Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 30 (23.7.1915)
- Date
- 1915-07-23
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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Sklie 566 Dr. Blüch's Wochenschrift Nr. 30 bischen Propheten. — Mit einem Worte: Die reine Religion, die wir als das einstige, die gesamte Menschheit tzusammenhaltende Band ahnen, wird die Verwirklichung der Religion des Iesaia sein, jene ideale jüdische, von allen beigeinischten Schlacken befreite Religion. — Das Paradies auf Erden, d. i. das von den Propheten erhoffte Zeitalter des allgemeinen Friedens, der Glückseligkeit und der Brüderlichkeit, wird aus dem Beitritt der Menschheit zur Eottcsvcrehrung Israels erblühen." * * * Wir erhalten folgende Zuschrift: Herr Redakteur! In Nummer 21 Ihres geschätzten Blattes, S. 394, spricht Herr Dr. Balaban von „Jakob ben Ezechiel Halevy aus Flatow". Er folgt darin Herrn Rabbiner Dr. Louis Lew in. Dessen Aussatz in der Zeitschrift der historischen Gesellschaft für die Provinz Posen ist mir nicht zugänglichaber ich sah dieselbe Angabe in seiner „Geschichte der Juden in Lissa", S. 271. In Jakob ben Ezechiels -py or Frankfurt a. O., 1716, finde ich aber ausdrücklich angegeben, daß der Autor in geboren ist. Das kam: nur Zlatoiv iin Gouiiernement Kiew sein, denn Jakob beschreibt die Judenverfolgung in der Ukraine, die er, 1648 geboren, .als siebenjähriger Knabe lniterlebt hat. Ergebenst Gotthard Deut s ch. Cincinnati, 24. Juni 1915. Literatur. Jahrbuch der Ung.-Jsracl. Literaturgcsellschast 1915. Vereinsamt, ohne Genossen, ist obiges Jahrbuch heuer in die Welt getreten, keine Beilage begleitet es wie in sonstigen Jahren, trotzdem die verheißene Jugendbibel bereits druckreif vorlag. Die allgemeinen Verhältnisse verordneten auch hier Kriegsbrot! Aber nicht ganz schweigen sollten und durften die Musen. „Im Kreise eines gebildeten Volkes darf die Kulturarbeit niemals rühen", bemerkt Sekretär Dr. I. Bän 6 czi. treffend in seinem kurzen, knappen Kriegsjahresberichte. Und so tritt auch diesinal die alte Garde auf ihren alten Arbeitsgebieten, aber mit junger Schaffensfreude und neuen Themen vor die Oeffentlichkeit. Der neueste Stofs wäre wohl der in jeder Beziehung „vielseitige" Krieg gewesen, dessen Ausbruch hat aber einen Teil der Arbeiten scheinbar schon fertig vorgefunden; ist doch eine Reihe von Beiträgen bereits vor der diesjährigen „stummen" Saison an den Vortragsabenden der Gesellschaft in Budapest und in der Provinz verklungen. So gehen die rein literarischen Arbeiten unserer jungen Aesthetiker Oskar Elek und Al r Harmos, d'e den ungarischen Balladendichter Josef K i ß und den gewesenen Romanzier Baron Sigm. Kemeny zum Vorwurf haben, aus vorjährige Jubiläen zurück. Elfterer weist in kritischer Untersuchung dem greisen Poeten seinen Platz am ungarischen Parnassus an, ohne jedoch seiner jüdischen Begabung und seiner jüdischen Sujets eigentlich gerecht zu werden; letzterer gibt eine recht eingehende, moderne Analyse des Romanes „Die Schwärmer", dessen Hintergrund, die interessante Sabbatäerbewegung in Siebenbürgen, für uns von befondeem, und eben vom Herausgeber des Pechi'schen Sabbatäergebetbuches von näher zu beleuchtendem Interesse gewesen wäre. Ebenfalls dieser, im Vorjahre auch hier besprochenen Edition, resp. dem Sabbatarismus im allgemeinen verdankt die Arbeit des Unterschriebenen ihre Entstehung, die sich „Sabbat und Sabbatarismus" betitelt und eigentlich den Auszug eines dickleibigen Bandes von Dr. L. R. E o n r a d i vorstellt. Der Verfasser, ein Hamburger Missionsdirektor, verfolgt „Die Geschichte des Sabbats" von dessen Anfängen bis zur neuzeitlichen, internationalen Bewegung Siebtentag-Adventisten; zeigt, wie der Sonntag ihm nur mit Gewalt und mit Unrecht den Rang streitig gemacht, daß es aber „auch in den dunkelsten Zeiten seitdem nie an gläubigen Beobachtern des heiligen Ruhetages gefehlt. — Dem ungarischen Publikum aus früheren literarischen Agitationen bekannt ist das warme Plaidoyer des bekannten Publizisten Dr. N. H a j d u für eine moderne, kunst- und lebensvolle Feier des Ehanukkafestes, dessen überzeugende Worte empfängliche Herzen verdienen würden. Mehr nach außen hin wendet sich die in umgearbeiteter Fassung vorliegende Studie des Ofener Rabbinerpoeten Dr. Arnold Kiß über den Messianismus. Sie v^folgt weniger wissenschaftliche Ziele, als apologetische, beweist nicht die Autochthonität des jüdischen Messiasglaubens, sondern führt den sich vom nationalen bis zum Weltfrieden erweiternden messianischen Gedanken durch die jüdischen Geschichte, um zu zeigen, in welch hervorragendem Maße er auf die ethische Entwicklung des Judentums bis heute eingewirkt, Hier findet K i ß stark aktuelle Töne, um manchen neueren Angriffen, z. B. Sombart's, Prohaszka's, Bertholet's, P a u l s e n's gegen den angeblichen Egoismus, Utilitarismus und die moralische Inferiorität des Judentums die Spitze zu nehmen. Apologetik im weitesten Sinne des Wortes, d;o Bejahung des Judentums gegenüber den inneren Judifferentismus, Populär Z:rung unseres Schrifttums, Erwärmung für die jüdische Geschichte bezwecken eigentlich die meisten Beiträge des im B ü n 6 c z i'schen Geiste stets frisch und abwechslungsreich redigierten Jahrbuches. Da wären nebst - obigen Ludwig Szabolcsi^s glänzend geschriebene Zusammenstellung der Sagen über die Königin von Saba zu nennen, sowie die aus Midrasch und Agada belegten lehrreichen Bemerkungen zum Buche Ruth von Rabbiner Dr. B. Edelstein, sin denen uns der belesene Verfasser einen recht vielseitigen Einblick in die Welt des Talmuds gewährt. Prof. Heinrich Lenkei?hat als Dichter demselben poetischen Stoffe ein hübsches Dramolett abgerungen, wie der alternde Boas und die häusliche Ruth — allen gegnerischen Einwirkungen zu trotz — sich gegenseitig unwillkürlich anziehen. Zwei Judengestalten aus dem persischen Nationalepos Schahname behandelt Prof. B. Heller mit der ihm eigenen Wärme und wissenschaftlichen Pünktlichkeit, wohingegen der ebenfalls gründlich gebildete Prof. B. Kohlbach seinem interessanten Stoffe, der Rolle und Bedeutung des Schofars mit ziemlicher Kälte entgegentritt. Wie dir ursprüngliche Hirtenschalmei zum Signalapparat, zur Kriegstrompete und Jubelfanfare, später aber zum kabbalistisch gebrauchten und mißbrauchten Ritusgegenftande wird, der in der sozusagen Beschwörung Gottes und im Kirchenbann seine große mystische Bedeutung erlangt, ist zwar recht anregend zu lesen, aber Aberglauben und Folklore muß nicht bloß verurteilt, sondern auch erklärt werden. — Rabbiner Dr. B. B e r nst e i n und Feldprediger Dr. O. K ü l m a n würdigen zwei jüdische Größen der jüngeren Vergangenheit: der erstere einen seiner Vorgänger, den letzten Oberrabbiner von Nagyküllü, Iesaia Binet, der andere seinen Lehrer, den letzten Polyhistor Deutschlands, Moritz Steinschneider. Zwei ältere, deutschsprachige Dokumente des Eisenstädter Juden Hirschl aus dem 16. Jahrhundert veröffentlicht der tüchtige Kenner unserer Judengemeinden, Bernat Mandl, wohingegen die drei deutsch-jüdischen Chroniken, die uns der verdienstvolle Museumskustos B. F a b 6 vorführt, mit ihren politisch reifen und verläßlichen Bemerkungen über Maria Theresia und ihre Husaren uns bereits in das -einzig aktuelle Milieu, des Krieges hinüberführsn. Selbstredend konnte das Jahrbuch anno Kriegsjahr der „kriegerischen" Beiträge nicht entbehren, obwohl wir den Lehren, Gedanken und Gefühlen des Weltbrandes wahrscheinlich erst im nächstjährigen Bande begegnen werden. Heute erhalten wir als „Leitartikel" des Buches eine zusammenfäfsends Darstellung der Kriegspoesie in der Bibel vom Redakteur Dr. Joses P a t a i farbenprächtig geschildert und mit trefflichen Uebersetzungen des Moses¬ und Deborahliedes, mancher Psalmen- und Prophetenworte erläutert. Vom heutigen Kriege inspiriert ist das „Gebet" K. iS ebestyen's, der wieder mal unter die Poeten gegangen, uns ,aber diesmal aus der Seele spricht. Auch die zwei Gedichte: Ahasver von Alex. M e z e y und „Ein römischer Karneval" von Ignatz B a l l a wecken Assoziationen jetziger Zeit. Ein Aufruf des philanthropisch tätigen R-^g mentsarz es Dr. Jsdor Gl aß im Jnre.essr der im Kriege Erblindeten wird sicherlich nicht ungehört verhallen. Zum Schlüsse — iast not least — bleibt endlich die abschließende Abhandlung des gelehrten Seminarprofessors Mich. Guttmann über Israels Kriege. ..Die Arbeit enthält mehr als der Titel besagt; man könnte sagen eine Realencyklopädie sämtlicher Gegenstände und Begriffe, die in der altjüdischen Kriegsführung Vorkommen, an der Hand von Bibel und Tradition vorZeführt, nnd zwar in so allumfassender Weise, daß der Verfasser — «vohl um sein „Werk" nicht noch umfangsreicher zu gestalten — an Wielen Stellen sich bloß mit den Hinweisungen begnügen mußte, wo .doch das Publikum sicherlich auch die alten Beschreibungen ehemaliger Mobilisierung, Verpflegung, Kundschafterwesens ufw/ gerne gelesen hätte. Neben der leblosen Archäologie erhallen wir natürlich auch ein Bild jener ethischen Auffassung über den Krieg, wie sie in der Thora und den Profeten niedergelegt — und ibis heute kaum erreicht ist. Als Anhang an den literarischen Teil folgt dem Rechenschaftsberichte heuer statt des Namensverzeichnisses der Mitglieder, das nach dem im Vorjahre begonnenen Rückgang heuer scheinbar ein beträchtliches Manko auszuweisen hätte — die Milgliedsbeiträge gingen von Kr. 13.400 auf Kr. 6600 zurück — kdas vielverheißende Zeichen einer neuen Kulturschöpfung des ungarischen Judentunts. Von sachkundigen Händen zusammengestellt gibt das Ilng. Jüd. Museum hier den ersten Teil seines beschreibenden Katalogs, zirka 500 Nummern von Tempelbauten und Ritusgegenständen enthaltend. Ihrer Fortsetzung und Ergänzung durch das opferfreudige Publikum dürfen wir ebenso, wie einer kräftigen Erholung der einzigen Literaturgesellschaft Ungarns in ruhigeren Zeilen mit Vertrauen entgegenschauen. Szökessehörvär (Stuhlweißenburg). Dr. A. Für st.