Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 32 (6.8.1915)
- Date
- 1915-08-06
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 386 . Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 32 schlossen, die Zöglinge ausnahmslos nach Rußland deportiert. Die Würdenträger der ukrainischen Kirche wurden^ — der Metropolit Graf Szeptycki als erster — nach Rußland verschleppt. Aber keinem polnischen Geistlichen wurde ein Haar gekrümmt, keiner von diesen, katholischem Geistlichen ist als Geisel nach Rußland verschleppt worden. Der „Pester Lloyd" veröffentlichte über die Anwesenheit des Thronfolgers in Czernowitz folgende Mitteilungen: Während der Audienzen machte Erzherzog-Thronfolger Karl Franz Josef folgende Aeußerungen: „Da die Bukowina glücklich wiedererobert ist, werden die Dinge hoffentlich besser gehen und die Bevölkerung wird sich nunmehr gestärkt ihrer normalen Tätigkeit widmen können." Zu dem Repräsentanten der jüdischen Kultusgemeinde, Abgeordneten Dr. Wender, sagte der Thronfolger: „Ihre Glaubensgenossen haben wegen ihres Patriotismus unter der Russenherrschaft sehr gelitten. Die jüdische Bevölkerung ist sehr patriotisch. Wir werden ihr das nie vergessen. Nach glücklicher Beendigung dieses Krieges werden hoffentlich alle Schäden gutgemacht werden." Angesichts dieses herrlichen Zeugnisses brauchen die Juden die Verleumdungen des „Czas" kaum ernst zu nehmen. Im „Pester Lloyd" vom 22. Juli meldet der Spezialberichterstatter Dr. Josef Straffer über „Die Russenherrschaft in Lemberg": „In Lemberg ist es jetzt nicht mehr so üppig bestellt wie zur Russenzeit, da die Stadt dauernd im Rausche erhalten werden sollte. Ein Jude zeigt mir ein Stück trockenes Brot, und im Delirium der Freude ruft er: „Herr! Drei Tage lebe ich von trockenem Brot. Herr! Es ist besser als Hühner und Gänse, weil ich die Soldaten unseres Kaisers sehe!" Die Gattin dieses Mannes liegt im Krankenhaus. Sie wurde mit der Nagaika gezüchtigt, weil sie einem gefangenen Ungarn heimlich Speisen zutrug. Achttausend gefangene Oesterreicher, Ungarn und Deutsche wurden im Lemberger Ghetto mit Gefahr für Leib und Leben der Verberger versteckt gehalten, verpflegt und gekleidet, bis unsere Armee wiederkam! Mehr als zwei Regimenter! Nur der Arzt P. hatte achthundert Mann als Marode in seiner Anstalt untergebracht!. Diese Zahlen reden. Man kann ruhig feststellen, daß die Juden in Lemberg hinter den Polen nicht zurückgeblieben sind." Kegen die Wiener Zeitungen. Die Wiener Zeitungen, auchstdie sogenannten .„Judenzeitungen", publizierten am 28. Juli 1915 folgende vom Lemberger Stadtkommandanten Generalmajor R i m l erlassene Kundmachung: „Ich habe bemerkt, daß die russischen Gefangenen während ihres Transports durch die Straßen von einem Teil des Publikums, besonders des jüdischen, beschimpft und mit Stöcken geschlagen wurden. Dieses Verhalten ist einer Kulturnation , unwürdig und verletzt die Bestimmung des internationalen Rechtes. Ich gebe zur Kenntnis, daß ich derartige, strengstens verbotene Exzesse nicht dulden werde. Die Zuwiderhandelnden werden sofort verhaftet und der k. k. Polizeidirektion zur Bestrafung überwiesen werden. Generalmajor Riml." Diese Kundmachung ist an sich zweifellos lobenswert und die besondere Hervorhebung der „jüdischen" Bevölkerung gewiß nur das Resultat von Lemberger, d. h. polnischen Informationen, die dem Herrn Generalmajor Riml zugebracht wurden. Daß aber die „liberale" Presse in Wien diese Kundmachung die weiteste Publizität gegeben, muß. in Rußland zu neuen Judenpogromen Veranlassung breten.. Sollten die Herren von der Presse das nicht bedacht haben? Von der „Reichjspost" ist nicht zu verwundern, wenn sie den Hinweis aus die jüdische Bevölkerung mit besonderer Befriedigung notiert und hervorhebt. Die Gesinnungsgenossen der „Reichspost" haben nicht zu befürchten. Eine merkwürdige Tatsache ist es, die der künftige Geschichtsschreiber dieses Weltkrieges notieren wird, daß die russischen Militärs nicht einen e i n z i g e n katholischen Geistlichen als Geisel mit geschleppt haben. Den polnischen Geistlichen in Galizien ist kein Haar gekrümmt worden. Den Ursachen dieser Erscheinung nachzuspüren, bleibt dem Historiker überlassen. Indes die Folge dieser Erscheinung ist, daß die Redaktion der „Reichspost" keine Sorge hegt, welche Maßnahmen das Russentum gegen die österreichischen Geisel treffen wird. Allein die sogenannten „liberalen" Blätter, die „Judenpresse", durste wohl in Erwägung ziehen, daß sie mit der Hervorhebung speziell der „jüdischen" Bevölkerung, die sich gegen russische Gefangene inhuman benimmt, die jüdischen Geisel in Rußland den größten Gefahren ausliefern. In der bekanntlich nicht besonders judenfreundlichen „Kölnischen Zeitung" vom 10. Juli lesen wir auf der ersten Seite einen Artikel: „Reitertaten in Galizien". In demselben heißt es wörtlich: „Die Russen flüchteten zumeist in der Richtung auf C., ein größeres Dorf mit meist jüdischer Bevölkerung. Sie an einem Festsetzen bei dem Dorfe und in den in der Nähe liegenden großen Steinbrüchen zu verhindern, war unsere Aufgabe. . . . Unseren ersten Siegeszug machten wir auf das Dorf C., und ich muß sagen, das ging uns an die Nieren, so was vergißt man niemals. Die ganze .Bevölkerung, Kind und Kegel, stand auf den Straßen und jubelte uns zu, und . wiederum mußten wir höllisch aufpassen, daß unsere Gäule niemand verletzten, denn man riß uns fast von den Pferden. Blumen, Blumen, nichts als Blumen sah man, die Leute plünderten Garten und Feld, um uns damit zu überschütten, und noch nie sah ich eine größere und rührendere Begeisterung wie in C. Unseren Leuten, die doch schon viel mitgemacht hatten und wohl schon ziemlich abgestumpft waren, wurden die Augen feucht, und auch ich schäme mich nicht, zu sagen, daß ich tief gerührt war. Zu essen hatten die Einwohner selbst nicht mehr viel, dafür hatten schon die Russen gesorgt, die zudem auf ihrem Rückzug noch alles, was sie erwischen konnten, mitgeschleppt Hatten, doch das Wenige, was die Einwohner noch besaßen, brachten sie uns. Auf unser Vorhalten, sie hätten dann selbst nichts mehr, war die allgemeine Antwort, jetzt sei alle Not zu Ende, und das Vaterland würde schon für seine Kinder sorgen. Einige Russen, die . sich in den Kellern und Scheunen des Dorfes verborgen halten, wurden hervorgeholt, und ich muß sagen, die Haltung der Einwohner diesen Gefangenen gegenüber, die ihnen noch vor wenigen Stunden den Herrn gezeigt hatten, und die Armen auf alle mögliche Art und Weise drangsalierten, war tadellos. Nirgends hörte man ein gehässiges Wort, nirgends wurden die Gefangenen mit Schadenfreude betrachtet, dazu hatten die Leute gar keine Zeit. Jedes andere Gefühl ging in dem einer großen Freude, emes großen Glückes uÄer."