Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 32 (6.8.1915)
- Date
- 1915-08-06
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Sette 594 Nr. 32 Dr. Vloch's Wochenschrift forderte, die brüderliche Hilfsbereitschaft alarmiert und mobilisiert. Große Summen wurden in privaten Kreisen für den augenblicklichen Zweck gesammelt, zum großen Teil auch die bestehenden jüdischen Rettungsgesellschaften, die verschiedenen Allianzen u. dergl., aufgeboten. Jetzt aber, da die Judenverfolgung z. B. in Rußland geradezu in Permanenz erklärt ist, erweisen sich diese momentanen Löschungsversuche mehr und mehr als * unzureichend. Eine auf breitester Grundlage aufgebaute Hilfsorganisation tritt als unabweisbare Forderung an die gesamte Judenheit heran. Sobald die Zerklüftung, die der Weltkrieg in unsere Rechen getragen hat, sich wird überbrücken lassen, wird auch dieses Gebot der Selbsterhaltung die ganze Aufmerksamkeit und Krastanstrengung aller leitenden Stellen unserer jüdischen Gemeinschaft in Anspruch nehmen müssen. Die Gründung einer Sparkasse zur Versicherung gegen Verfolgung von Juden würde eine Lösung dieses Problems herbeisühren, die es ermöglichte, anstatt immer wieder Kapitalien in den Dienst der Bruderhilse zu stellen, mit Zinsenerträgnissen zu arbeiten. Der Plan eines solchen Unternehmens ist bereits vor einer langen Reche von Jahren von dem, vortrefflichen jüdischen Philanthropen Gustav Tuch in Hamburg Msgearbeitet worden, und er verdient es, in diesen Tagen hervorgeholt und zur Kenntnis der jüdischen Oeffentlichkeit gebracht zu werden. „Umaasse hazedokoh scholaum." Die gemeinsame Betätigung auf dem Gebiete der Bruderhilfe wird am ehesten imstande sein, die jetzt im Kriege hervorgekehrten und verschärften Gegensätze in der Judenheit aller Länder zu versöhnen und auszugleichen. Chewra-Kadischa Wien. (Erholungsheim in Baden.) Ein Freund unseres Blattes schreibt uns: „Ich hatte dieser Tage Gelegenheit, anläßlich eines Besuches einer Insassin eine Schüpsiurg der Chewra- Kadischa Wien kennen zu lernen, deren Bedeutung bisher zu wenig gewürdigt wurde, und doch die weitestgehende Förderung verdiente. Es ist das Erholungsheim in Baden, Braitnerstraße Nr. 23. Wahr ist es ja, daß diese im modernsten Sinne Humanität übende jüdische Anstalt erst seit kurzer Zeit in ihrem menschenfreundlichen Berufe wirkt, aber schon in diesem zweiten Jahre seiner Existenz hat das Erholungsheim sich so sehr bewährt, und seine Existenznotwendigkeit in so herzerquickender Weise dargetan, daß ich es als ein Gebot der Dankbarkeit, die wir einer jeden guten Tat gegenüber hegen sollten, ansehe, die wohlwollende Aufmerksamkeit aller guten Menschen auf das segensreiche Wirken dieses Heimes zu lenken. Das Erholungsheim, welches alljährlich anfangs Mai seine Lastlichen Tore öffnet, und während der ganzen Sommersaison in Betrieb ist, beherbergt vier Monate hindurch in monatlich abwechselndem Turnus 24 unbemittelte erholungs- und kurbedürstige Männer und Frauen so, daß in jedem Sommer rund 100 Menschen hier für den schweren Daseinskampf neue körperliche Kraft und seelischen Mut gewinnen. Die Zimmer, in welchen diese Pfleglinge unrergebracht find, sind peinlich sauber gehalten, ein fast klubmäßig eingerichteter Gesellschastsraum vereinigt die Insassen bei leichter Zerstreuung, Handarbeit, Lektüre rc. Sie halten sich aber am liebsten in dem schönen, geschmackvoll angelegten Garten, mit sonnigen und einzelnen lauschigen, schattigen Plätzchen auf und es war mir ein herzerfrischendes Vergnügen, zu sehen, wie diese durchs unausgesetzte Angriffe des Schicksals zermürbten Menschen die wohltuenden Sonnenstrahlen auf ihren müden Körper wirken lassen Md eine behagliche Zufriedenheitgenießen, nach der sie sich sonst so sehr, sehnen. Da hat die Chewra-Kadischa wirklich einen durch Edelsinn geheiligten Ort geschaffen und ein frommes, wohltätiges Werk ins Leben gerufen/ das dieser ältesten jüdischen Organisation in Wien alle Ehre macht. Die Pfleglinge erhalten außer der ganzen Verpflegung im Bedarfsfälle auch ärztliche Behandlung und Medikamente und es freut mich, hier erwähnen git können, daß dank dem freundlichen Entgegenkommen des Herrn Bürgermeisters der Stadt Baden die Pfleglinge des Erholungsheimes von der Kurtaxe befreit sind und auch die Bäder unentgetlich Angewiesen erhalten. Das Erholungsheim wurde, wie erinnerlich, anläßlich des 150 jährigen Jubiläums ihres Bestandes von der Chewra-Kadischa begründet und durch eine hochherzige Spende des derzeitigen Präsidenten Herrn Salo Cohn in seinem Bestände dauernd gesichert. Diese schöne Tat ist auch mit Recht sowohl in einer Gedenktafel im Heime selbst, als auch in der Aufschrift verewigt, welche dem Besucher am Eingänge des Heimes begrüßt. Mit innerer Befriedigung schicke ich mich an, das Erholungsheim zu verlassen, als Jude erfüllt mich die wohltuende Beruhigung, daß das gute jüdische Herz sich immer in jener delikaten, gewinnenden Art meldet, die eben eip^gpt,.jüdisches Herz auszeichnet. Zum Abschiede war es mir ein Bedürfnis, jenen .guten Menschen im Geiste zu danken, welche als Stifter auf der Gedenktafel verewigt erscheinen und als nachahmendes Beispiel auch hier angeführt sein mögen. Es sind dies: Vorstand der Chewra-Kadischa, der human. Verein „B'nai B'rith", Frau Marie Kann, die Herren Philipp Kohn, Carl Lang mtfr Leopold Orro. Wie überall, bewähren sich auch hier die Damen, welche sich zu einem Ehrendamen-Komitee vereinigten und ihr Bestes tun, um den Insassen den Aufenthalt angenehm zu machen. Dankbar erwähnt sei auch Herr med. Doktor M. Goldberger, welcher in selbstloser Weise die ärztliche Leitung des Erholungsheimes übernommen hat und während seiner derzeitigen Kriegsdienstleistung Herrn Dr. David Goldschmid mit seiner Vertretung betraut hat, der in gleichem Sinne tätig ist. Von den Damen seien ganz besonders die Frau Marie Kan n-und Louise Spiegel, welche als wahre Mütter des Heimes sich verdienstvoll betätigen, hervorgehoben. Ich habe die feste Ueberzeugung, daß dieser kleine Hinweis auf die Tätigkeit des Erholungsheimes zahlreiche Glaubensgenossen anspornen wird, das Ihrige beizutragen, damit diese ausgezeichnete Anstalt in noch erpichterem Maße ihrer schönen Aufgabe gerecht werde. _ D. S. Versammlung des Zentralhilfsfonds für Palästina (Orsterreichisches Landeskomitee) und der Hilfskommission 1915. D i e n s t a g, d e n 24. d. M., findet im Sitzungssaale der israelitischen Kultusgemeinde, Wien, 1. Bezirk, Seitenstettengasse Nr. 4, 1. Stock, um 3 Uhr eine Versammlung des Landeskomitees statt. Für 5 Uhr werden die Mitglieder des ExekutivkomiteesderHilfskommissionM einer Vorbesprechung ebendaselbst eingeladen. Um 6 Uhr beginnt die Vollversammlung der Hilfsk o m m i s s i o n, zu der nach dem Verzeichnis im „Union-- Kalender" sämtliche Rabbinate und Kültusvorstände der Monarchie eingeladen werden. Auf der Tagesordnung steht: 1. Begrüßung durch den Vorsitzenden; - 2. Referat des Herrn Oberrabbiners W. Reich; 3. Anträge; 4. Diverses.