Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 30 (23.7.1915)
- Date
- 1915-07-23
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 30 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 559 Sir Kdgar Speyer verläßt Hngümd Airs beit Tagesblättern ift es bekannt, daß sowohl Einest Cassel als auch Edgar Speyer ihre englischen Titel Niederlegten . als Protest gegen die Angriffe, welchen sie ausgesetzt waren, bloß deshalb, weil sie deutscher Abstammung sind, trotzdem sie schon seit Jahrzehnten die englische Staatsbürgerschaft besitzen. Sehr bezeichnend für die gegenwärtigen Verhältnisse und den um sich greifenden Deutschen- und Judenhaß in England ist, wie ans Zürich geschrieben wird, der Entschluß Sir Edgar Speyers, England zu verlassen und nach Amerika zu gehen. Sir Edgar Speyer erklärte wohl, daß er bloß über den Sommer nach Anrerika gehe und die Absicht habe, tut Herbste wieder zurückzukehren, seine Umgebung ist jedoch der Meinung, daß er über Anregung seiner Verwandten England verläßt, da er sonst Gefahr laufen würde, infolge der stetigen Hetze der englischen Presse aus dem geringsten Anlasse vor Gericht geschleppt und eventuell auch verurteilt zu werden. Es ist nur selbstverständlich, daß die chauvinistischen englischen Blätter, welche erst seine Jnternieruttg gefordert hatten, nunmehr darüber außer sich sind, daß er das ungastliche Ettgland verläßt. Kie Kenrchsnerve« des Kaffes. Der in feindlichen Ländern jetzt im vollen Schwünge sich äußernde Deutschenhaß entspricht bis auf jeden Punkt dem Judenhaß. Alle antisemitischen Anklagen gegen die. Juden kehren nahezu wörtlich wieder in den antideutschen Schriften der Engländer, der Franzosen und Italiener. Selbst Chamberlains Kampfmethode gegen die jüdische Rasse wird bis auf jeden Zug von den antideutschen Schriftstellern nachgeahmt. Nur ein einziges Moment hat bis jetzt gefehlt, d. i. der „Judengeruch": der * foetcr Jndaicus«, der sein Entstehen einer literarischen Fälschung eigentümlicher Art verdankt („Oesterr. Wochenschrift" Nr. 13, 1892), hat bis jetzt in der antideutschen Literatur keine Parallele gesunden. Wir waren aber sicher, daß auch das noch kommen dürfte und daß wir früher oder später dem ,,Gerüche der Deutschen" begegnen werden. Richtig lesen wir das im „Pester Lloyd" vom 11. Juli Einen „Geruch der Deutschen" gibt es so wenig wie einen „Judengeruch": nur Eines existierst icher, nämlich: Geruchsnerven des Hasses. Der Geruch der Deutschen. Das Pariser „Journal des Debats" veröffentlicht einen Artikel, der vom Geruch der Deutschen handelt. „Jede Pflanze," heißt es dort, ,§at ihren Duft. Der der deutschen Pflanze heißt „Bromhidrose"; der Name kommt aus dem Griechischen: „Hidrose" bedeutet Schweiß und „Bromos" Gestank. „Bromhidrose" wäre also mit „übelriechender Schweiß" zu übersetzen. Die Deutschen nun riechen so stark nach Schweiß, daß der Geruch allein schon unseren Fliegern die Anwesenheit feind licher Truppen offenbart; und dieser Geruch ist so beharrlich und durchdringend, daß er noch mehrere Stunden nach dem Durchzug preußischer Soldaten itt der Luft schwebt; zwei Jahre brauchte man, um ihn im Hospital zu Beaujon aus den Räumen, die 1870 mit deutschen Verwundeten belegt waren, wieder verschwinden zu lasset!. Man darf aber nicht glaubett, daß der übelriechende Schweiß ttur bei den im Felde stehenden Armeen zu finden ist: mitten im Frieden beleidigt er feine elsässische Nasen so sehr, daß — was man nicht für möglich halten würde — die Fahnenflucht elsässischer Soldaten ofc einzig und allein auf ihn zurückzuführen ist. Der Schweiß ist ganz Deutschland gemeinsam, kommt aber besonders in Brandenburg, Mecklenburg, Pommern, und Ostpreußen vor. Er ist unabhängig von der Hautfarbe, mit der einzigen Einschränkung, daß er bei blonden Menschen dem Gestank ranziger Fette gleicht, während er bei brünetten an den Geruch verdorbener Wurst erinnert. Und er ist so eigenartig und kennzeichnend, daß Dr. Berillon in einer Schule einen Deutschen, der sich als Elsässer hatte aufnehmen lassen, sofort ans vielen Hunderten von Menschen Heraussand." Diese Ausführungen könnten bei Lesern, die wissenschaftlich nicht so gebildet sind wie der Autor im „Journal des Debats", leicht den Eindruck vo-t Halluzinationen eines Tollhäuslers machen — bemerkt hierzu die „Frankfurter Zeitung" - urtd tvir beeilen uns, daher zu bemerken, daß ihnen eine zm treffeude Beobachtung zugrunde liegt. Die Den scheu von 1870 7 t und auch die von 1011 15 stehen allerdings in einem besonderen Geruch, der vott dem Schweiß ihrer ebenso großen tute siegreichen Kriegsarbeit herrührt: man darf ihn aber nicht mit dem ge>rähnlichen Schweißgeruch verwechseln, wie es das „Journal des Debats" tut: dieser spezifisch deutsche Schweiß hat auch die charakteristische Bezeichnung Siegesschweiß oder (griechisch) Nilohidrose erhalten. Der neue Präsident der Londoner United Synagogue. Bekanntlich war der jüngst verstorbene Lord R o t ly s cf) i 1 b auch Präsident der großen jüdischen Gemeinde in London, welche unter dem Namen Uniteb Synagogue bekannt ist. Wie nun aus Kopenhagen gemeldet wird, hat einer Londoner Meldung zufolge Mr. Leopold de R o t h f ch i l d, ein Bruder des Verstorbenen, sich bereit erklärt, die auf ihn gefallene Wahl zum Präsidenten der Gemeinde anzunehmen. Leopold de Rothschild steht schon seit langem an der Spitze verschiedener jüdischer Aktionen in England tutb hat ganz besonders feiner-- zeit die Plätte Israel Zangtvitls sowohl durch pevsönliche Mitarbeit, als auch durch Geldunterstützungen gefördert. Unbekannte jüdische Uotksstärnme l Ein arabisch sprechender Jude namens Jusstts Ben Jakob A ch u> a u kam kürzlich nach Jerusalem und behauptete, daß er zu einem jüdischem Vottsstanune gehöre, der nomadisierend itt der Wüste wohne und sich attgenblicklich fünf Tagreisen von .Koweit, also itt der Nähe des Persischen Meerbusens, befinde. Wie er angab, gehören zu seinem Stamme etwa 25.000 jüdische Familien, die in Zelten wohnen und Viehzucht treiben. Die unter ihnert lebende Tradition besagt, daß sie „zur Zeit des ersten Tempels" in die Wüste verpflanzt worden sind. Auch ist ihnen der walinud bis auf den hemtigen Tag unbekannt geblieben. Sie glauben, Nachkommen Jonadabs, des Sohnes Rechabs, zu fein, der im Propheten Jcremia erwähnt wird. Achwan versichert, daß in Bälde tvohl viele seiner Stammesbrüder nach Palästina einwandern würden. Neben dem Arabischen spricht er ein gutes Hebräisch. Wie weiterhin bekannt wird, sollen östlich von Bagdad in tiefer Abgeschlossenheit noch mehr Niederlassungen jüdischer Volksstämnte vorhanden sein, von denen etliche geradezu festen Städten gleichen. Die Verbindungswege zu ihnen, sind äußerst schwierig und gefährlich und kaum bekannt. Ihre Sprache ist ein stark v e r d o r b eite s H e b r ä i s ch. Der Tlniersuchungsrichter im Urozek von Hisza- Kszkar. Aus Budapest tvird geschrieben: Wenige unserer Zeit? genossen denken noch an den Prozeß von Tisza-Eszlaw der vor dreißig Jahren nicht nur. Ungarn, sondern auch ganz Europa im höchsten Maße erregte oder doch interessierte. Fast alle Hauptpersonen dieses Prozesses sind vott der Bildstäche verschwuttden. Nun ist auch der einst vielgehaßte und geschmähte Untersuchungsrichter Josef Bary gestorben, der eigentlich schuld daran trug, daß aus einem Dorftratsch ein sensationelles Blutmärchen wurde, das eilten langwierigen, peittlichett Prozeß ttach