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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-07-23 · 30 (23.7.1915) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
30 (23.7.1915)
Date
1915-07-23
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr 30 Dr. Bloch's Wochenschrift Sette 555 großen Durchbruch mitgemacht, bis er dann bei Drohobycz im 29. Lebensjahre gefallen ist. Der Bataillonskommandant richtete an die Witwe des gefallenen Helden nachstehende Zuschrift: Woliigeboren Frau Arpad Katona Budapest. Hochverehrte gnädige Frau! Als Bataillonskommandant Ihres den Heldentod gefallenen Herrn Gemahls bitte ich Sie, mein aufrichtigtes Beileid entgegennehmen zu wollen. Ihr Schmerz möge Linderung finden in dem erhebenden Gedanken, daß nun auch Sie, hochverehrte gnädigeFrau, gleich Tausenden Ihr Liebstes am Altar des Vaterlandes geopfert haben. Doch auch die Art des Todes Ihres Herrn Gemahls diene Ihnen zum Trost. Das Baon. griff am 26./V., morgens 12.30 Uhr, die russische Stellung an. Ihr Herr Gemahl ührte als Kommandant der 5. Fcldkompagnie die Direktion im Baon. Trotz heftigstem feindlichen Artillerie-, Infanterie- und Maschinengewehrfeuer stürmte er stets seiner Kompagnie voran, diese hierdurch zur todesverachtenden Tapferkeit entflammend. Gott schützte ihm, er erreichte als Erster das Ziel, so daß ich mich in gerechter Beurteilung der Situation veranlaßt sah, Ihren Herrn GemaM zur Dekorierung mit dem Orden der Eisernen Krone 3. Kl. (K.-D.) und zur Beförderung aussertourlich zum Hauptmann i. d. Res. vorzuschlagen. In wieweit mein Antrag durchdringen wird, kann ich Ihnen nicht sagen, da ich diesbezüglich nicht maßgebend bin. Bereits in den Stellungen, d. h. Deckungen, dürfte er am Morgen des 27. visitiert haben und soll knapp vor seiner Deckung einen Schläfenschuß und kurz noch einen Scheitelschuß erhalten haben, so daß ein Leiden seinerseits ausgeschlossen erscheint. Ca. 3 Uhr morgens traf mich die traurige Nachricht, welche mich ungemein schmerzlich berührte. Die sterblichen Reste Ihres den wahren Heldentod lürs Vahrland erlegenen Herrn Gemah's wurden am Friedhof in Stebnik, nächst Drohobycz, bestattet. Sein Bl.it ist nicht umso;st geflossen, wir dringen siegreich vor, er aber wird mit seinem Heldentum verewigt werden in der Geschichte unseres Regimentes, sein Name wird auf den Ruhmesblättern derselben prangen. Dies richte Sie auf. hochverehrte gnädige Frau, in Ihrem großen Schmerze. Mit vorzüglicher Hochachtung Heinrich Meissner, Hauptmann. Oberleutnant Arpad Katona war ein Schwiegersohn des Cafetiers Lazar Jozsef in Budapest, aus dessen Familie noch ein zweiter Schwiegersohn, Advokat Dr. Edmund Fürst, als Festungsartillerie-Oberleutnant und ein Sohn, Oberingenieur Ludwig L a z a r, als Kriegsfreiwilliger bei der Artillerie dem Vaterlande dienen. Aus Ariefen des k. k. Iekdravöirrers ~ Ar. Arrrotd Krünfetd. (Mitgeteilt von Paul Gräber.) Dr. Arnold Grünfeld, Rabh^f in Eger, meldete sich bald nach Ausbruch des Krieges freiroillig zum Fe'.ddienst. Vor einigen Wochen wurde seine E-Meinung zum Fcldrabbi erber 13 L.rndwehr- Jnsanterie-Truppendivision vollzogen. Unmittelbar darauf rückte er zu seinem Kommando ein. Im Felde, den 9. Juni 1915. Von den ungewohnten Postverhältnissen abgesehen, — Kriegsnachrichten erhalten wir unmittelbar von unse.'em Armeek immanbo, Zeitungen borge ich mir von Kameraden aus — fühle ich mich ganz wohb Von Mangel ist bei uns vorläufig leine Spur. Brot und Fleisch gibt es genug, die Russen haben Riesenvorräte an Weizenmehl , zurückgelassen. Als Tafelgetränk haben wir Wein und Mineralwasser. Gestern abends ist sogar zum Jubel der gesamten Offiziersmenage, zu der 17 Offiziere und „Gleichberechtigte" gehören, ein Faß ungarischen Bieres anqestochen worden. Die einzige unangenehme Entbehrung ist die Enthaltung vom Trinkwasser; vor dem Genüsse des Wassers wird dringend gewarnt. Was mich betrifft, so habe ich mich bereits an die üblichen Soldatengetränk?, kalten schwarzen Kaffee und kalten Ter, gewöhnt. Zu meinen Kameraden, vor allem zu denen von der katholischen und evangelischen Seelsorge, stehr ich in den besten Beziehungen. Uebrigens sind es meistens Wiener oder Niederösterreicher. Unsere Gesellschaft seht sich, von der Geistlichkeit abgesehen, aus der Gerichtsbarkeit fHauptmann-Auditoren), aus der Intendanz, den Aerzten und Tierärzten zusammen. Infolge der Lage der Dinge weilen wir bereits die dritte Woche am gleichen Orte, so daß ich von Kriegsstrapazen eigentlich noch nicht viel weih. Im Winter und im Herbst dagegen hat unser Zug, wie ich höre, schlimme Zeiten verlebt. . * * Im Felde, den 26. Juni 1915. Seit dem Abmärsche aus Sambor mache ich die große Zeit in unmittelbarer Nähe der Schwarmlinien mit. Es sind noch keine vierzehn Tage - verstrichen, da erlebte ich wohl eine der gewaltigsten Stunden meiner militärischen Tätigkeit. Rechts und links von unserer Sanitätsanstalt waren schwere Batterien und Mörser aufgestellt, die ihren ehernen Grus; mit unheimlichem, donnerartigem Rollen in die Schützengräben der Russen sandten. _ Von einer kleinen Anhöhe aus, die kaum 2 Kilometer von der feindlichen Stellung; entfernt war, konnte ich das Einschlagen unserer Geschosse beobachten, konnte ich mit^ fabelhafter Genauigkeit sehen, wie die Russen entsetzt aus ihren Schützengräben liefen, um dann erst recht ein Opfer der pfeifenden Schrapnells zu werden ... ein unheimliches Bild. Wenn die Russen noch die Menge von Artillerie hätten, die sie zu Anfang des Krieges besaßen, wären wir sicher mit Granaten und anderen Liebenswürdigkeiten überschüttet worden. So aber suchten die Herren Russen ihr Heil im Lausen, so daß wir am nächsten Tage mehr als 30 /Kilometer marschieren mutzten, ehe unsere Truppen mit den Russen wieder Fühlung bekamen. Das Traurigste, das ich bisher gesehen habe, war ein Schlachtfeld vor Lemberg. Unsere Truppen waren, auf der Verfolgung begriffen, so rasch fortgezogen, daß eine Anzahl von Gefallenen unbeeidigt liegen bleiben mutzte. Lange konnte ich den Anblick der Leichen, deren Beerdigung ich angeordnet hatte, nicht vergessen. ... Im Felde, den 23. Juni 1915. Meine Lieben! Nach manchen herben Beschwernissen und Eilmärschen sind wir gestern, um 9 Uhr abends, in die Landeshauptstadt eingezogen. Freude, vor allem der Juden, unbeschreiblich. Jeder Offizier, der sich blicken läßt, wird mit Kußhänden und Blumen bedacht. Es war ein geschichtlicher Augenblick. Leider geht es schon heute weiter. Euer Arnold. * * Im Felde, den 26. Juni 1915. Lieber Herr Gräber! Dem Wunsche entsprechend, mit dem Sie sich an mich wenden, möchte ich Ihnen folgendes Mitteilen: In allgemeiner Hinsicht habe ich mehr erlebt, als ich es mir je hätte träumen lassen. Dagegen ist meine rein amtliche Tätigkeit wohl nicht so gering, wie Sie glauben, aber .wenig abwechslungsreich. Zu Gottesdiensten in der Front ist unter den gegenwärtigen Verhältnissen, wie mein Kommando erklärte, wenig Aussicht vorhanden; doch habe ich unter den Verwundeten wiederholt Juden, auch solche aus meiner Heimat, angetroffen, denen ich mit Rat und Tat behilflich war. Zwei jüdische Zeitungen sind mich um „Kriegsberichte" angegangen. Ich habe wohl nicht abgelehnt, aber erklärt, daß ich mich augenblicklich zu nichts verpflichten kann, weil mir Zeit und Ruhe fehlt. Ein anderesmal mehr! Herzliche Grütze von Ihrem Arnold G r ü n f e l d. Andrücke ans LemSerg und Amgevung. Hauptmann B. schildert in einem an seinen Bruder gerichteten Feldpostbriefe die geradezu überwältigende Freudenstimmung in den ersten Stunden nach dem Einzüge unserer Truppen in Lemberg. Er schreibt unter anderem: „Der Empfang war einzig, unvergeßlich fürs ganze Leben. Das Bild hier hat sich gar nicht geändert, von Gebäuden ist bloß der Bahnhof zerstört. Heute hat hier wohl kaum jemand geschlafen, man begrüßte die ganze Nacht über die vielen durchmarschierenden Trains. Als ich zum jüdischen Friedhofe fuhr, um die Gräber unserer sel. Eltern zu besuchen, jubelte man mir zu, wie wenn ich ein siegreicher Feldherr wäre. Ich war in arger Verlegenheit, konnte mir aber nicht helfen. Blumen, Zigaretten und Bonbons fielen in meinen Wagen, es grüßte mich jedermann, jung und alt, Mann und Frau. Aus diesen Kundgebungen konnte ich erst folgern, was die Leute während der zehn Monate langen Russenherrschaft gelitten haben mochten.' Am Eingänge zum Friedhofe fand ich die obligaten Bettler beiderlei Ge-

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