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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-07-23 · 30 (23.7.1915) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
30 (23.7.1915)
Date
1915-07-23
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Sette 550 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 30 jüdische Solidarität des Wohltuns und des Mitgefühles für das Leid des Glaubensgenossen sich stets und auch in diesen grausen Zeiten bewährt hat. Ein weitaus Höheres winkt solchen Bestrebungen; das edle Ziel, daß die geistige Potenz und der Gesamtwille, die in einer solchen Assoziarion wohlberaten akkumuliert werden kann, eine ganz andere Tragkraft und Energie entfalten kann, als wenn diese ideellen und kulturellen Tendenzen sich zersplitreru und so nutzlos Zerstieben müssen. Wir wollen einmal nicht mehr getrennt marschieren, sondern sehen, ob es nicht verheißungsvoller ist, sich gleich Volt Haus aus zu ralliieren und sich nach einer gemeinsamen Direktive zu richten. Diesen Versuch einer neuen judenpolitischen Strategie hat freilich der Krieg und die in chm gemachte Erfahrung eingegeben. Allein der Krieg ist nicht der Zweck, sorrdern bloß die Ursache; der Krieg ist das Relais, welches das Schwergewicht der besseren Einsicht ausgelöst hat; die Belehrung darüber, was heilsamer und wirkungsvoller ist. Nicht einen Zusammenschluß gegen die Notstände des Krieges soll daher der Gemeindebund bedeuten, sondern nach wie vor einen Bund für jegliche Zeiten und jegliche Erfordernisse der jüdischen Gemeinwesen, ein helles Spiegelbild jenes Bundes, welcher mit der physischen Gewalt materieller Interessen die.geistige undkulturelle Wohlfahrt der Glaubensgemeinschaft und chrer Einrichtungen zusammenhält und aneinander bindet. Welcher wahre, aufrechte und wohlgesinnte Jude könnte sich der Berechtigung und Förderung solcher Bestrebungen verschließen? Unbedingt ist ihre Erörterung und Behandlung ungemein zeitgemäß, und wer hieran zu zweifeln vermöchte, dem sei als Gleichnis die Tatsache vor Augen geführt, wie sehr sich schon jetzt, wo noch das Kriegsgetümmel allerorten tobt, die maßgeblichen Faktoren alle Mühe nehmen, die Plattform festzulegen, um das Bündnis zwischen den Zentralmächten Deutschland und Oesterreich-Ungarn über seine politische Geltung hinaus auch wirtschaftlich und geistig zu vertiefen und zu kitten. Es ist nicht so absurd, in Umkehr des kriegerischen Sprichwortes, zu sagen: Man muß im Kriege vorbereiten, was man im Frieden will. So ist es denn fraglos auch für uns Juden und für unsere Gemeinden gerade jetzt an der Zeit, die Vorbedingungen zu prüfen und zu klären, um auch hier — gleichviel ob es in Gestalt des Gemeindebundes oder in einer anderen festen Formation geschehen mag — einen Zusammenschluß zu vollziehen, der uns befähigt und bekräftigt, für die Aufgaben und, Probleme werktätig, und zweckbewußt einzustehen, welche der Anbruch der neuen Zeit auch für die jüdische Sache zur Reife bringen wird. Dann wird es jauch nicht an jenen Männern fehlen, die uns dabei führen und lenken sollen, und nach denen jetzt, wie oft zuvor, das heiße, unstillbare Sehnen quillt. Grgaltrsterung der Palästinaartreil. Die Handbücher der politischen Geographie weisen in dem Kapitel „Oesterreich" eine Lücke auf, die das Herz des österreichischen Patrioten schmerzlich berührt. Die Rubrik „Kolonien", die selbst bei manchem Kleinstaat so stattlich ausgefüllt ist, geht hier vollständig leer aus. In. Wirklichkeit steht es damit nicht so arg. Wenigstens der Ansatz zu einer österreichischen Kolonisation ist zu verzeichnen. Es sind die Siedlungen der österreichischen Juden in Palästina. Geschlossene Gemeindeverbände, die in den Jahrhunderten ihres Bestandes stets rege Beziehungen zum österreichischen Mutterlande unterhalten haben. Diese Gemeinden, die eine in Jerusalem mit Filialen in "Laffa und Hebron, eine zweite in Tiberias und eine weitere in Safed, bilden einen beachtenswerten Bestandteil der städtischen Bevölkerung des Heiligen Landes und einen Faktor, der für die wirtschaftliche Erschließung dieser aufstrebenden Provinz des osmanischen Reiches merklich ins Gewicht fällt. Freilich muß man auch an diese Kolonien den orientalischen, insbesondere den palästinischen Maßstab anlegen. Wie fast die ganze Kultur des Landes, auch die christlichen Gründungen, sind diese Kolonien in der Hauptsache vom Mutterlande abhängig. Fromme Spenden und Stiftungen bilden ihre Lebensader. In Umlauf gesetzt, kommen die Beihilfen ans Europa naturgemäß auch den anderen wirtschaftlichen Positionen des Landes zugute. Diese Gel^zuschüsse aus der Heimat litten aber bisher an einem dreifachen Mangel. Sie entbehrten der Einheitlichkeit der Sammlung, der Zweckmäßigkeit der Verteilung und der kaufmännischen Stabilisierung. Eine Katastrophe, wie sie der gegenwärtige Weltkrieg über Palästina heraufbeschworen hat, verschärft überdies durch eine verheerende Heuschreckenplage, mußte diese Kolonisten vollständig an den Bettelstab bringen und der Gefahr des Verhungerns aussetzen, weil die Unterstützungen aus den vom Kriege heimgesuchten Ländern Europas zum größten Teil ausblieben und man es verabsäumt hatte, wenigstens mit einem Teil der Hilfsgelder rechtzeitig Institute zu schaffen, die in solchem Notfall die Bevölkerung bis zu einem gewissen Grade hätten über Wasser halten können. Vor allem haben jetzt die Kreise, denen an der Erhaltung dieser Kolonien gelegen ist, dafür zu sorgen, sie durch schleunige Unterstützungen vor dem Untergange zu bewahren. Aber schon heute macht sich auch die Notwendigkeit geltend, den Strom der Geldspenden in ein geregeltes Bett zu leiten. Der Teil der Ansiedler, der durch Alter oder Gebrechen vom Erwerbsleben ausgeschaltet wird, und ebenso jene, die sich ausschließlich der wissenschaftlichen Forschung zu widmen berufen erscheinen, werden weiter, wre bisher, durch Barbezüge vor den drückendsten Nahrungssorgen bewahrt werden 'müssen. Die übrigen, das Gros, hingegen, lassen sich in zwei Gruppen teilen. Für kaufmännische Unternehmungen, die * sich in diesen Kreisen auf den Kleinhandel beschränken, werden Vorschußkassen mit mäßiger Darlehensverzinsung in Betracht kommen. Sehr viele, wohl die meisten der Kolonisten, aber würden sich glücklich schätzen, wenn man ihnen die Möglichkeit böte, gegen jährliche Abzahlungen ein Anwesen mit Vieh- und Gartenwirtschaft zu beziehen. Für diese Kategorie niären Kolonien im engeren Sinne in der Nähe der Städte zu zu schaffen, Komplexe von Häuschen, die samt Einrichtung zum Privatwirtschaftsbetrieb im Durchschnitt sich ungefähr auf je 10.000 Kronen stellen würden. Der Kolonist hätte diesen Betrag binnen 20 Jahren, also mit 500 Kronen jährlich, abzuzahlen.*) Hierbei muß als Grundsatz, der nur in dringenden Fällen Ausnahmen gestattet, gelten, bis zu einem gewissen Zeitpunkte sich auf das vorhandene Kolonistenmaterial zu beschränken und aus ihm nach Möglichkeit ein lebensfähiges Element zu schaffen. Durch planlosen Zuzug Mittelloser und an sich Erwerbsunfähiger werden die wirtschaftlichen Bedingungen des erst in den Anfängen wirtschaftlicher Erschließung stehenden Landes nur herabgedrückt. *) AehnUche Versuche von anderer Seite waren von Erfolg begleitet. Es könnten Stiftungen (Keren kajjemes) in diesen Häusern angelegt werden, die den Namen des oder der Stifter tragen würden. Auch andere Stiftungen ließen sich in ähnlicher Weise in den Dienst dieser Palästinaaktion stellen.

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