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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-07-23 · 30 (23.7.1915) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
30 (23.7.1915)
Date
1915-07-23
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 30 Dr. Bloch’s Jahrgang XXXII Zentralorgan für die gesamten Interessen des Zudentums. --' --ooc- Wien. 23. Juli 1915 Lrscbetnr jeden Freitag. Brief-Adresse: Wien, 1I/i. Praterstraße 9. Telegramm-Adresse: Bloches Wochenschrift, Wien. O o— —-=0 o? D. kr. Po stkxLrKafferrsrni Clearing -Verkebr INr. 810.976. Redaktion und Administration: wir» 15/i. Pratcrstraße 9. 1> Telepiaon 45.359. o O -O o 00 ■ -.=do Befugaprtia für Drsterrrikh: Q Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplare 50 Heller. Iür das Ausland: Halbjährig i0 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die 2mal gespaltene Petitzeile 48 Heller. OP-. - —oö Inhalt: Leitartikel: Zur Frage des Gemeindebundes. — Organisierung der Palast inaarbeit. — Kriegsdekoratioiien jüdischer Osti,uere und Soldaten. Juli-Avancenient. Auszeichnung eines jüdischen Regimentstommandanten. "Auszeichnung des Chirurgen Tr. Wolf. Auszeichnungen. Leutnant Ernst Reicht. Die fünf Söhne des Talmudthvralehrers. Die Heldentaten eines Bataillonshornisteu. Ter Sohn des Oberkantors von Baja. Exhumierung und Heimbeförderung Gefallener und auf dem Kriegsschauplätze Gestorbener. Vor dem Feinde gefallen. Der Heldentod. Aus Briefen des k. k. Feldrabbiiicrs Tr. Arnold Grünfcld. Eindrücke aus Lemberg und Umgebung. Aus einem Feldpostbrief. Jüdische Familien im Felde. Auszeichnungen jüdischer Krieger mit dem Eisernen Kreuze. Befördert. Sonstige Auszeichnungen. Die Hetze gegen Deutsche u> d Juden in Kurland. Das furchtbare Märchen über Kuichi. Englische Kriegsmüdigkeit Verbreitung antisemitischer Literatur in England. Sir Edgar Spener verläßt England. Tie Gernchsnervrn der Haffes. Ter neue 'Präsident der Londoner United Spuagogue. Unbekannte jüdische Bolksstämmc'? Ter Untersuchungsrichter im Prozeß von Tisza-Eszlar. — Korrespondenzen: Mädchen-Unterstützungsverein. Ter neue israelitische Friedhof. Mittelstands-Kriegsmittagsrisch für Handelsangestellte und andere Angehörige des Milteistandes. Der Leniberger Gemeinderat und die Juden. — Vermischtes. — Feuilleton: „An jenenPessach-Abend." — Literatur: Jahrbuch derUng. Israel.Literaturgesellschast 5. — Briefkasten. — Notiz. —Inserate. Zur Frage des Gemeindeirundes. Von Tr. Heinrich Schreiber. Schon in der jüngsten Generalversammlung der „Oesterreichisch-israelitischen Allianz" war der Wunsch laut geworden, es sei an der Zeit, den Gemeindebund, der jetzt eine ziemlich verborgene Scheinexistenz führt und ein notdürftiges Rumpfleben fristet, in das Licht des Tages zu rücken und ihn zur vollen Körperlichkeit answachsen zu lassen. Es sei an der Zeit, daß auch die galizischen Gemeinden, die ihre vormalige Sezession nur tief beklagen könnten, den Anschluß an den Gemeindebund erhalten und daß ihnen der Weg hierzu entgegenkommend gewiesen und gebahnt werde. Dieser Wunsch hat augenscheinlich ein lebendiges Echo geweckt, das in den Spalten der „Oesterr. Wochenschrift" wiederholt ertönt. Diesen Stimmen sei folgendes entgegengehalten. Nachdem der frühere Widerspruch gegen die Zugehörigkeit zu einem gesamtstaatlichen Gemeindebunde von den galizischen Gemeinden ausgegangen war, erweist sich nunmehr der aus gleichem Munde erschallende Weck- und Werbernf als eine Art „tätiger Reue", die sich unter den entsetzlichen Drangsalen und unsäglichen Notständen, welche der Krieg in erster Reihe für die galizische Bevölkerung heraufbeschworen hat, durchgerungen hatte. Begreiflich: Man fühlt sich vereinsamt' inan sucht einen Halt und eine Stütze; man klammert sich an die Gesamtheit und Gemeinsamkeit, um unter ihren Fitligen geborgen zu werden. Sei's darum. Den Hilfsbedürftigen hat sich die Freundeshand aufopferungsvoll entgegengestreckt und jede einzelne westländische Gemeinde — Wien voran — hat beigesteuert, um den Jammer und die Mühsal der aufgescheuchten Glaubensgenossen zu mildern. Indessen, das ist Brüderpflicht. Mit der Frage^ des Ge'meindebundes hat dies weniger ge-' mein. Der Notstand des Krieges allein kann zur Lösung dieser Frage unmöglich den Ausschlag geben. Wenn der Gemeindebund seine Daseinsberechtigung lediglich davon ableiten sollte, daß er Kriegsaushilfe leiste, daß er die Wunden heilen helfe, die der Weltkrieg geschlagen hat, dann würde er die Rolle und das Geschick jeder solchen temporären Notstandsaktion teilen und in eine SrelliH-g zusammensinken, die ihm nicht paßt und auch völlig ferneliegt. Das wäre für den Gemeindebund entschieden viel zu wenig; das würde viel zu stark von der Größe der Idee und des Geltungsbereiches abrücken, die dem Gemeindebunde abgesteckt sind. Er muß viel höher hinaus. Ein Notanker ist der Gemeindebund nicht; sondern er soll ein neuartiges, aber dauerndes Gebilde einer einflußgebietenden Organisation sein, die sich über das ganze Reich erstteckt und einen festen, bleibenden Zusammenschluß unter den jüdischen Gemeinden in allen sie berührenden Gerne inschaftsfragen, religiöser, politischer, kultureller und sozialer Belange, kitten soll, eine Zusammengehörigkeit, die sich nicht bloß in Leid, sondern auch in Freud' äußert und bewährt, ein unzerstörbares Fundament enger Solidarität auch in ruhiger, rüstiger Fried. nsarbeit, um die Interessen und Existenzfragen der heimischen Judenheit allerwärts macht- und eindrucksvoller zu vertreten und zu wahren, als dies die einzelnen Gemeinden, auf sich selbst gestellt, allein zu tun vermögen. Der Bund der Juden- und Kultusgemeinden bezweckt eine Bereinigung und Verschmelzung ihrer Lebens- und Entwicklungsbedingungen unter gemeinsamer Führung und Beratung und somit auch die Schaffung eines gemeinsamen repräsentativen Organes, dessen Stimme kräftig und hell genug klingt, um die Wünsche und Anforderungen der Judengemeinden wirksam und mit gebührlicher Eindringlichkeit zur Geltung zu bringen. Der Gerne indebund hat also weit über den Krieg und seine Ziele hinausreichende Aufgaben; er hat die Aufgabe, die jüdische Gemeinschaft und ihre grundgesetzliche Stellung in eigenen religiösen Belangen, aber auch in g e s a m t st a a t l i ch e n Kulturfragen mit merkbarer Akzentuierung zu betonen und wahrzunehmen, und Dinge, die uns Juden gleichermaßen heilig und unveräußerlich sind, vor jeder Anfechtung und Schmälerung zu behüten. Nicht also so sehr die ökonomische und materielle Hilfstätigkeit, in der die Gemeinden sich gegenseitig beistehen und ergänzen sollen, lockt zur Verwirklichung des Planes, weil immerzu betont werden kann, daß auch ohne solche Verkettung die

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