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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-08-06 · 32 (6.8.1915) · page 19

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
32 (6.8.1915)
Date
1915-08-06
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Nr 32 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 60J es vielleicht gar nicht, doch wir, welche wir die innersten Geheimnisse von Andacht in Gebeten erwarten, stehen mit unerklärlichem Befremden inmitten der ruhelosen Ameisenhaufen an der Synagogenpforte. Die Vorhalle war überfüllt, der wegweisende alte Mann, mit dem schäbigen Filzhute auf dem Haupte, den langen Kaftan um seine schlottrigen Glieder, vermag nur schwer den Offizieren einen Weg zu bahnen, obgleich er schreiend und verzweifelt gestikulierend schilt und stoßt die Renitenten, die er vergeblich mahnt, stille zu stehen, damit die Offiziere in das Innere der Synagoge^ gelangen könnten. Aber hier in diesem Innern der Synagoge umgibt uns eine wahre Stickluft, und je mehr wir uns den schmalen Treppen nähern, von welchen wir, langsam niederschreitend, hineingelangen konnten in das seltsame, östliche, biblische Bethausinnerste, umso heißer, schwerer und unerträglicher wirkt die furchtbare Atmosphäre auf uns ein, ein betäubender Duft wie der des von schmelzender Talgkerze herabfließenden Unschlitts. An den Wänden primitive, alttestamentarische Abbildungen, wie Moses Geburt, die zehn Gebote, der milde leuchtende Dornbusch, der flammende Horeb. In der Mitte des Tempels eine umgitterte Erhöhung, der Platz des Rabbiners oder des Vorbeters, hier sitzt ein bleicher Junge mit verweinten Augen, in seinen Armen eine Thorarolle haltend. Am Gitter empfängt uns der Rabbiner und ein Aeltester der Gemeinde, sie reichen uns die Hände und weisen uns, sich vor uns verneigend, unsere Sitzplätze an. Das furchtbare Heulen erreicht jetzt seinen Höhepunkt. Am Eingang herrschte lebensgefährliches Drängen, Hilferufe, verzweifelter Aufschrei, beschwichtigende Zwischenrufe, rasch auflebende und wieder verstummende Streitworte. Noch immer drängt die kaum absehbare Menge herein, einzelne schlagen auf die Lederdeckel ihrer zerschlissenen Betbücher. Andere poltern mit Slöcken auf den Bänken, um Ruhe zu schaffen. Aus den Galeriezellen leuchten brennende Blicke von Weibern und Mädchen, welche das Innere der Synagoge nicht betreten dürfen, und in die peinliche Enge der schmalen Galerieräume wie eingepfercht sind. Die Stöcke und Hände haben mit Erfolg gearbeitet, allmählich verstummt der wüste Lärm. Der Rabbi steht oben auf der Stufe vor dem heiligen Schrein. Ein ernster, hochgewachsener Mann, aus dessen sonngebräuntem Angesicht Intelligenz leuchtet. Der am Mosesdes Michel Angelo gemahnende rotbraune, glänzende Bart reicht tief herab. Alles blickt andächtig Zu ihm auf, des alten Vorbeters stumpfer Ton setzt in ein Gebet ein, doch geht es in dem immer wieder hervorbrechenden Geräusch vollends unter. Der Rabbi gibt ein Zeichen, das kurze Gebet ist zu Ende, einen Augenblick herrscht Grabesstille. Doch neue Kaftangestalten kommen, wieder das Klappern mit den Betbuchdeckeln, wieder laute Rufe im kleinen Andachtsraum. Der Rabbi ergreift das Wort. Seine Stimme ist leise, ruhig, sein Vortrag gemessen, seine Haltung ungesucht, er schreit nicht, er gestikuliert kaum, seine Rede ist eine Kette von Dank, Ergebung und Glückseligkeit, eine Lobeshymne auf die drei siegreichen Herrscher, Franz Josef, Wilhelm und Mehemed V., ein Dank der von. der Russenqual befreiten Grodeker Juden! Dann entwirft der Redner ein ergreifendes Bild der Leiden, der Entbehrungen, des Elends und der Vernichtung — inmitten derselben den ungebeugten Glauben Aller, daß die furchtbaren Tage — die niemals wiederkommen mögen — vorübergehen werden. . . . Er sprach deutsch, doch in verständlicherem Jargon, reich an hebräischen Worten und Zitaten. Gleich einer Offenbarung strömt' seine Festrede über die Menge, die Gläubigen folgen ihr offenen Mundes mit gespanntester Aufmerksamkeit. Sie nicken alle zustimmend, die Hände erheben sich, die Rücken beugen sich. Die Rede war zu Ende. Wieder ein Höllenlärm, der aber übertönt wird vom Gesang des Synagogenchores. Es schiluchzen auf die rührenden Gesänge, hell klingt und singt die Sopranstimme eines Jünglings, der mächtige Bariton des Chorführers erfüllt wie glühende Lava die engen Räume. Ein Summen mengt sich in die Gesänge, laute Klage, durchaus Trauer, reine Erhebung zu Gott, offenbart sich aus den gesanglich schweren Seufzern. Fünf bis sechs Gesänge folgen, durchaus fremd unseren Ohren, aber jeder einzelne ganz vereinzelt schön, tief und recht biblisch. Beifallsmurmeln begleitet die gesungenen Gebete. Dann wurde das „Gott erhalte" deutsch und hebräisch gesungen, damit schloß auch die gottesdienstliche Feier. Dann reicht der Rabbiner gar vielen freudig bewegt seine Hände, wieder ein Drängen, Hasten, Rennen, hinaus ins tägliche Leben, in die dumpfen Hütten, in die Engen des schmutzigen Ghettos. Draußen herrschte glühende Hitze, die Sonne versendet ihr glänzendes Gold überall hin, auf verkohlte Häuser, auf Düngerhaufen, auf schmutzige Kaftans, auf verlebte Züge, auf Wunden und Gräbern, auf das längst getrocknete Blut, dessen jeder Tropfen als ein teures Geschenk hineinsickerte in den Boden des Riesenfriedhofes — Grodek! — Aus dem „Pesti Hirlap". Uebersetzt von Prof. Ed. N a s ch s r. Merawr. Deutsche Orientbücherei. Herausgegeben von Emst Jäckh. II. Türkismus und Parrtürkismus von Tekin Ä l p, Koustantinopel. 1913. Verlag Gustav Kiepenheuer, Weimar. Jung-Juda. Illustrierte Zeitschrift für unsere Jugend. XVI. Jahrg. Nr. 14. Prag, den 30. Juli 1915. (19. Ab 5675.) Redaktion und Administration: Prag, II., Stefansgasse 629. Inhalt: Zum 28. Juli 1915. — Ben Iehuda: V. B. M. 13. Kap. V. 13 in s. f. — I. L. Perez: Volkstümliche Erzählungen. — David Bauer- Baic: Erlösung. — Die Al Th'nai Schul in Prag. — Das stille Jüdel aus dem alten Prag. — Monako und San Marino. (Jllustr.) — Sind die Juden eine kriegerische Rasse? — El. Lädier: Ein Märchen. — Guck in die Welt. — Moritz Antscherl: Merkverse. — Uebersetzungsaufgabe. — Rätsel. Krieskaste«. Wien. Vor einigen Monaten brachte das „Deutsche Volksblatt" einen Originaldeitrag — dis Gedicht eines mit Namen und Truppenkörper genau bezeichneten Einsenders. Das Gedicht führt den Titel: „Kriegers Abschied". Die erste Strophe lautet: Grüne Donau, deine Wellen Rauschen mir zum letztenmal. Muß den Brüdern mich gesellen, Wandern muß aus diesem Tal. Das Gedicht ist zweifellos sehr hübsch und sangbar. Bcwtis dessen wurde es schon vor mehr als vierzig Jatren ver'ont und in ganz Ocsterreich — auch in Wie» — als Schull'ed gerungen, was selbstverständlich für das „Deutsche Volksblatt" kein Hindernis bilden kann, im Jahre 1915 damit zu prangen. Notiz. Jüdische Bühne im „Hotel Stefanie", II., Taborstraße 12. Artistische Leitung I. Reismann. Freitag den 6. August 1915 gelangt zur Ausführung: „Die weiße Sklavin", Lebensbild in 4 Aufzügen von I. Zalaterewsky. — Samstag den 7. August 1915: „Opferung Isaaks", Operette in 4 Aufzügen von A. Goldfaden — Sonntag den 8. August 1915, nachm, halb 4 Uhr bei halben Preisen: , Die Tochter Jerusalems", Operette in 4 Akten von Ch. Wolfsthal. — Sonntag den 8. August 1915, 8 Uhr abends: „Chanale Lebensbild in 4 Aufzügen von I. K o b r i n.

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