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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-07-23 · 30 (23.7.1915) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
30 (23.7.1915)
Date
1915-07-23
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 556 Nr. 30 Dr. Bloch's Wochenschrift schlechts und erfuhr zu meiner Freude vom Syuagogendiener, daß die Gräber gar nicht gelitten, vielmehr in bester Ordnung seien. Ich ließ nun an den Gräbern unserer Eltern und Verwandten Gebete verrichten und kehrte in die.Stadt zurück, um dort einige Bekannte zu besuchen. Me waren zu Tränen gerührt, als sie'mich so unerwartet erblickten, war ich ja zu Beginn des Krieges ain südlichen Kriegsschauplätze. In der Karl Ludwigstraße stand ein Spalier von tausenden Menschen, da damals General Mackensen erwartet wurde. In der Lyczakowerstraße, die ich dann passierte, um wieder mein vor der Stadt lagerndes Regiment aufzusuchen, standen vor den Spitälern sehr viele invalide Soldaten, die von den Russen zurückgelassen worden waren. Auch Tausende österreichischer und deutscher Gefangene wurden in Lemberg versteckt gehalten und meldeten sich nunmehr bei ihren Truppen. Nun bin ich wieder ein Stück von Lemberg entfernt, die Tabakfabrik von Winucki ist zu einem Schutthaufen verwandelt. Noch immer aber denke ich an die Jubelszenen in der Stadt zurück. Es war ein Festtag im vollsten Sinne des Wortes, einzig in seiner Art. Kein Haus, das nicht Fahnenschmuck trug, alle Fenster mit Teppichen und Kaiserbildern behängen, ein prächtiger Anblick. Sehr gelobt wird allgemein das Verhalten der Juden. Sie bewirteten gestern viele Tausende von durchmarschierenden Soldaten mit allem möglichen. Ich freue mich unendlich, daß es mir gegönnt war, mit den ersten Truppen nach Lemberg zu gelangen. Auf meinem weiteren Marsche kam ich in das Städtchen Gliniany. Leider ist der jüdische Teil fast vollkommen niedergebrannt. (Es ist dies umso bedauerlicher, als die jüdischen Bewohner von Gliniauy durch ihre patriotische und treu-jüdische Gesinnung Witz auch durch große Opfer- Willigkeit für jüdische kulturelle Zwecke bekannt sind. Anm. d. Redaktion.) — Ich sprach mit vielen Juden, auch mit einer einst wohlhabenden Frau, die im Herbst ans Krasne hierher floh. Ihr Haus und Vermögen ist dahin, nun ist sie brotlos. — Nach dem Kriege wird es viel Arbeit und große Opfer kosten, um das große Elend der Bevölkerung zu lindern. Die letzten Tage hier waren für die armen Leute eine schwere Prüfung. Sie saßen in den Kellern, um sich vor den russischen Granaten und dem Treiben der Kosaken zu schützen. Ich und mciVtc Kameraden trachteten hier, so weit es ging, für den Augenblick Hilfe zu bringen. Hoffen wir, daß das ganze Land bald von diesen Räubern befreit wird. Nächstens will ich wieder schreiben. ..." Ans einem Iekdpostvrief. Der Zugsführer des achten Husarcnrcgimcnts Daniel G u t t m a n n schreibt in einem Feldpostbrief an den „Egyenlöseg": . . . Nicht weit von mir, etwa 7—3 Kilometer entfernt, knattern unsere Gewehre schon seit 8 Uhr abends. Noch immer hält der Geschützkampf an. Und doch zeigt meine Uhr schon halb 12. Ich werde es nie vergessen, wie freudig unser Einzug in die Stadt Lemberg war. Die vielen armen jüdischen Familien, welche die russische Herrschaft niedergeschlagen hatte, konnte dem allmächtigen Gott nicht genug danken dafür, daß wir sie aus der Knechtschaft befreit haben. Der Russe befindet sich jetzt seit Wochen auf der Flucht. Er läßt gezwungenermaßen seinen vielen Verwundenen die vergrabenen Patronen zurück, denn er hat schon wenig Eeschützmunition. Die schöne Stadt hat uns einen denkwürdigen Empfang bereitet, die vielen, vielen schönen vornehmen jüdischen Mädchen, mit herrlichen Blumen in der Hand, verteilen mit wahrer warmer Liebe im Herzen die Rosen, als ob sie auch damit üns ihren Dank ausdrücken wollten. Die jüdische Jugend hat noch während der Herrschaft der Russen eine Volksküche errichtet, in welcher 2500 arme jüdische Familien ihr tägliches Brot erhielten. Ein sehr liebes Fräulein war so lieb, mir die Küche zu zeigen, wo 22 Damen mit großem Fleiß mit großen Schöpflöffeln die gute Suppe und das Fleisch verteilen, genau so, wie man uns die Menagekost verteilt. Es war ein rührender Anblick, wie die Armen, gesättigt, mit fröhlichen Gesichtern die Küche verließen. Die kleine Gasse war von einer Gruppe zufriedener Menschen überfüllt. Bald wird der Engel des Friedens niedersteigen, bald wird er ihnen den ruhigen Frieden, das schöne, ruhige Leben wiederbringen. Ihr aber, denen das grausame Schicksal schon Jemanden geraubt hat, verzaget nicht. Nun ist alles ruhig, das Gewehr ist verstummt, 'mein Gott, wieviele Herzen schlagen jetzt zu Hause. Es wird kommen die Zeit, welche den endgiltigen Frieden und Ruhr bringen wird. — Gute Nacht. (30.VI, nachts.)" Jüdische Aarnikierr im Uelde. Aron Weiß, Schneidermeister in Tab (Ungarn), hat vier Söhne und einen Schwiegersohn eingerückt. Sein Sohn Zoltan, 32 Jahre alt, dient beim 30. Honvedinfanterieregiment, Wilhelm, 28 Jahre alt, Blechvermeister, dient im 27. Infanterieregiment, Eugen, Raseur, 27 Jahre alt, sowie Samuel, 21 Jahre alt, Kaufmann, und sein Schwiegersohn Alexander S ch ü t t l,e r, 28 Jahre alt, Schneider, Adolf Löwinger in Erszebetfalva hat fünf Söhne im Felde stehen. Moritz, Zugsführer im 32. Infanterieregiment, ist in Galizien, Ludwig, auch gleichfalls im 32. Infanterieregiment, wurde vom serbischen Kriegsschauplatz, wo er mitgekämpft hatte, auf den nördlichen Kriegsschauplatz transferiert und wird dort seit sieben Monaten vermißt. Sigmund, der im 1. Honved Jnfantcricregiment in Galizien gekämpft hat, wurde durch ein Dumdumgeschoß tätlich getroffen und ist an dieser Verwundung im 'Militärspital in Kaschan gestorben, von wo er auch beerdigt wurde. Bela dient bei der k. n. k. Infanteriedivision, Sanitätsabteilung Nr 14,. und Franz bei dem 24. Infanterieregiment. _ („Egyenlöseg",) ■ Auszeichnungen jüdischer Krieger mit dem Eisernen Kreuze. (Bisher wurde» 3312 mitgeie.lt, in der vorliegenden Nummer 78, zusammen 3390.) Eisernes Kreuz 1. Klasse. Karlsruhe. Dr. Ludwig Haas, Reichstagsabgeordneter, seit Beginn des Krieges in der Westarmee, der bereits im November vorigen Jahres das Eiserne Kreuz 2. Klasse erhallen hatte, ist nunmehr mit dem Eisernen Kreuze 1. Klasse ausgezeichnet worden. Er versieht bereits seit November v. I. den Dienst als Kompagnieführer. Eisernes Kreuz 2. Klasse Allenstein. Calo Geliert, in einem Jnsan.terieregiment. HDSlnsbach. Adolf Haas. Baden-Baden. Ernst Joseph. Berlin. Richard Adler, Vizefeldwebel; Kurt Auerbach, Gefreiter, Referendar, Kriegsfreiwilliger bei einem Gardersgiment im Westen; Erich Bock, Pionier einer Eisenbahn-Bau-Komp.; Kurt Landsberg, Leutnant im 1. Reserve-Fußartillerie Reg.; Walter Metzenberg, Vizewachtmeister d. R. in einem Earde- Ulanenregiment; Kurt S a a l s e l d, Unteroffizier; Alfred S o n th e i m e r, Leutnant d. R. im Reserve-Infanterieregiment 119; Weinberg, Feldzahnarzt, Kriegslazarett X A. K.; Fritz H a a s e, Vizefeldwebel im 2. Garderegiment zu Fuß; Unteroffizier Martin R o s e n t h a l, Offizier-Stellvertreter Otto Mond; Georg Bing, Leutnant in einem Husarenregiment; Hans Peril, Sanitäts-Gefreiter, Stud. med.; Dr. med. Georg Zuelz er, Stabsarzt; Arthur Arendt, Feldwebel in einem Reserve-Infanterieregiment, Ingenieur; Leo Bukofzer, Musketier eines Infanterieregiments. Berlin-Friedenau. Theodor Lichtenfeld, Gefreiter in einem Landwehr-Infanterieregiment. Berlin-Tegel. Hugo Schönlank, Unteroffizier bei einer Minenwerfer-Abteilung, Rechtsanwalt und Notar. Bielefeld. Hans Brinkmann, Leutnant. Braunsberg. Gefreiter Bernhard Lehmann. Breslau. Paul Stern, Leutnant; Joseph Manneberg, Gefreiter; Dr. med. Artur Lew in, Bataillonsarzt.

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