Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-08-06 · 32 (6.8.1915) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
32 (6.8.1915)
Date
1915-08-06
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3020846-3022142-3022175--24364-3049609
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 595 Nr. 32 Dr. Bloch's G ä st kl s i n dwi llßv m M'e n.'-Wir bitten alle, die der Versammlung beizuwotznen gedenken, dies bis zum 20. d.' M. Herrn^ Rabbiner Dr. Grunwald, Wien, ^.' Bezirk, Ferdinandsstraße 23, bekanntgeben zu wollen. Das Wesentliche des Arbeits'programmes der Hilfskommission 1915 ist in folgender öffentlichen Kundgebung an alle beteiligten Kreise enthalten: . Euer Hochwohlgeboren! Die österreichischen und ein Teil der ungarischen Glaubensgenossen (Marmorosz) im Heiligen Lande, welche bisher fast ausschließlich von den Chalukka-Gelderrr und anderen Unterstützungen aus Oestexreich lebten, sehen sich durch den Ausbruch des Krieges infolge des Ausbleibens dieser Hilfsgelder mit dem Untergange bedroht. Um ihre augenblickliche Not nach Möglichkeit zu lindern, wurde am 25. Mai d. I. die Hilfskommission 1915 ins Leben gerufen. Dank den edelmütigen Sympathien, die dieses Unternehmen in den verschiedensten Kreisen Westösterreichs, vor allem hei den leitenden Persönlichkeiten der Wiener Judenheit, gefunden hat, ist es uns in der kurzen Zeit unseres Bestehens gelungen, für die Zwecke der Hilsskomrnission etwa 50.000 Kronen, gleichzeitig übrigens für den Zentralhilssfonds für Palästina (Oesterreichisches Landeskomitee) ungefähr 26.000 Kronen zu erzielen. Durch die gütige Vermittlung eines höhest' k. u. k. Ministeriums des Äeußern konnte die'^HnfskörnMission 1915 für unsere österreichischen und einen Teil unserer ungarischen Glaubensbrüder, die von der gegenwärtigen Not am schwersten-betroffen sind, 25.000 Kronen nach Palästina senden. In dem gleichen Bestreben will die Hilfskommission 1915 weiterhin während der Dauer des Krieges im gesamten Bereich unserer Monarchie Beiträge zu fairunclit sich "nach Kräften dahin bemühen, damit allmonatlich diese Sendungen fortgesetzt werden können. Um derartig verheerenden Wirkungen unvorhergesehener Katastrophen, wie sie jetzt das Heilige Land heimgesucht haben, vorzubeugen, ist es unerläßlich, die jahraus jahrein dorthin fließenden Unterstützungen, wie. die V'N byz Ttftt '2^-Büchsensammlungen und dergleichjen, in ein geregeltes, kaufmännisch kontrolliertes Bett zu leiten, in der Form, daß 1.) die mittellosen Greise und Fachgelehrten, die ihr Leben ausschließlich der fi T1S y 1 H11 fi widmen, von den drückendsten Nahrungssorgen bewahrt bleiben; 2.) daß für Handeltreibende eine Vorschußkasse gegründet wird, die Darlehen zu mäßigem Prozentsatz gewährt, und 3. ) daß städtische Kolonien geschaffen werden, die durch Gartenbau und Viehzucht sich selbständig zu erhalten in der Lage sind; alles Maßnahmen, um strengreliaiöses, traditionsgetreues jüdisches Leben im Heiligen Lande zu erhalten und zu pflegen. Dieses hohe Ziel zu verwirklichen, hierzu bedarf es des brüderlich einmütigen Zusammenwirkens sämtlicher jüdischer Faktoren unserer Monarchie, in erster Reihe der Vereinigung aller vereinzelten Landsmannschaften zu einer starken Organisation piS^rr jTHP^ Unser Wunsch und Bemühen ist es, die österreichischen und ungarischen Chätukka-Mionen unter dem gemeinsamen Titel: „Allgemeine österreichisch-ungarische Jsraelitengemeinde im Heiligen Lande" zusammenzufassen. Sollten sich unsere oberungarischen Glaubensbrüder einer solchen Vereinigung nicht geneigt zeigen, so würde unser Werk den gemeinsamen Namen „Allgemeine österreichische Jsraelitengemeinde im, Heiligen Lande" zu führen haben. Wir heben ausdrücklich hervor, daß sämtliche bisherigen in Ost- und Westgalizien sowie in der Bukowina in ihrem Wirkungskreise ganz unangefochten Wochenschrift und unbeschränkt weiter, wie früher, sich zu betätigen und sowohl die innere wie die äußere Verwaltung zu leiten, die volle Freiheit behalten sollen. Nur wären sämtliche Gelder an die allgemeine Sammelstelle, das Bankhaus S. M. von Rothschild, abzuführen. ' Die Verteilung soll eine allgemeine, gerechte, ausgeglichene sein, um der Zersplitterung, der unseligen Uneinigkeit, dem Neid, Zwist und Hader unter den Glaubensbrüdern im Heiligen Lande endlich ein Ziel zu setzen. Ein solcher Ausgleich läßt sich dadurch herbeiführen, daß wir die westösterreichische Judenheit, die bisher in Pa lüstina so gut wie gar nicht vertreten ist, und der Chalukka bisher aus Gründen des Mißtrauens ablehnend gegenüberstand, durch eine rauflnännische, _ einheitliche, streng kontrollierte und öffentlich ausgewiesene Handhabung des Chalukka-Wesens für dieses eminent patriotische und religiöse Werk zu namhafter finanzieller Bei Hilfe..heranzuziehen uns bemühen. Wir hegen die Zuversicht, daß dieser unser Plan, dein jedes jüdisch fühlende Herz seinen Beifall zollen muß, auch bei deüi gesamten jüdischen Ausland mora lische und materielle Unterstützung finden wird. 1',;' Einige" Kuratoren (CVw:) der Kaulelim Galiziens und der Bukowina haben sich diesem segensreichen Unternehmen bereits angeschlossen. Wir wenden uns an Euer Hochwohlgeboren mit der inständigen Bitte, auch Ihrerseits unserem Werke Ihre wertvolle Unterstiitzung zu gewähren, indem Sie au unserer Vollversammlung teilnehmen und in dieser Ihre gefällige Zustimmung persönlich uns kundgeben oder im Falle der Verhinderung die beiliegende Karte Nr. 2 in diesem Sinne auszufüllen die Güte haben. Komitee zur Unterstützung der' notteidenöen, flüchtigen Kantoren aus Galizien und der Bukowina. In der am 27. v. M. stattgehabten verstärkten Komiteesitzung wurde mit Rücksicht aus die von dem Wiener Kantorenvereine veröffentlichte Notiz des Inhaltes, daß der Kantorenverein seine Tätigkeit zugunsten der erilierten Kollegen einstelle, weil diesen angeblich die Möglichkeit gegeben sei, in ihre Heimat zurückzukehren, einstimmig beschlossen, für Samstag, den 31. v. M., einen Kollegenabend in Herlingers Restaurationssäle, Wien, Zirkusgasse, einzuberufen und hiezu alle in Wien befindlichen flüchtigen Kollegen einzuladen. Diese Zusammenkunft fand an dein genannten Tage und Orte auch statt und ist über den Verlaus derselben in kurzem folgendes zu berichten: Ein eigentümlicher Eindruck überkam einen, wenn man an diesem Abende den großen Speisesaal der genannten Restauration betrat. Man konnte sich förmlich in die Tage des alten Testamentes zurückversetzt fühlen, ließ man den Blick über die an einer, eine ganze Längsseite des Saales füllenden, Tafel sitzenden Gäste gleiten. Im usuellen, historischen Gewände saßen da, Mann an Mann, die orthodoxen, flüchtigen Kollegen im dunklen Habit und meist dunklen Bärten, durchsprengt von einzelnen modern gekleideten Gestalten,' dazu einige verhärmte, verschlissen gekleidete Weiber mit kleinen, unterernährten, scheuen Kindern an der Hand, daneben freilich auch moderner gekleidete Frauengestalten. Ein gedämpftes Summen und Surren ging durch den Raum, bis endlich der Obmann des Komitees, Oberkantor Don Fuchs, das Wort zur Begrüßung der Erschienenen nahm. Er wundere sich eigentlich, begann er, daß so viele flüchtige Kollegen und deren Frauen hier erschienen seien, da sie ja nach der bekannten Notiz eigentlich schon in ihrer Heimat sein sollten. Zn schwunghafter Rede führte er aus, daß alle Unterstützten die Gaben nicht als Almosen, sondern als ihr gutes Recht empfangen hätten, gleichwie feine Handlungsweise nicht als Guttat, vielmehr als Pflicht zu werten wäre,' denn hätte er als Flüchtling sich in der gleichen unglücklichen Lage wie die jetzt Erilierten befunden, auch er hätte sich in seiner Not an den ersten Oberkantor der israelitischen Kultusgemeinde Wien, Don Fuchs, gewendet und ihn um Hilfe und Unterstützung ersucht,- er habe also, wenn es auch mühe- und bpfervoll war, doch immer nur seine Pflicht und nichts als feine Pflicht getan. In warmen Worten wies er auf die Unterstützung hin. die der bekannte, geistreiche unh Vorkämpfer für das Judentum, Herr Chefredakteur Dr. Z. ^S:! Bloch, in gewohnter Liebenswürdigkeit der Wohltätigkeitsaktion dadurch leistete, daß er sie publizistisch unterstützte und förderte und in ausschlaggebender Weise mit zu dem großen Erfolge der Aktion beitrug. Reicher Beifall lohnte die Ausführungen des Obmannes.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.