsch und herzergreifenden Segen für das rüstige Jubelpaar ausklang, in welchem die ganze versammelte Gemeinde der übervoll besetzten Synagoge mit einem vielstimmigen Amen begeistert einstimmte. Herr I n f e l d i,t nicht nur tüchtig in seinem Fache als Religionslehrer, fleißig und unermüdlich als Sekretär, sondern auch als Hebräist hat er sich einen Namen in der SchriststellergildL. verschafft. In Wien j,thin Name nicht minder, als Vater des hochdngesehenen Primarius des israel. Versorgungshauses, des renomm.erten Arztes, des Herrn Dr. Moriz Jnfeld, bekannt. Preß bürg. Unter außerordentlich großer Beteiligung fand Donnerstag, nachmittags 3 Uhr, das Leichenbegängnis des Herrn David Kann, Vorstand der „Chewra Kadischa, Mitglied der Repräsentanz der orth. Kultusgemeinde, Ausschußmitglied dis israel. Altenheims, statt. Das Rabbinat, der Vorstand und Repräsentanz der orth. Kultusgemeinde, der Vorstand der „Chewra Kadischa" der israel. Religionsgemeinde,, viele Kaufleute und, Freunde gaben dem hier beliebten und geachteten Verstorbenen das,, letzte Geleite. Im Trauerhause nahm Vorstandsmitglied Josef' Grünberg namens der „Chewra Kadischa" und der trauernden Familie, die ihr vielgeliebtes Oberhaupt verloren, in ergreifenden Worten von dem Verblichenen Abschied. In der Kapüzinerstraße und Schlußgrundstraße waren beim Vorüberziehen des Leichenzuges sämtliche Geschäfte pietätvoll geschlossen. Am Friedhofe hielten die Herren Rabbiner Leopold Fried mann, Steinschneider und Donath ergreifende Reden, indem sie den schweren Verlust, den die orth. Gemeinde durch das Hinfcheidxn dieses edlen Wohltäters, der für das allgemeine Wohl viele Jahre in verschiedenen Vereinen — besonders aber in der Verwaltung des israel. Spitales, in welchem seit Kriegsbeginn 21 kranke Soldaten gepflegt werden — gewirkt hat, beklagten und beweinten. Kann war der Sprößling einer alten, angesehenen Familie der hiesigen israel. Kultusgemeinde,., war den.Traditionen seiner Familie .gemäß, Z it seines Lebens im Dienste der Humanität und Menschenliebe tätig, tcr war ein Bruder des vor einigen Monaten dahingeschiedenen Vorstandsmitglieder der Wiener „Chewra Kadischa", Herrn Jakob Kann. Ein ehrendes Angedenken ist ihm im Kreise seiner Elaubensgeuossen gesichert. Göppingen (Württemberg). Das kgl. preuß. Krügsminifterium hat auf Anregung des kgl. württemb. Kriegsministeriums Herrn Rabbiner. Dr. Tänzer, nachdem sich derselbe wiederholt zur Verfügung gestellt hatte, nunmehr zum i s r a e l. F e l d g e i st l i che n für die Bug- Armee bestellt. Proscffor Julius Epstein Aus Baden wird uns berichtet: In erfreulichster Gesundheit und Geistesfrische dcgmg hier Professor Julius Epstein am 7. d. feinen 63. Geburtstag. Nach dem Wunsche des Künstlers sollte dieser Tag ganz unbemerkt vorübergehen, aber auch die Gegenwart kennt die großen Verdienste d s einst gef iert n Pianisten und hervorragenden Pädagogen, und. so liefen von vielen Musikfreunden und dankbaren Schülern Glückwünsche ein. Die ältere Genera'ion erinnert sich noch he.ite der Meisterschaft, mit der Julius Epstein d'.e klassische Musik, namentlich die Feinhei en Mozarts und Schuberts, zur Geltung brachte. Eine unübertreffliche Zartheit und geistreiche Wiedergabe aller Details verliehen dem Spiele des Künstlers eine ungewöhnliche Eigenart, so daß jedes seiner Konzerte für die musikalische '" elt ein nicht zu übergehendes Ereignis war. Schon lange hat sich Epstein von der Oeffentlichkeit zurückgezogen, und nur wenigen ist es gegönnt, sich davon zu überzeugen, wie sehr seine geklärte Kunst sich auch heute dieser Vorzüge erfreut. Mit inniger Dankbarkeit hängen an dem Meister seine zahlreichen Schüler, unter denen sich viele Träger glanzvoller Namen befinden. Es ist interessant, diese reichhaltige Liste zu überblicken. So hat Profeffor Epstein seinerzeit das entscheidende Wort gesprochen, das Gustav Mahler der Musik zuführte. Er hat dir Stimme der Marcella Sem brich, die als Pianistin zu ihm kam, entdeckt und Rokitansky zur Ausbildung überantwortet. Ignaz Brüll hat gleichfalls bei Epstein Klavierunterricht genommen, und es gäbe auch"'eine ganze Reihe nöll) gegenwärtig wirkender Künstler zu nennen, die der Meister mit Stolz zu seinen einstigen Schülern zählt. Auch ein anderes Jubiläum könnte der rüstige Künstler in Kürze begehen, denn es wird bald vierzig Jahre sein, daß er die Karstadt Baden regelmäßig als Sommergast besucht. Professor Julius Epstein wird von der hiesig'^ir Gesellschaft jedesmal mit herzlicher Freude begrüßt; denn man liebt sein bescheidenes, immer liebenswürdiges Wesen, seinen schlagenden Humor und die vielen von üjjn . si anregend erzählten Erinnerungen ans seiner erfolgreichen Künstler-' laüftahn. _; Wer weiß? Sehr geehrter Herr Dr. Bloch! Als eifrige Leserin Ihres sehr geschätzten Blattes gestatte ich mir Ihre Güte und Ihre stets bewährte - Hilfe in Anspruch zu nehmen mit der Bitte, in Ihrer nächsten Nummer unter dem Titel „Wer weiß?" die Nachfrage nach meinem Manne einzuschalten : Mein Mann Nathan (Nandor) Pollak ist im August 1914 nach Neutra eingerückt, wo er bei der Sanität war, von dort ist er im Dezember 1914 ins Feld und seit dieser Zeit bin ih ohne jede Nachricht. Ich habe an alle möglichen Rote Kreuz-Vereine geschrieben, auch nach Genf und nach Kopenhagen, und nichts nützte. Euer Wohlgeboren werden meine fürchterliche Lage begreifen. Bin vier Jahre erst verheiratet, habe ein dreijähriges Mäderl xmb keine,'. Mann und Vater. Bitte inständigst, vielleicht hat Ihre Annonce einen Erfolg und irgend jemand liest es und schreibt mir irgend einen Anhaltspunkt. Er war beim Honvedregiment Nr. 14. Die letzte Feldpostnummer war 50. (Nathan (Nandor) Pollak, Infanterist im Honvedregiment Nr. 14, letzte Feldpost 50.) Hochachtungsvoll Olga Pollak, Pretzburg,. Kempelen Farkas-utca 11. ofi Der Uerkarrdplatz (Aus dem Tagebuch eines Feldrabbiners.) In der jüngsten Nummer des ,Egyenlösüg" setzt der Honvedfeldrabbiner Dr. Edmund Kalman, Obrrrabiner in Jaszbe eny, die Veröffentlichung feines hochinteressanten Kriegstagebuches fort. Wir entnehmen demselben die folgenden Zeilen: Unmittelbar an der russischen, Reichsgrenze.zwischen D. und, U. war jener Verbandplatz errichtet, zü Melchern Verwundete aus der 12 Nächte und 12 Tage währenden und schließlich bei Posadürp (Rußland) den Höhepunkt der Heftigkeit erreichenden Schlacht gebracht wurden. Ziehen wir nun auch noch in Betracht, daß wir auch die Verwundeten des Feindes pflegen mußten, da wir sieghaft vorwärts Ichritten, und sie nicht nur ihre Kranken, sondern auch ihre Verbandplatzeinrichtungen, Verbandstoffe, Tragbetten zurücklassend flüchteten, so können wir uns' vorstellen, wie groß die Zahl der Verwundeten war, welche dort unter dem freien Himmel Gottes gelegen sind. Richtiger gesprochen, kann man sich das überhaupt nicht vorstellen. Du, dem fernen Bug zustrebender kleiner Bach, wie bist Ibu von den Strömen russischen Blutes angeschwollen! Das ist kein Märchen, das ist keine Uebsrtreibung, das war blutige Wahrheit. Der kleine Blutbach rannte dem Bug zu, damit er hen letzten Gruß tausender und abertausender Soldaten nach Rußland heimbringe. Die Seufzer, das Wehklagen und Stöhnen der Soldaten, der ungarischen und der russischen, der österreichischen und der kroatischen, der rumänischen und der polnischen, flössen ineinander. Die nationalen Unterschiede waren gänzl'ch verschwunden. Dort gab es nichts als leidende Menschen. Wir gingen unser vier dort unter ihnen umher, die Seelsorger der vier Religionen, bis schließlich auch das verschwand, auch die vier Religionen aufhörten und nur eine einzige geblieben ist: die heilige Religion der Hilfe für die L i lenden. Anfangs, als sie noch in verhältnismäßig geringer Zahl auf dem Verbandplätze waren, war jeder von uns bestrebt, sich dem Verwundeten, Sterbenden mit beruhigenden, lindernden, zur Geduld mahnenden, den Trost der Religion spendenden Worten zu nähern. Da wurden von dem Wagen die Ritualien hervorgeholt. Aus den Tod verheißenden Munitionswagen suchten wir dir ewiges Leben verkündenden religiösen Utens lien, die an heimatliche Gotteshäuser religiöse Gebräuche erinnernden Symbole heraus. Und da wir wahrnahmen, daß unsere Soldaten, welche in Friedenszeiten keinen Feldgeistlichen kannten, uns wegen unserer Roten Kreuz-Armbinde für Aerzte ansehen, wurde beschlossen, daß wir alle unseren mit Goldschnüren verzierten geistlichen Mantel umnehmen. Wir standen also im Tempelgewande, und wahrhaftig wir haben Gottesdienst gehalten. Jeder Verwundete hatte irgend einen Wunsch. Dem einen einen kühlenden Umschlag auf die heiße Stirne. Dem anderen auf die schmachtenden Lippen einige Tropfen lauwarmer Milch. Dem dritten den Kameradentornister unter den Kopf legen. Dem vierten helfen eine .Karte an die Seinigen zu .schreiben, daß er am Leben geblieben. Den fünften trösten, daß sein durchschossener, gebrochener Arm noch zu retten sein werde, den sechsten besänftigen, daß er nicht verbluten werde, dem siebenten die Bruderhand