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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-07-23 · 30 (23.7.1915) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
30 (23.7.1915)
Date
1915-07-23
Page
– (sequence 16)
Language
German
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564 Nr. 30 Dr. Bloch'S Wochenschrift Wien. Der Verein von Kinderfreunden in Wien (Asyle in Wien, 19. Bez., und Zillingsdorf, Nied.-Oesterr.) gibt hiermit bekannt, daß am 1. August d. I. im Wiener- Asyle einige Plätze für Knaben und Mädchen zur jBesetzung gelangen. Aufnahme finden Kinder österreichischer, ungarischer oder reichsdeutscher Landeszugehörigkeit, ohne Unterschied des Glaubens, deren Väter im Kriege gefallen oder infolge erlittener Verwundungen dauernd erwerbsunfähig geworden sind. Die zur Aufnahme gelangenden Kinder müssen das sechste Lebensjahr erreicht, dürfen jedoch das neunte Lebensjahr nicht überschritten haben und müssen vollkommen gesund sein. Gesuche sind an das Vereinssekretariat, Wien, 1. Bez., Kärntnerstraße Nr. 51, zu richten. Wien. Donnerstag, den 15. Juli d. I., ging die erste Kolonie des Humanitären Vereines „Kinderstütze", Wien, 16. Bez., Hubergasse Nr. 8, unter der Leitung des Obmannes Herrn Ph. Blau und des Stellvertreters Herrn E. Donath, nach Liliendorf in Mähren ab. Die Kolonie bestand größtenteils aus verlassenen Waisen-, sowie aus hier wellenden Fiüchtlingskindern. Eine zweite Kolonie fährt Mitte August d. I. eben dorthin. Die Vereinsleitung spricht hier auf diesem Wege allen seinen edlen Gönnern und Spendern, die dem Vereine ermöglichten, auch heuer, im Kriegsjahre, zwei Kolonien entsenden zu können, den innigsten Dank aus. Zuschriften und Spenden bittet man an die Vereinsadresse, Wien, 16. Bezirk, Hubergasse Nr. 8, richten zu wollen. Auitritte aai dem Judentum vom 11. bis 17. Juli 1915. Fischer Gertrnde, Private, geb. 23. Dezember 18s3 in Wien, XIII. , Töpfelgasse 8. Fried Otto, Bürgerschüler, geb. 5. Juli 1901 in Kloslerncuburg, XIV. , Kauergasse 8. Holiczer Amalie, Privatbeamtin, geb. 24. S ptember 1889 in Warschau, IX., Bindergasse 8. Holiczer Lnzie, Private, geboren 14. Februar 1887 in Warschau, IX., Bindergasse 8. * * * Haböck Marie geb. Badstöbar, geb. 17. März 1873 in Niederabsdort, verheiratet, Poslbeaintensgattin in Niederabsdorf. Kanitz. Aus Anlaß der Wiedereroberung von Lemberg sandten die Kriegsslüchtlinge an die Kabinettskanzlei Sr. Majestät ein Huldigungstelegramm, auf welches dem Obmanne des Hilfskomitees für Kriegsslüchtlinge in Kanitz Rabbiner Dr. H. Flesch nachstehender Erlaß zugekommen ist: K. k. Bezirkshauptmannschaft Brünn. Zahl: 2330/A. am 12. Juli 1915. An das Hilfskomitee für die Kriegsflüchtlinge in Stadt Kanitz. Im Allerhöchsten Aufträge beehre ich mich, über Erlaß des Ministeriums des Innern vom 28. Juni 1915, Zahl 13261/M. I., für die zum Ausdrucke gebrachte. Loyalitätskundgebung den Allerhöchsten Dank bekanntzugeben. Der k. k. Statthaltereirat: Schön. Die Tochter Theodor Hrrzls bei der Herzlfeier in Maricnbad. Am 11. Juli fand im Saale des Hotel „National" eine schöne Herzlfeier statt, deren Zustandekommen der Initiative und Energie des Herrn Architekten Gg. Leo R o st o w s k i zu danken ist. Eine angenehme lleberraschung für das Publikum war das Erscheinen der Tochter des großen Verblichenen, des Fräulein Trude H e r z l, welche einer Einladung des Komitees Folge leistete. Sie wurde sehr herzlich empfangen und Beifall, Händeklatschen und Hedadrufe wollten nicht enden. Das sehr reichhaltige Programm hielt das Publikum über drei Stunden im Saale ^auf. Die Begrüßungsansprache hielt in hebräischer Sprache Herr Lehrer M. B e r l. In einer zirka eine Stunde währenden deutschen Festrede schilderte Herr cand. jur. Abraham I n s l e r die Bedeutung H e r z l s für das jüdische Volk in geschichtlicher Beleuchtung und würdigte in begeisterten Worten seine Persönlichkeit. In der Schlußansprache kam der hiesige Bürger Herr Siegfried V u X b a u m, Besitzer des Bankhauses Lucker und Schloß Miramare, der insbesondere als Präsident des Hilfskomitees für gallzische Flüchtlinge sich große Verdienste erworben hat und sehr viel Ersprießliches leistet, auf einige aktuelle jüdische Fragen zu sprechen. Mit -dem Absingen der Hatikwah fand die Feier, der auch der hiesige Rabbiner Herr Dr. Diamant beiwohnte, ihr Ende. Das Reinerträgnis ist dem Palästinahilfsfonds und dem Roten Kreuze .zugeflossen. Wer weiß? Salomon Bleich aus Neu-Sandek, wohnhaft in Mähr^-Ostrau, sucht seinen Sohn Pinchas Derfchawitz, recte Bleich, aus Neu- Sandek. Nachrichten an Rabbiner Dr. Spira, Mähr.-Ostrau. Abraham Jfak Rot aus Stesnica, Post Baligrod, sucht seine beiden Töchter Rachel und Tschawe Rot. Ges. Mitteilung an Oberkantor Wilkowitsch in Cger. Zwei Mädchen Schußler aus Nadworna, gegenwärtig in Arnau (Böhmen), Studentenheim, bitten um Nachricht über den Aufenthalt ihres Vaters Elias Nachmann Schützler aus Nadworna. Feuilleton. „An jene« Prilach Abrrib" (Historische Untersuchungen). Vortrag, gehalten am 31. März 1915 (am zweiten Pessach-Tage) im Festsaale des „Hotel Post" in Wien, über Einladung des Vereines zur Abwehr des Antisemitismus. Von Prof. Dr. Majer Valaban. x. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts mehrten sich die Prozesse und wurden so blutig, daß die polnischeir Juden in Verzweiflung gerieten. Nach den Prozessen in Zytomierz, (beigem jeinundzwanzig^ Juden >umj Hr Leben ßameü, und in Jampol schickten die Juden Polens einen Gesandten an den Papst mit der Bitte, Recht zu schaffen. Ässer Ben Eliakim Selig stellte die Sache dem Heiligen Stuhl vor und Benedikt XIV. übergab die Angelegenheit dem Kardinal Lorenzo Ganganelli. Das Urteil dieses Mannes (1758) — der nachher Papst lvurde — war für die Juden sehr günstig. Er erklärte das Ritualmärchen für einen Wahn und verdammte die Äirchenfürsten, die derartige Prozesse in Szene setzten. Noch während Ganganelli durch Vermittelung der päpstlichen Notare die Prozesse in Zytomierz und Jampol (d. i. den Vorgang der Bischöfe Soltyk und Wolowicz) untersuchte, reifte unter den polnischen Juden eine Bewegung, die für.sie unheilbringend war. Während der Kardinal dem Asser Ben Eliakim Selig (Jakob Selig) Empfehlungsschreiben an den Nuntius in Warschau gah. forderten die vor der Taufe stehenden Frankisten die Juden zu einer Disputation auf, bei der sie die Existenz eines Blutrituals bei den Juden Nachweisen wollten. Ich habe an anderer Stelle über diese Dinge gesprochen und geschrieben,*) hier will ich nur bemerken, daß aller Wahrscheinlichkeit nach der Punkt über das Blutrituale von geistlicher Seite den Frankisten aufgedrungen wurde. Die historischen Belege habe ich in einem besonderen Aufsatz geliefert, der im nächsten Jahrgang des Hakedem (Berlin) erscheinen wird.**) Der Frankistendisput und die Massentaufe dieser Ueberläufer gaben zu neuen Ritualprozessen Anlaß (Przemysl 1759, Wojslawice 1761), deren Ausgang sehr blutig war. Das Ende des 18. Jahrhunderts stand aber schon unter dem Einfluß der französischen Enzyklopädisten, die *) Siehe meine Skizzen und Studien zur Geschichte der Juden in Polen (Berlin 1911), Abschnitt VI: Das offizielle Protokoll der Frankistendisputation in Lemberg im Jahre 1759. **) Meinen ersten Aufsatz über dieses Thema siehe HakedemV Berlin 1913.

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