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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-08-13 · 33 (13.8.1915) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
33 (13.8.1915)
Date
1915-08-13
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Dr. Bloch'S Wochenschrift N«. 33 Sette 614 Organisation, welche sämtliche Gemeinden oder einzelne Gruppen derselben nach territorialen oder religionsparte isichsn Prinzipien umfassen und einigen würde. Einen gewissen, aber lange unzureichenden Ersatz für diese Befriedigung des Einigkeitsbedürftrisses bieten die Zentren des in den Hauptsitzen der Wunderrabbis organisierten Chassidismus. jÄllein die zunehmende Zersplitterung innerhalb der Wunderrabbigeschlechter, sowie die unbestrittene absolute Abnahme des Einflusses derselben auf die im jüngeren Alter stehenden Anhänger läßt auch« dieses Surrogat als immer unzureichender erscheinen. Was bleibt? Schon im Jahre 1881 dachte man vermittelst und im Laufe des damals in Lemberg tagenden Notabelnkongresses eine Konsolidierung herbeizusühren. Allein die Hauptvertreter der Konservativen, insbesondere der chassidischen Richtung, glaubten gewisse Nebenabsichten ber bm Initiatoren befürchten zu müssen. Die Sache kam von oben. Erfahrungen aus der Geschichte des letzten Jährhundcrtes konnten gar. leicht die Wahrscheinlichkeit, daß auf dem Gebiete der religiösen Einrichtungen Neuerungen geplant und auf diesen Umwegen ' eingeführt werden möchten, glaubhaft machen und bekräftigen. Durch chie Furcht vor den: drohenden und befürchteten ^Umsturz wurde der Geist der Opposition und der Unnachgiebigkeit bei den einflußreichen Vertretern des historischen Judentums gestärkt und bis zur Jntransigenz gesteigert. Dieses Mißtrauen ließ keine Einigung aufkommen. Der Kongreß geriet in Vergessenheit mitsamt den seine Entstehung bewegenden Ideen. Wiewohl dann die galizische Judenheit ihr Antlitz ganz bedeutend geändert hat, haben die Epigonen keine Kraft mehr aufgebracht, etwas Kraftvolles und Beständiges zu schaffen.-Mn ernsten Willen gebrach cs ihnen und an der Kraft, zst schaffen und zu gestalten. Den: Moloch Politik wurden reale Interessen des Gesamtjudentums geopfert. Diesen Mangel an Vorsorge sollten die Juden Galiziens dann bitter bereuen und empfinden. Im Laufe des Weltkrieges 1914/1915 würde eine gemeinsame Landesorganisation stark vermißt. Und doch gäbe es sehr viele, streng genommen religiös indifferente, aber sozial, ökonomisch und — wenn auch nicht im. parteimäßigen Sinne — politisch hochbedeutsame Aufgaben, zu deren Lösung niemand eher berufen wäre, als eine solche die Widersprüche ehrlich umfassende, die Gegensätze vereinigende, im Hinblick auf das gemeinsame, unstrittige Ziel allgemeine Vereinigung der Gemeinden des ganzen Landes. Eine solche gemeinsame Organisation würde an sich gewiß die erforderlichen Männer beranziehen, stark an Willen zur Tat und innerlich unabhängig von den Tagesparteien und marktgängigen politischen Schlagworten. Das Bedürfnis nach einem solchen Vertretungskörper wurde vielleicht noch nie so stark empfunden, wie in diesem schweren Kriegsjahre. Jetzt scheint der Zeitvunkt-denn doch gekommen zu sein für die Vereinigung der durch Leiden! und Mühsal schwer geprüften Gemeinden. Selbstverständlich müßte dieser Zweckverband ausschließlich auf die verkündeten Ziele sem Augenmerk richten und sich zunächst als die durch .die Verhältnisse geforderte und geschaffene WohlfahrtsinMution betrachten. Parteipolitische und kulturformelle Nebenabsichten müßten unbedingt fernliegen und mit aller Gewalt fern- . gehalten werden. Dieser Zweckverband könnte sich an den bereits bestehenden Oesterreickischen Gemeindebund anlehnen, dabei sich aber selbständig organisieren, erhalten und betätigen. Bei passender Gelegenheit im Bedarfsfälle hätte eine solche Organisation gewiß die genügende und' die erforderliche Autorität, um ihr Wort in die Waaschale. zu werfen?um Wöhle der Gemeinden. Als juristische Person wäre siebefugt und berufen, nach außen zu vertreten, eventuell zu verteidigen. In sämtlichen Staaten des europäischen Westens, Deutschland, Italien und Ungarn voran, gibt es solche Vertretuugskörper, nur in Oesterreich nicht! Darum Gemeinden Galiziens, helfet -diesem Uebel ab! Raffet Euch auf, Ihr Juden dieses schwer heimgesuchten Grenzlandes, um Euch zu Eurem Wohle und zur Ehre des Judentums endlich auch zu vereinigen. Lasset jedes Bedenken beiseite. Nichts, weder Ermattung noch Zaghaftigkeit, halte Euch von dieser Tat ab. Seid kräftig und werdet stark! Vereiniget Euch! Erkennet die 'Größe der Kraft, welche in den Organisationen aller anderen Konfessionen ruht,' lernt die jüdischen Gemeindeverbände in den anderen Staaten kennen und werten. Befreit Euch 'von der an Euch nagenden Zersplitterung, werdet frei und glücklick! 1; : j!. :! : I. A. Die Säuglingsfürsorgestelle für die Flüchtlinge aus Galizien und der Bukowina die auch eine der von Frau Anita Müller geschaffenen Wohlfahrtsinflitutionen darstellt, versendet ihren Halbjahresbericht, der vom leitenden Arzte, Primarius Dr. Jan Landau aus Krakau, verfaßt, einen Ueberblick bietet über das kolossale Arbeitsfeld, das diesen Kämpfern gegen die inneren Schäden des Krieges unter 'der Hand, erwuchs. Als die Fürsorgestelle Ende Dezember erdichtet wurde, fand sich bald eine große Anzahl von Flüchtlingsfrauen aus dem 2. und 20. Bezirk ein, die für ihre Kleinsten nicht genügend Nahrung auftreiben konnten, und nach sechsmonatlicher Tätigkeit hat sich die Frequenztziffer auf nahezu 700 gesteigert. Es aalt da vor allem, die Frauen zum Selbststillen der Kinder anzuhalten, was unter allen Umständen für Mutter und Kind das gesündeste ist, unter den unhygienischen Verhältnissen aber, in welchen die Flüchtlinge zu leben gezwungen waren, geradezu als einzige Lebe.nsmöglichkeit für die Kleinen aufzufassen war, wie auch das Vorkommen von nur zwei Sterbefällen unter 700 Kindern, von denen 76 Prozent sich im Alter bis zürn vollendeten sechsten Lebensmonat, also dem gefährlichsten Säuglingsalter, befanden, ein ungeahnt günstiges Resultat darstellt. Die Ordinationsstunden, die am Montag und Donnerstag nachmittag in dem geräumigen Lokale, 2. Bezirk, Große Mohrengasse .5, stattfinden, vereinigen die große Zahs der Mütter mit ihren Kleinen am Arm oder im Kinderwagen, der meist auch eine Spende der Fürsorgestelle ist, und den Kinderreichsten und Bedürftigsten zugebilligt wurde, und groß ist der Wettstreit unter den Müttern, welches der Kinder an: reinsten gehalten ist und welches die größte Gewichtszunahme zu verzeichnen hat. Für beide Faktoren sind besondere Prämien an Kleidern oder Wäschestücken ausgesetzt. Außerdem erhält jede stillende Frau wöchentlich eine Naturalspende, evelrtuell Milchanweisungen zun: Bezuae von Vollmilch, Nährpräparate re. Die Kinder, die nicht mehr an der Mutterbrust sind, oder dort nicht genügend Nahrung finden, erhalten täglich die nach ärztlicher Vorschrift dosierte .pasteurisierte Kindermilch, und die Zahl von 144 301 Flascken Milch, die in diesen Monaten der allgemeinen Milchnot zur Verabreichung gelangten, spricht am deutlichsten für das, was auf diesem Gebiete der Kriegsfürsorae geleistet wurde. Der mit vergleichenden Tabellen reich versehene Bericht enthält auch eine Aufstellung der Orte, aus denen die Kinder stammen, und wir sehen da Ostaalizien mit 622 Kindern aus 95 Orten, Westaalizien mit 143 Kindern aus 22 Orten, die Bukowina mit 28 Kindern aus 4 Orten, und Antwerpen mit 4 Kindern vertreten. Auch über den Kinderreichtum der Familien erfahren wir interessante Daten; so hatten z. B. nur 32 Prozent

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