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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-08-13 · 33 (13.8.1915) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
33 (13.8.1915)
Date
1915-08-13
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 33 Lr. Vtüch's Wochenschrift Seite 619 reichen, zum Abschiede auf den großen Weg. Das alles ist heiliger Dienst, Gottesdienst. Aber unsere Pfleglinge wurden immer mehr und meh:. Meine Talesim, die ich mitgebracht hatte, waren schon alle verbraucht, ebenso" die kleinen Mesusoth, die ich unter ihnen verteilte und in immer größerer Zahl kamen und wurden herangebracht neue Verwundete; der eine kam selbst, andere wieder wurden auf Tragbetten oder in Wagen gebracht. Wir hatten keine Zeit mehr zu suchen und zu forschen, welcher Religion dieser oder jener verwundete angrhöre. Wir forschten auch nicht mehr danach. lieber meinen Vorschlag beschlossen wir, die konfessionelle Sonderung auszugeben; eine Herde — ein Hirt. Reichen wir das tröstende Wort der Religion dem, der danach dürstet: im Namen Gottes. Wir sind die Priester eines Gottes, wir wurden zu einem und demselben Zwecke an diese blutige Stätte berufen, so wollen wir auch die Arbeit brüderlich teilm. Und von da ab machten wir keinen Unterschied mehr in der Seelsorgetätigkeil, in der Pflege verwundeter Seelen. Nur wenn einer schon dahin gelangt war, seine irdische Hülle endgiltig zu verlassen, riefen wir seinen Seelsorger zu ihm. Ich werde niemals den Augenblick vergesse.!, da ein Tiroler Jäger mit seinen letzten Kräften meine Hand krampfhaft an seine Lippen preßte und immer leiser mit allmählich erstarrenden Lippen bebend flüsterte: Vater unser . . . .Lieb' Vater .... lieb' Vater .... credo! So stammelte der Arme, während rechts von mir abwechselnd ein junger Familienvater aus Siebenbürgen betete und im Todesschluchzen herunterhaspelte: Jisgadal, jisgadal wejiskaddasch . . . meine Kinder.schema JisrLel.meine tmren Kinder! und mein katholischer Kollega wischte ihm den kalten Schweiß von der Stirne. Wie viele haben dort ihre mit Eifersucht gehüteten Geheimnisse anoertraut, um sie den ihrigen mitzuteilen. Mie viele haben uns ihre heikelsten Familienangelegenheiten anvrrtraüt. Wie viele drückten mir mit schwindender Kraft die Hand und preßte sich an mich, gleichwie sich an das Leben klammernd und von uns mit schäumendem Mund: die Ver.äuge.ung se nes Lebens ersehnend. Aus einem Teile des Verbandplatzes lagen auch di: russischen Verwundeten. Anfangs nahten wir uns ihnen mit derselben Liebe, aber dann boten sich uns zwei solche Szenen dar, -welch: uns geradezu abwinkten von diesem übelherzigen Volke. Einer unserer Aerzte schritt vom reinsten Idealismus geleitet unsere Kranken der Reihe nach ab, und frug auch die Russen nach ihren Wünschen und Schmerzen aus. Bei dem einen beugte er sich Hm naher zu, weil der Kranke auf seine Fragen nicht antwortete und fhn deshalb besser in Augenschein nehmen wollte. In diesem Augenblick schwingt der sRusse mit plötzlicher Bewegung sein verborgen gehaltenes Taschenmesser gegen den Arzt, dem er auf solche Weise die fürsorgliche Pflege lohnen wollte. Selbst hier hat in dem Kosakenherzen der Haß nicht aufgehört zu wirken. Schaudernd wandten wir uns ab von dieser Verworfenheit eines Menschen, der selbst gegen seinen Wohltäter die Mordwaffe erhebt. Aus diesem Grunde wurden fortan die verwundet in Gefangenschaft geratenen Russen abgesondert untergebracht. Die zweite Szene ist ein Loblied auf die patriotischen Gefühle der Judenschaft gegenüber den russophilen Ruthenen. Die Bewohner des kleinen Städtchens, nämlich in der Nähe dessen dieser riesengroße Verbandplatz lag, kamen in Massen die Verwundeten zu besuchen. Jeder brachte einen kleinen Topf oder Korb gefüllt mit Erfrischungen, Speisen, einer Flasche Wein, Mineralwasser oder sonstigen nützlichen Dingen mit sich. Schon früh morgens setzte sich das Volk in Bewegung und alle, arm und reich, brachten ihre Gaben den Vaterlandsverteidigern. Anfangs sahen wir die?arte Aufmerksamkeit der Bevölkerung recht gerne. Ich selbst ging daran die jüdische Wohltätigkeit jenes Städtchens in den Dienst der heiligen Sache zu stellen. Die Stadt hatte eine Kultusgemeinde von ungefähr 6000 Seelen, hingegen ungefähr 10 Wohltätigkeilsanstalten. Die Leiter dieser Anstalten hatte ich nun zu mir gebeten mnd über Aufmunterung ihres Rabbiners beschlossen sie für Milch und Brot, ihre Frauen hingegen für Dunstobst zu sorgen. Es vergingen keine drei Stunden, da brachten auch schon die Juden Milch in Kannen und wer nach Wasser lechzte, dem reichten die jüdischen Frauen, dem Beispiele ihrer biblischen Ahnsrau Jael folgend, Milch. Aber es kamen auch die ruthenischen Frauen mit ihren Geschenken. Anfangs wenige, dann immer mehr. Es entging meiner Aufmerksamkeit nicht, daß der Stabsarzt Dr. F. — im Range eines Majors — mit steigender Nervosität die Gaben bringenden ruthenischen Frauen betrachtete, jeden Augenblick aus dem Operationszelte der Aerzte herauskam und unter den Besucherinnen Umschau hielt. Er schien immer nervöser, wußte aber nicht seine Erregung zu deuten. Schließlich kam er mit starken Schritten auf mich zu und sprach ^vor Wut zitternd: .. — „tschau doch um dich und beobachte nur, wie die ruthenische Bevölkerung ihre Geschenke den russischen Verwundeten zuträgt und nur deine jüdischen Leute unsere Soldaten versorgen. Gib nur gut acht." In diesem Augenblicke sahen wir eine vornehme ältere ruthenische Dame, begleitet von 5—3 Dienstpersonen, sich dem Verbandplätze nähern, während die Diener Körbe vollgestopft mit lauter guten Dingen: Wein, gebratenem Fleisch, Eingesottenem, weißem Kuchen, sogar mit kleinen Kopfpölstern daherkamen. Das Volk machte der Matrone den Weg frei, die ruthenischen Weiber küßten ihr die Hand, Juden verbeugten sich erschrocken -vor-ihr — es mußte eine vornehme Dame sein. — Als sie in den durch einen Drahtzaun abgesonderten Raum trat, reichte sie -rechts und links einige Bissen von den Speisen den Verwundeten, aber dann begab sie sich mit entschlossenen Blicken zu den russischen Verwundeten und verteilte dort die reichhaltige Ladung. ' Hierauf stieß mich der Oberarzt an: Hast du das gesehen? Das dulde ich nicht mehr. Diese pflegen in unverschämter Weise die russischen Verwundeten, helfen nur ihnen, aus die unseren schauen nur die Juden. Das lasse ich nicht mehr;u!" Er gab sofort der Wache den Befehl, niemanden in das abgeschlossene Gebiet hineinzulassen, wir übernahmen mit den Sanitätssoldaten diese Geschenke und wir verteilten sie auch in gerechter Weise zwischen unseren Soldaten und den russischen Verwundeten. Ich war unsagbar glücklich, daß unser kommandierender Stabsarzt das wahrgenommen hatte und darauf me ne Aufmerksamkeit lenkte, was ich schon früher von lange her wußte: Aus das. unerschütterliche patriotische Gefühl der Juden. D:r Arzt drückte meine Hand: „Du kannst stolz sein auf deine Gläubigen!" sprach er, „gehen wir an die Arbeit!" und er ging die gebrochenen Körper verbinden und ich ging weiter di: gebrochenen Serien aufrichten. Literatur. i Jüdisches Krkgsarc.iv, Wien, 2. Bez., Zirkusgasse 33. Das gefertigt: Komitee bittet die jüdischen Mitbürger, ihr Interesse dem Jüdischen Kriegsarchiv zuzuwenden und durch Mitarbeit und materielle Förderung das Komitee in seinem für das Judentum so bedeutsamen Unternehmen zu fördern. Auskiärende Schriften über den Zweck des Archivs und die Art seiner Arbeit, Beitrittserk.ärungen rc. übersendet das Bureau des Archivs auf Verlangen. Das Publ katiönsorgan „Jüdisches Archiv" erfchetzrt im Vorlage R. Löwit, Wien, '1. Be^., Rotenturmstraße vir. 22. Für das Komitee „Jüdisches Kriegsarchiv": Ing. Robert Stricker, , 'Obmann. Monatsschrift für Geschichte «nd Wissenschaft de- Judentums. Begründet von Z. Frankel. Organ der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums. Herausgegeben von Professor Dc. M. Braun. K o e b e r n'sche Verlagsbuchhandlung (Barasch und Riefenseld), Breslau, Schmiedebrücke 17 18. 59. Jahr^ gang. Heft 1/2. Neue Folge, 23. Jahrgang. Januar—Februar 1915. Inhalt: M. Güdemann: Der jetzige Weltkrieg und die Bibel. — Josef Baß: Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des 20. Jahrhunderts (Fortsetzung). — M. Braun: Kurze Mitteilungen und Besprechungen. — Zwölfter Jahresbericht der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums. Nr. 3/4. März—April 1915. Inhalt: Alfbed Zweig: Ein Feldpostbrief statt der Fortsetzung einer wissenschaftlichen Abhandlung. — S. Feist: Der Weltkrieg und das Rassenproblem. -- M. Güdemann: Eine spaßhafte Prozeßgeschichte mit e.nste.n Hintergrund. — I. B. Münz: Neuausgefundene römische Inschriften aus einer jüdischen Katakombe. — Joses Baß: Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des 20. Jahrhunderts (Fortsetzung). — M. Brann: Kurze Mitteilungen und Besprechungen. Kriefkasten. Adolf Rein, Wien. Wir notieren gerne, daß der für vorzügliche Dienste vor dem Feinde mit dem Goldenen Verdienstkreuz mit der Krone ausgezeichnete Militär-Rechnungsoberoffizial Maximilian R i e s e n f e l d ein Schwiegersohn des Vorstandsmitgliedes von Floridsdorf Herrn Jakob Glaser ist. Feldral-biner I. L. Geeignete Feldpostbriefe werden gerne publiziert. Josef Holländer. Für uns ungeeignet. Dr. M. In ähnlicher Weise hat sich „Die Feldpost, Ein fröhlicher Gruß der Evangelischen Kirche in der Nordmark an die deutschen Brüder in Heer und Flotte" geäußert. In ihrer Nr. 17 vom 12. März schreibt sie: . . . Auch in der Beziehung hat der Krieg eine Umwertung der Werte vollzogen. Mancher hat es bisher nicht glauben wollen, jetzt müssen wir uns davon überzeugen, daß auch unsere jüdischen Mitbürger wirklich deutsche Männer stellen. Sie stehen und kämpfen mit uns Schulter an Schulter, sie fallen und sterben mit uns, wie in Deutschland so in Oesterreichs" Dr. Bruno Werner. Für diese Nummer zu spät. S. Sch. Die Firma Minimax Apparate-Baugesellschast inseriert wiederholt dcn Bedarf einer tüchtigen Saldaskvntistiii, Christin. Offenbar verzichtet dieselbe auch auf jüdische Kundschaft!!

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