Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 32 (6.8.1915)
- Date
- 1915-08-06
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 602 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 32 wertvolle Anregungen gegeben und dadurch der Allgemeinheit in beträchtlichem Maße genützt. Auch als früherer Präsident und späterer Ehrenpräsident des Vereines „Communication", als Präsident des Verbandes der Dachpappe-, Teer- und Asphaltindustriellen in Oesterreich-Ungarn, sowie als Verwaltungsrat der Oesterreichrschen Elementarversicherungs-Aktiengesellschaft hat er durch unermüdliches Wirten und kraftvolle hingebende Arbeit die schönsten Erfolge erzielt. Besondere Verdienste erwarb sich kaiserlicher Rat Schefstel um die Hebung der Dachpappen- und Asphaltindustrie in Oesterreich, die ihm zum großen Teile ihren Aufschwung zu verdanken hat. Als Mensch von edlem Charakter und als treuem Freunde und Berater werden ihm alle, die ihn kannten, ein ehrendes, dauerndes Andenken bewahren. — Das Leichenbegängnis fand Freitag um 10 Uhr auf dem Zentralfriedhofe statt. Dem Leichenbegängnisse wohnten bei: Der Vizepräsident der , israelitischen Kultusgemeinde Dr. Gustav K o h n, Kanzleidirektor kaiserlicher Rat Schweinburg, der Präsident des Gremiums der Wiener Kaufmannschaft Kornel Spitzer mit Sekretär Dr. Brichta, Vizepräsident kaiserlicher Rat Vinzl, die Präsidentin des „Frauenhorts" Frau K o p st e i n mit der Stellvertreterin Frau Bettelheim und der Vorstandsdame Frau Chlotilde Benedikt, die kaiserlichen Räte Krause und Etting er, der Präsident des Vereines der Vaumwollindustriellen. kaiserlicher Rat Stern, Kommerzialrat Brausewein, Eemeinderat Architekt Melcher, die Industriellen Kommerzialrat B u j a t t i und Kremenetzky, Amtsvorstand F r e i st a d t, Gremialrat Neu-' r a t h, viele Mitglieder des Gewerbevereines, des Erportvereines und des Jndustrierates, Abordnungen des Verwaltungsrates der Vereinigten Grafe-Schefftel-Werke, des Versicherungsverbandes dcr österreichischen Elementar-Verficherungsgesellschaft, des Verbandes der Dachpappe-, Teer- und Aiphaltinduftriellen in Oesterreich-Ungar,i und des Vereines „Communication", Nachdem erster Kantor S e - r e b r e n i k die rituellen Gesänge vorgetragen hatte, hielt Rabbiner Dr. Bach die Trauerrede. Auftritte ans dem Judentum vom 25. bis 31. J.uli 1915. Bruckner Hugo, geboren am 28. Dezember in Bisenz (Mähren), VII. , Neubaugasse 28. 'Klein Halvine, Private, geb. 8. Dezember 1868 in Budapest, XII., Valerie-Cottage 4. Schacherl Viktoria geb. jEisenjstailter, geb. 13. November 1873 in Graz, II., Taborstrasse 48. Tritsch Olga, Bankbeamtin, geboren am 4. März 1898 in Wien, VIII. , Alserstrasse 47. Baden Freitag, den 30. v. M, fand am hierortigen israelitifchen Friedhofe das Leichenbegängnis des im hiesigen Garnisonsspital verstorbenen jüdischen Soldaten Rudolf Deutsch aus Böhmen statt. Die Kultusgemeinde gewährte dem Verstorbenen ein Ebrengrab und wurde die Bestattung feierlich und teilnahmsvoll dnrchgeführt Hieran beteiligten sich der Vorstand der Chewra-Kadischa, Mitglieder des Kultusausschusses und viele Gemeindemitglieder, sowie mehrere Offiziere und ein großer Kondukt. Se. Ehrwürden Herr Oberrabbiner W. Peich erwähnte in seinem trefflich gehaltenen Nachrufe, daß der Verstorbene seit August v. I. 4 Monate im Schützengraben lag, dort erkrankte und nach Baden ins Spital gebracht wurde. Im Schützengraben explodierte neben ihm eine Granate, durch welche mehrere seiner Kameraden teils verletzt, teils getötet wurden, er aber unversehrt blieb, bis ihn d.r Tod hier unvermutet ereilte. Bei der Beerdigung intonierte die vom Kommando beigestellte Musik die Volkshymne in gedämpfter trauercrweckender Welse, was eine höchst rührende Stimmung auslöste. Ter Verblichene hinterläßt eine junge Witwe und einen achtjährigen Knaben, die dem Leichenbegängnisse beiwohnten und von der Kultusgcmeinde schonend und ehrenvoll bedacht wurden. Brünn. Der mährische Landesrabbiner Dr. Placzek richtete an sämtliche Rabbiner Mährens ein Rundschreiben, worin sie ausgefordert werden, bei den Wohltätigkeitsvereinen und Stiftungen ihrer Gemeinden dahin zu lvirken, daß deren Rentenpapiere bei namhaften, zuverlässigen Banken behufs Zeichnung von Kriegsanleihe 1915 lombardiert werden. Herr Landesrabbiner Dr. P l a c z e k zeichnete in diesem Sinne als erster für das Brunner Proseminar, dessen Vorsitzender er ist, die Summe von 100.000 Kronen und aus eigenen Mitteln den gleichen Betrag. Es ist zu hoffen, daß seine Anregung und sein glänzendes patriotisches Beispiel in ganz Mähren Anklang und Nachahmung finden werden. Wer weiß? Abraham Chaim Jäger aus Bilcze-Zlote. Berisch Jäger aus Monafterzyska; Schlapne Jäaer aus Zadarow bei Buczacz; Jcute Jäger aus Zadarow bei Buczacz. Josef Goldstein ans Trembowla ber Tarnopol. Jsak Jäger aus Zadarow bei Buczacz. Meier Eckhaus aus Jagielnica Staro bei Czortkow. Meildeh Jäger aus Jagielnica Staro bei Czortkow. Sämtliche werden von B. Jäger, Wien, II., Fruchtgasse Nr?2,? 1. Stock, Tür 5, gesucht. Feuilleton. In der Grodekrr Synagoge. Das Militärverpflegskommando zu Grodek empfing die offizielle Mitteilung vom Vorstände der jüdischen Gemeinde, daß in der Synagoge ein Dankgottesdienst stattfinden werbe, zu welchem die Herren Offiziere eingeladen sind. Ein Dankgottesdienst aus Anlaß des erhebenden Ereignisses, daß Grodek befreit sei, und daß die arg gequälten Juden erlöst wurden von ihren feilen Henkern. Die dienstfreien Offiziere wurden aufgefordert, dem besagten Dankgottesdienste anzuwohnen. Man müßte nur einmal durch das Grodeker Judenviertel schreiten, auf daß das Auge träne, .die Seele sich beschwert fühle, und daß jedes Menschenherz erstarre. Ueberall bleiche, immer sich neigende Gestalten, der irre Blick abgezehrter Weiber, das Geheul jüdischer Gassenjungen und ein penetranter Gestank drückt schwer auf den Beschauer, es scheinet mehr als zweifelhaft, ob dieser erstickende Geruch aus den von Zeit zu Zeit aufsiammenden Sparren der Hütten, ob es Düngerdampf oder das Odeur der entsetzlichen Armut sei, das die Luft verdichtet. Doch aus jedem Antlitz, der Greise sowohl luie der Jüngeren, der neugierigen Mädchen oder der lebensüberdrüssigen alten Weiber, strahlt dennoch der Ausdruck des Dankes den Offizieren entgegen, welche sich, hier zusämmenfanden, und auf höheren Befehl in oie Synagoge eilen. Ein ohrbetäubender Lärm durchhallt die enge, schmutzige Gasse, erregte, unverständliche Laute fliegen hinüber und herüber und gehen in "dem allgemeinen Lärm unter, an den Schwingenschlag aufgeschreckter Dohlen gemahnend, die über das brache Feld streichen. Bärtige Männer rennen über die strafte, Gebetmäntel auf den Schultern und unter den Armen die Folianten mit vergilbten, abgegriffenen Blättern tragend. Barfüßige Judenmädchen lungern vor den Häusern, oder am Eingang der leergeplünderten Läden, stumme, todesblasse Gestalten starren mit tränenleeren Augen aus die Trümmer ihrer alten Wohnhäuser, den abgebrannten Friedhof ihrer Lebensarbeit, auf die verkohlten Reste ihres Besitzes! Vor der Synagoge staut sich die Menge: Jeder mochte als erster eintreten in das Gotteshaus, jeglicher hat Angst, nicht eingelassen zu werden, alles sehnt sich, des Rabbi Worte zu hören, und hinzusinken vor Gott, dem Retter, der einer russischen Schreckensherrschaft und den mörderischen Tagen schwerer Prüfungen endlich ein Ziel gesetzt hatte. Dieses Drängen, Stoßen und Hasten, diese entfesselte Leidenschaft, rechtzeitig in das Innere der Synagoge zu gelangen, ist so seltsam, so befremdend, der Glanz leuchtender Blicke so Zespensterhaft, die von den bleichen Gesichtern aufslammende Röte so brennend, daß man die explosive Freude dieser Menge im Prunken ihres Wehes und ihrer Lumpenhülle, phantastisch nennen möchte. Nein, nein, ich glaube nicht, daß sie es als Prunken nehmen, die meistgequälten, meistverfolgten Elenden Galiziens, diese hinkenden, schielenden, schlagberührten Parias, doch es liegt etwas Profanes in diesen: Geräusche, etwas von Höckerinnengeschrei, in diesem ungezügelten Geheul. Sie selber wissen es, hören und fühlen