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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-08-13 · 33 (13.8.1915) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
33 (13.8.1915)
Date
1915-08-13
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 33 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 613 Angriff und die Stellung blieb in unserem Besitze. Gleiche herzerhebende Tapferkeit hatte Heilbrun schon in früheren Gefechten gezeigt, wie er auch tags zuvor fünfzehn Franzosen abschoß." Der Regimentsbefehl, der die Auszeichnung verkündet, lautet: „Zufolge Allerhöchster Entschließung vom 18. 2. 15 — K. M. E. vom 28. 2. 15. — wurde dem Einjahrig-Freiwilligen Unteroffizier Erich H e i l b r u n (12./14.. Infanterieregiment) die Goldene Militärverdienstmedaille verliehen. Ich freue mich, daß wieder ein Angehöriger des Regiments die Allerhöchste Anerkennung gefunden hat, spreche ihm mein besonderes Lob für feine Tapferkeit aus und beglückwünsche ihn zu der schönsten Auszeichnung für den Soldaten. Dieser Befehl ist allen Leuten des Regiments bekanntzugeben. Gez.: Hierthes." Heilbrun ist zugleich Inhaber des Eisernen Kreuzes zweiter Klasse. Die „Weichspost" unterdrückt jüdische Vornamen. Die „Wiener Zeitung" berichtet, daß Seine Majestät der Kaiser den Postoffizianten Feibel E i ch e n b a n m und Leiser Luttinger des Postamtes Kirlibaba (Bukowina) für vorzügliche Dienste' vor dem Feinde das silberne Verdienstkreuz mit der Krone am Bande der Tapferkeitsmedaille zu verleihen geruhte. Nun veröffentlicht die biedere „Reichspost" diese Auszeichnungen unter der Aufschrift: „Ein wackeres Postamt". Während sie jedoch den gleichzeitig dekorierten Postmeister mit-vollem Vor- und Zunamen nennt, verschweigt sie die jüdischen Vornamen der beiden jüngeren Beamten. Dieses Vorgehen des christlichsozialen Organes steht nicht vereinzelt da, es spricht neuerdings für die Wahrheitsliebe dieses Blattes. Herr Dr. Funder von der „Reichspost" ist in bezug auf Ehrlichkeit der Typus eines echten („Christlichsozialen". Unter dein Steckbrief „Die Dreijuden-Trikolore für Triest" liest man in der „Reichspost" vom 10. August: „Ebenso wie der symbolische Minister Barzilai hat auch der frühere Ministerpräsident und Staatsminister L u z z a t t i dem Fürsten Augusto T o r l o n i a, dem Präsidenten des römischen Komitees zur 'Schenkung einer italienischen Fahne an die Stadt Triest, seine Zustimmung ausgesprochen." „Wie Barzilai-Bürzel, der Rabbinersohn aus Triest, und der Finanzmann Luzzatti ist auch Torlonia jüdischer Abstammung. Sein Fürstentitel ist ein knappes Halbjahrhundert satt, die Frucht.'der großen finanziellen Transaktionen seiner reichen Väter." Demnach sind die Juden an den Verrat Italiens die einzig Schuldtragenden. Herr F u n d e r vermeidet aber zu melden: „Katholische Priester in Italien, auch Kardinäle unter 'ihnen, wandeln sich in glühende Chauvinisten, vergessen, daß Italien bisher als Todfeind der Kirche aalt, und fordern die Zertrümmerung des katholischen Oesterreichs." Somit sind diese Priester und Kardinäle nun auch „Judenstämmlinge"! Allein in der Peterskirche hat ein -Bittgottesdienst stattgefunden, für den Sieg der italienischen Waffen. Somit müßte die ganze Kirche Italiens verjudet sein. Auszeichnung eines kosten jüdischen Beamten ßei der deutschen Zivikverwattung in Metgien. Justizrat Dr. Rudolf Schauer, zurzeit Generalreferent für Justizwesen und Justitiar der Zivilverwaltung in Belgien, erhielt das Eiserne Kreuz. Korrespondenzen. Zur Frage des israelitischen Gemeindebundes. Sehr geehrter Herr Redakteur! „Es sei, so gewährt mir die Bitte, in Euerm Bunde der dritte!" Die verehrten Herren Dr. H. Schreiber und Bernhard Hofbauer polemisieren im ehrlichen Interesse für das Judentum über die Einberufung eines israelitischen G e m e i n d e b u n d e S. Gewiß wird die Schaffung eines ähnlichen geschlosst'- ° neu Ganzen später am Platze sein. Soll aber schon der e r st e A u f r u f zu diesem Zwecke nicht ein leerer Schall im großen Weltenraunie sein, soll er tatsächlich die ernste, tiefe Wirkung, die er voll und. ganz verdient, Hervorrufen, dann darf auch schon dieser erste Aufruf nicht von einem Einzelnen, sondern geschlossen von bewährten und anerkannten Vereinig n n g e n und P a r t e i s chat tierungen erfolgen und ja nicht zu einer Zeit in di? Öffentlichkeit treten, die als die denkbar ungünstigste von jedem fühlenden Menschen erkannt werden muß. 21*2 22 ',rr;z 121 „Nur ein Wort z u r Z e i t, wie gut ist es" —- darf man in einer Stunde, als die mächtigen Donnergeschütze die ganze Welt erschüttern, Klagen und Weinen alle Familienhäuser erfüllen, unsere Glaubensbrüder und -Schwestern zu Tausenden gemordet, geplündert oder verjagt werden, überhaupt irgendwelch' Sonder- oder nationale Interessen, und seien sie auch noch so gerechte, haben oder vertreten? Wird nicht im Gegenteile dann, wenn dieser Weltenkrieg mit der Hilfe Gottes einmal zu Ende geführt - und ich bin sicher, daß er zu unserem Siege führen wird —, wenn daran geschnitten werden wird, die Friedensbedingungen zusammenzustellen, die gewiß lange, lange Zeit für sich beanspruchen werden, wird da nicht ein ernstes, von der jüdischen Gesamtheit gesprochenes Wort viel mehr am Platze sein und vollwertiger genommen werden, um unsere vollkommene Gleichberechtigung zu verlangen? Darum, meine Herren, haben wir Jahrhun dertelang zngewartet, für den Moment erfüllt uns voll und ganz nur hie?e i n e tiefernste Sorge: „V oller >S i e g unserem Vaterlande und seinen Ve rb ündeten!" Ich danke Ihnen, hochverehrter Herr Redakteur, für Ihre gütige Veröffentlichung obiger Zeilen. ' Mit voller Hochachtung Ihr S. B r 0 d. Derzeit: Pitten a. d. Aspangbahn. Ist ein österreichischer Gemeindebund notwendig und wie sollte er Zustandekommen? Im Laufe der Zeiten hat sich folgender Zustand herausgebildet: Auf Basis der geschichtlich entstandenen und bestandenen, staatlich anerkannten und rechtlich fundierter Landesorganisationen der Judengemeinden in Böhmen und Mähren, bestehen in diesen beiden Ländern Landesjudenschaften als jüdische Körper bis auf den heutigen Tag. In Mähren besteht noch immer das A m i und die Würde eines L a n d e s r a b b i n e r s. In Nieder - österreich mit seiner auf der Provinz vergleichsweise geringen Anzahl an Juden vertritt die Wiener Gemeinoe tatsächlich ihre sämtlichen Schwestern. Tirol und Steiermark haben ihre Landesrabbiner. Triest ist reichsunmittelbar. Anders Galizien mit seinen zahlreichen, seit vielen Jahrhunderten angesiedelten Judengemeinden. Hier herrscht die idealste Unordnung. Es gibt keine rechtliche

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