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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-07-23 · 30 (23.7.1915) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
30 (23.7.1915)
Date
1915-07-23
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 560 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 30 sich Zog, der schließlich mit dem Freispruch aller Angeklagten endete. Vary war damals ein junger Mensch, der sich einen Namen machen wollte. Da die antisemi-« tische Strömung zu jener Zeit in Ungarn ziemlich mächlig schien, die antisemitischen Abgeordneten stets hinter ihm her waren und der iJustizminister Pauler seine schützende Hand über den kleinen Untersuchungsrichter in oer Provinz breitete — Dr. Pauler wollte nämlich beweisen, daß die Justiz in Ungarn nicht beeinflußt werden kann — blieben alle Angriffe gegen Vary in der Presse und im Parlament wirkungslos. Vary war jedoch ein Fanatiker und ein Streber dazu, so daß die hohe Protektion keine guten Früchte trug. Er wollte um jeden Preis Beweise für seinen Verdacht haben und drückte ein Auge zu, so oft ihm von durchaus verdächtiger Seite neue „Beweise" geliefert wurden, auf die er dann seine Anklage aufbaute. Freilich fiel diese Anklage in sich selbst zusammen, als sie von der hellen Sonne im Gerichtssaa! beschienen wurde. Wer in jenen heißen Sommertageu im Komitatshaus zu Nyiregyhaza den Untersuchungsrichter Vary beobachten konnte und sah, wie er sich wütend gebärdete, als der geniale Verteidiger Karl Eöt - vös — auch dieser ist seither krank, still und wortlos geworden — die;' Anklage ,in Fetzen riß,!der wird keine gute Meinung von Bary gewonnen haben. Und wenn nun erzählt wird, Bary habe, als er zum Gerichtspräsidenten in Großwardein ernannt wurde, dem Rabbiner der dortigen orthodoxen israelitischen Gemeinde einen Besuch abgestattet, angeblich bloß von dem Wunsche beseelt, ihm die Hand zu drücken, der wird sein Urteil über den Verblichenen raum zu revwreren imstande sein. Denn der maßlos fanatische Antisemit als Verehrer des jüdischen Rabbiners macht umso weniger eine gute Figur, als in Großwardein nicht die Antisemiten, sondern die Philosemiten seit jeher die führende Rolle innehatten. Korrespondenzen. Mädchen-Unterftützungsverein. An den Schulen dieses humanitären Vereines hat das Schuljahr am 26. Juni, bezw. 14. Juli, geschlossen. Sowohl in der Frauengewerbeschule (67), als in der Handelsschule (117) und im Bürokurs (42 Schülerinnen) waren die Unterrichtserfolge sehr befriedigend. Von den Zöglingen der beiden letzten Kurse sind bereits eine Anzahl angestellt. Den Absolventinnen der Frauengewerbeschule verleiht das Abgangszeugnis die Berechtigung zum Antritt des Damenkleidermachergewerbes. An der Kriegshilfsaktion haben sich die Schülerinnen durch Ansertigen von Militär- und Krankenwäsche, für welche der Vereinsvorstand das Material lieferte, sowie durch Strickarbeiten in reichem Maße beteiligt. Außerdem wurden im abgelausenen Schuljahre sechs Beschäftigungskurse, teils kaufmännischer, teils gewerblicher Richtung für Flüchtlinge abgehalten. Sie waren von 176 Schülerinnen besucht. Auch hier wurde der Unterricht unentgeltlich erteilt, wurden Lehrbücher, Anweisungen auf den Mittagstisch, Kleidungsstücke verabfolgt. Die Aufnahme für das Schuljahr 1915/16 hm bereits stattgefunden, für die wenigen noch vorhandenen Plätze, werden Anmeldungen am 14. September in der Schulkanzlei, 9. Bezirk, Seegasse 16 4, entgegengenommen. Beizubringen sind Geburts-, Schulentlassungs-, sowie letzterhaltenes Jmpfzeugnis. - Der neue israelitische Friedhof. Das zur Beurteilung der eingelangten Wettbewerbsarbeiten für den neu zu errichtenden Friedhof der Wienerisraelitischen Kultusgemeinde eingesetzte Preisgericht (Vorsitzender Stadtbaudirektor Ingenieur Heinrich Goldem u n d) hat einhellig den ersten Preis von 4000 Kronen dem Projekt „Neugebäude", Verfasser Architekt Adolf Oberländer, Wien, 9. Bezirk, Ferstelgasse Nr. 4 (gärtnerische Raterteilung Titus Wotzy), zuerkannt. An Stelle des in der Ausschreibung vorgesehenen zweiten und dritten Preises von 3000 Kronen, bezw. 2000 Kronen, wurde je ein zweiter Preis im Betrage von 2500 Kr. zuerkannt: dem Projekt „Nekropolis", Verfasser Architekt Dr. Stephan F a y a n s, Wien, 8. Bezirk, Hamerlingplatz Nr. 7 (Mitarbeiter Gartenarchitekt Titus Wotzy. Wien, 21. Bezirk, Alte Donau Nr. 35), und dein Projekt „1. Nissan", Verfasser Architekt Ernst Lichtblau, k. k. Professor, Wien, 13. Bezirk, Ober-St. Veit, Schweizertalstraße Nr. 30. Ferner hat das Preisgericht beschlossen, dem Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Wien zu empfehlen, das unter dem Kennwort „Klagenlauer" (Verfasser derzeit noch unbekannt) eingereichte Projekt um den in der Ausschreibung vorgesehenen Betrag von 1000 Kronen anzukaufen. Die Projekte sind bis Mittwoch, den 28. d. M., .im Sitzungssaale der israelitischen Kul-> tusgemeinde, Wien, 1. Bezirk, Seitenstettengasse Nr. 4, 2. Stock, ausgestellt. Die Besichtigung ist täglich (mit Ausnahme von Samstag) in der Zeit von 9 Uhr vormittags bis 3 Uhr nachmittags gestattet. Mittclstandskliegsmitagstisch für Handelsangrstcllte und andere Angehörige des Mittelstandes, Wien. 1. Bezirk. Franz Josefs-Kai 47 (Ecke Heinrichsgasse). Ueber Anregung der Frau Hermine Kadis ch, der aufopferungsvollen und herzensguten Leiterin der beiden Volksküchen nach israelitischem Ritus, die seit ihrem Bestände drei Millionen Ausspeisungen vorgenommen' haben, wurde am 19. Juli in aller Stille unter den Auspizien des hochverdienten Volksküchen-Vereines ein neues Unternehmen ins Leben gerufen, welches bestimmt ist, die immer schwieriger werdende Lage des Mittelstandes in dtzr Kriegszeit und, wenn es Beifall und Lebenskraft erringt,' auch nach dem Kriege zu verbessern. Wenige Wiener Restaurants weisen einen so schönen Parterresaal mit Aussicht ins Grüne, so schön und /geschmackvoll gedeckte Tische auf. Für achtzig Heller wird Suppe, ein großes Stück Fleisch, Zutat und ein Stück Brot verabreicht, für zwanzig Heller eine ausgiebige Mehlspeise. Schon am ersten Tage hatten sich über hundert Gäste eingefunden, welche der Frau K a d i s ch ihre volle Zufriedenheit ausdrückten und nieist gleich Abonnements per Woche nahmen, da diese Ausspeisung nur für Wochenabonnenten zugänglich ist. Bezirksrat Back hielt eine ergreifende Rede und machte eine namhafte Spende zu dem Zwecke, dem Philipp Ritter von Schüller 3000 Kronen gewidmet hat. Polizeirat P o l d t war namens des Polizeipräsidiums erschienen, die sonstigen Ehrengäste, Architekt Wilhelm F r e n k e l, Dr. Arnold Hildesheimer, Dr. Grünwald, Direktor Kahane und Frau, Herr Dr. Moriz L ö w y von der Zentralstelle, Frau Clotilde Benedikt von der „WeMichen Fürsorge" und Herr K a d i s ch, machten sich sofort bei der Bedienung nützlich, so daß ein Komtur des Franz Josef-Ordens seine 'am Kriegsschauplätze gesammelten Erfahrungen gleich als Koch und Kellner im Geiste seiner unvergessenen Mutter dienstbar machte. Diese vorzügliche Einrichtung verdient von den Gremien, Gehilfenausschüssen re. die weitgehendste Förderung, besonders da sie in allen Bezirken — und zwar streng rituell — eingeführt werden soll. Der Bürgermeister der Stadt Wien gab sein lebhaftes

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