Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 32 (6.8.1915)
- Date
- 1915-08-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Jahrgang XXXII Nr. 32 Dr. Bloch’s Zentralorgan für die gesamten Interessen des Judentums. Wien?6?August 1915 Brscbetnt jeden Freitag. Brief-Adresse: Wie», II/i, Praterstraße 9. Telegramm-Adresse: Bloches Wochenschrift, Wie». 0(r= =.r ■ ==qo p A. k. Postsxsrksstrnamt Llearing-Verkebr Mr. S10.S76. Äedaktion und Administration: Wien II/i, Praterstraße 9. Ij Telephon 45.359nP -- —- - Qo O Cr --— - — 0 D«r»ssprris für Veflerreirh: DO c? Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplars 50 Heller. Für das Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. * Anzeigen: Die 2mal gespaltene Petitzeile 48 Heller. OP.: -QO Inhalt: Leitartikel: Eine Verleumdung der Lemberger Inden. — Kriegsdekorationen jüdischer Offiziere und Soldaten. Auszeichnungen für Samariterdienste. Hohe Auszeichnungen für Feldmarschall-Leutnant Kornhaber von Pilis. Oberleutnant Jzidor Porgesz., Ein Dementi. Dr. Erwin Haas. Festgvttesdienst im Felde anläßlich der Wiedereroberung von Lembergs Ein Abendgebet mit russischen Kriegsgefangenen. Ungarisch-jüdische Helden. Jüdische Familien im Felde. Leutnant Stern. Kadett Isaak Israel. Kadett Wolf Fisch. Auszeichnungen jüdischer Krieger mit dem Eisernen Kreuze. Befördert. Ein Aufruf der jüdischen Arbeiter.^ Familienbeschlllß des Geschlechts Bassevi von Threwenberg anläßlich der Siege unserer Armee. — Korrespondenzen: Zur Frage des israelitischen Gemeindebundes. Komitee zur Unterstützung der notleidenden flüchtigen Kantoren aus Galizien und der Bukowina. Eine Sparkasse zur Versicherung gegen Verfolgung von Juden. Chewra-Kadischa Wien. Sammlung des Zentralhilfsfonds für Palästina und der Hilfskommission 1915. Aus dem wiedereroberten Tysmenica. Baden bei Wien. Die Leiden der Stadt Sniatyn durch die Russen. Der Großrabbiner der Türkei beim Sultan. Prof. Israel in Konstantinopel. — Vermischtes. — Feuilleton: In der Grodeker * Synagoge. — Literatur. — Briefkasten. — Notiz. — Inserate. Girre Uerlrmndrrrrg der Krrnbrrgrr Jude«. Im Krakauer „Czas" Nr. 393 publiziert der Landtagsabgeordnete Dr. Jan H u p k a einen Artikel mit einer Enthüllung über die Lemberger Juden, der in oen weitesten Kreisen großes Aufsehen erregt hat. Der Herr Landtagsabgeordnete Dr. H u p k a bringt nämlich die Enthüllung, daß in Lemberg ein großer Antisemitismus um sich greife, weil die Lemberger Juden während der russischen Invasion eigentlich als russophil sich gezeigt haben und bei dem Einzug der Russen in Lemberg zu den absonderlichsten Freudenkundgebungen sich Hinreißen ließen. Sie hätten die russischen Heere mit Blumen überschüttet und die Pferde der Kosaken geküßt. Ja, das ist wirklich im „Czas" zu lesen, düs schrieb der Zalizische Landtagsabgeordnete Dr. Jan Hupka. Es ist gewiß kaum zu besorgen, daß derlei Blödheit irgendwo oder irgendwie ernst genommen werden könnte. Die Geschehnisse in Galizien spielten sich in voller Oefsentlichkeit ab und die Anwesenheit der reichsdeutschen Heeresteile hat es bewirkt, daß für alle Vorgänge klassische und unbestechliche Zeugen sind. Ein anderes Moment interessiert die Oefsentlichkeit. Bekanntlich haben der berühmte dänische Schriftsteller Georg Brandes und der amerikanische Publizist Henry Bernstein, zwei ehemals sehr polenfreundliche Autoren, gegen die Polen in Rußland die Anklage erhoben, daß sie, um Pogrome herbeizusühren, die polnischen Juden bei den Russen als deutsche Spione denunzierten, um sie sodann nach Abzug der Russen und beim Einzug des deutschen Heeres, dieselben Juden, bei der deutschen Heeresleitung als russische Spione anzuschwärzen. Georg Brandes und Henry Bernstein haben diese Anschuldigungen mit einem Aufwand vielen Beweismaterials vor der Oefsentlichkeit unterstützt und polnischerseits gab man sich alle Mühe, diese Anklagen zu widerlegen. Viele Broschüren und Zeitungsartikel sind dieser Ausgabe gewidmet worden. Zum Erfolg dieser polemischen Schriften dürfte es kaum beitragen, wenn nunmehr auch in Galizien die gleiche Methode versucht wird. Die galizischen Juden bei den österreichischen Behörden als russenfreundlich zu denunzieren, offenbart nicht bloß ein hohes Maß von Schlechtigkeit, sondern auch von Dummheit. Der greise Vorbeter der großen Synagoge in Brooy hat, als er vom russischen General den Befehl erhielt, beim Gottesdienst nicht wie bisher für Kaiser Franz Josef I., sondern nur für den Zaren ein Gebet vorzutragen, sich durch Selbstmord der Ausführung solchen Befehles entzogen. Die Geschichte der Juden in Galizien während der zehnmonatlichen Russenherrschast ist ein graudioses Martyrologium. Sie wurden nicht nur — als einzige im Lande — gemordet, gequält, geprügelt, zu Tausenden von Haus und Hof gejagt; ihre Frauen und Töchter geschändet, ihre Kinder wie Hunde erschlagen, ihre Häuser angezündet, ihre Geschäfte geplündert, ihre Gotteshäuser dem Erdboden gleichgemacht, sogar ihre Friedhöfe verwüstet: sie waren nicht nur der Spielball in den Händen jedes Kosaken, jedes besoffenen Soldaten und jedes beutegierigen Tschinowniks — sondern (wiederum als einzige im Lande!) in ihrer Gesamtheit außerhalb des Gesetzes gestellt, weil ne nicht charakterlos genug waren, der alten Herrschaft zu vergessen, ihr mit Undank und Untreue zu lohnen und der neuen Herrschaft zuzujubeln. „Wie sich die Juden gehalten, was sie im Dienste Oesterreichs in Galizien geleistet, was sie in diesen zehn Monaten deswegen erduldet haben, das bildet ein Unvergängliches Denkmal ihrer Reichstreue und ihrer Dankbarkeit," sagte der Berichterstatter deutscher Reichszeitungen. Er sprach so, weil er mit eigenen Augen die Spuren der ausgestandenen Leiden gesehen und mit eigenen Ohren die Berichte der vielen in Lemberg verbliebenen österreichischen und reichsdeutschen Gefangenen gehört hatte. Während seiner Herrschaft konfiszierte Bob r i n s k i alle ruthenischen Zweckvermögen, schloß er ukrainische Banken, verbot er den Gebrauch der ukrainischen Sprache in Druck und Schrift, hob er alle wissenschaftlichen, literarischen, wirtschaftlichen und kulturellen Institutionen aus. Die vornehmsten ukrainischen Intelligenzler im ganzen Lande wurden nach Sibirien verschickt: alle ukrainischen Privatschulen und Schülerheime wurden ge-