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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-07-23 · 30 (23.7.1915) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
30 (23.7.1915)
Date
1915-07-23
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 553 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 30 Reidenstein. Musketier Oppenheim erhielt die Badische silberne Verdienstmedaille am Bande des Karl Friedrich-Ordens. Nürnberg. Bernhard Bing, Vizewachtmeister bei der Landsturm-Artillerie, ist mit dem Bayerischen Militäroerdienstkreuz ausgezeichnet worden. — Vizefeldwebel Hans Schottländer irti Reserve-Infanterieregiment 68, Inhaber des Eisernen Kreuzes, Sohn der Witwe Frau Elise Schottländer, verdiente sich die Sachsen-Meiningensche Tapferkeitsmedaille. F.i^ F o r ch h e i m e r, Vizewchtmstr. im ersten schweren Reiterrgmt-, zugeieilt zum Stabe der bayer. Kavalleriedivision, ist mit dem Bayerischen Militärkreuz zweiter Klasse ausgezeichnet worden; Oberstabsarzt Dr. Steinheim er erhielt den Bayerischen Militäroerdienstorden vierter Klasse; Lazarettinspektor Dr. Gustav Kahn ist das Bayerische Militäroerdienstdeuz zweiter Klasse verliehen worden. Obdach. S. S ch l o r ch, Gefreiter im Feldartillerieregiment Nr. 14, ist mit der Badischen großen silbernen Verdienstmedaille ausgezeichnet worden. Obersorg (Oberhessen). Reservist Grünewald, im 116. Regiment (Gießen), 16. Kompagnie, erhielt die Hessische Tapferkeitsmedaille. Railschenberg (Bez. Cassel). Wehrmann Isaak Katz-Stiefel, im Reserve-Infanterieregiment Nr. 83, verdiente sich die Hessische Tapferkeitsmedaille. Ratibor. Die Rote Kreuzmedaille 3. Klasse erhielten Schwester Marta Kurgan und Schwester Irene Lieb recht, zurzeit im Kriegslazarett zu Laon, Tochter de; Adolf Liebrecht. Tündern. Kriegsfreiwilliger I. Jonas, erhielt das Olde/iburgische Friedrich August-Verdienstkreuz. Uhlstädt. Dr. Peiser, zurzeit leitender Arzt in einem Res.- Lazarett, erhielt das Herzoglich Meiningische Ehrentreuz für Verdienste im Kriege 1914/15. Wilmersdorf. Heinrich Dresel, Kriegsfreiwilliger, Sani äl, wurde mit der Roten Kreuzmedaille ausgezeichnet. — Die Rote Kreuzmedaille erhielt stud. ing. Edgar Schlesinger. Die Kehe gegen Deutsche und Juden in Kurland. Die „Frankfurter Zeitung" veröffentlicht einen Brief, den ein baltischer Deutschrusse geschrieben hat, dem es gelungen ist, aus Riga den Drangsalierungen der russischen Behörden zu entkommen. Die Verhältnisse bei uns — heißt es in dem Schreiben — wurden immer scheußlicher. Je näher bte Deutschen rückten, um so verrückter wirtschafteten die Russeir, ja man hatte das Gefühl, es machte ihnen direkte Freude, die battischen Untertanen zu quälen. Täglich wurden Verhaftungen vorgenommen, ohne Untersuchung Menschen ins Gefängnis gesteckt, unter gräßlichsten Bedingungen Hort sestgehalten. Eine /alte «achtzigjährige 'Baronin aus Mitau haben sie verschickt ins Innere des Reiches. Es. brauchte nur ein Lette hinzutaufen, ein Wort zu sagen, so kamen Kosaken ins Haus und man wurde gebunden weggeführt. Jedenfalls unbeschreibliche Zustände, die einzig in der Geschichte dastehen werden. Dann kam zum Schluß die Judenhetze. Aus ganz Kurland wurden sie im Laufe von sechs Stunden ausgewiesen. Man muß diese Wagenketten gesehen haben, die über die Pontonbrücke gezogen kamen. Todkranke, Sterbende, Tobsüchtige aus den Irrenhäusern, Greise, Kinder, gebärende Frauen, alles in einem endlosen Zuge, obdachlos, ohne Geld, nur mit ein paar zusammengerafften armseligen Habseligkeiten. Grauenvoll! Wir haben an manchen Tagen 33.000 gehabt, die gespeist wurden, und aus den Straßen lagen. Nur weil sie Juden sind. Dazu hieß es, aus Riga in zwei Stunden weiter, aber wohin? Auf der Effenbahn keine Waggons zu haben, die Regierung verweigert jede Hilfe, alle mußten ihre Fahrkarten selbst bezahlen und waren vorher ihrer Sachen von derselben Regierung beraubt worden! Einige von ihnen, wohlhabende Leute, Hausbesitzer usw., sind in sechs Stunden Bettler geworden. Ist so etwas denkbar? Eigene Untertanen! Aas furchtbare Märchen über Kuschi. Aus Kopenhagen wird berichtet: Wochen hindurch beschäftigte sich die russische antisemitische Presse in allen möglichen Variationen mit der Affäre Äischi. Der in Kuschi angeblich festgestellte Landesverrat der Juden begann zu einer allgemeinen Losung der Judenfeinde zu werden. Das russische Armeeblatt „Nasch Westnik" hatte die schreckliche Mär des „jüdischen Verrats ohne weiteres veröffentlicht. Danach sollten die Juden des Städtchens Kuschi in ihren Kellern viele deutsche Soldaten lierftcrft und sie auf eine russische Militärabteilung, als diese in das Städtchen einzog, losgelassen haben. Auf solche Weise wären viele russische Soldaten, darunter der Oberst Wawilow, dem Verrat der Juden zum Opfer gefallen. Die ganze Beschuldigung nebst den angeblichen Folgen wurde durch die offizielle Petersburger Telegraphenagentur und alle russischen Zeitungen wiedergegeben und an den Säulen, an denen die offiziellen russischen Berichte angeschlagen werden, plakatiert. Alle judenhetzerischen Organe eröffneten danach eine brutale Pogromkampagne, und der russischen Judenheit bemächtigte sich eine fürchterliche Panik. Ungeachtet aller Schwierigkeiten ließen die Juden die Sache an Ort und Stelle näher untersuchen und stellten folgendes fest: 1. Haben in Kuschi, das nicht ein Städtchen, sondern ein Dorf ist, nur drei jüdische Familien gewohnt. 2. Gibt es weder bei Juden noch bei Christen irgend einen Keller. Bei einem Juden gab es zwar eine Art Grube, aber in diese konnte kaum ein Mensch hinabsteigen. 3. Ein Oberst Wawilow ist in Kuschi überhaupt nicht getötet worden. 4. Die Juden von Kuschi sind weder geschlagen, noch gehängt, noch nach Sibirien verschickt worden, sondern befinden sich in Riga, wohin sie mit zahlreichen anderen Juden geflüchtet waren. ... I. A. K. Englische Kriegsmüdigkeit. In England greift die Niedergeschlagenheit über die „wahnwitzige Verlängerung" des Krieges stark um sich. „Sie sollen uns doch endlich ein Kabinett zusammenstellen, das an die Liquidierung des verunglückten Unternehmens geht. Was gäben wir dafür, wenn uns jetzt ein Minister aus. der Klemme ziehen wollte," sagte der Führer einer Abordnung, die bei Herbert Samuel kürzlich vorsprach. Der frühere jüdische Postminister Englands teilte diese Aeußerung dem Herausgeber der „Jewish Times" mit; das Blatt brachte die Neuigkeit, doch wurde sie in einem Teile der Auflage von der Zensur unterdrückt. Verbreitung antisemitischer Literatur in England. Wie tief die öffentliche Meinung in England bereits gesunken ist, beweist die Tatsache, daß nahezu sämtliche englische Blätter die Verbreitung des Machwerkes des berüchtigten, in russischem Solde stehenden Journalisten Steffen Graham aufs eifrigste propagieren. Graham hat unter dem Titel „Russin and the World" ein Buch geschrieben, welches von den niederträchtigsten Verleumdungen der russischen Juden strotzt. Trotzdem in diesen: Buche Behauptungen ausgestellt werden, welche gerade von den englischen Blättern vor dem Kriege widerlegt und bekämpft wurden, erklären dieselben Zeitungen jetzt, daß Grahams Buch die objektivste Darstellung der russischen Verhältnisse und des Verhaltens der russischen Juden sei. Dank dieser Propaganda selbst der sich liberal nennenden Blätter findet dieses Buch reißenden Absatz und vergiftet a:zf solche Weise die englische Volksseele, was auch nach dem Kriege nachwirken wird.

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