Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 32 (6.8.1915)
- Date
- 1915-08-06
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 32 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 589 Ich bür bei dem Sturme auf die Grodeker Stellung am Kopfe von zwei russischen Kagelu verletzt worden; infolge des bekannten Mangels an Mnnitlons hörren die Raffen dann auf, mich zu beschießen, und so kam ich mir dem Leben davon. Gustav L ö w y, Oberleutnant im 11. Infanterieregiment." Diese launige Zuschrift möge vielen Ellern und Geschtoistern ßunt Droste gereichen. Herr Oberleutnant'Gustav Löwy wurde tatsächlich seit Monaten totgesagt und seine Angehörigen trauerten um ihn wie um einerr Toten. Um so größer ist jetzt ihre freudige Ueberraschnng. Und so wird es sicherlich vielen ergehen, deren Angehörige als „vermißt" gemeldet werden oder aus irgendeinem Grunde kein Lebenszeichen von sich geben. Ir. Krwrn Haas. Am 8. v. M. verschied im Rudolfsspital der Beamte der k. k. priv. Versicherungsgesellschaft „Riunione Adriatica di Sicurta", Einjährig-Freiwilliger des 25. Landlvehr-Jnsanterieregiments Herr Dr. Erwin Haas, an einem im Dienste für Kaiser und Baterlalld erworbenen schweren Leiden im 28. Lebensjahre. Mit hohen Geistesgaben und eminentem Fleiße ausgerüstet, die. ihm eine glänzende Laufbahn sicherten, war der Verelvigte von einer rührenden Bescheidenheit und hat den Traditionen seines Elternhauses getreu dem Judentum und dem jüdischen Volke in jeder Lage tiefe Anhänglichkeit belvährt. Jahre hindurch gehörte er als Vorstandsmitglied dem Ersten Wiener Jüdischen Turnverein an und förderte alle jüdischen Humanitären Angelegen heiten. Am 11. v. M. fand das Leichenbegängnis unterzahlreicher Beteiligung und unter militärischen Ehren statt. Außer den Angehörigen und der Beamtenschaft der „Riunione" waren auch der Erste Wiener Jüdische Turnverein mit seinem Vorstande Dr. Werner an der Spitze, eine Abordnung des Offizierskorps des 25. Landlvehr-Jnfanterieregiment und zahlreiche Verehrer des Verehrer des Verewigten erschienen. An der Bahre hielren der Militärgeistliche Dr. Frankfurter und der Rabbiner Dr. Tag licht dem Verewigten, dessen Heimgang nicht bloß für die Familie, sondern auch für die jüdische Gesamtheit einen Verlust bedeutet, Worte innigen Gedenkens. Iestgotlesdienst im Ielde antäßtich der Wiedereroöerung von Lemberg. Samstag, den 26. Juli, fand in einer Synagoge auf russischem Boden eine Festandacht für die jüdischen Soldaten des Lemberger Hausregiments statt, an dem auch die jüdische Ortsbevölkerung teilnahm. Von militärischen Würdenträgern waren zugegen der Divisionär Feldmarschalleutnant Kletter mit seinem Generalstabschef und allen Herren des Stabes, Brigadier Oberst Portenschlag, Regimentskommandant Oberst de Brunfort mit vielen Offizieren, Stationskommandant Oberst Urbanski, Divifionspfarrer Johann Skyva u. a. Ein vor dem Feinde geflüchteter Kantor trug mit schöner Stimme einen Festpsalm vor, worauf Feldrabbiner Prof. Dr. Tauber mit Anlehnungen an Psalm 118 eine Festpredigt hielt, in der er ausführte, daß die Befreiung Lembergs gleichsam die Krone der glänzenden Siege bilde, welche unsere glorreichen Truppen feit Wochen errungen haben Wenn auch das brave Hausregiment die Freude des Einzuges in die Stadt nicht teilen konnte, so entbiete es von der gcnte der befreiten Heimatstadt seinen Gruß. Der Seelsorger verrichtete hierauf bei geöffneter Bundeslade das Gebet für den Monarchen und die verbündeten Heere. Zum Schlüsse sang ein Soldatenchor die Volkshymne. Dem tagsdarauf stattgefundenen katholischen Festgottesdienste, bei dem der Divisions- Pfarrer die Festpredigt hielt, wohnte auch Feldrabbiner Doktor- Tauber bei. Ein Kßendgeöet mit russischen Kriegsgefangenen. Als ich len hin an einem trüben Jnliabend sv ziemlich einsam durch die Stadt ging, begegnete ich dem Feldrabbiner Tr. Golinski. der an mich die Frage richtete, ob ich nicht für heute die Funktion eines Minjammannes übernehmen wollte. Es befänden sich nämlich in einem der von ihm betreuten Festungsspitäler mehrere russische Kriegsgefangene, von denen einer den Wunsch äußerte, für seinem in diesem Jahre verstorbenen Vater das Kaddijchgebet zn verrichten. Nun seien aber nicht so viele Juden in diesem Objekte, um ein Minjam zu bilden. Ter Feldrabbiner versprach ihm, an einem der nächsten Abende die fehlenden Männer mitzubringen. — Wir begaben uns in das betreffende Spital uich tonnte ich mich zunächst davon überzeugen, daß es den russischen Patienten bei uns so ziemlich gut ergeht. — Man sah es ihnen an, daß sie sich nach monatelangen schweren Kämpfen und Aufenthalt im Schützengraben in ihren Berten behaglich fühlten. Ich fand noch Feit, die jüdischen Kriegsgefangenen, fünf an der Zahl, über Einzelheiten aus ihrem bisherigen Leben zu befragen. Jeder von ihnen stammt aus einer andern Gegend, die Wiege des einen stand weit im Kaukasus, er spricht nur russisch und tatarisch, so daß ich mich mit ihm kaum verständigen konnre. Ein zweiter zählte bereits 43 Jahre, stammt aus Kifchineff, wo er den ersten Progrom mitmachte, während er zur Zeit des zweiten, für sein Rabenvaterland, gegen Japan kämpfte. Mittler - weile hatte der Rabbiner mit Hilfe seines Offiziersdieners und einer Anfsichtscharge das Minjam kompletiert, sz daß wir Mincha und Maariv beten konnten. Ter betreffende Soldat betete vor und verrichtete inbriingig das Kaddischgeber. Es war eine ganz originelle Gcberstimmung, die uns in diesem Augenblicke nberkam. Aus dieser heraus richtete Feldrabbiner Tr. Golinski einige herzliche Worte an die Russen, in denen er von den Worten Josefs, „es8 acbaj onaucbi mewakesch", lJch suchte meine Brüder) ausgehend, betonte, daß die Religion und die heilige Sprache der Juden ein Land sei, welches die Söhne Israels überall imd in verschiedenen Situationen zusammen führe. Wenn auch gerade jetzt russische und österreichische Juden durch eine Welt von Gegensätzen auseinander geraten sind, ja, was wahrhaft tragisch ist, sich im Dienste ihres Vaterlandes stehend erbittert bekänipsen, so ist es doch ein tröstender Gedanke, daß ihnen in dem Augenblicke, als sie die Waffen niedergelegt haben, ihre österreichischen (Klaubensbrüder im gemeinsamen Gebete mit brüderlicher Freundlichkeit näherkamen. Ter Seelsorger schloß mit dem Wunsche, sie mögen in der Religion die Kraft finden, diese schweren Tage zu überdauern und dann gesund in in den Kreis ihrer Familien zurückkehren. Zu Tränen gerührt dankten die Kriegsgefangenen, von denen einer infolge einer schweren Schußverletzung auf Krücken einhergeht, d.'in Feldrabbiner für diese Stunde religiöser Erhebung, worauf sie von demselben mit Gebetbücher und Zigaretten beteilt wurden. A u ch m i r wird diese Stunde nnvergeßlech bleiben. Krakau. _ Jakob Bodek. Ungarisch-jüdische Helden. Der 26 Jahre alte Landsturmmann Josef Leib Schapira war drei. Monate am Kriegsschauplätze und hat sich so sehr ausgezeichnet, daß er zum Zugsfüycer ernannt und mit der silbernen Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet wurde. Schapira gelangte letzthin mir einer schweren Wunde in das Spital. Er ist Vater dreier Kinder und war seinerzeit Bachur an der Munkacser Jeschibah. . Dr. Stern aus Miskolcz, Militärarzt auf dem italienischen Kriegsschauplätze, hat schon mehrere Heldentaten vollbracht und ist einer der wenigen ungarischen Aerzte, welche die Tapferkeitsmedaille erhielten. Jüngst hat der Thronfolger jenes Bataillon besucht, bei welchem Dr. Stern der leitende Arzt ist. Als der Thronfolger, der jedem Offizier die Hand reichte, an der Brust Dr. Sterns die Tapferkeitsmedaille sah, gratulierte er ihm besonders mit sehr herzlichen Worten. Der Szolnoker Soldat Julius Simonfi erzählt darüber, wofür er die Tapferkeitsmedaille erhielt, folgen des: Als wir im März uns aus Galizien bis zu den Karpathen zurückziehen mußten, bin ich zu der zur Deckung des Rückzuges zurückgebliebenen Gruppe zum Gruppenkommandanten als Telephonist eingeteilt worden. Zu dieser Gruppe gehörten vier Bataillone. Die Plazi-'- rung der vier Bataillone war auf zwei gegenüberliegenden, 1400 Meter hohen Bergen, je zwei Bataillone auf je einem Berg. Der kommandierende Major mit bet Telephonstation in der Mitte, so daß er betreffs aller vier Bataillone, deren Leitungen bei ihm zusammen liefen, Mitteilungen machen, bezw. erhalten könne. Unser