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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-08-06 · 32 (6.8.1915) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
32 (6.8.1915)
Date
1915-08-06
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 32 Pr. Bloch's Wochenschrift €?rih 59S Dieser Verfügung gemäß hat die gegenwärtige Verwalterin des Expropriationserlöses der vom Stammvater der Familie, dem kaiserlichen Minister und freien Hofjuden Jakob Bassevi v. Threwenberg auf Grund des Privilegiums vom 18. Januar 1622 in Prag für sich und die Seinigen erbauten Großen Hofsynagoge, die Prager israelitische K u l t u s g e m e i n d e, resp. deren Jubiläums-Synagogenkomitee, den ü b e r n o m m en e n Ex Pr opriations betrag samt mittlerweile aufgelaufenen sZinsen und Zinseszinsen stn die U a s s a d e s k. u. k. Krieg s mini st e r i u m s unter der Bezeichnung „Ablösungspreis der demolierten autonomen Familiensynagoge, Großen Hofsynagoge, in Prag samt Zinsen und Zinseszinsen" unverzüglich abzu führen, wo dieser Betrag im Sinne des Stiftungsbriefes verwaltet werden wird. Erbberechtigte, welche mit dieser gemeiunützigen und durch die Kriegslage gebotenen Verwendung des Familieneigentums nicht einverstanden sind und die Ausscheidung ihres Erbteiles beanspruchen, haben ihre diesbezügliche Eingabe, innerhalb 30 Tagen von der Verlautbarung dieser Kundmachung in der „Wiener Zeitung" gerechnet, an das H o h e k. u. k. K r i e g s m i n i st e r i u m in Wien zu richten und die ihr Erbrecht und den ihnen gesetzlich zukommenden Erbanteil genau präzisierenden Dokumente vorzulegen. Budapest, 28. Juli 1915. Für den Familienrat des reichsunmittelbar freie,: Geschlechtes der Bassevi v. Threwenberg der Senior- Syndikus: Michael Maximilian Bajda m. p." * * * Jakob Bassevi v. Threwenberg. Jakob Bassevi v. T h r e w e n b e r g, auch Jakob Schmiles genannt, hatte sich durch seine großen Verdienste um den Staat und die Oeffentlichkeit sowie namentlich durch sein wohltätiges Wirken in Prag die Anerkennung dreier Kaiser erworben, und ztvar Kaiser Rudolf II., der ihn im Jahre 1590 einen Privilegiumsbrief erteilte, der von Kaiser Matthias bestätigt wurde. Kaiser Ferdinand II. verlieh ihm den Adelsstand mit dem Prädikat „von Threwenberg". Der Adelsbrief ist kontrasigniert von dem damaligen Kanzler Popel von Lobkowitz und vom Geheimschreiber Philipp Fabrizios. Dieser Fabrizius ist die historisch bekannte Figur, die inr Jahre 1618 mit Graf Martinih und Slawata zusammen aus den Fenstern des Altstädter Rathauses geworfen wurde. Dieser Fenstersturz war mit ein Anlaß zum Dreißigjährigen Krieg. Bei den Judenverfolgungen mußte auch Bassevi von Prag flüchten, und er starb außerhalb Prags und wurde in Jungbunzlau begraben. Seine Gattin, Hendel Bassevi v. Threwenberg, kam dann wieder nach Prag zurück und betätigte ebenfalls in hohem Maße ihren Wohltätigkeitssinn. Täglich ließ sie Arme und Waisen beköstigen, teilte 'Kinder ans und unterstützte Gelehrte. Sie starb in: Jahre 1628 irr Praa rmd ist auf den: Altstädter Judenfriedhof begraben. Ihr Grabstein bildet auch eine der Sehenswürdigkeiten dieses alten Friedhofes. Als jüngst Erzherzog Leopold Salvator in ' Prag weilte und den alten Judenfriedhof besuchte, interessierte er sich besonders für diesen Grabstein und für das Wappen auf diesem Grabstein, welches ihm der Vorsteher der Prager israelitischen Beerdigungsbrüderschaft, Lieben, besonders erläutern mußte. Ikorrespondenzen. Znr Frage des israelitischen Gerneindebundcs. Wien, 30. Juli 1915. Sehr geehrter Herr Redakteur! Herr Bernhard H o f b a u e r meint es gerviß gut, mindestens ebenso gut, wie ich es gemeint habe. Allein ebenso gewiß hat er meine Intentionen verkannt. „Burgfriede" und „Hand weg!" Dieser zornige Einwurs hat mich wohl nicht geschreckt, aber überrascht. Was soll die Mahnung? Heißt es den Burgfrieden stören, wenn eine Lebensfrage der jüdischen Gemeinsamkeit, wie sie der Zusammenschluß der Gerneinden erfüllen soll und die auf allen Lippen schwebt, zum Gegenstände einer ernstlichen Prüfung genracht wird, niemandem zuleide und allen zrrm Nutzen? Habe ich sie etwa mit täppischer Hand angefaßt, daß man sie unmutig zurückstoßen müßte, oder habe ich sie nicht vielmehr, rvenn auch vielleicht nicht mit Geist, so doch mit Verstand behandelt? In diesen stürmisch-wogenden Zeiten, rvo alles nach Vereinigung und nach Organisation strebt und drängt, damit die neuen Probleme, rvelche die Ereignisse aufwerfen, besser übersehen und wirksamer gelöst werden können, dürfen wir Juden uns vor dem mächtigen Weckruf der Geschehnisse nicht verschließen. Das Schlagwort des Burgfriedens darf nicht herhalten, um Lässigkeit zu bemänteln. Diese bedroht gewichtigste Interessen mit Stillstand und Versumpfung. Uebrigens was soll der Burgfriede? Der Himveis auf ihn paßt ganz mtb gar nicht. Burgfriede ist die Schonung von Empfindlichkeiten, der Schutz gegen Gehässigkeit, die aber mir und der Idee, selbstverständlich fremd ist. Einer ehrlicher: und ar:stündiger: Aussprache kann auch der Krieg den Weg nicht verrainmeln. Im Gegenteil, diese Aussprache ist gerade jetzt unausweichlich; deru: die Schaffung einer Plattform, auf der sich alle zusarnruenfinden, tut not, rasch und unbedingt. Ob sie nun in: Gemeir:debur:de oder aus anderen: Wege gelingt, ist herzlich gleichgiltig. Aber vorbereitet muß sie werden, dainit sie da ist, wenn die Schicksalsstunde schlägt. Nicht, wie der Herr Einsender meint, soll das Trennende gemieden werden, sondern es soll aufgesucht und st'rberbrückt rverden, damit d:e Einheit und Einigung verbürgt urrd die schlunrrrrernder: Kräfte wachgerufen rverden. Die Hände rveg, um sitz müßig in den Schoß zu leger: — bis es zu lpät ist, nein, Herr Hofbauer, das mag vielleicht bequem sein, gesund für uns Inder: ist es nicht. Ich danke Ihnen, hochgeehrter .rrerr Redakteur, im vorhinein bestens für die gütige Veröffentlichung dieser Zeilen und bin Ihr hochachtungsvoll und ganz ergebener Dr. Heinrich Schreib e r. Eine Sparkasse zur Versicherung gegen Verfolgung von Juden. Die furchtbare Not, die gegenivärtig über Unzählige unseres jüdischen Stanunes hereingebrochen ist, urrd der Gedanke an die schier übermenschlichen Anforderuuger: an unsere Leistungsfähigkeit, aus diesem beispiellosen Zerstörungswerke ein neues, gesundes Leben erstehen zu lassen, erklärt zur Genüge den heißen Eifer, mit den: jetzt aller Orten Pläne geschmiedet werden zur Lösung dieser Aufgabe, wie sie unserem Volke in solcher Größe und Bedeutung vom Genius der Geschichte noch uienrals gestellt worden ist. Bisher wurde von Fall zu Fall, wo irgend der Ausbruch einer Judenverfolgung dringend rasche Hilfe er-

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