Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 32 (6.8.1915)
- Date
- 1915-08-06
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 592 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 32 Befördert. Zum württembergischen Offizier. Ludwigsburg. Vizefclbwrbel Berthold Lisas unter Verleihung des Eisernen Kreuzes zweiter Klasse. Sonstige Auszeichnungen. Bamberg. Ernst Frenkel, Unterarzt beim 1. Ulanenregiment, erwarb sich das Bayerische Militäroerdienstkreuz zweiter Klasse mit Schwertern. Breisach in Baden. Jakob W u r m s e r, Gefreiter der Landwehr im Feldartillerieregiment Nr. 245, verdiente sich die Badische Verdienstmedaille. Essen. Leutnant Adolf R o m b e r g, Inhaber des Eisernen Kreuzes, erhielt den Bayerischen Militärverdienstorden vierter Klasse. Frankfurt a. M. Alfred Wertheimer, Unteroffizier im dritten bayerischen Infanterieregiment und Inhaber des Eisernen Kreuzes, ist mit dem Bayerischen Militäroerdienstkreuz dritter Klasse mit Krone und Schwertern ausgezeichnet worden. Kettwig. Josef Anschel ist der Bayerische Militärverdienstorden dritter Klasse mit Schwertern verliehen worden. München. Dem Leutnant Hugo E u t m a n n, bei der Landwehr-Feldartillerie, ist der Bayerische Militärverdienstorden vierter Klasse mit Schwertern verliehen worbe', dergleichen dem Assistenzarzt der Reserve Georg Lohn. — Mar Rothschild, Unteroffizier der Reserve im ersten Schweren Reiterregiment, ist mit dem Bayerischen Militärverdienstkreuz dritter Klasse mit Krone und Schwertern ausgezeichnet worden. Nürnberg. Fritz Jaffa, Gefreiter im Lhevaurlegeiregiment, erwarb sich das Bayerische Militäroerdienstkreuz dritter Klasse mit Schwertern. Ulm. Gefreiter Ludwig Rothschild, Inhaber des Eisernen Kreuzes, ist mit der Württembergischen Silbernen Tapserkcitsmedaille ausgezeichnet worden. Wilhermsdorf bei Nürnberg. Neuburger, zurzeit Dolnietschcr bei einem Stabe, erhielt das Bayerische Verdienstkreuz. Worms. Offizier-Stellvertreter Wilhelm M a y e r, Inhaber des Eisernen Kreuze-, ist mit der Hessischen Tapserkeitsmedaille ausgezeichnet worden. Gin Kustrrf der jüdischen Arbeiter. Die Judenpogrome des Zaren. Das Zentralkomitee des Bundes jüdischer sozialdemokratischer Arbeiter in Rußland und Litau hat eine Kundmachung erlassen, die sich an die sozialdemokratischen Arbeiter Rußlands und an die der mit Rußland verbündeten und der neutralen Staaten richtet. Die Kundgebung hat die Zustimmung und lebhafte Unterstützung vieler geheimer Versammlungeil jüdischer Arbeiter in Rußland gesunden. In Warschau haben etwa 809 Arbeiter dafür ihre Stimme abgegeben; von den anderen Städten stehen die Nachrichten noch aus. Die Kundgebung lautet: Der Krieg hat den antisemitischen pogromistischen Charakter der russischen Regierungspolitik nicht nur nicht geschwächt, sondern im Gegenteile nur noch gestärkt. In dem Augenblick, wo das Land den größten Erschütterungen unterworfen ist, fährt die Regierung einerseits fort, vond, er „Befreiung der Völker" zu sprechen, andererseits werden die gleichen Völker unterdrückt und das jüdische Volk mit physischer Vertilgung bedroht. Wie früher, sind die Juden auch heute der Sündenbock, der die Unfähigkeit, die Verkäuflichkeit, die Laster des russischen Regimes zu büßen hat. Die Niederlagen der russischen Armee, die durch dieses Regime und durch die Schuld der Armeeführer verursacht worden, sollen im Kaukasus die Mohammedaner, an der Westfront — die Juden büßen. An ihnen soll sich das Volk, das somit von der Erkenntnis der wahren Verantwortlichen abgelenkt wird, für die unzähligen .Leiden, für die Entbehrungen, die Enttäuschungen und Niederlagen rächen. Der Verrat der russischen Gendarmen, der Verrat eines Mjassojedows, alles das muß das jüdische Volk mit seiner Freiheit, mit seiner Unantastbarkeit, mit seinem Leben bezahlen. Die von Pogromen begleiteten Ausweisungen von Hunderttausenden Juden sind zur gewöhnlichen Maßnahme geworden. Die Greuel, das Elend, der materielle Schaden, welche diese Ausweisungen zur Folge haben, lassen sich nicht beschreiben. Sogar in den dunkelsten Tagen des finsteren Mittclallers hat man nicht ähnliches erlebt. Um diese unmenschlichen Vergewaltigungen zu rechtfertigen, werden allerlei Märchen von den Juden angeblich verübten Verrats verbreitet. Die Vorgänge in Kugi und in Kjelzi sind ein genügender Beleg für diese Handlungsweise. Die Veröffentlichung der Beschuldigung in den Regierungsblättern sowie die Tatsache, daß die betreffenden Blätter öffentlich angeschlagen wurden, beweisen wiederum, daß es sich um' eine offizielle Agitation der Regierung zur Anzettelung von Pogromen handelt. Gleichzeitig ist die übrige Presse durch dgs Wüten der Kriegszensur tot gemacht und die Vergewaltigungen der jüdischen Bevölkerung gehen im allgemeinen Stillschweigen und unter der schändlichsten Gleichgiltigkeit der liberalen russischen Kreise vor sich. Wir jüdischen Sozialdemokraten betrachten es als unsere Pflicht, die grausame und unmenschliche Vergewaltigung, der man die jüdische Bevölkerung unterwirft, laut zu verkünden. Wir fordern alle diejenigen zum Protest. auf, die ihr politisches Gewissen noch nicht eingebüßt haben, alle diejenigen, die die Gefahr, die sticht nur die Juden bedroht, sondern ganz Rußland, indem ein Hausen Gewalthaber die Millionen russischer Soldaten in wilde Horden zu verwandeln sucht, einsehen. Mit unserem Ausruf wenden wir uns vor allem an euch, klassenbewußte Proletarier der verschiedenen Nationalitäten, die Rußland bewohnen. Von euch verlangen wir, daß ihr eure Stimme erhebt gegen die unerhörten Greuel, denen wir unterworfen sind. Weiter wenden wir uns an das internationale Proletariat, dessen Pflicht es ist, vor der ganzen Welt die Vergewaltigung des jüdischen Volkes zu verkünden. Von euch, Proletarier der mit Rußland verbündeten Länder, verlangen wir, daß ihr eure Regierungen zwingt, gegen die blutigen Greuel ihres „Verbündeten" zu protestieren. Endlich wenden wir uns mit unserem Aufruf an die Sozialdemokraten der neutralen Länder Europas und Amerikas. In euren Ländern sucht der Zarismus Sympathie und Solidarität. Ihr sollt eure proletarische Pflicht erfüllen, damit der russische Zarismus in eurem Lande die Aufnahme findet, die er für seine Verbrechen verdient. ... AamittenöeschL'uß des Geschlechts Nassem r>. Thrervenßerg anläßlich der Siege unserer Armee. Mit einem Akt hochherziger Gesinnung hat der Familienrat des Geschlechtes B a s s e v i v. T h r e w e n b e r g eilt Beispiel gegeben, das sozialpolitisch hoch gewertet werden muß. In der letzten Sitzung des Familienrates lvurde unter dem Vorsitze des Seniorsyndikus Michael Maximilian Vajda beschlossen, den Erlös des expropriierten Familieneigentums zur Errichtung einer Stiftung zuzuwenden, die der Heilung kurbedürftiger Kriegs Waisen und invalider Krieger zugute kommen soll. Mittels 'freiwilliger Beiträge der Famili''nmitglieder soll nun im Kurorte Lipik in Slavonien ein K riegswaisen- und Jnv alidenHospiz erhalten werden. Die im Amtsblatte der „Wiener Zeitung" vom 31. Juli enthaltene Kundmachung lautet: „Der Familienrat des reichsunmittelbar freien Geschlechtes der B a s s e v i v. T h r e w e n b e r g hat am dreihundertsten Jahrestage der Standeserhöhung der Familie, durch göttliche Fügung zugleich 81. Geburtstag Seiner Kaiserlich! und Königlichen Apostolischen Majestät Franz Josef I., den Beschluß erbracht, .den Erlös des expropriierten Familienheiligtums zur Kreierung einer gemeinnützigen Stiftung zu verwenden; angesichts der u n v e r g l e i ch l i ch e n L c i st u n g e n unsre r g l o r r e ichen Arm ee jedoch jetzt verfügt, daß diese Stiftung in erster Linie der KriegssÄrsorge, und zwar der Heilung kur bedürftiger Waisen gefallener, verstorbener, verschollener und gefangener Krieger und auf Kurgebrauch angewiesener Kriegsinvaliden, resp. der Erhaltung von Hospizen in Thermal - und Luftkurorten gewidmet werde und demgemäß mittels freiwilliger Beiträge der Familienmitglieder im Kurort Lipik in Slavonien ein Kriegsw ais en- und I n - v a l i d e n h o sp i z errichtet.